Frohes Fest!

23 12 2009

Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Daheimgebliebene,

es ist Ende Dezember und nicht ganz überraschend steht das Weihnachtsfest vor der Tür. Laut aktuellem Wetterbericht sieht es in der Heimat ja nach richtigem Winterwetter aus, Schnee, Matsch und Chaos. Toll. Die weiße Weihnacht kann also kommen. Wir wünschen also frohe und entspannte Weihnachten, einen vollen Sack mit schönen Konsumgütern und wir hoffen, dass sich Deutschland mit der festlichen Völlerei aus der Rezession fressen kann.

Bei uns ist es momentan etwas weniger schattig. Obwohl, so ein bißchen Schnee haben wir momentan auch. Allerdings nur auf Sichtweite ab etwa 3.000 m, denn wir sind mittlerweile in der Nähe von Mt Cook in den südlichen Alpen auf der Südinsel. In Bodennähe haben wir strahlenden Sonnenschein bei 24°C. Kann man machen. Auch zu Weihnachten. Wir wissen zwar noch nicht genau, wo wir Weihnachten sein oder was wir machen werden aber es wird irgendetwas mit Sonne, Flip Flops und kalten Mai Tais sein. Vergießt keine Träne, wir kommen hier schon klar.

Am 2. Januar werden wir dann Neuseeland nach 9 Wochen verlassen und der geneigte Leser wird bemerkt haben, dass da noch so einiges an Blogberichten aussteht. Die Redaktion zeigt sich beschämt und muss eingestehen, dass in letzter Zeit der Schlendrian eingezogen ist. Nach dem Tongariro Crossing ging es via Wellington auf die Südinsel in den Marlborough Sound und den Abel Tasman Nationalpark, wozu es heute auch einen aktuellen Bericht gegeben hat. Danach zog es uns die nasse Ostküste entlang bis runter ins Fjordland, wo wir dem Geräusch der Stille lauschen durften. Via Invercargill ging es dann durch die Catlins nach Dunedin und auf die Otago Peninsula, wo wir faule Pelzrobben und lustige Pinguine beobachten konnten. Und nun also Mt Cook, der höchste Berg (3.754 m, Anm. d. Red.) Australasiens. Berichterstattung folgt, einige liegen schon fertig in der Schublade, müssen aber noch durch’s Lektorat bei Frau B.

Anfang Januar fliegen wir dann von Christchurch via Sydney nach Singapur, wo wir uns für ein paar Tage eine gediegene Wattebausch-Militärdiktatur anschauen werden, bevor es dann nochmal ein absolutes Highlight geben wird. Myanmar. Unsere Pässe mit dem Visum sind gestern aus Australien angekommen und wir freuen uns endlich mal wieder auf gutes Essen, Geschichte und Kultur und interessante Menschen.

Am 3. Februar wird dann das Unvermeidliche passieren. Wir kommen wieder. Zurück. Zurück nach Deutschland. Zurück nach Düsseldorf. Zurück zu Familie und Freunden, zurück zu Altbier und Mettbrötchen, zurück zu Baustellen und pünktlich zum Karneval. Matze fängt am 1. März seinen neuen Job an alter Wirkungsstätte an. Der Alltag wird uns wiederhaben.

Doch bis dahin müsst ihr euch noch gedulden. Und damit ihr euch nicht so allein fühlt am Fest der Liebe, gibt es jetzt ein paar schöne (und weniger schöne) Schnappschüsse vom Fuße des Mt Cook.

In diesem Sinne: Frohes Fest und sicherheitshalber auch schon mal einen guten Rutsch,
Dina & Matze
Twizel, 23-12-2009

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Biounsicherheit.

23 12 2009

Ort: Wellington, Marlborough Sound, Abel Tasman NP (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Steife Brise, wechselhaft

Nach dem erfolgreichen Tongariro Crossing ging es auf geradem Weg in die Hauptstadt Wellington. Neuseeland ist ja bekannt für seine grünen Hügel, Regenwälder und Küstenlandschaften. Daher war das Stück Wüste vor der Kulisse des Ruapehue Vulkans mehr als überraschend. Allerdings war das keine richtige Wüste mit viel Sand, Kamelen und Oasen, sondern eher eine steppenartige Einöde. So lebensfreundlich, dass einzig das Militär die Gegend nutzt und mit Panzern lustige Manöver durchführt. Dazu kam ein so starker Westwind weiter im Süden, dass wir fast von der Straße geweht wurden.

