Nordland.

30 11 2009

Ort: Nordland (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Neuseeländisch wechselhaft

Nun ging es also endlich on the road. Eine Woche Nordland war geplant. Eine Woche im winterlosen Teil nördlich von Auckland, westlich bis hoch ans Cape Reinga und an der Ostküste wieder zurück nach Auckland.

Zuerst ging es in die unattraktive Geisterstadt Dargaville. Schon auf der Fahrt wunderten wir uns, dass wir an einem Samstagabend kein einziges Licht in den Häusern brannten sahen, keinen einzigen Menschen auf den Straßen. Wir waren im neuseeländischen Outback. Alles tot. Das einzige was von existierendem Leben sprach, war der volle Parkplatz vor dem lokalen Pub, wohin natürlich jeder mit dem Auto hinfährt.

Nach einem Frühstücksabstecher zu Baylys Beach ging es weiter zu den Kai Iwi Lakes. Doch schon der Oktober war der kälteste seit Ende des Zweiten Weltkriegs und die Zeichen standen noch nicht wirklich auf Frühling. Viel Regen und viel Wind hatten wir in den ersten Tagen aber immerhin waren wir im winterlosen Norden, denn auf der Südinsel wurde vor ein paar Tagen noch meterhoch Schnee geräumt.

In den Zwillingsstädten Opononi und Omapere hätten wir an der War Memorial Hall über Nacht parken können, doch auch schon wie in Dargaville trieben sich da einige fragwürdige Gestalten herum.

Und apropos War Memorial Hall. Ein klassischer Fall von Minderwertigkeitskomplex, sogar noch schlimmer als in Australien. Als ehemalige Kolonien des Vereinigten Königreich fühlten sich unsere Freunde von Down Under nämlich in die Pflicht genommen, als Anfang des 20. Jahrhunderts im fernen Europa ein Weltkrieg ausbrach. Das Mutterland England war natürlich froh über jedes Kanonenfutter und so kämpften australische und neuseeländische Einheiten gegen Deutschland auf dem bedeutendsten Schlachtfeld Europas. Gallipoli. Was noch nie gehört? Zu Recht! Gallipoli ist eine kleine Halbinsel in der Türkei auf der Tausende Soldaten für nichts und wieder nichts ihr Leben ließen. Von England blind ins Feld geschickt, war Gallipoli für die tausende Kilometer entfernten ozeanischen Länder so bedeutend wie Schweinekoteletts auf einem türkischen Wochenmarkt. Heute gibt es hier in jedem kleinen Kaff ein Versammlungshaus, dass den Gefallenen von Gallipoli gewidmet ist. Es kommt einen so vor, als wenn hier immer wieder betont werden will, dass der Zwerg NZ auch mal mitgespielt hat, auch wenn sie als letztes ins Basketballteam gewählt wurden. Schön sind auch die ganzen Bunkerruinen, die auf der ganzen Insel verteilt sind. Wenn einem davon berichtet wird, fällt dann auch immer der Nachsatz, dass sie nie wirklich benutzt wurden, weil leider keiner Neuseeland okupieren wollte. Ich verdrücke eine Träne und hoffe, dass es beim nächsten Mal besser laufen wird.

Es ist ja nicht so, dass Neuseeland nichts zu bieten hätte, es liegt nur einfach mal verdammt weit weg. So findet man immer mal wieder exotische und endemische Exemplare aus Flora und Fauna. Heute: Kauri-Fichten. Die nadelhölzigen Baumriesen gibt es nur im subtropischen Teil auf der neuseeländischen Nordinsel und davon auch nicht mehr viele, da sie wegen ihres vorzüglichen Holzes und eines bernsteinartigen Baumharzes reihenweise abgeholzt wurden. Der größte noch stehende Kauribaum ist Tane Mahuta, der „Gott des Waldes“. Er ist etwa 2.000 Jahre alt, 51,5 m hoch und bei einem Stammumfang von 13,8 m muss man sich ganz schön lang machen. Doch heute existieren nur noch 150 von ehemals 1 Million Hektar der altehrwürdigen Baumriesen. Ein Schicksal, dass viele Waldregionen getroffen hat. Nach 80 Millionen Jahren Isolation hat es der Mensch in kürzester Zeit geschafft, den Baumbestand von ehemals 85% Landabdeckung auf einen vernichtend kleinen Anteil zu reduzieren.

Und dann ging es endlich an die nördlichste Spitze Neuseelands, an Cape Reinga. Man kann an einem 90 Meilen langen Strand entlang fahren, doch Rosarka läuft nicht mit Allrad und wir hatten keine Lust auf Experimente im Sand. So ging es also ganz langweilig auf Bitumen bis zum Kap. Naja fast, denn hier und da gab es noch schön Schotterpiste, die uns immer schön eingestaubt hat.

