Urlaubsreif.

28 07 2009

Ort: Taganga & Tayrona Nationalpark (COL)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: 39° C, 1000% Luftfeuchtigkeit, 5 Liter Körpersaft

Taganga ist ein richtiges Backpacker-Nest, nur 5 Km von Santa Marta entfernt. Das erste Mal seit Bolivien trafen wir wieder mal auf Horden von Israelis, denn Taganga hat den Ruf die günstigsten Tauchkurse Südamerikas anzubieten. Und Party. Es war Wochenende, in der Casa Holanda unserer ersten Unterkunft, war Cocktail Happy Hour, es gab Live Musik nebenan, der Sangria wurde mit frischen Früchten gemixt und das alternative Volk wusste mit Jonglage zu unterhalten. Und Krach bis 5 Uhr morgens. Zudem kam dass der superliebe Holländer sich Hochsaisonpreise ausgedacht hatte und daher wechselten wir schon nach einer Nacht ins Hostel Techos Azules, mit einem sensationellen Blick auf die Bucht, wobei der Strand von den einheimischen Wochenendausflüglern nicht sonderlich sauber gehalten wurde.

Das kleine Fischerdorf gilt zudem auch als ein Startpunkt für den 5-tägigen Trek zur Ciudad Perdida (Die verlorene Stadt, Anm. d. Red.), einem der letzten großen Abenteuer in Südamerika oder auch für Ausflüge in den Tayrona Nationalpark, gleich nebenan. Der Park ist nach der alten Tayrona Kultur benannt, war lange Jahre das Schlachtfeld zwischen Guerilla und Paramilitärs und war blieb somit für den Tourismus relativ unerschlossen. Dadurch hat sich eine der schönsten Ecken des Kontinents erhalten und erst seit 2003 wird der Nationalpark als Touristenparadies vermarktet. Und doch, so ein bißchen wie im Garten Eden durften wir uns fühlen.

Mit dem Kleinbus ging es zunächst zum Parkeingang. Unverhofft war da auch ein Guide an Bord, denn wir hatten eigentlich nur den Transport nach Tayrona erworben. Frankie, el Abuelito (das Opachen, Anm. d. Red.), der wohl seit Jahren bei deutschen Touristen als „die graue Eminenz“ bekannt ist und den Ciudad Perdida Trek schon über 500x gemacht hat, fährt heute jeden Tag mit einer Handvoll Touris in den Park, verbringt dort ein paar Stunden am Strand und geht am gleich Tag wieder zurück. Doch die Anreise nach Cabo San Juan ist mühsam. Der Weg führte uns durch den tropischen Regenwald, bei mindestens 39 Grad im Schatten, die Luftfeuchtigkeit schien einen zu erschlagen und man schwitzte gefühlte fünf Liter Körpersaft aus. Zuerst ging es 45 Minuten nach Arrecifes, einer traumhaften Regenwaldkulisse direkt am Strand, wo allerdings die Meereströmung so stark ist, dass es immer wieder Leute schaffen trotz Badeverbot zu ertrinken. Daher ging es weitere 45 Minuten über riesige weiße Felsen, durch Palmenhaine hindurch nach Cabo San Juan. Wir hatten mindestens drei Übernachtungen geplant und uns ein Zelt mit zwei versifften Matratzen gemietet. Es gab frischen Fisch am Strand, der von Kokospalmen gesäumt war und man konnte sich im Wasser relativ gefahrenlos erfrischen – das war schon großes Tennis. Optisch ganz weit vorn. Und Dina hatte schon nach wenigen Minuten die sonnengebräunte Farbe eines Goldbroilers angenommen. Mmmmh, hier also ein paar Tage Pigmente haschen und dem süßen Nichtstun frönen.

Doch es kam alles anders. Am Abend haben wir uns nach dem Dinner eine kleine Süßspeise gegönnt. Kekse mit Creme. Kühl und trocken lagern stand da wohl drauf. Doch irgendwie wurde das wohl falsch verstanden, denn im kleinen Büdchen war es heiß und feucht. Und so haben uns genau diese Kekse eine schlaflose Nacht mit Brechdurchfall (übrigens ein sehr schönes Wort) beschert. Ich bin sicher, dass Adam und Eva oder auch ein islamischer Märtyrer, so weder das Paradies noch die 70 Jungfrauen genießen konnten. So entschieden wir uns schweren Herzens schon nach einer Nacht den Heimweg anzutreten und uns voller Elan, ohne Schlaf und Mahlzeiten, auf den schon beschriebenen leichten Spaziergang zurück zum Parkeingang zu machen. Die Option wäre eine 1-stündige Bootsfahrt in einer Nussschale mit ordentlich Seegang gewesen. Doch wer Dina kennt, weiß, dass das keine wirkliche Option war. Schon gar nicht in diesem Zustand. Also wieder 39 Grad, brachiale Luftfeuchtigkeit und fünf Liter Körpersaft. Ächz.

Vollkommen fertig mit dieser verdammten Karibik ging es zurück nach Taganga und am nächsten Tag gen Süden ins kühlere Landesinnere. Der Trek zur Ciudad Perdida hätte uns in der aktuellen Kondition mit Sicherheit das Genick gebrochen. Die Hitze macht einen fertig. Selbst Dinas südeuropäischen Gene vermochten den Temperaturen nicht standzuhalten, mir als gestandenen Mitteleuropäer entzog sich Schritt für Schritt die Energie. Wir sind urlaubsreif.

Advertisements

Aktionen

Information

One response

29 07 2009
der nachmieter

sch**ss kekse

mann mann mann, dabei habt doch gerade ihr zwei endlich mal urlaub verdient.

macht mal schön weiter so, und lasst diese heimischen kulinarischen Kleinigkeiten…

currywurst, pommes rot weiss, wiener schnitzel…

so überlebt der deutsche tourist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: