Weiße Wüsten und farbige Lagunen.

24 04 2009

Ort: Südwestbolivien (Potosí Provinz)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis staubig

Ostermontag ging’s los. Sollte es zumindest. Denn es gab kleine Verzögerungen wie kein Wasser und auch kein Benzin in ganz Tupiza. In der Nacht hatte es auch schon nach starkem Regen unser Dach durchweicht und uns ein schönes Loch mit tropfenden Wasser in die Decke gezaubert. Irgendwie war das das Bolivien, das wir uns vorgestellt hatten.

Nach eigentlich nicht nennenswerter Verspätung von 1,5 Stunden ging es dann aber wirklich los. Mit uns im Jeep, der Marke Toyota Landcruiser, waren noch zwei andere Erstweltbewohner, nämlich Kate und Mark aus Brisbane, Australien, dann unsere Köchin Delizia, was man wohlwollend von delicioso also köstlich ableiten kann und schlußendlich Juan Carlos, unser Fahrer, Guide und Mädchen für alles. Darüberhinaus begleitete uns ein weiterer Jeep, der mit zwei Londonern und einer Irin sowie einem Neuseeländer bestückt war. Es stellte sich schnell heraus, dass wir die einzigen der spanischen Sprache mächtig waren. Gebürtige Englischsprachler, die wir in den letzten 12 Wochen getroffen haben, verlassen sich oft auf die tolle Weltsprache und ihre Spanischkenntnisse sind oftmals shocking. So wurde z.B. auf ein herzhaftes „Buon Provecho“ („Guten Appetit“, Anm. d. Red.) ein freudestrahlendes „Buenos dias“ („Guten Tag“, Anm. d. Red.) geantwortet. Ihr oftmals hilfloses Gestammel sorgte doch für den ein oder anderen Schmunzler.

Hier ein kleiner Nationalitätenexkurs: Also zuerst mal sind 90% der Leute, die man in Hostels oder immer mal wieder in der Stadt oder auf Touren trifft, Langzeitreisende, die mindestens drei Monate in Südamerika unterwegs sind. Am dominantesten vertreten sind Briten, da in UK ein sogenanntes Gap Year recht populär ist. Man trifft aber auch viele Holländer und Franzosen, immer mal wieder Skandinavier oder Leute von Down Under. Deutsche? Sehr sporadisch. Und dann sind da noch die Israelis, die nach ihrem mehrjährigen Wehrdienst (drei Jahre für Männer, zwei für Frauen) durch Südamerika marodieren. Zumeist in Gruppen, seltener einzeln unterwegs benehmen sie sich wie die Axt im Wald. Wenig Anstand, laut, aufdringlich, ignorant, arrogant, unverschämt. Und das interessante ist, dass diese Meinung von vielen nicht-isrealischen Reisenden geteilt und von Einheimischen ebenfalls bestätigt wird. Israelis wollen immer alles, schnell und billig. Qualität spielt meist eine untergeordnete Rolle. Berichtet wurde u.a. auch von „No Isrealis“ Schildern an Hostels in Nepal. Nichtsdestotrotz sind alleinreisende Israelis nicht dem Gruppengehabe unterlegen und weitaus offener und kontaktfreudiger. Trotzdem, wenn man bedenkt, dass in Südamerika bis zu 100.000 Israelis pro Jahr unterwegs sein sollen, kann man sich kaum schlechtere Botschafter für’s eigene Volk vorstellen. Aber Imageprobleme hatte Israel ja noch nie.