Wir versuchen ja immer einen kostenlosen Stellplatz für die Nacht zu bekommen, da man bei der Übernachtung am leichtesten sparen kann, vor allem, wenn man im Van schlafen kann. Uns wurde gesagt, dass sei in NZ kein Problem, man könne überall parken, wo kein Schild steht. Doch dummerweise standen an jeden öffentlichen Platz mit Toiletten auch Schilder, die das Parken über Nacht ausdrücklich verboten.

Aber das Department of Conservation, die sich um Nationalparks und Wanderwege in ganz NZ kümmert, unterhält auch Campingplätze. Die sind zwar nicht immer umsonst, kosten etwa 4€ pro Person und sind damit deutlich günstiger als jeder private Campingplatz. Zudem haben sie meist die beste Lage und wir freuten uns über einen Stellpatz direkt hinter der Düne am Meer in der Tepotupotu Bucht.

Ach und immer wieder diese Maori-Namen. Nicht unbedingt leicht einzuprägen, oftmals sehr ähnlich klingend und vor allem auf der Nordinsel überall zu finden. Aber ein Zeichen dafür, dass die Maori-Kultur in Neuseeland sehr gut integriert und essentieller Bestandteil der nationalen Identität ist. Ganz anders also im Vergleich zu Australien, wo die Aborigines einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft haben, obwohl sie doch mittlerweile den Status als anerkannte Ureinwohner der letzten 40.000 Jahre haben.

Nach archäologischen Erkenntnissen ist die Kultur der Maori auf Neuseeland noch recht jung – etwa 2.000 Jahre alt – und Resultat polynesischer Wanderbewegungen. In der Maori-Überlieferung ist ihre Kultur sogar noch jünger, denn Kupe, der große Seefahrer des Pazifiks, soll erst 925 n. Chr. als erster Neuseeland entdeckt haben. „He ao, he ao, he ao tea, he ao tea roa!“ – „Eine Wolke, eine Wolke, eine weiße Wolke, eine lange weiße Wolke!“ sollen die ersten Worte von Kuramarotini, der Frau Kupes, gewesen sein. Und so heißen die Inseln eigentlich Aotearoa, das Land der langen weißen Wolke.

Nachdem wir ein Stück auf dem spektakulären Küstenwanderweg gen Cape Reinga gewandert waren, sind wir dann doch mit Rosarka zum Cape gefahren. Der Ort, wo die raue Tasmanische See und der Pazifische Ozean zusammentreffen, der Wind hart bläst und die Brandung krachend bricht, ist aber nicht nur als wildes Naturschauspiel bekannt, sondern auch der spirituell bedeutendste Ort der Maori auf Neuseeland.

An der nördlich ausgerichteten Spitze von Te Rerenga Warua, so der Maori-Name, steht ein nie blühender Pohutukawa Baum. Die animistische Glaubensvorstellung der Maori sagt, dass an seinen Wurzeln die Seelen der Verstorbenen ins Meer herunter rutschen, um in die Unterwelt zu verschwinden. Auf den vorgelagerten „Three Kings Islands“ steigen sie nochmal auf die höchste Erhebung für einen letzten Abschied hinauf, bevor es endlich in das Land der Urahnen, nach Hawaiiki-A-Nui geht.

Für uns ging es aber auf dem Trockenen und ganz real mit Rosarka zu einem anderen DoC Campingplatz namens Spirits Bay, von wo es am nächsten Morgen in die Te Paki Sanddünen ging. Wir waren zu früh dran für’s Sandboarding, daher erkundeten wir zu Fuß die über 100 m hohen Dünen. Wüste direkt am Meer.

Nach der nördlichen Spitze des Nordlandes ging es nach Osten in die Bay of Islands, also die Bucht der Inseln. Dort gab es eine 6-stündige Bootsfahrt auf den alten Wasserwegen der Versorgungsschiffe im Inselsystem, „The Cream Trip“ genannt. Wir hatten das Glück, gleich 2x Delphine zu sehen, faulenzende Robben und sogar einen blauen Pinguin, der mit nur maximal 41cm der kleinste seiner Art ist. Auf der Insel Urupakupaku gab es einen herrlichen Blick und wir waren schon fast etwas traurig, dass es die Zeit nicht erlaubte auf einer der DoC Campsites zu bleiben.

Dann kurz Pipi machen in den Hundertwasser-Klos in Kawakawa und ab nach Whangarei, wo mal wieder Couchsurfing angesagt war. Diesmal waren wir bei Matt und Stu, 2 richtigen Kiwis, untergekommen. Es gab lecker BBQ und wir lernten mal wieder eine Menge anderer Surfer kennen.

