No worries.

1 09 2009

Ort: Noosa (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: australisch winterlich

Noosa und Umgebung war nett. Die vielen bildhübschen Häuschen entlang des Flusses, wo sich Pelikane gierig die Fischreste der zahlreichen Angler schnappen; die vielen aneinander gereihten Strände und der wirklich schöne Wanderweg entlang der Küste im Noosa Nationalpark, wo neben Pandanus-Bäumen auch Brush Turkeys (Buschhuhn, Anm. d. Red.), eine beachtliche Waranart namens Goanna und allerlei anderes Getier beheimatet sind. Im 12 Km entfernten Eumundi konnten wir auf dem Mittwochsmarkt so verrückte Sachen wie Mango-Macadamia-Muffins und eine deutsche Wurstbude mit Knackwurst with Sauerkraut bestaunen. Man konnte sogar Pony reiten oder einen Drachen steigen lassen. Es war nett. Nicht spektakulär. Nur nett.

Was gab es bisher denn überhaupt Spektakuläres auf diesem fernen Kontinent? Landschaftlich war es bisher keine Offenbarung, da wir momentan entlang der Ostküste unterwegs sind. Und da gibt es eben vor allem Strände. Aber nach dem dritten „schönsten Strand Australiens“ ist ein Strand eben auch nur ein Strand. Bisher also keine Naturwunder.

Und kulturell? Eher dünn. Australien ist ein junges Land mit wenig sichtbarer Historie. Die hellhäutige Bevölkerung des fünften Kontinents mockiert ja zudem gerne mal, dass die Aboriginies ja nüschd geleistet hätten. Nüschd produziert, nüschd imposantes wie z.B. eine crazy Oper gebaut, nüschd entwickelt. Sie haben nur ein paar langweilige Felskrakeleien hinterlassen, dafür aber keine wirklich großartigen Zeugen der Geschichte wie z.B. die Pyramiden der Mayas oder die gigantischen Steinfiguren der Osterinsel. Noch nicht mal den großen roten Felsen namens Uluru haben sie selbst geschaffen. Den ganzen Tag nur aus Spaß Boomerang werfen und faulenzend Didgeridoomelodien hören.

Als dann der weiße Mann nach Australien kam und nur diese wilden Primitivlinge vorfand, wurde der Kontinent kurzerhand als Terra Nullius, als Niemandsland, deklariert und die britische Müllabfuhr brachte die Verurteilten aus den überfüllten Gefängnissen des verregneten Vereinigten Königreichs. Was sie dann selber in reichlich 200 Jahren auf die Beine gestellt haben ist eine Kultur, die vor allem Spaß auf der Fahne stehen hat. Symptomatisch dafür auch das allgegenwärtige „No worries“, was strikt übersetzt „Keine Sorgen“ heißt, hier aber kontextuell eher „Kein Problem“ bedeutet. Vormittags aufstehen, zum Strand gehen, um eine Runde zu surfen, später dann BBQ mit Freunden (das hier mit Barbie sogar einen liebevollen Spitznamen hat), abends im Pub beim Bierchen oder bei Rum aus Bundaberg ruppige Sportarten wie Aussie Rules oder Rugby schauen. Gern mal ein bißchen rumpöbeln und immer schön die Kanne am Hals. „No worries“ eben.

Okay, dachten wir also, Spaß ist ja prinzipiell eine feine Sache und mal gucken, warum diese Australier dieses Wellenreiten so cool finden. Die ersten Stehversuche auf einem Longboard gab’s in der Surfschule von Merrick Davis, einem wohl bekannten Profi. In den zwei Stunden Grundlagenarithmetik des Wellenreitens konnten wir dann sogar erste Erfolge verbuchen und uns auf ein paar schönen Anfängerwellen ein paar Meter tragen lassen. Und das fetzt schon. Ein wirklich erhabenes Gefühl auf dem Element Wasser zu reiten. Und nur noch 9.998 Stunden Übungszeit im Wasser, um ins Profilager aufzurücken.

Und zum Abschluß hat die Redaktion noch eine Anekdote aus dem immer spannenden Ressort: Hostels und ihre temporären Bewohner. In Südamerika erlaubte uns das Preisgefüge ja fast ohne Ausname, uns ein Doppelzimmer zu gönnen. Im teuren Australien leidet nun also die Privatsspäre aber vor allem unser Schönheitsschlaf, denn wir nächtigen immer öfter in Schlafsäalen mit mindestens noch zwei anderen Personen. Im Chillout Hostel in Noosa hatten wir zwei besonders schöne Erlebnisse, die uns drei schlaflose Nächte bereitet haben. Zuerst waren da Summer und Sunny, zwei 19-jährige Dumpfbacken, die sich selber ihre crazy Namen gegeben haben, wobei sich Sunny aus dem für Australier unaussprechlichen Sonia ableitete und Summer aus dem Namen Lisa Sommerlatt resultierte. Allein dieser Umstand bereitete Schmerzen im Unterleib. Noch mehr Freude brachten ihre Deutschlehrstunden, die sie einem aufgegabelten Australier gaben und wo geistreiche Alltagsfloskeln wie „Geile Möpse“ und andere schöne Worte aus dem Land der Dichter und Denker übermittelt wurden. Nie war ich stolzer auf zwei Landsmänninnen. Noch erquickender aber waren die nächtlichen Aktionen unseres Dorm-Mitbewohners Peter aus Südengland, der im Zweistundentakt anfing lauthals Dialoge mit einem imaginären Gesprächspartner zu führen und uns so jedes Mal sanft aus dem Schlaf weckte.

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2 responses

2 09 2009
Lennart

das klingt ja mal zur abwechslung nicht frenetisch. summer und sunny als emissäre des goethe-instituts in der diaspora?
vielleicht solltet ihr euch für den rest des australienaufenthaltes auch crazy (das erinnert mich an das schild fürs ‚creazy taxi‘ an der treppe am burgplatz, neben das jemand treffenderweise ’sucks‘ gesprüht hat) spitznamen zulegen, zwecks akklimatisierung.
kanne an den hals kann doch helfen und kann doch zumindest eine hälfte von euch auch. no worries.

6 09 2009
Silja

Danke Matze fuer die coolen Fotos!!!
Die Rattenbande ist auch schon voll auf dem Tripp und planen Ihre eigene
Weltreise… Gruesse Quentin

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