Relaxed.

30 09 2009

Ort: Mission Beach – Wongaling (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis irisch

Die Beschreibung vom Absolute Backpackers Hostel in Mission Beach las sich eigentlich ganz entspannt. Kein Partyhostel, chill-out, einfach ein paar Tage abschimmeln (Jugendsprache, etwa: sich ausruhen, dem süßen Nichtstun frönen, Anm. d. Red.). Das hatten die 15 Iren aber wohl übersehen und erfreuten uns mit schlaflosen Nächten, da bis 5 Uhr morgens irische Volkslieder zum besten gegeben wurden. Das ganze quasi direkt vor unserer Tür, an Schlaf war nicht zu denken. Nebenbei hatte sich der Pöbel auch schön einen reingetan und unter Alkoholeinfluß kann es ja bekanntlich schon mal zu einem etwas erhöhten Geräuschpegel kommen. Am schlimmsten aber waren die anwesenden irischen Damen. Billiges Outfit, billiges Make-up und scheinbar bei Amy Winehouse in der Benimmschule gewesen. Nett. Aber vielleicht ist es ja in Irland gute Sitte, sich kontinuierlich anzuschreien und sämtliche unangenehme Stimmlagen des Kehlkopfes zur Kommunikation zu nutzen. Ach, was waren wir relaxed und chilled out!

Nicht unbedingt förderlich war natürlich der Schnapsladen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Obwohl der recht bemerkenswert war. Man konnte nämlich mit dem Auto in den Bottleshop namens „Thirsty Camel“ (Das durstige Kamel, Anm. d. Red.) auf der einen Seite reinfahren und auf der anderen wieder raus, ein Drive-Through also. Eigentlich ganz cool. Direkt mit dem Auto rein, aus dem Fenster ordern und ab geht’s mit der Kiste Bier. Diese Australier haben es echt raus.

Ja und sonst so? Wir haben unsere erste Begegnung mit einem Kasuaren gehabt. Klingt zwar vielleicht nach einem schwertschwingenden Mongolenkrieger, ist aber ein großer vom Aussterben bedrohter Laufvogel, der mit einem helmartigen Horn auf dem Kopf, blauem Hals und roten Halslappen ausgestattet ist. Leider war die Begegnung nur kurz auf dem Weg zu einem der schönsten Wanderungen in der Gegend. Wir konnten schön entspannt auf dem Edmund Kennedy Walk entlang der Küste wandern, während die Iren ihren Rausch ausschliefen oder sich mit Restrausch beim Skydiving aus dem Flugzeug stürzten. Einsame Strände mit Mangroven, wilde Wallabies und ein schönes Wattleben gab es zu bestaunen. Zumindest das war ziemlich relaxed.

Nächste Station Cairns.

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Warum Australier kein Känguruh essen.

23 09 2009

Ort: Townsville (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Feucht-fröhlich

In Townsville angekommen hieß es mal wieder Couchsurfen. Mittlerweile haben wir in den ersten fünf Wochen schon immerhin fünf Tage für umme auf diversen Sofas (der inoffizielle Plural von Couch) genächtigt. Und hier sollten es zwei weitere Tage werden. Der routinierte Couchsurf-Papa holte uns vom Greyhound-Busstop ab und es ging in einen Vorort von Townsville. Andy wohnt dort mit seiner phillipinischen Frau Nanie und der 3-jährigen Tochter Asha, für die die wechselnden Couchsurfer eine willkommene Abwechslung und viele Spielkameraden bedeuteten. Sympathisch war auch das T-Shirt der Kleinen, das da sagte: „HELP! These are not my real parents“ („HILFE! Das sind nicht meine richtigen Eltern“, Anm. d. Red.). Doch nicht nur die Familie selber, auch das Haus war sehenswert

Ein altes Queenslander Haus, das traditionell auf Stelzen steht, um eine gute Durchlüftung im feuchtwarmen Klima des australischen Nordens zu gewährleisten, Pool im Garten und natürlich ein Bierkühlschrank auf der großzügigen Holzveranda. Das konnte schon was. Es wurde natürlich bei der Ankunft am frühen Nachmittag eine Pilsette aufgemacht und mit dem Hausherren der gesellige Abend eingeleitet. Er war stolzer Besitzer einer Jim-Beam-Uhr, die er für den Kauf von Jim-Coke im Wert von AU$49,90 bekommen hatte. Mit der Zeit kamen noch ein paar mehr trinkfreudige Mittvierziger und Freunde des Hauses, um am BBQ teilzunehmen. Und es wurde ganz klassisch gegrillt, mit schön fettiger Wurst und Rind auf dem Rost. Ein typischer Aussie-Abend.