Zum Abschluß gab es noch einen Abstecher in den Tawharanui Regional Park am Cape Rodney. Es ist ja nicht so, dass nur die Nationalparks einen Besuch wert sind, sondern auch die vielen regionalen Parks sind mehr als sehenswert.

Ach furchtbar dieses Neuseeland. Im Vorfeld wurde uns gesagt, dass neun Wochen mehr als genug seien. Aber wir merken schon jetzt, dass das bei weitem nicht reicht. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu tun. Wir wären gern hier und da noch etwas länger geblieben, doch nach einer Woche Nordland ging es zurück nach Auckland.

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Sydney, Auckland und Rosarka.

26 11 2009

Ort: Sydney (AUS), Auckland (NZ)
Zeitunterschied: +10/+12 Std. MEZ
Wetter: 4 Jahreszeiten an einem Tag, jeden Tag

Nach der holden Schönheit Tasmaniens drehte es sich dann einmal nicht um blühende Wildblumen oder bekloppte Wombats, sondern vor allem um neue Bekannte, die Freunde wurden.

Sydney fanden wir bei unserem ersten Besuch ja nicht so spektakulär wie erwartet. Doch es gab schon mal den ersten Pluspunkt, was das Wetter angeht. Nach kalten tasmanischen Nächten waren wir froh mal wieder die kurzen Höschen rauszuholen und etwas Sonne zu tanken. Es war mal wieder Couchsurfing angesagt und so landeten wir bei Joe und Lucy im schönen Vorort Manly. Alles wirkte sehr aufgeräumt, es gab wieder shiny happy people, einen Strand in kurzer Laufdistanz und gutes Essen. Manly war ein Ort, wo man seine Kinder großziehen möchte. Joe war zudem ein absolut witziger Typ, der einiges zu erzählen hatte. Wenn man in seinem Lebenslauf aber stehen hat, dass man in Armenien geboren wurde, in Kairo aufgewachsen ist und heute professioneller Hypnotiseur und gleichzeitig Daytrader ist, dann sollte das nicht verwundern. Sydney zeigte sich durch Manly und Joe und Lucy von seiner angenehmen Seite, es gab eigentlich keinen Grund in die hektische Innenstadt zu fahren.

Einzig das Wiedersehen mit Anja und Pit ließ uns die Fähre zum Circular Quay an der Oper nehmen, um uns im ältesten Stadtteil Sydneys, The Rocks, ein paar Bier zu genehmigen. Es gab frisch Gezapftes auf der Dachterrasse eines Pubs mit Blick auf die Oper, danach noch sensationelles Essen bei einem Inder und zum Abschluß des entspannten Abends lecker Lokalbräu aus einer urigen Eckkneipe. Wieder ein gepflegter Abend.

Der Drops namens Australien war also gelutscht. Drei Monate sind ins Land gezogen und das Fazit fällt gemischt aus. Der Preis und Kulturschock saß nach der Ankunft aus Südamerika tief. Die Ostküste mit nachtaktiven Hostelgästen, saufenden Iren und simpel gestrickten 19-Jährigen tat ihr übriges. Die bisher größte Enttäuschung. Der Spaß fing bei uns erst an, als wir unabhängig von Transport und Unterkunft im Spaceship unterwegs waren. Vielleicht hätten wir die Ostküste so auch anders erlebt, wir wissen es nicht. Darwin, im heißen Norden Australiens, war eine furchtbare Stadt und wir hatten nicht die beste Zeit für einen Ausflug in den Kakadu-Nationalpark erwischt. Es war einfach zu trocken am Ende der 5-monatigen Trockenzeit. Melbourne gab uns wieder ein Hoch, allerdings müssen die sich nach noch etwas mit dem Wetter einfallen lassen, das geht so nicht. Die Grampiens und die Great Ocean Road blieben uns auch in guter Erinnerung. Sicher auch, weil wir wieder flexibel im Spaceship unterwegs waren. Das klare Highlight aber war Tasmanien. Einfach wunderschön.

Wir würden wiederkommen nach Australien. Wir würden die Westküste mit eigenem Allradwagen erkunden und wir würden das staubige Zentrum mit dem großen roten Felsen, der den Aborigines so heilig ist, besuchen. Doch jetzt werden wir erst mal für neun Wochen Neuseeland entdecken.

Nach den vier Nächten auf der Couch in Manly, Sydney, ging es direkt auf die nächste Couch nach Auckland. Zu Lozo und Lucy. Und was für ein Empfang. Das riesige Haus in Waitakere, West Auckland, platzte nur so aus allen Nähten vor anderen Couchsurfern und Familienmitgliedern. Damit hatten wir nicht gerechnet.