Doch zurück nach Bolivien. Den ersten Tag ging es von Tupiza ins Hochplateau oder auch Altiplano, wie es hier von den Einheimischen liebevoll genannt wird. Es wurde eine neue Strecke befahren, man sollte aber nicht dem Trugschluß erlegen sein, dass neu auch gut bedeutet. Nein im Gegenteil, der Weg war holprig und auf verschlungenen Pfaden. Aber es gab Lamas (domestiziertes Nutztier) und Vicuñas (wildes, elegantes Andentier, begehrte Wolle) zu sehen, hier und da sprang ein Vizcacha, eine Art Andenhase, der mit seinem langen Schwanz wie eine Mischung aus Feldhase und Eichhörnchen erscheint, über den Weg und mächtige Kondore zogen ihre Kreise. Nach mehreren Stunden umfangreichen Bestaunens der Landschaft waren wir in unserer ersten Behausung in einem kleinen Kaff namens Kollpani angekommen. Und wenn ich Kaff sage, dann meine ich Kaff. Nicht so wie Hoyerswerda, sondern ohne fließendes Wasser und Strom nur mit Hilfe eines Generators von 19 – 22 Uhr. Die Matratzen waren auf massiven Betonblöcken gebettet, das Dach war aus Wellblech und es war bitterkalt. Naja so um die 3 Grad Celsius. Besonders für die Australier schockierend, da sie Brisbanes Winter mit Minimaltemperaturen von etwa 15 Grad gewohnt waren. Das Essen war dagegen umso besser und mit voller Plautze ging es in die warmen Daunenschlafsäcke.

Der zweite Tag brachte Lagunen und Flamingos und noch mehr Lagunen mit Flamingos. Durch verschiedene Sedimentablagerungen und Mineralien schimmern diese in verschiedenen Farbtönen und haben so auch ihre Namen bekommen. Grüne Lagune, blaue Lagune, gelbe Lagune, usw. Toll. Es konnte zudem in 35 Grad warmen Quellen gebadet werden, wo mich die bolivianische Klofrau über den Tisch ziehen wollte und die Wüste von Dalí bestaunt werden, deren Name sich von den bizarren Felsformationen ableitet. Highlight des Tages aber waren die heißen Geysire auf 5.000 m Höhe, die recht aktiv vor sich hin brodelten und einen lieblichen Geruch von faulenden Eiern verbreiteten. Dann wieder essen, wieder nicht duschen, schlafen.

Tag drei ging zunächst durch die Wüste Siloli und wir konnten den Arbol de Piedra (Baum aus Stein, Anm. d. Red.) auf Photos und in unseren Herzen verewigen. Dann wieder mit dem Jeep weiter gen Norden zum kleinen Salzsee Chiguana, der uns mit Fata Morganas verblüffen konnte. Der Horizont schien deutlich einen See, wenn nicht einen Ozean, zu zeigen, doch dann fiel es uns wieder ein: Trockenzeit, Binnenland, Salzsee. Mutter Natur hatte uns ein Schnippchen geschlagen. Der letzte Abend wurde dann fein in einem Hostel ganz aus Salz verbracht. Wände, Betten, Tische, Hocker – alles aus Salzblöcken. Und endlich auch eine Dusche mit warmen Wasser. Naja so eher: heiß, kalt, heiß, kalt. Es war verdammt staubig die letzten Tage und die Dusche trotzdem ein Segen. Und nein, es war kein Salzwasser.

Der letzte Tag der Tour führte dann noch vor Sonnenaufgang zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt, wo man die Erdkrümmung am Horizont erkennen kann. Etwa 160 Km im Durchmesser und in der Trockenzeit mit salinen Kachelmustern bestückt, die das aufsteigende weil verdunstende Wasser formiert. Wie zu erwarten ging dann die Sonne auf. Allerdings unerwartet haben wir eine Insel namens Incahuasi mit Riesenkakteen bewachsen mitten auf dem Salzsee vorgefunden. Dann ne Menge Blödsinnsphotos gemacht, ein altes Salzhotel besucht, Menschen beim Salz schöpfen beobachtet und die Tour in der kleinen, dreckigen Stadt Uyuni beendet. Und eigentlich wäre es ein leichtes gewesen uns mit Brot und Salz zu empfangen, doch die Zeichen standen eher auf Magen-Darm-Viren. Das unschöne Ende einer schönen Tour.

In den vier Tagen hat uns ein vielfältiges Hochplateau mit Wüsten und Lagunen, bizarren Steinformationen und Geysiren so manches Ooooh und Aaaah entlockt. Es war fein. Und ja, wir würden es wieder tun. Doch es muss immer weiter gehen. Und zwar nach Sucre, der verfassungsrechtlichen Hauptstadt Boliviens. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Osterreiten in Bolivien.