Wo wir gerade beim Kulinarischen sind, mal eine kleine Einführung in die Australische Küche. Zuerst mal darf man ja nicht vergessen, dass sich der nationale Speisezettel aus dem Englischen ableitet. Und was soll man da schon erwarten? Richtig, Langeweile und Kopfschütteln, hier und da ein leichtes Würgen. Fangen wir mit dem Übelsten an: Vegemite. Der Brotaufstrich einer jeden australischen Kindheit, vergleichlich mit Nutella in Deutschland oder Dulce de Leche in Argentinien. Nur eben ziemlich ekelhaft. Das Zeug ist nämlich nicht süß, sondern salzig und schmeckt wie eingedickte Soyasoße. Oder man stelle sich Maggi-Brühwürfel als streichbare Masse auf dem morgentlichen Toast vor. Uaaaargh, disgusting. Und das sage ich, jemand, der zum Frühstück auch gern mal Ölsardinien mit Haut und Gräten auf den Toast drapiert.

Fisch und Chips sind ein weiteres kulinarisch eher fragwürdigeres Erbe, hier und da aber gar nicht so schlecht gemacht. Ein schmackhafter Fisch-Klassiker ist Barramundi, den es fast überall entlang der nördlichen Ostküste gibt. Als Australier mag man seine Nahrung also gern paniert oder frittiert. Oder in Blätterteig, dann heißt es Pie und man muss sich handtellergroße Blätterteig-Küchlein vorstellen, die mit Rind oder Huhn oder sonst allen möglichen Kombinationen – zu Pampe verarbeitet – gefüllt sind. Macht so pappsatt, wie drei große Löffel Fensterkitt, schmeckt nur nicht so gut. Im krokodilreichen Norden um Darwin gibt es dann auch Krokodil zu essen, was allerdings eher wie ertrunkenes Huhn schmeckt und nicht das Prädikat zart verdient.

Was aber wirklich ganz gut zu essen ist, ist Känguruh. Fett- und Cholesterinfrei und mit einer einladenden Textur gesegnet, erfreut es sich aber überraschenderweise keiner großen Beliebtheit. Der Geschmack ist schon speziell aber nicht unangenehm, sehr zart und saftig, wenn es sachte gebrutzelt wurde. Aber warum mag der gemeine Australier sein Wappentier nicht essen? Moralische Bedenken können es kaum sein. Känguruhs werden jedes Jahr innerhalb einer Quotenregelung zu Tausenden abgeknallt, um die armen Farmer vor den gefräßigen Beuteltieren zu schützen. Ignoranz durch alte britische Gepflogenheiten? Schmeckt Minzsoße nicht dazu? Kann man es nicht panieren? Wir wissen es nicht. Doch eine weitere Theorie besagt, dass das Fleisch einfach minderwertig ist. Ein Supermarktmitarbeiter erzählte uns, dass in seiner Kindheit Känguruhs abgeknallt und den Hunden zum Fraß vorgeworfen wurden. Hundefutter also. Und ein Blick ins Kühlregal im Coles-Supermarkt sprach dann auch Bände. Neben dem Känguruh-Fleisch fand sich was? Oh mein Gott, Hundefutter.

In den letzten Jahren hat sich aber eine, vor allem durch Einwanderer geprägte, neue „australische“ Küche entwickelt. Die ist allerdings dann oft so teuer, dass die zwei armen Reisenden meist nur ihre Nasen an den feinen Restaurantscheiben platt drücken, um dann doch selber zu kochen.

Was es noch nicht auf die Speisekarte geschafft hat, ist die allgemein unbeliebte Aga-Kröte. Sie ist eine der größten Froschlurche der Welt und wieder mal ein Beispiel für unprofessionellen Tierimport auf einem fernen Kontinent mit isoliertem Ökosystem. 1935 wurden die Racker auf dem australischen Kontinent eingeführt, um die Schadinsekten auf den Zuckerrohrplantagen an der Ostküste platt zu machen. Bis das Übel seinen Lauf nahm. Heute ist die fette Kröte eine unaufhaltbare Plage, der man kaum Herr zu werden scheint. Allerdings findet man auf den lokalen Märkten hier und da ein paar einfallsreiche Verwertungsmöglichkeiten. Wer freut sich nicht über ein schönes Kröten-Portemonnaie zu Weihnachten? Oder eine schmückende Bereicherung für die heimische Schrankwand in Form einer aufgeblasenen Kröte im Rambo-Outfit. Bestellungen werden gern aufgenommen.