Neuseeland ist ja aber auch bekannt für seine Bewohner. Es gibt mittlerweile null Moas (erfolgreich ausgerotteter großer Laufvogel, Anm. d. Red.), nur noch wenige 1000 Kiwis (Vogel, flugunfähig, nachtaktiv, mehr Säugetier als Vogel, Anm. d. Red.), 4,2 Mio andere Kiwis (gängige Bezeichnung für Neuseeländer hauptsächlich Nachfahren englischer Einwanderer und Maori, Anm. d. Red.), 8,8 Mio Rinder und 50 Mio Schafe. Es vergeht eigentlich kein Tag an dem man kein Schaf sieht. Man kann überall Wollprodukte kaufen, das Lammregal im Supermarkt ist gut gefüllt und durch’s ganze Land hallt ein Blöken.

Umso erstaunlicher ist, dass es noch eine Säugetierart gibt, die die Schafe zahlenmäßig übertrumpft. Es gibt nämlich 70 Mio Brushtail Opossums. Irgendwann im 19. Jahrhundert aus Australien eingeführt, vermehrten sich die Racker so schnell, dass sie heute die größte Plage darstellen. 20.000 Tonnen Vegetation pro Nacht fressen die nur nachtaktiven Biester, die aber auch ein riesige Bedrohung vor allem für einheimische Vogelarten sind, da sie die Nester leerräumen.

Neuseeland hat nämlich nur drei wirklich endemische Säugetierarten und das sind alles Fledermäuse (Pelzrobben, Seelöwen, Delphine und Wale mal ausgenommen). Der Rest, vom Igel über Opossum oder dem noch aggressiveren Räuber Hermelin bis hin zu Rotwild wurde alles vorsätzlich eingeführt. 80 Mio Jahre Isolation hatte Neuseeland zu einem Vogelparadies ohne natürliche Feinde gemacht, was sich mit der Einführung neuer Arten schnell änderte.

Wenn es heute einen guten Sommer gibt und die Bäume und Sträucher viele Nüsse und Samen produzieren, vermehren sich die Nagetiere. Die widerum werden von Hermelinen gefressen und ihre Population steigt bei schlaraffenlandartigem Nahrungsüberfluß. Alle sind scheinbar glücklich, die Nahrungskette scheint zu funktionieren. Kommt dann aber der Winter, gibt es weniger Nahrung für die sommergemästete Population der Nager und die Hermeline müssen sich nach alternativen Nahrungsquellen umschauen. Das ist der Moment, wo die Vögel ein Riesenproblem bekommen, da dann ihre Nester geräubert werden und auch die Vögel selber dem Räuber zum Opfer fallen.

Heute sieht man im ganzen Land Fallen für Hermeline und Opossums und es gibt kleine Inseln, die als Schutzgebiete „pestfrei“ sind. Neuseeland versucht der Lage Herr zu werden. Biosicherheit ist eines der größten Themen im Land, wobei aktuell aber eher von Biounsicherheit die Rede sein muss, da es schwierig ist eingeführte Arten unter Kontrolle zu bekommen. Ein kleinen Beitrag leisten aber auch die Touristen in ihren Campervans, denn es liegen gefühlt 1 Mio tote Opossums als Roadkill auf der Straße. Denn nun wissen wir ja: das einzige gute Opossum, ist ein totes Opossum.

All das gab es im sensationellen Nationalmuseum Te Papa (Our Place, Anm. d. Red.) zu erfahren. Und natürlich noch viel mehr. Es gab eine gute Einführung in die Maori-Kultur, eine temporäre Ausstellung über Jade als wertvollsten und bedeutendsten Stein der Maori, eine weitere Ausstellung über die pazifischen Wurzeln der neuseeländischen Kultur, viel Info und Anschauliches zu Geologie (mit Erdbebensimulator), Fauna (mit Riesentintenfisch) und Flora. Ein Museum, in dem man gut mal eine Woche verbringen könnte.

Wir hatten aber nur einen Tag, denn am nächsten Morgen sollte es mit der Fähre von Interislander von Wellington nach Picton auf die Südinsel gehen. In der Nacht hatte es uns und Rosarka schon ordentlich durchgeschüttelt, denn die starken Westwinde bliesen immer noch. Und das war kein guter Vorbote für die anstehende Fährüberfahrt. Die See war zwar verhältnismäßig ruhig aber draußen war es so diesig und regnerisch, dass man von einer der angeblich schönsten Fährverbindungen nicht viel mitbekam.