Doch eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten, die wir je kennengelernt haben war unser Gastgeber. Lozo, eigentlich Lorenzo Santamaria, ist gebürtiger Südafrikaner. Ein sogenannter „Cape Coloured“, also Mitglied eine farbigen Minderheit aus der Gegend um Kapstadt und unglückliches Opfer von Schwarz-Weiß-Denkens am südlichen Zipfel Afrikas. Zu Zeiten der Apartheid stand er in erster Linie bei den Demonstrationen gegen die rassistische Segregationspolitik. Er war gesuchter Staatsfeind, musste im Exil leben, mehrfach seine Identität wechseln und saß dann doch ein Jahr auf der berüchtigten Gefängnisinsel „Robben Island“ ein, wo auch schon Nelson Mandela 19 Jahre seines Lebens fristen musste. Dann nach Ende der weißen Apartheid, wurden Gesetze eingeführt, die die schwarze Bevölkerung wieder bevorteilen sollte. Doch Lozo war als Farbiger nicht Schwarz genug, obwohl er doch Seite an Seite gegen die Rassenpolitik der weißen Minderheit gekämpft hatte. Reverse Apartheid. Wie ungerecht muss man sich behandelt fühlen. Doch er ist keiner der jammert und schimpft. Ein Kämpfertyp, 100% Energie, ein Hurrikan. Er war 1992 Teilnehmer der Olympischen Spiele in Barcelona – als Triathlet. Und heute nach fast 20 Jahren ohne ernsthaftes Training steht er jeden Morgen um 5 Uhr auf, um ins Fitnessstudio zu gehen oder mal eben 280 Km mit dem Fahrrad zu fahren. Wenn mal gerade nicht trainieren angesagt ist, wird am Haus herumgewerkelt, jeden Tag scheint sich etwas zu verändern. Lozo scheint immer gut gelaunt zu sein und uns ist es ein Rätsel, wo er diese Energie hernimmt.

2005 ist der Familie auch noch das Haus abgebrannt und sie haben fast alles verloren. Heute ist alles wieder aufgebaut und die Einstellung zu materiellen Dingen hat sich geändert. Es sind andere Sachen wichtig. Das war vielleicht auch ein Grund, warum sie später mit Couchsurfing angefangen haben und in den letzten Monaten unfassbar viele Leute gehostet haben. Während der acht Tage, die wir in Gesellschaft dieser großartigen Familie verbracht haben, waren immer gleichzeitig um die 8-10 andere Couchsurfer da. Drei Amerikaner, zwei Deutsche, eine Französin, ein Italiener, zwei Argentinier, eine Schottin, zwei Spanier und die Monkeys aus Österreich. Wir haben wieder viele interessante Leute getroffen, alles Langzeitreisende. Doch hier jeden gebührend zu würdigen, würde den Rahmen sprengen.

Und was? Acht Tage couchsurfen? Ja, 8 Tage. Wenn man nach Neuseeland kommt, stellt sich schnell die Frage wie man am besten durch die Lande reist. Auto mieten oder kaufen und dann im Hostel schlafen oder doch einen kleinen Campervan mieten oder kaufen. Viele Möglichkeiten, viele Fragen. Aber nach Abwägen aller Optionen fiel die Wahl dann doch auf das Modell: kleinen Campervan kaufen. Für etwa 2000€ bekommt man dann einen alten ausrangierten Japaner, denn unsere Freunde von der Insel haben sehr strenge Auflagen vom Gesetzgeber, was den Zustand des Wagens angeht und auch die Entsorgung ist mit immensen Kosten verbunden. Daher lohnt der Export in alle Welt.

Lozo fuhr uns wie ganz selbstverständlich zum Wochenend-Automarkt, doch wir waren zu langsam bei der Kaufentscheidung und der Wagen fuhr vor unserer Nase vom Hof. Aber ein Auto kauft man mal nicht eben wie einen Kaffee, sondern man braucht etwas Bedenkzeit. Dumm nur, wenn die umgebauten Campervans mit Holzbett und allem was man so im Camperleben braucht, weggehen wie warme Semmeln.

Egal, zwei Tage später hatten wir Erfolg. Nachdem wir einige Hostels in Auckland abgeklappert hatten, trafen wir uns mit Martin, Pavla und Rosarka. Die ersten beiden stammen aus der tschechischen Bierstadt Pilsen und lebten ein Jahr lang in einem 1987er Toyota Hiace namens Rosarka. Da war sie also – Rosarka (bei der Aussprache die Stimme tief stellen und einen tschechischen Akzent immitieren, Anm. d. Red.). Von außen keine Schönheit, mit einigen Makeln aber innen tiptop. Der Motor läuft nach mindestens 230.000 Km noch wie eine Eins, obwohl offensichtlich am Tacho manipuliert wurde. Rosarka läuft nämlich mit Diesel, was zwar im Vergleich zu Europa um 35% billiger ist als Benzin, man aber gezwungen ist eine Phantasiesteuer von NZ$40 pro gefahrene 1000 Km zu zahlen. Und genau die kann man natürlich gut sparen, wenn den Tachometer abgeklemmt. Letztlich kommt es aber auf paar tausend Kilometer mehr oder weniger auch nicht an, wenn die Werkstatt sagt, dass alles in Ordnung sei. Und das war bei Rosarka der Fall.