Ansonsten gab es einen entspannten Sonntagnachmittag an der Strandpromenade. Eines muss man den Australiern ja lassen, Freizeitmöglichkeiten stehen recht umfangreich und oft auch kostenlos zur Verfügung. So gab’s für die Kids ein schönes Spaßbad, für das man in Deutschland mindestens 6€ abdrücken müsste. Selbst öffentliche Toiletten, deren Besuch für viele ja auch eine spaßige Freizeitgestaltung ist, sind grundsätzlich für umme und dafür recht gepflegt. Überhaupt wirken die Städte entlang der Ostküste bisher wie frisch durchgefegt und in Townsville standen sogar ein paar gut erhaltene traditionelle Gebäude herum, darunter Hotels und Pubs aus dem vorletzten Jahrhundert.

Ein schönes Wochenende in Townsville.





Segeltörn mit Motor.

22 09 2009

Ort: Airlie Beach, Whitsunday Inseln (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Ausflugswetter

Die Whitsundays waren nach Fraser Island das zweite Sahnestück im bereits umschwärmten Wicked Travel bzw. Koala Paket. Doch wenn jemand, wie Dina, an Seekrankheit leidet und nicht auf einem Boot nächtigen kann, dann hat man leider keine andere Option als mit der „Pride of Airlie“, welches in Koala-Besitz ist, in See zu stechen. Dieses ist nämlich das einzige Boot, das über Nacht anlegt und die Passagiere sich einen Nachtschlaf auf Land gönnen können. Wir hatten also drei Tage Segeltörn auf besagtem Boot gebucht. Bekommen haben wir dann weniger als 48 Stunden auf einem motorbetriebenen Katamaran namens „Kora“. Wir hoffen nun inständig, dass es wenigstens die Whistunday Inseln waren und nicht ein schäbiges Archipel aus China, die kopieren ja heutzutage alles.

Klingt erst mal wieder ziemlich ernüchternd, doch es war alles gar nicht so übel. Die „Pride of Airlie“ ist nämlich als Partyboot berüchtigt, wo sich bis zu 60 Passagiere gern mal drei ganze Tage glatt machen, anstatt mal von Bord zu gehen und mit Maske und Schnorchel die Unterwasserwelt zu erkunden. Wir hatten es mit dem kleineren Katamaran „Kora“ also nicht so schlecht getroffen und auch die etwa 25 anderen Gäste waren nicht auf 100% Vollgas gepolt, sondern recht entspannt. Es gab aber trotzdem Kühlboxen mit viel Eis, wo das mitgebrachte Bier und der Bundy-Rum-Cola kalt gehalten wurden.

Tagsüber war also schnorcheln an verschiedenen Riffkanten des Great Barrier Reefs angesagt. Unterwegs wedelten uns vorbeiziehende Buckelwale mit ihren mächtigen Flossen zu, nur Delphine machten sich rar. Dafür gab’s dann unter Wasser eine Menge bunter Fische, Meeresschildkröten und sogar ein Rochen schwamm gemächlich an dämlich aussehenden Touristen vorbei. Denn wir wurden dazu verdonnert ein wunderschönes Ganzkörperkondom zu tragen, den sogenannten Stinger Suit. Eigentlich ist erst ab November Würfelquallensaison, doch angeblich wurde vor kurzem jemand gestochen und dann gibt’s ein schönes Nervengift mit muskellähmender Wirkung. Die Aussicht auf einen hässlichen Tod (auch nicht auf schönen Tod) fällt dann sicher nicht in die Kategorie „Mein schönstes Ferienerlebnis“. Alle zusammen sahen wir aus wie bei einem Casting für den neuen Star-Trek-Film oder einen 70er Jahre Porno. Aber hilft ja nicht und es sahen ja wenigstens alle Scheiße aus.