In Picton war nicht viel los, da mochte man nicht mal tot über den Zaun hängen und daher ging es direkt weiter Richtung Marlborough Sound. Der Wetterbericht hatte einen guten Tag für die nächste Zeit gemeldet und daher haben wir den Tag genutzt und schön die ganzen Buchten abgeklappert. Wir sind einen kurzen Teil auf dem Queen Charlotte Walkway gewandert, um die Aussicht auch von ganz oben mit 720° Panorama (man dreht sich mindestens 2x um die eigene Achse, Anm. d. Red.) zu genießen.

Und für die schönen Buchten ist auch der kleinste Nationalpark Neuseelands, der Abel Tasman, berühmt. Allerdings fetzt das nur so richtig, wenn das Wetter auch stimmt und die Sonne scheint. Tat sie aber nicht und wir wollten auch nicht so lange in der Region warten, bis sich mal ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke traut. Aber wir waren schon mal in der Gegend und daher sind wir zuerst mit einem Bootszubringer, dem Abel Tasman Sea Shuttle, von Kaiteriteri nach Tonga Bay gefahren und dann die 13,6 Km bis Torrent Bay durch schönen Wald entlang der Küste gelaufen. Nett.

Wir hatten keinen so guten Start auf der Südinsel, was das Wetter angeht. Aber nun sollte es als nächstes an die Westküste gehen, die mit reichlich Niederschlag gesegnet sein soll. Sehr vielversprechend.





Mordor bei Sonnenschein.

20 12 2009

Ort: Taupo, Tongariro Nationalpark (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Wanderwetter

DIE vermeintlich beste Tageswanderung in Neuseeland. Das Tongariro Alpine Crossing. 19,4 Km, 800 Höhenmeter rauf, 800 Höhenmeter wieder runter, Windstärken um die 100 Km/h auf dem Rand des Vulkankegels und 7-9 Stunden auf Tour. Soweit zu den Eckdaten.

Wir hatten zuvor auf dem kostenfreien Campingplatz in Taupo zwei Schweizer kennengelernt, die ebenfalls ihre Jobs gekündigt und die Wanderschuhe geschnürt haben, um die weite Welt zu sehen. Als wanderfreudige Eidgenossen mussten Nathalie und Daniel nicht lange überzeugt werden, dass sich die Überquerung des Tongariro lohnen würde.

Der Wetterbericht von der i-site in Taupo hatte grünes Licht gegeben, da die Strecke bei zu heftigem Westwind auch gern mal gesperrt wird. Laut Vorhersage hatten wir den besten Tag der Woche erwischt.

Wir checkten auf einer DoC Campsite ganz in der Nähe des Wanderweges ein und am nächsten Morgen brachte uns um 7:00 Uhr ein Shuttle zum Startpunkt. Die Sonne schien, keine Wolke am Himmel und klare Sicht auf Mount Egmont im fernen Hintergrund. Perfekte Wetterbedingungen.

Anfangs ging es erst mal eine ganze Weile hoch – durch’s „Treppenhaus des Teufels“. Hoch bis zum Südkrater, von wo man den Berg Ngauruhoe zusätzlich noch besteigen könnte, wenn einem die ca. 7 Stunden Wandern am Tag nicht genug sind und man den Schicksalsberg aus „Herr der Ringe“ besteigen möchte. Wir hatten den Ring jetzt eh grad nicht dabei und Mordor sah bei Sonnenschein auch nicht so bedrohlich aus, so dass schnelles Handeln nicht erforderlich war. Also, Scheiß auf Hobbingen und weiter durch den Südkrater bis auf den höchsten Punkt des Sattels. Und dann wurde uns auch klar, warum bei zu starkem Wind der Laden dicht gemacht wird. Man wird quasi fast vom Sattel gefegt und muss teilweise auf allen Vieren die letzten Meter kriechen. Dazu blässt einem der starke Wind unaufhörlich Sand in die Augen, was durch das nachrutschende Geröll der Leute, die vor einem liefen bzw. krochen, noch erschwert wurde. Hui, das war schon was.

Aber was hinter dem Sattel kam, machte alle Strapazen wieder wett. Der Blick auf die Kraterseen namens Emerald Lakes und den blauen See, der den leicht einprägbaren Maorinamen Te wai-whakaiata-o-te-Rangihiroa hat, kann man so nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Unfassbar strahlende Blautöne, die uns mit der Zunge schnalzen lassen haben und rundherum dampfende Fumarole. Im Zentralkrater konnte man noch eine erloschene Magmazunge erkennen und im Hintergrund eine Mondlandschaft, die als Kulisse für Mordor aus der bekannten Trilogie wirklich überzeugend erschien.

