Die Stadt in der Stadt.

8 06 2009

Ort: Arequipa (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: agradable

Und die peruanische Verarsche ging weiter. Statt der angekündigten 10 Stunden brauchten wir 13, um von Cusco in die andere große Kolonialstadt Perus, nach Arequipa zu kommen. 22 Uhr abends war somit unser eigentlich reserviertes Zimmer schon vergeben, weil angeblich ein kranker Tourist das Zimmer vollkotzte. Genau, und ich war der König von Spanien. Zum Glück stellte sich die Alternative als die bessere Option heraus. Wir residierten kolonial für einen proletarischen Preis im Samana Wasi. Die Gewölbedecke war 6 m hoch, es gab einen schön begrünten Patio und eine Sonnenterrasse. Frühstück kostete 1€ für uns zwei Hanseln.

Wie viele Gebäude der Stadt war auch unser Gebäude aus weißem, vulkanischen Sillargestein gebaut, was Arequipa auch den Beinamen „Die weiße Stadt“ eingebracht hat. Das wichtigste Zeugnis kolonialer Architektur ist aber zweifellos das über zwei Hektar große Kloster Santa Catalina. Eine Stadt in der Stadt. Das Babylon der Klausurnonnen, wo sich die Frauen einrichteten, nie wieder ins normale Leben zurückzukehen. 1970 wurde es nach 430 Jahren Isolation geöffnet und der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Fein, fein.

Doch nicht nur für ihr koloniales Vermächtnis ist Arequipa bekannt, sondern auch für die gute Küche. Rocoto Relleno, mit Hackfleisch gefüllte scharfe Paprikaschoten, Chupe de Camarones, leckere Garnelensuppe und Queso Helado, was übersetzt soviel wie Käseeis heißt, aber der beste Nachtisch der Welt, bestehend aus verschiedenen Milchsorten, geraspeltem Kokos und Zimt, ist. Überhaupt Eis, wir laben uns an phantastischen Sorten aus verrückten Früchten wie Chirimoya, ein Schuppenapfelgewächs aus der Familie der bedecktsamigen Pflanzen auch bekannt unter dem appetitanregenden Namen Ochsenherz oder auch Papaya Arquipeña, Algarrobina, Grenadilla und Membrillo. Da kann selbst der geschätzte Leser die Exotik schmecken, anstatt sich von einem geheimnisvollen Weichspüler in fremde Welten entführen zu lassen.

Und einmal in Arequipa, kommt man um einen Besuch des Colca Canyons nicht herum. Publikumswirksam als der tiefste Canyon der Welt verkauft, was natürlich nicht stimmt, aber hey wir sind in Peru, dem Land der südamerikanischen Münchhausens, wohl aber wirklich doppelt so tief wie der Grand Canyon in dem großen Land etwas weiter nördlich. Der erstbeste Touroperator wollte für 3 Tage/ 2 Nächte 170€ pro Nase wonach uns erst mal der Kitt aus der Brille fiel, denn nach Kalkulation bei Durchführung auf eigene Faust lagen die Kosten bei weniger als 1/4.

Wir also mit dem lokalen Bus via Chivay nach Cabanaconde in den Canyon rein und uns leichtfertig vom Tourismusbüro übers Ohr hauen lassen. Es wurde mal wieder ein Touriticket fällig, dass einzig und allein dazu diente, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir hätten es besser wissen müssen. Dann etwa drei Stunden in die Oase abgestiegen, die ein grüner Vegetaionsfleck im sonst so staubigen und heißen Canyon ist. Aufgrund blasengeplagter Füße und der Hitze blieben wir dann auch am Pool hängen, anstatt weiterzuwandern. Für den Rückweg genehmigten wir uns dann auch den Luxus des steilen Aufstiegs auf dem Rücken von Mulis. Mulis sind wirklich robuste Lasttiere und eine Mischung aus Pferd und Esel, sowohl Größe als auch Aussehen betreffend, wobei ein Muli deutlich mehr Traglast weggeschafft bekommt (80 Kg, ix 160 vs Esel). Leider vertrug Juana, Dinas Muli und Erste in unserer kleinen Karawane, das Oasenwasser nicht sehr gut und erfreute mich als Dahinterreitenden volle zwei Stunden mit beachtlichem Stuhlgang und ausschweifenden Flatulenzen.

Zurück in Arequipa wurde noch zwei Tage die lokale Küche genossen, bevor es mit Oltursa acht Stunden gen Nasca gehen sollte.

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