Das Koala Ressort auf der Koala Adventure Insel, die eigentlich South Molle Island heißt, war auch nicht so schlecht und dreckig wie erwartet. Naja aber wenigstens das Essen erfüllte die Erwartungen. Das war schlecht aber dafür wenigstens zu wenig. Vielleicht hätte man mal einen der etwas größeren Fledermausfische, die sich an der Mole tummelten, in die Pfanne hauen können. Naja. Auf der Insel gab es dann noch im Licht, der im Wasser ertrinkenden Sonne, einen kleinen Ausflug zu einem Aussichtspunkt, der die Fülle der Inselwelt der Whitsundays erahnen ließ und einen herrlichen Blick auf die Bucht eröffnete.

Ja und wo Inseln sind, da gibt es in der Regel Strand. Und wo Strand, da auch meistens Sand. Der schneeweiße Sand am Whitehaven Beach besteht zu 97% aus Silikat und ist damit so fein, dass man daraus sogar Teleskope herstellt. Die Kulisse des wohl berühmtesten Strandes der Whitsundays geht natürlich gern auch ordinär als Photohintergrund. Das war optisch schon ganz nett, sowohl über als auch unter der Wasseroberfläche. Und wenn man denkt, dass dort alles schön piano auf See war, der sieht sich getäuscht, denn es gab auch wieder gut Seegang und Dina was not amused.

Ja und nach drei Tagen, also eigentlich ja weniger als 48 Stunden, war es dann auch schon wieder vorbei mit Katamaran fahren, schnorcheln und am Strand herumlungern. Für seetüchtigere Leute bleibt zu empfehlen, als Crewmitglied auf einem der zahlreichen Ausflugsschiffe anzuheuern und so ein paar Tage auf einem richtigen Segelboot zu verweilen. Dann schwankt es in den Beinen auch viel mehr, wenn man wieder an Land ist und man wird vielleicht für einen Betrunkenen gehalten. Oder für einen Australier, denn hier werden schöne T-Shirts verkauft mit Sprüchen wie „I’m not drunk, I’m Australian!“.

Na dann, Prost! Ähem, cheers mate!





No Fast Moves.

12 09 2009

Ort: Agnes Water & 1770 (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Strandwetter

Nach Fraser Island und Wale glotzen wollten wir einfach ein paar Tage in Agnes Water bzw. im nur 7 Km entfernten Town of 1770 relaxen. 1770 wurde nach dem Jahr benannt, in dem James Cook als erster weißer Mann Australien betrat. Und der erste Eindruck muss nicht schlecht gewesen sein. Viel grün, malerische Sandbänke und einsame Buchten. Interessanterweise ist das auch heute noch so. In 1770 wohnen permanent nur 30 Leute, es gibt ein paar Ferienhäuser zu mieten und eine kleine Marina. Als Rucksackreisender steigt man aber in den bezahlbaren Unterkünften in Agnes Water ab. Dort gibt es sogar ein paar mehr Einwohner, eine große Bar mit Drive-Through Schnapsladen gleich nebenan und immerhin zwei Supermärkte, aber ansonsten passiert auch dort nicht viel. No Fast Moves (Keine schnellen Bewegungen, Anm. d. Red.) heißt die Maxime und es hält sich eigentlich auch jeder dran. Entspannung pur also. Dachten wir zumindest.

Wir hatten vor vier Nächte im Hostel mit dem uncoolen Namen „Cool Bananas“ einzuchecken, um ein paar lauschige Tage zu verbringen. Das Hostel war zu 90% von deutschen Abiturienten belegt, die noch schnell die Möglichkeit nutzen wollten ins Ausland zu gehen, da man ja während oder nach des Studiums nicht mehr die Möglichkeit haben wird. Gaaaaaaanz, genau. Das sorgte für Schmunzler.