21 04 2009

Ort: Tupiza (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig, mit Regen

So, nun also Bolivien, das immer noch ärmste Land Südamerikas und neben Paraguay das einzige, dass keine Küstenanbindung hat. Tiefland im Norden und Osten, mit Regenwald und Pampa, und Hochland im zentralen Teil sowie im Südwesten, mit Absonderlichkeiten wie der höchst gelegenen Hauptstadt der Welt, La Paz (ca. 4.000 m üNN) und dem größten Salzsee der Welt, dem Salar de Uyuni im südwestlichen Altiplano. Und Tupiza, 3 Stunden hinter der Argentinischen Grenze und im Süden Boliviens gelegen, sollte unser Ausgangspunkt für eine mehrtägige Tour hin zu weißen Wüsten und farbigen Lagunen sein.

Tupiza liegt geschmeidig auf knapp 3.000 m Höhe und war wieder ein Schritt, um uns an die Höhe zu gewöhnen und sich zu akklimatisieren. Mit den Höhenunterschieden ist nicht sonderlich zu spaßen, auf 4.000 m Höhe hat man nur etwa halb so viel Sauerstoff wie auf Meereslevel, was für den Körper Stress heißt. Kleine rote Blutkörperchen müssen produziert werden, um nicht sofort außer Atem zu kommen und die Kopfschmerzen und Schwindelgefühle einzudämmen. Die Argentinische Fußballnationalmannschaft musste sich vor ca. drei Wochen bei einem Weltmeisterschaftsqualifikationspiel in La Paz mit 6:1 gegen den nullmaligen Weltmeister Bolivien geschlagen geben und hat sich bis auf die Knochen blamiert. Der dicke Diego, mit seinen Messis und Tevez, wollte den Fußballgigant Bolivien mit Leichtigkeit vom Platz fegen. Für diese historische Niederlage gab es ordentlich Hohn und Spott in der Heimat, Freudentaumel in der Republica de Bolivar.

Am Karfreitag konnten wir dann einer 3-stündigen Prozession durch die Straßen des vorbildlich christianisierten Städtchens Tupizas beiwohnen, die dem Leidensweg Christi nachempfunden war. Laienschauspieler stellten die verschiedenen Etappen mit Kreuzigung, Auferstehung usw. entlang der Route dar, während der Prozessionszug durch feierlichen Gesang und Musik einer Blaskapelle unterhalten wurde. Und wir konnten auch etwas mitleiden, denn die Dieselabgase des Nissan Patrol mit Verdener Kennzeichen, der Teil der Prozession war, nahmen einem die Luft zum atmen.

Abgestiegen waren wir für einen schmalen Taler im La Torre Hotel, die neben Touren zum Salar auch Reitausflüge anbieten. Also ein neuer Versuch hoch zu Roß und diesmal mit Guide, der uns sicher in die schöne Umgebung von Tupiza geführt hat. Spaßig wurde es als der teils mit Hagelkörnern garnierte Regen einsetzte und sich die Welt über Bolivien auftat. Naja alles in allem recht nett, aber „nett“ ist ja bekanntlich die kleine Schwester von „Scheiße“. Naja, es war schon ganz okay.

Vielversprechender und als ein großes Highlight jeder Südamerikatour gepriesen, ist die Tour zum Salar der Uyuni. Ostermontag sollte es losgehen. Zwei 4WD Toyota Landcruiser Jeeps, zwei einheimische Fahrer und eine Köchin sowie acht Menschen aus der ersten Welt, begierig die Schönheit Boliviens kennen zu lernen. Für vier Tage und drei Nächte wird es also von Tupiza nach Uyuni gehen und wir werden bis auf 5.000 m Höhe steigen. Zu weißen Wüsten und farbigen Lagunen.





(K)Ein schöner Geburtstag!

18 04 2009

Trotz aktuell etwas angespannter, gesundheitlicher Lage, hat sich der Matze sehr über die Glückwünsche gefreut und sagt Danke!