Eine wirklich großartige Tageswanderung, die nun mit anderen alpinen Highlights wie dem Torres del Paine Nationalpark in Chile und dem Cradle Mountain in Tasmanien in einem Atemzug genannt werden muss.

Und dann saßen wir schon recht erschöpft auf der Terrasse der Ketahi Hütte und verspeisten gerade den mitgebrachten Nudelsalat, als es mich plötzlich auf die Schulter tippte. Nä! Nä, also wirklich! Anna! Ich wusste ja, dass meine ehemalige Kollegin für ihre Flitterwochen in Neuseeland weilte. Aber jetzt mal ehrlich, wie oft klappt dann wirklich ein Treffen? Bruder Zufall hat mal wieder für eine gelungene Überraschung gesorgt und wir sind zusammen die letzten zwei Stunden zum Parkplatz hinabgestiegen.

So, jetzt aber endlich Bilder. Noch besser aber Flugticket nach Neuseeland buchen und selber anschauen.





Ein Loch im Sand und faule Eier in der Luft.

15 12 2009

Ort: Von Coromandel nach Rotorua (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Sonne, Regen, Schwefel

Nach zwei unterhaltsamen Tagen bei Lozo ging es dann endgültig raus aus Auckland und gen Osten, der Halbinsel namens Coromandel entgegen. Wir tuckerten schön auf dem Pacific Ocean Highway entlang der Küste und genossen die Aussicht. Coromandel gilt noch als recht unberührt und ist noch mit reichlich Wald ausgestattet. Doch vor allem die Strecke entlang der schroffen Westküste wusste zu begeistern. Die See peitscht, die Straße schlängelt sich durch kleine Ortschaften und urige Pohutukawa-Bäume säumen den Wegesrand. Alles in allem also schön entspannt, einfach etwas Natur gucken und die Szenerie genießen.

In Coromandel Town gab es dann frischen geräucherten Fisch. Leider auch nur geräuchert, da es dort neuseeländischen Fischern nicht gestattet ist, Fisch direkt vom Boot bzw. vom Hafen aus zu verkaufen, wie es in Australien noch üblich war.

Auf der Schotterpiste bis hoch nach Port Jackson waren wir dann die so gut wie Einzigen und auf der DoC Campsite vor Ort wurde mit Schwebedeckel (Ostdeutsch für Frisbee, Anm. d. Red.) und Federball relaxed.

Eigentlich wollten wir dann ein Stück auf dem Coromandel Coastal Walkway wandern, allerdings machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn es windete nicht nur wie an besten patagonischen Tagen, sondern die Himmelsschleusen öffneten sich und es ergoß sich wie aus Kübeln. Dafür war dann aber die Fahrt auf Schotterpiste durch Regen und Dunst ein Erlebnis.

Also nichts wie weg und ab an die mildere Ostküste. So richtig war der Sommer noch nicht angekommen aber es war vertretbar bei der Cathedral Cove mal ins Wasser zu springen. Der ausgespülte Felsdurchgang hatte zwar mit einer Kathedrale recht wenig zu tun, doch „Way through cove“ schien wohl nicht das Potential zu haben, viele Touristen anzuziehen.

Das eigentliche Highlight der Ostküste Coromandels ist aber Hot Water Beach. Die Halbinsel ist vulkanischen Ursprungs und es findet sich 2 Km unter dem populären Hot Water Beach noch immer Magma, die sich zwar abkühlt aber immer noch 170°C heiß ist. Diese Magma erhitzt versickerndes Grundwasser und lässt dieses etwa 60°C als heiße Quellen direkt am Strand erspringen. Wir mussten also nur noch ein flaches Loch zwei Stunden vor oder nach Ebbe im Wattbereich graben. Es war verdammt viel los am Strand und jeder wollte sich seinen eigenen heißen Whirlpool buddeln. Wir hatten Glück und erbten den Pool von zwei Slowaken, doch es hieß ständig nachbessern und Poolmauern sichern. Trotzdem sehr relaxed, obwohl man aufpassen musste, nicht zu nah an der heißen Quelle zu buddeln. Aua, heiß.

