Warum Australier kein Känguruh essen.

23 09 2009

Ort: Townsville (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Feucht-fröhlich

In Townsville angekommen hieß es mal wieder Couchsurfen. Mittlerweile haben wir in den ersten fünf Wochen schon immerhin fünf Tage für umme auf diversen Sofas (der inoffizielle Plural von Couch) genächtigt. Und hier sollten es zwei weitere Tage werden. Der routinierte Couchsurf-Papa holte uns vom Greyhound-Busstop ab und es ging in einen Vorort von Townsville. Andy wohnt dort mit seiner phillipinischen Frau Nanie und der 3-jährigen Tochter Asha, für die die wechselnden Couchsurfer eine willkommene Abwechslung und viele Spielkameraden bedeuteten. Sympathisch war auch das T-Shirt der Kleinen, das da sagte: „HELP! These are not my real parents“ („HILFE! Das sind nicht meine richtigen Eltern“, Anm. d. Red.). Doch nicht nur die Familie selber, auch das Haus war sehenswert

Ein altes Queenslander Haus, das traditionell auf Stelzen steht, um eine gute Durchlüftung im feuchtwarmen Klima des australischen Nordens zu gewährleisten, Pool im Garten und natürlich ein Bierkühlschrank auf der großzügigen Holzveranda. Das konnte schon was. Es wurde natürlich bei der Ankunft am frühen Nachmittag eine Pilsette aufgemacht und mit dem Hausherren der gesellige Abend eingeleitet. Er war stolzer Besitzer einer Jim-Beam-Uhr, die er für den Kauf von Jim-Coke im Wert von AU$49,90 bekommen hatte. Mit der Zeit kamen noch ein paar mehr trinkfreudige Mittvierziger und Freunde des Hauses, um am BBQ teilzunehmen. Und es wurde ganz klassisch gegrillt, mit schön fettiger Wurst und Rind auf dem Rost. Ein typischer Aussie-Abend.

Wo wir gerade beim Kulinarischen sind, mal eine kleine Einführung in die Australische Küche. Zuerst mal darf man ja nicht vergessen, dass sich der nationale Speisezettel aus dem Englischen ableitet. Und was soll man da schon erwarten? Richtig, Langeweile und Kopfschütteln, hier und da ein leichtes Würgen. Fangen wir mit dem Übelsten an: Vegemite. Der Brotaufstrich einer jeden australischen Kindheit, vergleichlich mit Nutella in Deutschland oder Dulce de Leche in Argentinien. Nur eben ziemlich ekelhaft. Das Zeug ist nämlich nicht süß, sondern salzig und schmeckt wie eingedickte Soyasoße. Oder man stelle sich Maggi-Brühwürfel als streichbare Masse auf dem morgentlichen Toast vor. Uaaaargh, disgusting. Und das sage ich, jemand, der zum Frühstück auch gern mal Ölsardinien mit Haut und Gräten auf den Toast drapiert.

Fisch und Chips sind ein weiteres kulinarisch eher fragwürdigeres Erbe, hier und da aber gar nicht so schlecht gemacht. Ein schmackhafter Fisch-Klassiker ist Barramundi, den es fast überall entlang der nördlichen Ostküste gibt. Als Australier mag man seine Nahrung also gern paniert oder frittiert. Oder in Blätterteig, dann heißt es Pie und man muss sich handtellergroße Blätterteig-Küchlein vorstellen, die mit Rind oder Huhn oder sonst allen möglichen Kombinationen – zu Pampe verarbeitet – gefüllt sind. Macht so pappsatt, wie drei große Löffel Fensterkitt, schmeckt nur nicht so gut. Im krokodilreichen Norden um Darwin gibt es dann auch Krokodil zu essen, was allerdings eher wie ertrunkenes Huhn schmeckt und nicht das Prädikat zart verdient.

