Zurück.

25 04 2010

So. Der Drops ist gelutscht. Wir sind wieder zuhause. Seit dem 1. Februar schon. Mittlerweile ist April, 12 Wochen sind ins Land gegangen. Wir sind wirklich wieder zuhause. Nach exakt 365 Tagen. Projekt365 eben.

Voller Vorfreude schauten wir Ende Januar noch in Singapur auf den Wetterbericht für Düsseldorf. Es waren Temperaturen um die 0 °C und genau 0,0 Sonnenstunden vorhergesagt. Ach, na schön. Und wir wurden nicht enttäuscht. Menschen in dicke Kleider gehüllt, Mütze, Handschuhe, Schal. Die dominierenden Farben waren schwarz und grau. Irgendwie passend zum Seelenheil. Ernüchterung. Realität. Es gab wieder Ordnung, gewohnte Orientierung. Erste Anzeichen vom nur zu gut bekanntem Alltag. Es gab rote Ampeln, Menschen, die deutsch sprachen, privates Qualitätsfernsehen, Körnerbrötchen und Fußgängerzonen mit peruanischen Panflötenspielern. Und die ersten Tage war uns diese Welt vielleicht auch ein bißchen fremd wie eben unseren Freunden von der peruanischen Hochebene, nur machten wir nicht die Musik.

Nach 365 Tagen um die Welt, immer dem Sommer hinterher und die Sonne im Rücken, hatte uns Deutschland also wieder.

Nun war es ja nicht so, dass es nicht vorhersehbar war, dass es irgendwann mal vorbei sein würde. Aber jeder weiß auch wie schwer es ist, nach 3 Wochen Jahresurlaub wieder den Wecker klingeln zu hören, der Person im Spiegel nicht die Frage „Warum eigentlich?“ beantworten zu können, um dann doch schnell wieder im Hamsterrad des Alltags zu landen, damit alles wieder seinen gewohnten Gang geht. Was bleibt sind die Erinnerungen, der billige Zierfächer aus Thailand, der jetzt in der Küche hängt und irgendwie doch nicht mit der IKEA-Küche harmoniert und die unzähligen Photos von immer gleich aussehenden Sonnenuntergängen, auf denen das Meer abzufließen scheint.

Doch jetzt stellt euch mal 3 Wochen Jahresurlaub 24x hintereinander vor. Da kommt man nicht einfach wieder und alles ist wie immer. In nur 3 Wochen kann man den Job nicht aus dem Kopf bekommen. In 365 Tagen kann man sich aber einen Resetschalter leisten. Alles hinter sich zurücklassen und voll mit dem Flow des Langzeitreisenden zu gehen.

Dann kommt man auch nicht einfach zurück und alles ist gut oder einfach wie vorher. Natürlich haben sich Familie und Freunde gefreut, dass wir gesund und munter (na zumindestens gesund, Anm. d. Red.) wieder zurück sind. Aber hat uns denn mal jemand gefragt, ob wir uns freuen wieder da zu sein?

Fragen an uns gab es so einige:

Frage: „Na, war’s denn toll?“
Antwort: „Nein, es war eigentlich ganz langweilig, sehr gefährlich, manchmal wie Kerkerhaft und sehr entbehrlich, so ganz ohne Mettbrötchen und Online-Shopping.“

Frage: „Wo war’s denn am schönsten?“
Antwort: „Im weiteren Sinne außerhalb Deutschlands, im engeren hat uns Südamerika am besten gefallen. Einfach sehr vielfältig, es gibt ne Menge zu entdecken, die Eingeborenen, das Essen, die Farben. Australien war für uns die größte Enttäuschung. Bei tollen Reisereportagen wie Voxtours werden ja immer nur die Filetstücke gezeigt, es gibt aber auch eine Menge knorpeligen Abfall. Man kann ohne Probleme 1000 Km durch den Kontinent fahren und es passiert genau gar nichts. Gleiche Umgebung, gleiche Landschaft, kein Verkehr, keine Änderungen, stinkelangweilig. Warum dreht Vox nicht mal einen opulenten Dreiteiler (vielleicht ja mit Peter Jackson in der Regie, Wunsch d. Red.): „Australien – 1000 Km nichts“, sehen sie heute in der Primetime die ersten 333 Km mit Highlights wie eine kurze Pinkelpause, die Verwechslung eines verdorrten Baumes mit einem Känguruh und einem öden Hörbuch, dass sie direkt im Voxshop erstehen können. Neuseeland war aufgrund der abwechslungsreichen Natur beeindruckend und unsere Zeit mit Rosarka war großartig. Der Abschluß mit Myanmar war so ganz anders und wird noch irgendwann mal im Projektblog aufgearbeitet werden, wenn denn mal die Muse wieder küsst.“