Was nicht für Schmunzler sorgte, war die Tatsache, dass der Reinigungstrupp 4:30 Uhr, das ist halb fünf nachts, mit den Arbeiten begann. Die plausible Begründung war, man wolle doch die geschätzten Gäste nicht mit der Anwesenheit des Personals verschrecken und bis 6 Uhr morgens alles fertig haben. Die Idee, dass man dadurch den Nachtschlaf der Kundschaft stören könnte, lag offensichtlich nicht auf der Hand. Auch auf Nachfrage bei der unfreundlichen Reinigungskraft, bekam man in herrlich patzigem Ton zu hören, dass wenn man schlafen wolle, sich doch ein Hotel suchen möchte. Das hier sei nämlich ein Hostel. Ach, das war uns dann doch neu. Wir hatten eigentlich schon damit gerechnet, dass wir in dem Gebäude mit den Betten auch übernachten könnten. So richtig mit: „Licht aus, kalinixta!“ (für unsere nicht-griechischen Freunde, kalinixta heißt schlicht und einfach Gute Nacht!, Anm. d. Red.). Wir haben uns dann den Ratschlag der netten Dame zu Herzen genommen und sind am nächsten Morgen ausgezogen und haben für die nächsten zwei Nächte im Beachside Backpacker eingecheckt. Dort konnten wir dann allerdings auch nicht unseren Schönheitsschlaf finden, da wir einen schnarchenden Iren als Zimmerkollegen hatten, der wirklich in jeder nur erdenklichen Position unangenehme Geräusche von sich geben konnte.

Naja umgezogen und ab an den Strand, schön in die Wellen springen. Agnes Water ist der letzte Stop gen Norden, wo man noch surfen kann. Weiter nördlich schirmt das über 2.000 Km lange Barriere Riff jede ernsthafte Wellenbewegung in Strandnähe ab und macht somit seinem Namen alle Ehre. Der zweistündige Surfkurs war mit AU$22 schweinebillig und damit wären es nur noch 9.996 Stunden bis zu einem sorgenfreien Profisurfer-Leben mit Piña Coladas und sonnenverwöhnter Haut – ganzjährig.

Aber dieses Australien, irgendwie lässt sich dieser Kontinent immer wieder was neues einfallen. Dieses Mal hatten sie einen großen, scharfkantigen Steinblock so im Wasser drapiert, dass es für unbeschwerte deutsche Besucher nicht zu erkennen war. Dafür aber zu spüren. All das ganze Blut! Naja, es hat zwar erst etwas geblutet aber so schlimm war der Schnitt über dem linken Knie dann doch nicht. Allerdings unangenehm genug, dass es mit dem surfen nichts wurde. Schnief. Dafür sind wir Kayak auf dem Meer gefahren und sind auf den Wellen in der Sonnenuntergang gesurft.

Was noch? Rumgewandert, die lokale Kneipe besucht, Pelikanattacke überlebt, am Strand abgehangen, am Strand gelesen und nochmal am Strand gewesen. Strand ist so ziemlich bei allen Aktivitäten an der Ostküste involviert und wir freuen uns auf die feuchten Tropen im Norden.

Es gibt darüberhinaus ein paar neue Meilensteine im Reiseplan zu vermelden. Am 20.09. fliegen wir von Cairns nach Darwin, wo wir uns den Kakadu NP anschauen wollen, um dann am 29.09. weiter nach Melbourne zu reisen. So sieht das nämlich aus.





Spaß im Sandkasten.

7 09 2009

Ort: Hervey Bay, Fraser Island (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Sonnig mit steifer Brise

Nach unserer Ankunft in Sydney befanden wir uns durch den Preis- und Kulturschock wohl in einem Zustand der zeitweiligen geistigen Umnachtung, denn anders kann man nicht erklären, warum wir so dämlich waren und uns ein Tourpaket für Fraser Island und die Whitsundays aufschwatzen ließen. Beide Orte seien Pflichtprogramm auf einem Ostküstentrip und die Tussi von Wicked Travel versicherte uns, dass beide Touren vor Ort teurer wären und wir noch einen saftigen Rabatt bekommen würden. Dazu wurden uns diverse Hostelgutscheine im Wert von AU$400 als Bonus oben drauf gelegt und ein 2-Tagestrip ins Hunter Valley zur Weinverkostung für lau.

Und dann haben wir mal dieses Internet bemüht und einige interessante Infos zu den Touren und den Hostels gefunden. Am besten haben uns die Hostelbewertungen bei Trip Advisor und anderen Plattformen gefallen. Da wurde in den höchsten Tönen geschwärmt: „Dreckloch, dass nach Füßen von 15-jährigen Jungs stinkt“, „nur im absoluten Notfall beziehen“ oder mein Favorit „in dem Bad würde ich nicht mal meinen Hund waschen“. Die Hostelgutscheine verdienten also das Prädikat „wertlos“. Was auch nicht ganz so schlimm war, denn wir mussten da ja auch nicht einchecken. Außer eben vor dem Fraser Island Trip, den man in der Regel von Hervey Bay aus startet.

