Drogen-Nilpferde suchen ein neues Zuhause.

20 07 2009

Ort: Medellin (COL)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Warm mit Regenschauern

Die 80er Jahre waren hart für Medellin. Drogenhändler Pablo Escobar war einer der mächtigsten und reichsten Männer Kolumbiens. Das süchtige Amerika sorgte für Taschen voller Geld, womit er sich ein formidables Luxusleben finanzieren konnte. Auf seiner Hacienda Nápoles hielt er den exotischsten Zoo Südamerikas, mit Löwen, Elefanten und Nilpferden. Aber er unterstützte auch die arme Bevölkerung, was ihm bei ihnen einen Heiligenstatus einbrachte und es der Armee nicht unbedingt leichter machte, ihn dingfest zu machen. Doch Pablo führte Krieg gegen den Staat, Hunderte starben. Dann, 1993 wurde Pablo auf der Flucht auf einem Ziegeldach von seinen Häschern gestellt und erschossen. Don Pablo war tot und 20.000 Menschen nahmen an seiner Beerdigung in Medellin teil.

Seitdem befindet sich die Stadt in einem Transformationsprozeß, der Medellin zu einer der modernsten Metropolen auf dem südamerikanischen Kontinent werden ließ. Es wurde umfangreich in Infrastruktur, Kultur und Sport investiert. Und heute gibt es sehr viel Erste Welt mit Nobel-Supermärkten nach amerikanischem Vorbild, der Parque Explora, ein Experimentierspielplatz, der Wissenschaft vor allem für Kinder anfassbar macht, große Sportstätten, in denen Medellin die Südamerikanischen Spiele 2010 ausrichten wird, das Ausgehviertel Zona Rosa mit dem Park Lleras, das auch Klein-Miami genannt wird und das Zuhause von Reich und Schön ist.

Auffällig ist auch der hohe Anteil an hellhäutiger Bevölkerung. Richtige Latinos, Nachfahren der Spanier. Man oder besser Frau folgt dem amerikanischen Schönheitsideal, nirgends scheint mehr Silicon verbaut zu sein wie hier und die Damenwelt presst ihre Hintern in enge taschenlose Jeans, egal ob sie es sich leisten können oder nicht. Dina spielt mit dem Gedanken der Einführung einer 5-Pocket-Jeans, um eine mögliche Nische zu schließen.

Was aus Don Pablos Vermächtnis geworden ist, mag man sich fragen. Die Nilpferde sind aus der Hacienda entkommen und haben es sich in den kolumbianischen Flußlandschaften gemütlich gemacht. Und die Kolumbianer machen sich in die Hose vor „den großen Schweinen“ und haben nun gerade Spezialisten aus Südafrika kommen lassen, nachdem sie schon eins erschossen und damit eine Welle der Empörung ausgelöst haben. Herrlich, das Thema ist wirklich jeden Tag in der Presse. Hoffentlich findet sich bald ein passender Zoo mit einem Herz für die Drogen-Hippos.

Naja die Stadt haben wir uns auch angeguckt und pflichtgemäß die dicken Menschenabbilder von Botero, Kolumbiens populärsten Kunstexport, im Museo de Antioquia bestaunt, im botanischen Garten einen fast leeren Schmetterlingskäfig vorgefunden, weil die Vollpfosten (Substantiv, m, bezeichnet einen intellektuell desinteressierten, das kognitive Potential des Durchschnittsmenschen unterschreitenden Zeitgenossen.) bei Bauarbeiten die Tür offen gelassen haben, im Hostel Casa del Sol vergnügt Tischtennis gespielt und jeden Tag lecker Eis bei Crepes & Waffles essen gegangen.

Ja, so war das damals in Medellin.

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2 responses

20 07 2009
Lennart

ich liebe das bild mit der pilsen-crew! es wirkt, als wärst du da reingephotoshoppt, nur ohne photoshop. und ohne magnetisches lasso…

20 07 2009
matzepeng

Die Pilsen Crew ist super, überhaupt kann Kolumbien richtig gut Bier! Club Colombia ist mein absoluter Favorit von den größeren Marken in ganz Südamerika…

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