Danke an meine Eltern, die natürlich als erstes dran waren. Danke in die Königsresidenz in Kaiserwerth und den tollen Videogruß mit der wundervollen Koteletttorte und den Bratwurstkerzen. Danke an alle, die sich in der Küche der Derendorfer Strasse versammelt haben und sich via Skype hier nach Bolivien geschaltet haben, um vor meinen Augen kaltes Beck’s zu trinken. Danke natürlich auch an alle Kollegen aus dem Kinderbergwerk, deren Karte ich irgendwann später mal lesen werde. Danke auch an alle, die sich via Mail und SMS gemeldet haben. Und danke an die Frankfurter Eintracht für den 4:1 Sieg gegen Gladbach.

Sonnige Grüsse aus Sucre, Bolivien.

Matze

danke





Live und in Farbe.

18 04 2009

Hier der angedrohte Videonachtrag. Viel Spass mit den lieblichen Panflötenklängen.


 
 
Und manchmal ist man eben auch gezwungen, seine Reisepläne zu ändern. Nicht viele Wege führen nach Iruya…





Panflötenterror.

13 04 2009

Ort: Tilcara (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: fein

Auf der nächsten Busfahrt musste erst Liam Neeson seine Tochter aus den Fängen albanischer Mädchenhändler in Paris und wenig später Bruce Willis in Stirb Langsam 4.0 wieder mal eine ganze Stadt vor Terroristen retten, bevor wir in Tilcara, einem beschaulichen kleinen Städtchen in den Bergen nördlich von Salta angekommen waren.

Jedes Jahr in der Karwoche vor Ostern treffen sich mehr als 1.500 Musiker aus der Region zu einer Wallfahrt zur Virgen de Copacabana del Abra de Punta Corral. Die Musiker der circa 70 Bands, die an einem Fanfarenzug nur mit Panflöte erinnern, starten mit Sack und Pack, Kind und Kegel zu einem 30 Km Fußmarsch auf einen Berg zum Sanktuarium der besagten Jungfrau. Immer montags vor Ostern beginnt die 7-stündige Wallfahrt und findet am Mittwoch ihren krönenden Abschluß beim gemeinsamen Abstieg. Die Bands holen sich vor Abmarsch den Segen in der lokalen Kirche und vertreiben sich die Wartezeit bis nach Mitternacht mit lustigem Spielen auf Pauke, Schellen und Panflöte. Vor allem letztere, bekannt aus der Fußgängerzone zur Weihnachtszeit, kann einen nervtötenden Klang erzeugen, in hundertfacher Ausführung unerträglich. Panflötenterror. Und wo waren jetzt Liam und Bruce als wir sie brauchten?

Doch wenn man bedenkt wie beschwerlich der Aufstieg mit schweren Gepäck und kleinen Kindern ist, muss man wirklich den Hut ziehen. Dazu kam noch der Regen am Mittwoch beim Abstieg. Der erste während der Wallfahrt in den letzten 50 Jahren. Die armen Schweine hatten echt Pech, was ihrer Spiellust allerdings keinen Abbruch getan hat. In Kürze wird hier ein Video folgen, wo man dem Geschehen nicht nur im Geiste beiwohnen kann.

Tilcara hatte aber neben der Osterprozession auch noch andere dauerhafte Attraktionen zu bieten. Eine 5 Km Wanderung zur Garganta del Diablo, also dem Teufelsschlund in ansehnlicher Szenerie, dann die Pucará, was in Quechua, der populärsten, indigenen Sprache, Festung bedeutet und mit aufgebauten Ruinen des Volkes der Tilcara aufwarten konnte, ein schöner und lehrreicher Botanischer Garten mit Pflanzen aus dem andinischen Hochland und das archäologische Museum an der Plaza. Vorzüglich gespeist werden konnte im „Nuevo Progreso“, was übersetzt „Neuer Fortschritt“ heißt und somit eher wie eine Gewerkschaftskantine auf Kuba klingt, uns aber mit nahezu dem besten Essen in den letzten Wochen verwöhnen konnte. Für Dina gab es die beste Pasta bisher auf dem Kontinent, so ganz leicht ist es ja nicht im Fleischland etwas vernünftiges Vegetarisches zu finden.