Wir hatten also eine Selbstfahrer-Tour auf der größten Sandinsel der Welt gebucht. Die 90 Km lange Ostküste von Fraser Island ist ein einzige Autopiste aus Sand, die man mit einem Allradwagen selber befahren kann. Da man als Rucksackreisender aber selber eher selten einen Land Rover Defender im Gepäck hat, schnüren verschiedene Anbieter ein Paket inklusive Jeep, Ausrüstung und Fleischpaket vom Metzger. Das tolle Angebot beinhaltete auch eine Übernachtung vor und nach dem Ausflug im Koala Ressort in Hervey Bay. Das 6-Bett-Dorm stank nach Urin und zu den Flecken auf den Matratzen will ich mich nicht weiter äußern. Toll auch, dass man sich in einigen Hostels zusätzlich Bettlaken und Decke mieten muss. Unfassbar. Als wenn man sich im Restaurant noch zusätzlich den Teller und das Besteck entgeltlich ausleihen müsste. Nach dem nachmittäglichen Briefing hatten wir für einen Umzug keine Zeit mehr und es sollte am nächsten Morgen um 6:00 Uhr der Jeep bepackt werden und weitere Instruktionen folgen. Begleitet wurden wir von einer zweiten Gruppe. Geteiltes Leid ist eben doch halbes Leid.

Unsere Gruppe im elfsitzigen Toyota Landcruiser bestand aus vier nordirischen Medizinstudenten, 2 Taiwanesinnen und uns. Wir waren also nur zu acht und keine Ahnung, wie hier sonst 11 Leute mit Gepäck reingehen, die Karre war voll. Der Landcruiser hatte einen Dachaufbau in dem sämtliches Equipment verstaut und höchst unprofessionell durch poröse Gummiseile vorm herunterfallen „gesichert“ war. Das wussten wir aber erst, als wir mit der Fähre auf die Insel übergesetzt hatten und uns durch die mehr als knöcheltiefen Sandpisten im Inselinneren mühten. Als wir dann mal wieder anschieben mussten und der Toyota über die Huckel knallte, rissen die Gummiseile und die Kiste mit den Gasflaschen und dem Edelstahlgeschirr krachte auf die Sitze herunter. Das wäre sicher recht hässlich geworden, wenn wir im Jeep gesessen hätten. Es blieb mehr als ruppig und wir blieben zahlreiche Male im Sand stecken. Damien, einer unserer nordirischen Fahrer bemerkte hierzu treffend: „This is serious off-road shit!“ (frei übersetzt: „Das ist krasse Allrad-Scheiße“, Anm. d. Red.).

Und Scheiße war auch die Ausrüstung. Die Gangschaltung konnte nur mit Menschengewalt bewegt werden, der Grill triefte vor Fett, die rostigen Zeltstangen kapitulierten in der ersten Nacht dem starken Wind, so dass vier Leute nachts darauf im Jeep schlafen mussten und voller Freude dabei entdeckten, dass der Wagen Kakerlaken infiziert war. Einige unserer Mitfahrer hatten sich im Koalas Schlafsäcke gemietet und dafür eine Reinigungsgebühr von AU$10 bezahlt. Umso größer war die Freude, als einer von den Nordiren einen benutzten Mädchen-Pyjama in seinem Schlafsack entdeckte. Überhaupt war ein gesunder Schönheitsschlaf nur schwer zu bekommen, denn der Wind ließ die ganze Nacht Sand auf die Zeltplane prasseln oder ich musste nachts mehrmals raus und unser Schrottzelt wieder neu fixieren, damit wir nicht ins Meer geweht werden. Die undichten Kühlboxen leckten, was sich nicht so dramatisch anhören mag, allerdings war das nicht verpackte Eis mittlerweile geschmolzen und hatte sich zusammen mit den blutigen Fleischlappen unseres Metzgerpaket und zur Freude Dina’s auch mit ihrem einzigen vegetarischen Burger vermengt und bildete eine schöne lauwarme Blutlauge. Auch die zweite Kühlbox teilte ein ähnliches Schicksal, als sich die Butter im Eiswasser verselbständigte. Es gab auch keine Duschen oder Toiletten auf dem Zeltplatz. Was so schlimm auch nicht war, aber die Spackos von Koala Tours sagten uns noch am Vortag, wir sollten doch genug Kleingeld für die Duschen mitnehmen. Ach, lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho.