Auto kaufen ist in Neuseeland so einfach wie mal kurz Brötchen beim Bäcker holen. Nur mit Formular eben. Es war eine Sache von fünf Minuten. Hübsch unbürokratisch. Nachdem das Kaufgeschäft abgewickelt war, haben uns die schlitzohrigen Tschechen dann auch noch ganz beiläufig gestanden, dass eigentlich 10.000 Km mehr auf der Uhr stehen müssten. Schlitzohritsch eben.

Top war aber die Ausstattung unserer Rosarka. Trotzdem wurde aber wegen dem Wohlbefinden (man gewöhnt sich an allem, auch am Dativ, Anm. d. gut aufgelegten Red.) neues Bettzeug gekauft und ein zweiter Gaskocher angeschafft. Und Vorhänge mussten her. Denn dunkel muss es innen sein, wenn draußen die Straßenlaternen scheinen und der Nachtschlaf gesichert werden soll. Wir hatten also einen schönen großen Wohnzimmervorhang im Räumungsverkauf erstanden, der genau das Blau unserer Innenausstattung traf und sonnendicht ist. Es musste jetzt nur noch zugeschnitten und geschneidert werden. Lozo hatte eine gute alte Genomi Nähmaschine aus den 60er Jahren, deren Handhabung nach 1-stündiger Begutachtung und unter großer Mithilfe unseres österreichischen Freundes Josef auch endlich verstanden wurde und wir wie in einer philipinischen Kinderwerkstatt wieselflink die Vorhänge umnähten. Mutter du kannst stolz sein auf deinen Sohn . Ich habe genäht, an einer Nähmaschine. Und so haben wir nun Vorhänge, die den Marktwert des Wagens nochmals in astronomische Höhen treiben.

So vergingen die Tage bei den Vereinten Nationen in Auckland. Acht Tage waren wir zu Gast in Lozos Haus. Wir kamen als Couchsurfer und gingen als Freunde. Aber wir mussten endlich los. Endlich on the road. Auf nach Norden, nach Nordland, bis hoch ans Cape Reinga, den für die Maoris heiligsten Ort Aotearoas, dem Land der langen weißen Wolke.





Camperleben auf Tasmanien.

15 11 2009

Ort: Tasmanien (AUS)
Zeitunterschied: +9 Std. MEZ
Wetter: Konstant wechselhaft

Tasmanien war für uns die Sahneschnitte in der australischen Kuchenauslage. Die Creme de la Creme sozusagen. Obwohl, schwer im Magen liegt einem die Insel südlich der australischen Kontinentalmasse nun wirklich nicht. Denn eigentlich müsste Tasmanien ein Stück Streuselkuchen mit wilden Waldbeeren sein. Natürlich, abwechslungsreich und mit einigen Erhebungen.

Wenn man nach Tasmanien kommt, wird einem vor allem Natur geboten. Es leben nur eine halbe Million Menschen auf der Insel und die gehören sicher nicht zu den coolsten und trendigsten auf der Welt. Aber Mutter Natur hat sich für Tassie wirklich etwas einfallen lassen. So gehören heute 20% der Insel zum UNESCO Welterbe, ein Nationalpark reiht sich an den anderen. In Tasmanien wurde in den 50er Jahren auch die erste Grünen-Partei gegründet. Die ist auch heute noch recht aktiv und erfolgreich, was hier und da aber auch auf Unverständnis stoßen kann. Die Minenstadt Queenstown z.B., deren Umgebung völlig abgeholzt und für den Bergbau urbar gemacht wurde, gleicht heute einer Mondlandschaft. Das finden einige lokale Inselbewohner so toll, dass sie den nachwachsenden Baumbestand vergiften wollten. Die Begründung: „Bäume gibt es überall, diese tote Landschaft nur bei uns!“. Bonjour Tristesse.

Um Tassie wirklich kennenzulernen, muss man mobil und flexibel sein. Und das geht am besten in einem Campervan. Spaceships gibt es keine auf der Insel, also haben wir alle Autoverleiher abgeklappert und in guter deutscher Schnäppchen-Manier bei Bargain Campervan Rentals zugeschlagen. Wir waren nur also richtige Camper. Zwei Wochen in einem Toyota Hiace Hitop Umbau mit kleiner Spüle, Kühlschrank, Gasherd und großem ausklappbaren Bett. Unser Leben on-the-road konnte weitergehen.