Und wo wir gerade bei Kulinaria sind. Was die nordargentinische Küche empfiehlt: Zuerst einmal Llama, was die Racker Jama, mit „Ja“ wie in Jaqueline aussprechen und das cholesterinfrei allerdings nicht so saftig wie ein schönes Bife de Chorizo (Filet Mignon, Anm. d. Red.) ist. Dann wäre da noch Quinoa, das Getreide der Incas, Cayote eine Art Hochlandmelone und Humitas sowie Tamales, in Maisblätter gewickelte Maispampe.

Und überall findet man Schilder, die sagen: „Hay Coca“ („Hier gibt’s Coca“, Anm. d. Red.). Hui, jetzt kommen wir der Sache mit dem Koks in Düsseldorf schon wieder näher. Es handelt sich nämlich tatsächlich um die Pflanze, die in chemischer Veredlung zum beliebten Nasenpulver wird. Im Naturzustand als getrocknete Blätter werden sie allerdings nicht zu berauschenden Zwecken eingesetzt, sondern erfreuen sich als Hausmittel gegen Höhenkrankheit, sie dämmen den Hunger ein oder werden als Digestivum eingesetzt.. Zudem hat das Coca-Blatt-Kauen eine lange Tradition in den Anden, findet man doch auf vielen präkolumbianischen Kunstwerken Gesichter mit den typischen ausgebeulten Backen, so als wenn man einen Tischtennisball im Mund hat. Auch viele Musiker der Prozession haben sich mit einer Ladung Coca auf den langen Weg gemacht, da es neben der Strecke auch noch einen Höhenunterschied von 1.400m zu bewältigen gab. Es handelt sich hierbei definitiv nicht um eine Droge, was das deutsche Rauschmittelgesetz zwar anders sieht, uns aber nicht davon abgehalten hat, Coca-Tee und eben die Blätter zu konsumieren. Neulich im Büdchen: „Schönen Guten Tag, eine Flasche Wasser und eine Tüte Coca-Blätter bitte“. Ein Beutel der Größe eines Standardgefrierbeutels kostet etwa 0,50€. Fetzt.

Eigentlich sollte es danach ins einsam gelegene Bergdorf Iruya gehen aber das Wetter und insbesondere der Regen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Bus konnte beim besten Willen nicht das Flußbett passieren, das mittlerweile reißendes Wasser mit sich führte, eine Brücke gab es natürlich nicht. Auch hierzu demnächst noch Videomaterial. So haben wir uns nach vier Stunden vergeblichen Wartens auf schweres Gerät zur Flußüberquerung auf den Weg nach Bolivien gemacht. Aufgrund der späten Stunde mussten wir in La Quiaca direkt an der Grenze nächtigen, um dann am nächsten Morgen per Pedes die Grenze zum ärmsten Land Südamerikas zu überqueren. Nach 2,5 Stunden auf armseeligster Schotterpiste und nach einigen Haarnadeltunneln sind wir mittlerweile in Tupiza angekommen, um hier Ostern zu verbringen und von hier in den Salar de Uyuni aufzubrechen.





Stadt. Land. Fluß.

11 04 2009

Ort: Salta – Cafayate – Cachi – Salta (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig

Am Morgen ging es es vorbei an kleinen Dörfern und Tabakfeldern zuerst zur Dique Cabra Coral, einem malerischen Seengebiet. Der VW Gol lag geschmeidig in den Kurven, aus dem Radio tönte ein formidabler Rocksender und die Klimaanlage hielt uns bei heißen Temperaturen einigermaßen wach. Circa 190 Km lagen bis zum Weinort Cafayate noch vor uns und es ging über die gesamte Strecke über die gut geteerte Route 68. Der schönste Streckenabschnitt tat sich etwa 80 Km vor Cafayate auf. Die Quebrada de las Conchas (Schlucht der Muscheln, Anm. d. Red.) oder besser bekannte als Quebrada de Cayafate mit einzigartigen Sandsteinformationen in einer wirklich wunderschönen Landschaft, die Postkartenmotive am laufenden Band lieferte. Die Schlucht wurde durch einen rötlich-braunen Fluß durchschnitten, der in dieser eigentlich sehr trockenen Gegend, eine Vegetation entlang des Flußbettes ermöglicht, die in den verschiedensten Grüntönen schmimmerte. Ach, wat schön.

