Schlaflos in Santiago.

30 03 2009

Ort: Santiago de Chile (CHL)
Zeitunterschied: MEZ -5 Std.
Wetter: 30 Grad, Sonne, Smog

Den ersten den wir in der Hauptstadt Santiago de Chile getroffen haben, war Anna aus Buenos Aires. Ihre Antwort auf die Frage, was sie denn von der Stadt halte, war: „BsAs ist besser!“.

Santiago liegt eigentlich wunderschön, direkt entlang der Andenkordillere. Eigentlich! Denn spricht man in Deutschland vom sonnenverwöhnten Freiburg, kann man hier vom smogverwöhnten Santiago sprechen. Die Bergkette ist bei zarten 30°C und herrlichem Dunst nur zu erahnen, dieses Ozon scheint es hier nicht zu geben. Santa Lucia, einer der zahlreichen Hügel der Stadt und gleichzeitig Stadtgründungsort durch Pedro de Valdivia, oder auch der Cerro San Cristobal bieten einen schönen Blick auf das Monstrum Santiago mit seinen zahlreichen Smogkratzern, denn von Wolkenkratzern kann hier keine Rede sein.

Und trotzdem hat die spanische Herrschaft ihre Spuren hinterlassen. Wir sind aktuell im Hostel Bellavista im gleichnamigen Stadtviertel eingekehrt und ergötzen uns an der Kolonialarchitektur am Fuße des Cerro San Cristobal, wo auch Pablo Neruda, Chiles Volksschriftsteller, einen seiner Wohnsitze hatte. Heute ist Bellavista ein Partyviertel mit wirklich sehr stilvollen Bars, Kneipen, Diskotheken aber auch vielen Theatern. Der Nachteil an einem Ausgehviertel ist allerdings, dass es hier vor 6 Uhr morgens nicht ruhig wird und das fast die ganze Woche über. Doch nicht nur dieses vergnügungssüchtige Partyvolk hat uns schlaflose Nächte beschert, denn nun haben sie auch Dina erwischt. Bettwanzen in Santiago. Gegen Bettwanzen hilft leider nur Kammerjäger, Bett wechseln oder Atomkrieg, Linderung schaffen aber Salbe und Antiallergika.

Einen kurzen Fußmarsch von Bellavista über den reißenden Strom Mapoche, der eine braune Flüssigkeit durch die Stadt schwemmt, die unter Vorbehalt Wasser genannt werden kann und man erreicht den Parque Forestal, einen Stadtpark, wo sich Sonntags die Jugend mit all ihren Subkulturen trifft. Punks, Emos, Goths oder einfach nur die coolen Hippster der Hauptstadt.

Und was hier total cool ist, ist Heavy Metal. Santiago gehört sicher zu den Städten der Welt mit der höchsten pro Kopf Heavy Metal T-Shirt Dichte. Ob Kreator, Sodom, In Flames oder auch Megadeath, aus allen Metal Sparten ist etwas dabei. Und Iron Maiden. Was aber vor allem daran lag, dass hier am Sonntag ein Konzert war, das wohl regen Zuspruch gefunden hat. Und nein, wir waren nicht da.

Was zudem auffällt ist die latent schwelende Unsicherheit. Überall Polizei mit Einsatzwagen und Knastbussen. Egal ob im Park, im Kneipenviertel oder beim Fußballspiel. Hatte es schon in BsAs nicht mit einem Stadionbesuch mit Spiel geklappt, wurde schon vor Wochen das Derby des Tabellenführers Union Española gegen Serienmeister und Hauptstadtclub Colo Colo ins Auge gefasst. Und was ist passiert? Die Schweine haben kurzfristig das Spiel von Sonntag auf Samstag verlegt. Aber, die spielen ja hier nicht mit der Stadtwache und so wurde mit wachem Auge eine ungewöhnlich hohe Colo Colo Trikotpräsenz am Samstag wahrgenommen und schlau darauf geschlossen, dass das Spiel schon an diesem Tag sei. Wir also zum Stadion. Und schon wieder eine Enttäuschung, denn tatsächlich gab’s keine Karten mehr. Also wieder kein Livespiel und sieben Tore verpasst. Die absperrende Polizei zeigte noch nicht mal den Hauch der Bereitschaft für einen Bestechungsversuch, uns trotzdem einzulassen. Südamerika, was ist hier los?

Zugegeben ärgerlich, es gibt aber tatsächlich Schlimmeres. So sind wir doch allen Ernstes Opfer eines Taschendiebstahls von richtigen Profis geworden. Dinas Portemonnaie samt Kreditkarte und 1 Million Euro in kleinen Scheinen weg. Naja zum Glück nicht ganz so viel, aber trotzdem ärgerlich. Erfreulicherweise hat sich die Deutsche Botschaft in La Paz bereit erklärt, via Kurierdienst des Auswärtigen Amtes den Briefkasten zu spielen, wenn das zuständige deutsche Kreditinstitut die neue Kreditkarte uns zuschicken wird. Ohne festen Wohnsitz und immer on the road, ist es nicht so einfach Liebesbriefe oder ähnliche Postwurfsendungen zu empfangen. Zu allem Übel ist auch noch Dinas Lieblingspullover auf Reisen im Hostel abhanden gekommen, da die Putzfrau leider nur von der Wand bis zur Tapete nachgedacht hatte und den gefundenen Pullover nicht, wie jeder von gesundem Verstand gesegnete Mensch an der Rezeption abgegeben, sondern auf einem Feuerlöscher deponiert hat. Schön, dass die nächste gefundene Jacke dann an der Rezeption abgegeben worden ist. Dina was really not amused. Tja, haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh. Santiago hat uns die ersten schlechten Vibes gebracht. Anna hatte vielleicht doch recht.

Was uns trotzdem gut gefallen hat, war das lebendige Viertel Bellavista mit seinen großartigen Bars und Restaurants und das Präkolumbianische Museum. Für Dina war sicher die Weiterreise nach Mendoza, Argentinien, das Schönste an Santiago, denn da ging es als nächstes hin. Dort wo hoffentlich der Wein wieder bessere Stimmung zu verbreiten vermag. Wobei wir am letzten Tag doch noch einige andere schöne Ecken in Santiago entdecken durften. Providencia mit dem Pablo Neruda Haus seinen schönen Kolonialbauten oder auch den alten Büchereien sowie das ansehnliche Lastarria-Viertel.

Ach und noch etwas aus der Abteilung Lebensmittel. Zuerst mal Mote con Huesillo, dem Nationalgetränk der Chilenen, enthülster Weizen gemixt mit getrockneten Pfirsichen, die in Wasser wieder aufgeweicht wurden. Klingt nicht sonderlich einladend, ist aber recht erfrischend. Dann Lúcuma, einer Andenfrucht die zur Familie der Breiapfelgewächse gehört, die einen eher undefinierbaren Geschmack hat, der von einigen als irgendwas mit Ahorn und Süßkartoffel beschrieben wird. Oder auch Pastel de Jaiba, wortwörtlich übersetzt mit Krabbenkuchen, was aber eher irrführend ist, da es sich hier um einen köstlichen Auflauf mit Krabbe handelt.

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One response

31 03 2009
Basti

Deshalb bleiben meine Liebesbriefe unbeantwortet….:-( Danke für Eure Karte – ist wohlbehalten angekommen! 🙂 Euer Badezimmer in Santiago hat mir gut gefallen, wenn auch ein wenig zuu öffentlich…

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