Zuerst ging es nach Port Arthur, um etwas von der neueren australischen Geschichte zu schnuppern. Port Arthur war eine der harten Sträflingskolonien für Wiederholungstäter, die zu Schwerstarbeit verurteilt wurden. Wer zuviel Blödsinn im Kopf hatte, wurde mit ordentlich Peitschenhieben gezüchtigt. Mitte des 19. Jahrhunderts war das die gängige Form von kleiner Bestrafung. Irgendwann kam man aber auf den revolutionären Gedanken, dass statt körperlicher Züchtigung, doch besser eine psychische Bestrafung angewandt werden sollte. Heute kann man die Überreste des Einzelgefängnisses besichtigen, in dem Totenstille herrschte und die Insassen absolut isoliert wurden, um ihren Weg zu einem gottesfürchtigen Leben zu finden. Es gab Redeverbot, die Delinquenten waren 23 Stunden am Tag in der Zelle eingesperrt. Wenn sie raus durften, dann nur mit Gesichtsmaske, um keinen visuellen Kontakt aufzunehmen, die Wärter schlichen mit lautlosen Slippern über die Gänge und wenn es in die knasteigene Kapelle ging, dann standen die Häftlinge in aufrechten Särgen. Wirklich gruselig. Und auch gruseliger als die geführte Geistertour, die wir am späten Abend durch die kleine Ruinenstadt gemacht haben. Da wurde uns dann von wissenschaftlich bewiesenen paranormalen Aktivitäten berichtet und ab und zu mal auf irgendeinen Tisch gehauen, damit wir uns auch ja schön erschrecken.

Weiter ging es nach Richmond, einem gregorianischen Vorzeigedörfchen, im Hintergrund immer blühende Landschaften wie auf einer Modelleisenbahnplatte. Tasmanien, das nach dem holländischen Entdecker Abel Tasman benannt ist, erinnert immer an eine Mischung aus schottischem Hochmoor, kanadischer Wildnis und den grasenden Schafen und Kühen, die man aus der Kerrygold-Werbung kennt. Oktober bedeutet auf der Insel Frühling und wir wurden nahezu erschlagen von der Blütenpracht der Sträucher und Wildblumen. Das eher kühle, feuchte Klima hatte große Teile der hügeligen Insel in einen riesigen Wald verwandelt und auch am Firmament schiebt sich immer eine Wolke ins Panorama. Tasmanien lebt von der Dramatik.

Wir fanden also immer wieder ein schönes Plätzchen, um unseren Camper abzustellen, an der Picknickstelle den Grill anzuschmeißen und lecker Bulettchen (ostdeutsch für kleine Frikadellen, Anm. d. Red.), Känguruh oder auch frisches Gemüse zu brutzeln. Wer gedacht hat, die kulinarische Vielfalt im Camperleben heißt die Entscheidung zwischen 3- und 5-Minuten-Terrine, der hat sich schwer getäuscht. Es wurde jeden Abend frisch gekocht und morgens Nutellabrot mit Meerblick gefrühstückt.

Die Route führte uns weiter entlang der Ostküste, vorbei an Walnussplantagen und Weingütern, nach Coles Bay am Freycinet Nationalpark, wo wir neben kurzen Ausflügen zu Sleepy Bay und dem Leuchtturm von Cape Tourville auch eine gepflegte 11 Km Runde hingelegt haben. Die Weinglas-Bucht war ein absoluter Traum, wir waren allein an Hazards Beach und während des Wanderweges entlang der Küstenlinie, der immer wieder durchs Gehölz führte, wurden wir argwöhnisch von Wallabies beobachtet.

Mehr Natur zu erlaufen gab es dann im Nordosten der Insel bei St Helens. Vor allem die Wanderung im Winifred Curtis Reserve war really beautiful. Entlang einer pittoresken Lagune ging es durch Wildblumenfelder, die in allen erdenklichen Farben schillerten. Frühling fetzt.

Wir bestaunten die kilometerlange Bay of Fires, die zu den schönsten Stränden der Welt zählen soll. Dort wurde dann auch direkt am Strand abgeparkt und genächtigt. Fast so schön wie am Rheinufer in Düsseldorf.

Und Tasmanien ist zwar ein relativ kleines Eiland und wenn man sich die Distanzen auf dem Papier anschaut, denkt man, dass die Insel an einem Nachmittag umfahren ist. Doch der Grand Prix de Tasmania führte uns durch unzählige Serpentinen und Haarnadelkurven mit immer neuen Schlaglochüberraschungen. Es waren oft nicht mehr als 60Km/h drin und so schaukelten wir uns eher gemächlich durch die Lande.