Was aber wirklich ganz gut zu essen ist, ist Känguruh. Fett- und Cholesterinfrei und mit einer einladenden Textur gesegnet, erfreut es sich aber überraschenderweise keiner großen Beliebtheit. Der Geschmack ist schon speziell aber nicht unangenehm, sehr zart und saftig, wenn es sachte gebrutzelt wurde. Aber warum mag der gemeine Australier sein Wappentier nicht essen? Moralische Bedenken können es kaum sein. Känguruhs werden jedes Jahr innerhalb einer Quotenregelung zu Tausenden abgeknallt, um die armen Farmer vor den gefräßigen Beuteltieren zu schützen. Ignoranz durch alte britische Gepflogenheiten? Schmeckt Minzsoße nicht dazu? Kann man es nicht panieren? Wir wissen es nicht. Doch eine weitere Theorie besagt, dass das Fleisch einfach minderwertig ist. Ein Supermarktmitarbeiter erzählte uns, dass in seiner Kindheit Känguruhs abgeknallt und den Hunden zum Fraß vorgeworfen wurden. Hundefutter also. Und ein Blick ins Kühlregal im Coles-Supermarkt sprach dann auch Bände. Neben dem Känguruh-Fleisch fand sich was? Oh mein Gott, Hundefutter.

In den letzten Jahren hat sich aber eine, vor allem durch Einwanderer geprägte, neue „australische“ Küche entwickelt. Die ist allerdings dann oft so teuer, dass die zwei armen Reisenden meist nur ihre Nasen an den feinen Restaurantscheiben platt drücken, um dann doch selber zu kochen.

Was es noch nicht auf die Speisekarte geschafft hat, ist die allgemein unbeliebte Aga-Kröte. Sie ist eine der größten Froschlurche der Welt und wieder mal ein Beispiel für unprofessionellen Tierimport auf einem fernen Kontinent mit isoliertem Ökosystem. 1935 wurden die Racker auf dem australischen Kontinent eingeführt, um die Schadinsekten auf den Zuckerrohrplantagen an der Ostküste platt zu machen. Bis das Übel seinen Lauf nahm. Heute ist die fette Kröte eine unaufhaltbare Plage, der man kaum Herr zu werden scheint. Allerdings findet man auf den lokalen Märkten hier und da ein paar einfallsreiche Verwertungsmöglichkeiten. Wer freut sich nicht über ein schönes Kröten-Portemonnaie zu Weihnachten? Oder eine schmückende Bereicherung für die heimische Schrankwand in Form einer aufgeblasenen Kröte im Rambo-Outfit. Bestellungen werden gern aufgenommen.

Ansonsten gab es einen entspannten Sonntagnachmittag an der Strandpromenade. Eines muss man den Australiern ja lassen, Freizeitmöglichkeiten stehen recht umfangreich und oft auch kostenlos zur Verfügung. So gab’s für die Kids ein schönes Spaßbad, für das man in Deutschland mindestens 6€ abdrücken müsste. Selbst öffentliche Toiletten, deren Besuch für viele ja auch eine spaßige Freizeitgestaltung ist, sind grundsätzlich für umme und dafür recht gepflegt. Überhaupt wirken die Städte entlang der Ostküste bisher wie frisch durchgefegt und in Townsville standen sogar ein paar gut erhaltene traditionelle Gebäude herum, darunter Hotels und Pubs aus dem vorletzten Jahrhundert.

Ein schönes Wochenende in Townsville.

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One response

3 10 2009
Lennart

ach, diese kröten. supersuess! ich hoffe die schlafen nur!

vegemite ist übrigens der bruder des englischen marmite, mit dem ich – wenn auch nicht ganz so spektakulär auf weltreise, sondern in sprachferien in england – mal begenet bin. nutelladick aufs toastbrot und dann das böse erwachen. nur dass einem mit 14 die chuzpe fehlt, das liegenzulassen. also runter damit, oder in einem unbeobachteten moment unter der auslegeware verstecken.

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