Die Dusche danach wurde direkt am Strand genommen. Zurzeit ist das Leben on-the-road schon etwas Hippie-mäßig. Caravanparks oder Campsites sehen wir selten oder gar nicht, Dusche gibt’s entweder kalt, in Flüssen oder Seen oder pipiwarm mit unserer Solardusche, geparkt wird oft auch auf Feldwegen, Rast- oder Picknickplätzen. Mir sind die Haare lang gewachsen und ein 12 Tage Bart. Janis Joplin und The Doors im Radio. Und Rosarka verpestet die Luft mit Dieselabgasen. Jaja, damals dachten wir, wir könnten die Welt verändern.

Und dann Rotorua. Die Stadt die man riechen kann. Überall muckert es nach faulen Eiern. Wat is da denn los, wird der interessierte Bürger fragen? Geothermische Aktivitäten. Mit lecker Schwefelgeruch rund um die Uhr. Wo aber Geothermie, da auch Thermalbäder. Und so sind wir für ein paar Stunden im Polynesian Spa verschwunden und haben die sieben Outdoor-Pools mit Seeblick genossen. Die Temperatur rangierte von 38°-42°C und selbst die Gesichtshaut fühlte sich danach an, als hätte man einen Baby-Popo ins Gesicht verpflanzt bekommen. Ach wat schön.

Zu Hell’s Gate ging es dann auch noch. Naja, als George Bernhard Shaw im frühen 19. Jahrhundert mal in der Gegend um Rotorua war, hatte sich der bekennende Atheist, so vor den brodelnden Schlammlöchern ins Hemd gemacht, dass er es Tor zur Hölle nannte und danach doch glatt zur Religion übergetreten ist. Wir haben dafür mineralhaltigen Schlamm gegessen und die Feuchtigkeit aus Lehm gepresst, so dass man danach nicht nur weiße Pantomime-Hände hatte, sondern diese auch noch seidig-zart wurden.

Und als vorbildlich interessierte Besucher Neuseelands wollten wir dann etwas tiefer in die Maori-Kultur eintauchen. Bräuche und Sitten kennenlernen, ein Versammlungshaus schnitzen, ein Tattoo über’s ganze Gesicht machen lassen oder einen Kiwi-Vogel auf den Grill tun. Maori-Alltag eben. Und Rotorua ist bekannt für sogenante Maori Village Touren. Wir also hin, die Tour von Tamaki gewählt und uns wurde ein authentisches Erlebnis versprochen. Den anderen 200 Touristen leider auch. Im nachgebauten Maori-Disneyland gab es dann eine Begrüßungszeremonie, der wir in der zweiten Reihen beiwohnen durften. Ganze 15 Minuten hatte man dann für das „Dorf“ selber, bevor man in ein Versammlungshaus getrieben wurde, wo dann ein Konzert und eine Haka aufgeführt wurde. Ein weiterer Bestandteil sollte dann ein Hangi sein, ein warmes Erdofen-Essen. Vor dem Restaurant war zwar ein Hangi nachgebaut, doch der diente wohl nur zu Demonstrationszwecken, da das Essen schön ordentlich in klassischen Catering-Kübel kam. Da gab es dann auch ganz typische Maoriküche wie Lammbraten mit Minzsoße und Hühnchenbrust. Alles in allem recht enttäuschend aber „Kultur“ von tanzenden Grimassenschneidern mit Gesichtstattoo-Fake funktioniert nun mal gut als Gelddruckmaschine.

Dann wurde der Lady Knox Geysir im Wai-O-Tapu Geothermal Wonderland als must-do angekündigt. Pünktlich jeden Morgen 10:15 Uhr bricht er aus, wurde uns angekündigt. Hui, wir waren beeindruckt. Ein pünktlicher Geysir! Wie das denn? Was verursacht denn die Eruption? Und wie ist das mit der Zeitumstellung? Und überhaupt? In Nordamerika soll es ja durchaus Geysire geben, die jeden Tag zu einer ganz bestimmten Zeit ausbrechen. Wir waren also gespannt. Und dann nur noch enttäuscht. Alles Fake, alles inszeniert, alles schön als erste Etappe für die Touribusse konzipiert. Unter dem Lady Knox Geysir liegen zwei verschieden heiße Wassermassen und wenn die Oberflächenspannung des kühleren Wassers bricht, vermischen sich beide und es entsteht Dampf, der sich als Geysir-Fontäne entlädt. Doch das passiert nicht nach einem genauen Zeitplan, sondern in einem Intervall von 24 bis 72 Stunden. Wir saßen also wie im Kino vor dem Geysir mit der ganzen Meute und warteten, dass es 10:15 Uhr wurde. Und dann kam ein Typ vom Wunderland und packt doch allen Ernstes zwei Stück Seife in den Geysir, um die Oberflächenspannung des Wassers zu brechen. Naturgewalt mit Kippschalter. Buuuuuuuuuuuh, Nepper, Schlepper, Tourifänger.