In Cafayate angekommen, wurde schnell ins Hostel Rusty-K eingecheckt. Cafayate ist hier ein bekannter Weinort, der vor allem einen Weißwein namens Torrontés hervorgebracht hat und mit 360 (jetzt mal kurz überlegen wieviel Tage das Jahr hat) wirklich sensationellen 360 Sonnentagen glänzen kann. Ideale Bedingungen für Weinanbau und so konnten wir auch im Garten des Hostels frische Trauben direkt von den Reben pflücken. Ein Traum. Und weil es so schön war, sind wir gleich nochmal in die Quebrada zurück, um unsere Kameratasche an einem Felskomplex namens La Punilla liegen zu lassen. Dummerweise haben wir es erst nach 45 Minuten bemerkt und in Südamerika bleiben nun mal eben keine Sachen lange unbeaufsichtigt liegen. Glücklicherweise war „nur“ das Teleobjektiv und das Datenkabel sowie mein Presseausweis aus Bangkok drin. Irgendwie hängt uns das Pech an den Hacken. In dem kleinen 11.000 Seelen Ort, war natürlich kein Fachgeschäft zu finden, der führende Anbieter für Photographie war die hiesige Apotheke. Um es hier vorweg zu nehmen, in der Provinzhauptstadt Salta konnten wir ein schnelles Kartenlesegerät erstehen. Das Ladekabel war Gott sei Dank nicht in der Tasche.

Im Hostel haben wir dann zwei Schweden aus Göteborg kennengelernt, die auch von Cafayate nach Cachi wollten, was aber ohne eigenes Vehikel nur sehr schwer möglich ist. Warum haben wir dann selbst erfahren können. So hatten wir mit Johanna und Daniel zum einen lustige Reisebegleitung an Bord und zum anderen konnten wir so unsere Unkosten etwas senken. Der 6-stündige Weg von Cafayate nach Cachi führte fast über die gesamten 180 Km über eine ungepflegte Schotterpiste, die mit der Zeit immer beschissener wurde. Kein Wunder, dass hier kein ÖPNV verkehrt, jeder Bus würde in seine Einzelteile zerfallen. Die Route selber, die ein Teilstück der Route 40 ist, die Argentinien von Nord bis Süd über mehr als 5.000 Km durchzieht, führte durch viele kleine Dörfer, die oftmals nicht mehr als nur aus ein paar einfachen Häusern, einer Kirche und einem Fußballplatz bestanden. Auffallend war, dass in dieser eher schwer zugänglichen Gegend die Kirche immer das best erhaltene Gebäude in einerm makellosen Weiß ist. Typisch für die Region sind auch die kleinen, gepflegten Friedhöfe mit farbenfroh geschmückten Gräbern. Auch wenn die Piste ziemlich mies war, gab es doch viel zu sehen. Chinchillas springen über den Weg, Pimiento, eine Chiliart, wird am Straßenrand getrocknet, Zwiebelsäcke stehen zur Abholung bereit.

Cachi selbst ist ein kleines verschlafenes Nest, dass eine Kirche mit Kaktusdach, einen Bergfriedhof über den Kondore kreisen und eine wunderschöne Lage am Anfang des Valle Calchaquíes und zu Fuße des 6.380 m hohen Nevado del Cachi hat. Ein friedvoller Ort.

Am dritten Tag stand die letzte Etappe unseres Road Trips an. Und weil unsere Fahrgemeinschaft so schön war, sind Johanna und Daniel auch den letzten Abschnitt mit uns gekommen. Der Vorteil eines Mietwagens gegenüber organisierten Touren war natürlich, dass wir so oft anhalten konnten wie wir wollten und so auch auf 4.000 m frühstücken konnten. Die Strecke von Cachi nach Salta durch das pitoresque Valle Calchaquíes gilt zudem als eine der schönsten Routen Argentiniens. Zuerst passiert man den Nationalpark Los Cardones, der 28.000 Riesenkakteen beherbergt, die zwischen 250-400 Jahre alt und bis zu 7 m hoch sind. Eine phantastische Landschaft. Ein Wald voller Kakteen. Noch heute kann man verschiedenste Einrichtungsgegenstände aus Kakteenholz kaufen, für den Häuserbau sind die leichten aber stabilen Kakteenstämme aus Artenschutzgründen allerdings nicht mehr erlaubt. Danach ging es durch das wunderschöne Valle Calchaquíes. Alle gefühlte 10 Minuten gab es einen Photostop, denn die Landschaft ist wirklich faszinierend. Lange Haare, kurzer Sinn, schaut euch die Bilder an.