Trotzdem überall Roadkill. Tasmanien ist bekannt für sein reiches Tierleben, das am einfachsten tot am Straßenrand zu beobachten ist. Doch am schönsten ist so ein Tier ja doch lebendig und daher ging es – mit kurzen Abstechern in die recht tote Stadt Launceston und das Tamar Weintal – in den Narawntapu NP. Der Park ist bekannt für Pademelons, Wallabies und Forester Känguruhs, die es dann mit Anbruch der Dämmerung auch alle in Hülle und Fülle zu sehen gab. Man hat dann wirklich das ganze Gelände voll mit Gras fressenden Beuteltieren und wir freuten uns über diese Gesellschaft, da außer uns kein Mensch auf dem Springlawn Campingplatz seine nicht nur sprichwörtlichen Zelte aufgeschlagen hatte.

Ein wirklich seltsames Tier ist aber das Wombat. Es sieht aus, wie ein Hamster mit Bärenmaske, den man auf 20 L Bierfass-Größe aufgepumpt hat. Schon optisch wirkt die fette Fellwurst etwas plump, etwas tollpatschig und man merkt sofort: „Nääääää, der kann keine Integralrechnung“. Man verteilt ja gerne menschliche Attribute auf Tiere. Der listige Fuchs, die diebische Elster und jetzt eben das dümmliche Wombat. Nähert man sich einer Wiese mit grasfressenden Beuteltieren, machen sich sofort alle hakenschlagend aus dem Staub. Gesunder Fluchtinstinkt eben. Bis natürlich auf das Wombat, das solange nichts mitbekommt, bis man relativ kurz davor steht. Dann heißt es kurz Schreckstarre bis es den Tunnelblick einschaltet und sich schnurstracks in Richtung nächstes Gebüsch verdrückt, egal von welcher Richtung der potentielle Angreifer kommt. Auch als Mutter Wombat einmal mit Nachwuchs vor uns die Straße überqueren wollte, flüchteten sie nicht in den rettenden Straßengraben, sondern das Kleine versteckte sich mitten auf der Fahrbahn unter Muttern. „Survival of the fattest“ und nicht „Survival of the fittest“. Die Redaktion hat sich festgelegt, Gewinner in der Kategorie „Dümmstes Tier auf Wald und Wiese“: das Wombat. Ach und Wombat-Kot ist quaderförmig. Dieses Tier kann einfach nichts richtig machen.

Und dann Cradle Mountain. Das Highlight des Highlights Tasmanien. Irgendwie schien uns die Gegend an den Torres del Paine Nationalpark im patagonischen Chile zu erinnern. Es gab zahlreiche Seen in unfassbaren Blautönen, weiße Schneefelder, herrliche Wanderwege und wir hatten Glück mit dem Wetter. Der Cradle Mountain ist nämlich bekannt für eher ruppige klimatische Bedingungen. 260 Regentage im Jahr und 75% der Zeit wolkenverhangende Berggipfel. Wir dagegen hatten strahlenden Sonnenschein, angenehme Temperaturen und freie Sicht in einem Radius von mehreren Kilometern. So wanderte es sich doch gleich viel entspannter auch wenn es einige schwierige Passagen gab. Am Fuße des Cradle Mountains, entlang des Face Tracks, gab es Schnee in Hanglage zu überqueren. Und wir reden hier über mindestens 45% Steigung und der Schnee lag recht brüchig auf darunterliegendem Gesträuch. Wir mussten wie auf einem Drahtseil immer schön den einen vor den anderen Fuß setzen, denn der leicht ausgetretene Weg war gerade wanderschuhbreit. Das war dann schon etwas aufregender, vor allem wenn man mit dem kompletten rechten Bein im Schnee einbricht oder man mal eben etwas ausrutscht. Die 6-Stunden-Wanderung wurde aber ohne Verluste gemeistert und wir konnten uns auf dem nahe gelegenen Campingplatz beim abendlichen Kaminfeuer in der Küche aufwärmen. Nachts hatten wir vor allem auf dem westlichen Teil der Insel nur 2°C, da ist man gern auch mal drinnen.

Der Cradle Mountain NP hat ja eigentlich noch die Ergänzung Lake St Clair, denn der liegt an der südlichen Spitze des Parks. Wer irgendwann mal auf Tasmanien weilt und Langeweile hat, der kann die 70 Km in sechs Tagen von Nord nach Süd auf dem sogenannten Overland Track wandern. Die Strecke ist nicht wahnsinnig anspruchsvoll, nur das Wetter spielt nicht immer so mit.