Die Insel haben wir dann aber auch besichtigt. Die Kombination Sand und Insel hörte sich nicht sonderlich lebensfreundlich an, umso erstaunlicher war die Erkenntnis, wie vielfältig das Leben auf der Landmasse doch ist. Eukalyptuswäler und Buschland, kristallklare Süßwasserseen wie Wabby, Birrabeen und Mc Kenzie, riesige Sanddünen, wild lebende Dingos, die ins Meer laufenden Flußarme und natürlich das maritime Leben um die Insel herum. Vom Indian Head konnte man gigantische Rochen anhand ihrer Schatten im Wasser erahnen, Buckelwale ziehen vorbei und an der Küste stehen unzählige Angler auf der Suche nach dem großen Fang. Wir hatten auch das Glück, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und Zeuge zu werden, wie ein 1,5 Meter langer Schaufelnasen-Hammerhai nahe des Maheno-Wracks nach einstündigem Kampf an Land gezogen werden konnte. Allerdings wurde dieser dann aber wieder ins heimatliche Meer gelassen, sonst hätte es auch ordentlich Ärger mit Dina gegeben.

Trotzdem waren alle froh nach den zwei Nächten wieder zurück in der Zivilisation zu sein. Wir verzichteten auch gern auf die zweite freie Nacht im Koala-Loch und zogen schnelltsmöglich ins The Friendly Hostel um, wo der Name Programm war und wir endlich den ersehnten Nachtschlaf nachholen konnten.

Ach und übrigens, die Tour hätte bei Koala direkt vor Ort kurzfristig etwa die Hälfte gekostet. Wicked Travel hatte uns dreist ins Gesicht gelogen. Uns voll verarscht. Deswegen heißen die auch ab heute (und die Redaktion lässt den rüden Ton entschuldigen) Wichser Travel.

Naja und weil Dina ja so gern in See sticht, ging es am Folgetag noch Wale schauen, denn Hervey Bay ist die selbsternannte Whale Watching Hauptstadt Australiens und Juli – September die Zeit, wo hunderte Buckelwale, die aus der kalten Antarktis kommen, in den wärmeren Gefilde an der Ostküste Australiens ihre Kälber zur Welt bringen.

Wir hatten das schnellste Boot gewählt, um den Ausflug kurz und schmerzlos zu gestalten. Wir hatten Wind aus Südwest und nach Aussage des Kapitäns die ungünstigste Windrichtung. Das hieß Seegang – und zwar richtig. Mit 40 Knoten heizten wir über den Ozean und verloren dabei einige Male die Wasserhaftung, um kurz danach mit wuchtigem Krachen hart auf den Wellen aufzuschlagen. Buckelwale gab’s dann tatsächlich zu sehen, wenn auch nicht so nah, wie wir es uns gewünscht hätten.

Interessante Zeiten also, hier an der Ostküste. Agnes Water und Town of 1770 unsere nächsten Stationen weiter entlang der Ostküste versprechen da schon entspanntere Tage.





No worries.

1 09 2009

Ort: Noosa (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: australisch winterlich

Noosa und Umgebung war nett. Die vielen bildhübschen Häuschen entlang des Flusses, wo sich Pelikane gierig die Fischreste der zahlreichen Angler schnappen; die vielen aneinander gereihten Strände und der wirklich schöne Wanderweg entlang der Küste im Noosa Nationalpark, wo neben Pandanus-Bäumen auch Brush Turkeys (Buschhuhn, Anm. d. Red.), eine beachtliche Waranart namens Goanna und allerlei anderes Getier beheimatet sind. Im 12 Km entfernten Eumundi konnten wir auf dem Mittwochsmarkt so verrückte Sachen wie Mango-Macadamia-Muffins und eine deutsche Wurstbude mit Knackwurst with Sauerkraut bestaunen. Man konnte sogar Pony reiten oder einen Drachen steigen lassen. Es war nett. Nicht spektakulär. Nur nett.

Was gab es bisher denn überhaupt Spektakuläres auf diesem fernen Kontinent? Landschaftlich war es bisher keine Offenbarung, da wir momentan entlang der Ostküste unterwegs sind. Und da gibt es eben vor allem Strände. Aber nach dem dritten „schönsten Strand Australiens“ ist ein Strand eben auch nur ein Strand. Bisher also keine Naturwunder.