Na wenigstens war das Wai-O-Tapu Wunderland dann echt und wir konnten allerlei geothermische Aktivität an brodelnden Löchern bestaunen. Verschiedene Mineralien und Bakterien verleihen den heißen Pools zudem noch eine schillernde Farbenpracht. Schwefel sieht so aus, wie er riecht, gallig-gelb, Orpiment zaubert ein schönes giftgrün, Permaganat sorgt für purpur und rot und braun entsteht durch Eisenoxide. Lecker Schlammtümpel.

Ach, Couchsurfen waren wir mal wieder. Dieses Mal bei Lorraine Turner, einer Dame älteren Semesters, die mit Mann, 2 Pferden, Schafen und allerlei anderem Getier vor den Toren Rotoruas residierte. Und wie der Zufall so wollte, haben wir die Monkeys und Sebastian in der Stadt wieder getroffen und wir haben zusammen im Hause Turner einen geselligen Abend mit gutem Curry und Vino verbracht. Wir haben uns gefreut.

Und rubbeldiekatz, war schon wieder eine Woche vorbei. Die nächste Station sollte Taupo und der Tongariro Nationalpark sein.





Mademoiselle? Baguette? Foux de fa fa!

14 12 2009

Wenn man auf Reisen geht, trifft man ja zwangsweise andere Menschen. Egal ob in Hostels, auf Busreisen oder auf Touren durch schöne Landschaft – man trifft Alt und Jung aus aller Welt. Dann guckt und horcht man, ob der Gegenüber nicht evenuell Landsmann sein könnte oder man spielt einfach Nationalitäten raten. In vielen Fällen werden die klischeehaften Stereotypen nämlich herrlich bedient – haarige Israelis, hochaufgeschossene Holländer oder auch blonde Schweden. Der physiognomische Stempel ist schnell verpasst und passt eben auch manchmal. Natürlich kann man davon ausgehen, dass das auch umgedreht der Fall ist und unsere Reisebekanntschaften sich auch ihr (Vor-) Urteil bilden.

Nun ist das aber in unserem Fall nicht ganz so einfach. Eine Griechin in Begleitung eines ostdeutschen Staatsbürgers. Da muss man erst mal drauf kommen. Wir wurden in Peru schon auf hebräisch angesprochen, waren auch schon Brasilianer, nur auf die richtige Kombi ist bisher noch keiner gekommen. Dina deckt ja rein optisch den gesamten Mittelmeerraum ab oder könnte auch Südamerikanerin sein, was es für andere beim Nationalitäten-Ratespiel nicht unbedingt einfacher macht. Und ich? Wie ist das stereotype Bild eines Deutschen? Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und schnell wie ein Windhund? Mein Haupthaar ist zwar mittlerweile so blond, dass ich in einem Leni Riefenstahl Film mitspielen könnte, doch so richtige passe ich wohl nicht in die Klischee-Kiste. Also, in den letzten 10 Monaten wurde mir vor allem eine Nationalität angedichtet. Latino-Sorbe? Nein! Franzose!!! Pffffffffffffff, le merde!

Auf der einen Seite denkt man dann natürlich an Gauloise-Zigaretten schmauchende Liebhaber, die gern mal einen Sauvignon Blanc zu Camembert kredenzen. Liberté toujours. Ouh la la. Tres jolie. Den ganzen Tag mit einem Baguette unter dem Arm herumrennen und zum Zwirbelschnurrbart eine Baskenmütze tragen. Feinschmecker, Gourmets, Connoisseure – joie de vivre eben! Auf der anderen Seite wird gerade im amerikanischen Raum das Bild des dreckigen Franzosen gepflegt und irgendeine FHM Statistik sagte mal, dass sie nur alle drei Tage ihre Unterhosen wechseln. Und möchte man gern Franzose sein, wenn man im Bikini Atoll Atomtests macht oder nicht mal ein Wort für Tierquälerei hat?

Ähem, foux de fa fa!

Ich benutze ja schon noch das Wort Portemonnaie, frühstücke gern mal ein Croissant oder gehe in Champagner baden. Aber, sil-vous-plait, Franzose??? Die Redaktion zeigt sich ratlos und fragt den geneigten Leser nach seiner Meinung.