Wir hatten leider keine Zeit und daher ging es mit dem Camper via Strahan nach Lake St Clair. Doch der Zwischenstop in Strahan hatte für projekt365 eine große Bedeutung. Wenige Tage vorher hatten wir uns entschlossen, die letzten Etappe des Projekts umzuändern. Während meiner Studienzeit lief auf Euronews immer ein Trailer des malayischen Tourismusministeriums in dem eine mandeläugige Asiatin immer sang: „Malaysia – Truly Asia“. Doch es kamen immer mehr Zweifel auf, ob das das wirkliche Asien sei. Was dagegen schon seit geraumer Zeit auf der Liste der noch zu besuchenden Länder nach Indien ganz oben stand, war Myanmar. Buuuuuuuuuuuuh, Militärdiktatur. Das darf man doch nicht unterstützen, vor allem nachdem der Hausarrest der bekanntesten Oppositionellen und eigentlichen Gewinnerin der Parlamentswahlen von 1990 Suu Kyi wieder verlängert wurde. Sie hatte zudem 2x zu einem Tourismusboykott ins Land aufgerufen, da man die Militärjunta nicht unterstützen dürfe. Doch die selbe Suu Kyi hat erst vor ein paar Monaten ihren Boykottaufruf widerrufen, da auch sie einsehen musste, dass die Tourismuseinnahmen der Regierung deutlich unter dem Drogengeld liegen, dass auf dem Weg nach China erwirtschaftet wird und vor allem kleine Familienunternehmen Schaden aus dem Boykott nahmen. Doch natürlich war nicht Suu Kyi der ausschlaggebende Grund, sondern das Land selbst und das gute Zureden von Anja und Pit. Die Visumsfrage ist auch geklärt und so geht es nun für 25 Tage ins Land der 1.000 Pagoden. Und das auch nur, weil wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. In Strahan konnten wir zufällig WLAN anzapfen und mal kurz Emails checken. Die Flüge hatten wir drei Tage vorher gebucht, doch zahlen mussten wir sie bis Tag X 11:00 Uhr Singapur Zeit. Es war gerade Tag X und 10:34 Uhr. Hektische Minuten folgten, es mussten Kopien von Pass und Kreditkarte online verschickt werden, diverse Buchungsvorgänge bestätigt und mit dem Reisebüro in Singapur telefoniert werden. Doch alles gut, Vollzug. Just in time.

Just in time war unser Auftritt am Lake St Clair dann allerdings nicht, denn es wartete trübes Regenwetter. So wurde aus einer geplanten Tageswanderung nur ein kurzer Ausflug und wir flüchteten weiter Richtung nächsten Nationalpark. Dieses mal Mt Field mit den Russell Wasserfällen. Die wurden dann natürlich auch besichtigt und noch ein zweites Mal bei einer Nachtwanderung durch gemäßigten Regenwald. Es war stockduster, nur hier und da ein Knacken und ein reflektierendes Augenpaar, was aber meist nur ein aufgescheuchtes Opossum war.

Tasmanien hat auch keine Jaguar, keine Tiger und auch keine Löwen. Obwohl, früher gab es auch einen Tiger, der die Gestalt eines Wolfes und die Zeichnung eines Tigers hatte. Der wurde aber schon erfolgreich ausgerottet, die letzte Photoaufnahme stammt aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Was es aber noch gibt, ist ein Teufel. Den Tasmanischen Teufel, den man vor allem aus ACME Cartoons, als gefräßigen Wirbelwind kennt. In echt sind die Teufel nicht größer als ein Dackel aber kleine aggressive Räuber, die gern nach allem schnappen, was in Reichweite ist. Doch sie sind schwer zu sichten, da sie hauptsächlich nachtaktiv sind. Doch kein Tasmanien-Besuch, ohne nicht mal einen Blick auf das Wahrzeichen geworfen zu haben. Und im „Something Wild“ Zoo war es dann soweit, der Teufel in Tiergestalt. Aber in freier Wildbahn wären uns die Racker dann doch lieber gewesen.

Unsere letzte Station war dann der südlichste Punkt Australiens. Das Südkap bei Cockle Creek, das man in einem leichten 2-Stunden-Fußmarsch erreichen kann. So waren wir für eine ganze Weile die südlichsten Menschen auf dem australischen Kontinent. Wir konnten die angeblich sauberste Luft der Welt einatmen, denn der Wind bläst kontinuierlich aus Süden, wo in 2.500 Km die Antarktis zu finden ist, oder aus Westen, wo man 19.000 Km überqueren müsste, um nach Südamerika zu kommen.

Ach wat schön war das Camperleben auf Tasmanien. Das beste von Australien kam zum Schluß.