Und kulturell? Eher dünn. Australien ist ein junges Land mit wenig sichtbarer Historie. Die hellhäutige Bevölkerung des fünften Kontinents mockiert ja zudem gerne mal, dass die Aboriginies ja nüschd geleistet hätten. Nüschd produziert, nüschd imposantes wie z.B. eine crazy Oper gebaut, nüschd entwickelt. Sie haben nur ein paar langweilige Felskrakeleien hinterlassen, dafür aber keine wirklich großartigen Zeugen der Geschichte wie z.B. die Pyramiden der Mayas oder die gigantischen Steinfiguren der Osterinsel. Noch nicht mal den großen roten Felsen namens Uluru haben sie selbst geschaffen. Den ganzen Tag nur aus Spaß Boomerang werfen und faulenzend Didgeridoomelodien hören.

Als dann der weiße Mann nach Australien kam und nur diese wilden Primitivlinge vorfand, wurde der Kontinent kurzerhand als Terra Nullius, als Niemandsland, deklariert und die britische Müllabfuhr brachte die Verurteilten aus den überfüllten Gefängnissen des verregneten Vereinigten Königreichs. Was sie dann selber in reichlich 200 Jahren auf die Beine gestellt haben ist eine Kultur, die vor allem Spaß auf der Fahne stehen hat. Symptomatisch dafür auch das allgegenwärtige „No worries“, was strikt übersetzt „Keine Sorgen“ heißt, hier aber kontextuell eher „Kein Problem“ bedeutet. Vormittags aufstehen, zum Strand gehen, um eine Runde zu surfen, später dann BBQ mit Freunden (das hier mit Barbie sogar einen liebevollen Spitznamen hat), abends im Pub beim Bierchen oder bei Rum aus Bundaberg ruppige Sportarten wie Aussie Rules oder Rugby schauen. Gern mal ein bißchen rumpöbeln und immer schön die Kanne am Hals. „No worries“ eben.

Okay, dachten wir also, Spaß ist ja prinzipiell eine feine Sache und mal gucken, warum diese Australier dieses Wellenreiten so cool finden. Die ersten Stehversuche auf einem Longboard gab’s in der Surfschule von Merrick Davis, einem wohl bekannten Profi. In den zwei Stunden Grundlagenarithmetik des Wellenreitens konnten wir dann sogar erste Erfolge verbuchen und uns auf ein paar schönen Anfängerwellen ein paar Meter tragen lassen. Und das fetzt schon. Ein wirklich erhabenes Gefühl auf dem Element Wasser zu reiten. Und nur noch 9.998 Stunden Übungszeit im Wasser, um ins Profilager aufzurücken.

Und zum Abschluß hat die Redaktion noch eine Anekdote aus dem immer spannenden Ressort: Hostels und ihre temporären Bewohner. In Südamerika erlaubte uns das Preisgefüge ja fast ohne Ausname, uns ein Doppelzimmer zu gönnen. Im teuren Australien leidet nun also die Privatsspäre aber vor allem unser Schönheitsschlaf, denn wir nächtigen immer öfter in Schlafsäalen mit mindestens noch zwei anderen Personen. Im Chillout Hostel in Noosa hatten wir zwei besonders schöne Erlebnisse, die uns drei schlaflose Nächte bereitet haben. Zuerst waren da Summer und Sunny, zwei 19-jährige Dumpfbacken, die sich selber ihre crazy Namen gegeben haben, wobei sich Sunny aus dem für Australier unaussprechlichen Sonia ableitete und Summer aus dem Namen Lisa Sommerlatt resultierte. Allein dieser Umstand bereitete Schmerzen im Unterleib. Noch mehr Freude brachten ihre Deutschlehrstunden, die sie einem aufgegabelten Australier gaben und wo geistreiche Alltagsfloskeln wie „Geile Möpse“ und andere schöne Worte aus dem Land der Dichter und Denker übermittelt wurden. Nie war ich stolzer auf zwei Landsmänninnen. Noch erquickender aber waren die nächtlichen Aktionen unseres Dorm-Mitbewohners Peter aus Südengland, der im Zweistundentakt anfing lauthals Dialoge mit einem imaginären Gesprächspartner zu führen und uns so jedes Mal sanft aus dem Schlaf weckte.