Bevor wir in die Region gekommen waren, hatten wir eigentlich keinen blassen Schimmer, was uns erwarten wird. Nun haben wir eine der schönsten Gegenden Argentiniens kennenlernen dürfen. Sicher unter den Top 3 bisher.

Mit den Schweden im Gepäck ging es dann wieder ins Hostel Inti Huasi, wo wir pünktlich zum nächsten BBQ eintrafen. Insgesamt waren die drei Tage also eine nette Art die Zeit zwischen den zwei Festmahlen zu überbrücken. Irgendwie war es ein wenig wie nach Hause kommen, nur dass nicht Mutti kocht. Wenn man andauernd unterwegs ist, die Hostels wie Unterhosen wechselt, also etwa alle 3 Tage, ist man froh an einen Ort zurückzukehren, an dem man sich wohlfühlt. Salta und vor allem das Hostel war so ein Ort.

Nächster Stop soll Tilcara, etwa 4,5 Stunden nördlich von Salta, sein, einem kleinen Bergdorf, wo eine vorösterliche Prozession auf uns warten wird.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!





Die Mumien.

8 04 2009

Ort: Salta (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: Heiter

Die 18-stündige Nachtfahrt mit Andesmar im Coche Cama Bus von Mendoza nach Salta begann vielversprechend. Sylvester Stallone in Cliffhanger. Als weitere Entertainment-Happen warteten ein neben uns sitzender, dicker schnarchender Mann und ein vor uns sich erbrechendes Mädchen. Highlight kurz vor Ankunft war aber die Bingorunde im Bus und eine ältere Dame konnte sich über eine Flasche Rotwein freuen.

Gefreut haben wir uns dann auch, als wir endlich in Salta, der schönsten Stadt Argentiniens, angekommen waren. So sieht das zumindest die Marketingabteilung des örtlichen Tourismusbüros und so ganz Unrecht haben sie nicht. Eine Vielzahl von Kirchen und Kathedralen, der Stadtkern mit Kolonialarchitektur durch und durch und die feine Lage inmitten grüner Hügel. Und ein besonderes Museum, das MAAM (Museo de Arqueología de Alta Montaña), dem Archäologischen Hochgebirgsmuseum.

1999 wurden in der Umgebung von Salta auf dem Llullaillaco Vulkan in 6.700 m Höhe ein Grab mit drei Mumien gefunden, die durch das eisige trockene Klima über 500 Jahre so konserviert wurden, dass sie nach wie vor in sehr gutem Zustand erhalten sind. Die wohl best erhaltenen Mumien der Inca-Epoche erzählen die Geschichte einer rituellen Zeremonie, in der drei Kinder mit Maisschnaps betäubt und lebendig begraben wurden. In der Vorstellung der Inca allerdings konnte nicht von Opfer oder Tod die Rede sein, sondern von der Reise in eine andere Welt. Das waren noch Zeiten damals.

Doch nicht nur die Stadt, sondern auch unsere Unterkunft, das Hostel Inti Huasi (Haus der Sonne, Anm. d. Red.) wusste zu begeistern. Ein schöner Garten, Dachterasse und das vegetarierfreundliche BBQ 2x die Woche. Endlich mal nicht nur Fleisch. Dina was amused.

Und um nicht wieder auf einer Kaffeefahrt zu enden, haben wir uns bei der Autovermietung Alamo für drei Tage einen VW Gol, nein nicht Golf, gemietet und werden die Quebrada de las Conchas und das Valle Calchaquíes mit den beeindruckenden Strecken nach Cafayate und Cachi und wieder zurück nach Salta erkunden. Nach dem BBQ geht’s los.