Gute Reise, gute Besserung.

4 05 2009

Ort: Sucre (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig, nachts schattig

Da saßen wir also nun in dem kleinen Dreckskaff namens Uyuni – mit Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und der allseits beliebten Diarrhoe. Und noch vier Stunden bis uns der Luxusbus der Extraklasse des Unternehmens namens „11 de Julio“ (11. Juli, Anm. d. Red.) via Potosí nach Sucre bringen sollte. Eigentlich wollten wir mit „6 de Octubre“ fahren aber solange das Busunternehmen nicht „11 de Septiembre“ hieß, war uns das soweit egal. Es galt Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken. Also bei einem lokalen Touroperator nachgehakt, ob man nicht für ein paar Stunden die Couch einnehmen könne und das ok erhalten. Mit UEFA Cup in der Glotze und Coca-Tee die Zeit vertrieben. 19 Uhr ging’s dann los. Gepäck auf’s Dach geschnallt und wir die einzigen Weißbrote neben drei Briten. Klare Ansage: Rucksack auf den Schoß. Bei Übernachtfahrten wird gern mal der Rucksack ausgeräumt. Keine Kohle, keine Hemmungen. Da der Bus kein Klo hatte, wurde uns eine Biopause nach der Hälfte der 7-stündigen Fahrt auf schaukelnder Buckelpiste angepriesen. Und ja gestoppt wurde auch, allerdings gab es keine Toilette., sondern nur die Umgebung. Ein Scheißkaff – im wahrsten Sinne des Wortes. Und irgendwie waren wir doch froh nachts zu reisen, denn so oft wie der Bus stoppen musste, um Gegenverkehr durchzulassen, wollten wir gar nicht wissen auf welch unentspannten Straßen wir uns bewegten. Zu unchristlicher Stunde gegen 2 Uhr morgens kamen wir dann in der Minenstadt Potosí an – unsere Umsteigestation nach Sucre. Ein Klo gab es hier natürlich wieder nicht. Halb in Trance wurde der Bus gewechselt, der nicht etwa in einem Terminal, sondern an irgendeiner Straßenecke wartete, und die letzten drei Stunden auf geteerter Straße nach Sucre genommen. Hier möchte ich nochmal an die Magen-Darm-Grippe mit all ihren fröhlichen Begleiterscheinungen erinnern. Mit Diarrhoe verreist es sich einfach spannender.

In Sucre angekommen, wurde ins reservierte La Dolce Vita eingecheckt. Aber da wir gegen 7 Uhr morgens aufschlugen, hieß das erst mal Schlafsack raus und wieder auf die Couch. Dann schön 2 Tage richtig krank gewesen und relativ wenig von der Stadt gesehen. Genau so hatte ich mir meinen Geburtstag vorgestellt. Danach sind wir dann doch ins Hospital, um auszuschließen, dass wir nicht doch die Cholera oder so haben. Einen ersten Schmunzler konnte uns das Japanische-Bolivianische Hospital selbst abringen, da an der Eingangspforte in großen Lettern geschrieben stand: „Das zweitbeste Hospital Boliviens“. Naja, untersucht und alles soweit gut, die typische Magen-Darm-Geschichte auf Reisen eben. Der Arzt hatte uns ein tolle 10-tägige Diät verordnet und daher sind wir am übernächsten Abend das Geburtstagsessen nachholen gegangen – mit Rinderzunge in Schoko-Chili-Soße und ein Ziegenkäsesalat. Zwei typische Schonkostgerichte.

Sucre haben wir uns dann auch an geschaut. Die verfassungsrechtliche Hauptstadt Boliviens wird auch die weiße Stadt genannt, da die meisten Gebäude in einem strahlenden weiß gestrichen sind. Momentan bereitet sich Sucre auf das 200. Jubiläum der Unabhängigkeit Boliviens vor und putzt sich frisch heraus. Die Casa de Libertad wusste über die bewegte Geschichte des Landes zu berichten, das sehr gute Museo de Arte Indigena gab einen lebendigen Einblick in das Leben der sich auf Textilien spezialisierten Völker der Jal’qa und Tarabuco und der chaotische Markt mit frischem Obst und Gemüse sowie nicht allzu einladenden Fleisch ließ uns am Alltag der Bolivianer teilhaben. Apropos Alltag, ein fester Bestandteil der bolivianischen Kultur ist das Mittagsmenü. Für etwa 1,80€ gibt es Vorsuppe, Hauptgericht und Nachspeise inklusive Getränk. Unschlagbar in Preis und Leistung, günstiger kann man kaum selbst kochen.

Sucre hat uns mit der schönen Lage, dem entspannten Klima und den vielen Kolonialbauten wie in Recoleta und dem Kloster San Felipe Neri äußerst gut gefallen. Wären da nicht die Abgase, die die 1000 japanischen Busse produzieren. Japanische Busse? Ja genau, ganz Bolivien wimmelt nur so von 80er Jahre Nissans und Toyotas. An eine Abgasnorm war da natürlich nicht zu denken und die Spanier kamen im 16. Jahrhundert noch nicht auf den Trichter breite Straßen zu bauen, um den Dunst abziehen zu lassen.

Als nächstes wartet La Paz auf uns, die Stadt, die ebenfalls behauptet Hauptstadt zu sein und zumindest in Sachen Abgase die Nase vorn haben wird.

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2 responses

5 05 2009
Michael Kern

Schicke Blider, zum Glück nicht von den grippalen Nebeneffekten ^^, naja ich hoffe es geht euch wieder besser. nen Glas Hochprozentiger hilft da viel vorm Essen.

5 05 2009
Lennart

ohja, das sieht wirklich nach der weißen stadt aus!
„Das zweitbeste Hospital Boliviens“ – toll! Du willst doch im Restaurant auch nicht das zweitbeste Steak? Naja, wer seinen Verdaungstrakt so gut kennen lernen darf, ist vermutlich nicht mehr wählerisch… gute besserung!

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