In der alten Inkahauptstadt.

30 05 2009

Ort: Cusco (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Tags lange Hose, abends Kamin

Eigentlich läuft es immer nach dem gleichen Prinzip ab. Man kommt nach mehrstündiger Fahrt in einer neuen Stadt an und will möglichst fix ins Hostel seiner Wahl, um seinen Kram abzustellen, eine Dusche zu nehmen und sich die Stadt anzuschauen. Der Bus von Puno nach Cusco, der alten Inkahaupstadt, war bis auf zwei Mann komplett mit ausländischen Teufeln gefüllt, was eine erste Vorahnung auf die Touristenhochburg geben sollte. Wir also am Terminal angekommen, dort nach dem normalen Taxitarif gefragt und vom Taxifahrer den doppelten Preis genannt bekommen. Dass wir ihn runtergehandelt haben, haben wir dann wieder doppelt bezahlt, weil uns die schmierige Made an falscher Stelle rausgelassen hat und wir ein neues Taxi nehmen mussten. Naja, das ging ja gut los.

Ein großes Hallo gab’s dann aber bei Ludwig, einem angenehm sarkastischen aber liebenswerten Ex-Franken und Eigentümer unserer Unterkunft, dem Hostal Royal Frankenstein. Zum Inventar gehörten neben einem schön warm brutzelnden Kamin, Leguan Martin und Hund Bruno, auch noch eine Glotze mit Deutsche Welle TV. Bei der ZDF-Reportage „Zoff über’m Gartenzaun“ gab es endlich mal wieder ein paar deutsche Heimatgefühle und Ludwig und ich konnten die Nichtmeisterschaft von Bayern feiern.

Cusco ist an sich ein schönes Städtchen mit einem exzellent erhaltenen kolonialen Stadtkern. Nur schade, wenn man bedenkt, dass die meisten Gebäude mit den Steinen alter Inkabauten errichtet wurden, nachdem die Spanier im religiösen Wahn alles Nichtchristliche kaputt gekloppt hatten. Trotzdem findet man im Zentrum immer wieder gut erhaltene Inkamauern, auf denen heute allerdings Restaurants, Hotels und Gotteshäuser statt Sonnentempel stehen.

Im Norden liegt die ehemalige Festung Sacsayhuaman, die im pumaförmigen Grundriß der Stadt den Kopf gebildet hat. Heutzutage ist leider nur noch ein Bruchteil erhalten. Die präzise zusammen gefügten Steinblöcke, die bis zu 120 Tonnen wiegen und kaum einen Spalt für eine Messerklinge erlauben, lassen aber erahnen, was hier einst gestanden haben muss. Inkalego. Ein weiteres archäologisches Highlight konnten wir im Heiligen Tal bestaunen. Die Ruinen von Pisac, einer imposanten Inkafestung, thronen über top erhaltenen Terrassen auf denen früher Kartoffeln und Mais angebaut wurden.

Und doof sind sie ja nicht die Peruaner. Damit wir dummen Besucher auch ja schön viel Kohle in der Region lassen, haben sie sich ein 35€ teures Touristenticket einfallen lassen, dass man überall vorzeigen muss, selbst wenn nur noch drei Steine übereinandergestapelt als Ruine verkauft werden. Und unsere Freunde mit dem Kreuz auf dem Dach fanden die Idee wohl super und so muss man ein weiteres Touriticket erstehen, wenn man sich religiöse Stätten, wie Kirchen, Kloster und Kathedrale anschauen will. Überhaupt kommen wir uns hier wie die Milchkühe vor, die ständig gemolken werden. Jeder versucht sein Stück vom leckeren Tourismus-Kuchen abzubekommen. Man wird entweder alle 10 m zum Kauf kitschiger Inkabilder genötigt, es werden einem zwielichtige Massageangebote offeriert oder man wird von einer der mit traditioneller Tracht verkleideten Frauen – mit Lama an der Leine und einem „Photo, Photo“ auf den Lippen – belästigt. Das wäre ja noch zu ertragen, wenn die Peruaner, die direkt am Tourismus verdienen, nicht noch andauernd versuchen würden einen über den Tisch zu ziehen. Man merkt sichtlich, wie die Einheimischen hier im Süden von Jahrzehntelangem Tourismus verwöhnt wurden. Und die fetten Milchkühe werden auch immer mehr.

1911 wurde der Yale-Dozent und Abenteurer Hiram Bingham auf der Suche nach der letzten Inkahauptstadt von einem Quechua zu den Ruinen auf dem Berg Machu Picchu geführt. Mit Hilfe seiner Universitätsverbindungen und dem Magazin National Geographic brachte es er so zu Weltruhm und ließ sich als Entdecker feiern. Heute besuchen jeden Tag etwa 2.500 Besucher die spektakulär gelegenen Ruinen und Cusco gilt als der Startpunkt für die Besichtigung. Der Klassiker ist der sogenannte Inkatrail, der über vier Tage auf alten Pfaden nach Machu Picchu führt. Der ist allerdings bis September ausgebucht, da es seit ein paar Jahren eine Limitierung von 500 Personen für den Wanderweg gibt. Zufälligerweise trifft diese Regulierung zeitlich mit der Privatisierung der Eisenbahn zusammen, die eine horrende Preissteigerung nach sich zog und nun mehr Leute den teuren Zug nach Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu nehmen müssen. Wir konnten schon wieder die kalten Hände am Euter spüren. Auch Alternativ-Wanderwege liegen wie auch der Inkatrail preislich etwa bei 400-500 US$. Kalte Hände.

Und so haben wir uns gegen eine Wanderung und für die noch verhältnismäßig günstige Anreise mit lokalem Bus und Bahn entschieden. Leider klappte das nicht sofort, weil die Racker gegen die Privatisierung des Wasser protestiert und mit einem Streik den ÖPNV lahmgelegt haben. Der Zug fuhr auch nicht und war an unserem Wunschtag schon ausgebucht und so mussten wir länger in Cusco bleiben, als uns lieb war. Wir konnten uns aber mit dem Besuch der kreisförmigen Terrassen von Moray und den Salineras von Maras die Zeit vetreiben. Moray ist ein altes Umweltlaboratorium der Inkas, wo jede Terrassenebene ein eigenes Mikroklima hat und die Agrikultoren der Inkas mit der Akklimatisierung von Nutzpflanzen experimentiert haben. Die Salineras wiederum zeigen eine ebenfalls Jahrhunderte alte Art der Salzgewinnung, wo in künstlich angelegten Pfannen Salz aus dem Quellwasser der Berges gewonnen wird. Jaja, auf Zack waren sie damals schon.

Und dann sollte sich endlich ein jahrelanger Wunsch erfüllen. Einmal Machu Picchu sehen.

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