Frage: „Hattet ihr denn nie Heimweh?“
Antwort: „Du meinst nach Schweinegrippe, Abwrackprämie und eine Albtraum-Koalition, die mehr nervt als Yoko Ono? Also nein, naja höchstens ab und zu Heißhunger auf heimatliche Kulinaria! “

Frage: „Freut ihr euch wieder hier zu sein?“
Antwort: „Nein“

Frage: „Und gewöhnt man sich schnell wieder an den Alltag“
Antwort: „Leider muss die Antwort hier „ja“ lauten. Mittlerweile fragt kaum noch einer nach der Reise, wir selbst müssen uns hier und da daran erinnern, dass wir 365 Tage unterwegs waren. Es scheint jetzt schon alles so weit weg zu sein. Soll jetzt nicht pathetisch klingeln, aber ich muss jetzt mal seufzen.“

Seit 12 Wochen sind wir nun also wieder zuhause. Eine gefühlte Ewigkeit. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir meinen gar nicht weg gewesen zu sein.

Nach der Wiederkehr haben wir erst mal ausgemistet. Klamotten ins Obdachlosencafe und ins Franziskanerkloster gebracht. Erschreckend, was sich alles für Zeug angesammelt hatte. Wenn man 365 Tage aus dem Rucksack lebt, immer die selben Klamotten trägt und doch nichts vermisst, bekommt man doch den Spiegel unserer Überfluß- und Konsumgesellschaft vorgehalten. Am ersten Tag nach unserer Rückkehr hatte ich aus Freude über neue alte Sachen nichts aus dem Rucksack getragen, am nächsten Tag dann wieder komplett eine projekt365-Garnitur. Wohl aus Gewohnheit.

Eine Wohnung haben wir mittlerweile auch gefunden. Was Größeres. Mit kleinem Garten und Terrasse. Mitten in der Stadt gleich an der Nordstraße. Eine schöne Gegend. Eine schöne Wohnung. Wir wollen ja auch bald Couchsurfing-Hosts werden.

Nun beschäftigen uns Fragen wie die nach der Zierblende des Geschirrspülers, wie man bohrlochfrei eine Ablage im Badezimmer anbringt oder ob denn jetzt noch die richtige Zeit ist, um die Brombeere im Garten zu beschneiden („Hältst Du die Brombeeren nicht im Zaume, so kannst Du ernten nur im Traume“, Anm. d. Red.).

Oh eine Frage habe ich noch vergessen. Und zwar die ob wir es wieder machen würden. Wie hier die Antwort lautet, sollte wohl klar sein.

Der Blog und auch das Projekt werden mit den Myanmar-Beiträgen ihr Ende finden. Man sagte uns, dass es sonst sei, als würde man ein Buch ohne die letzten Seiten lesen.

Ob es wohl ein Happy End geben wird?

Achso, den Newsletter braucht ihr nicht abzubestellen, es wird keine Viagra-Mails oder eine Spendenaufforderung mit einer Kontoverbindung in Nigeria geben. Bleibt einfach dabei. Ganz im Stillen. Vielleicht passiert ja irgendwann mal wieder was. Vielleicht wird es wieder ein Projekt geben. So ein halbes Jahr von Mexiko nach Panama. Das wär doch was.

Danke, dass ihr dabei wart.

Nos vemos.

Dina & Matze

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10 responses

26 04 2010
Nathalie

Hey ihr zwei

Ich danke euch für dass ich an eurer Reise ein bisschen teilhaeben durfte:-) Ich hoffe für euch dass ihr euch trotz allem wieder etwas anklimatisieren könnt, ich denke, das ist etwas sehr schwieriges und wir mir ja dann auch noch bevor stehen…weiterhin alles Gute

Nathalie

26 04 2010
Anja und Pit

Ihr sprecht uns aus dem Herzen!!!!! Heul……

26 04 2010
Katja Stelmaszyk

haste schoen geschrieben, Matze. Das ist genau das, was auch auf uns zukommt und davor krault es uns schon ein wenig. Bald ist auch unsere Zeit hier vorbei. seufz.

aber in Gedanken reisen wir schon wieder durch Mittelamerika. Von Panama nach Mexiko oder umgekehrt. also vielleicht trifft man sich diesesmal :O)

Last es Euch gut gehen im deutschen Lande. Das Essen zu Hause ist ja nicht von schlechten Eltern und so langsam kommt auch der Sommer nach Duesseldorf!!!

nos vemos amigo
Katja

26 04 2010
Thomas & Andrea

Hallo ihr beiden

Nur zu wahr, nach 365 Tagen und kein bisschen Heimweh will man eigentlich gar nicht nachhause. Und nach spätestens 3 Tagen in der alten Einöde wäre man am liebsten schon wieder weit weg. Naja, gewöhnt euch besser dran. Wenigstens trägt ihr diese Erfahrung und all die Eindrücke in euren Herzen; viele haben nicht die Gelegenheit dazu (und andere sind schlicht zu feige). Wir brauchten fast 6 Monate, um wieder richtig Fuss zu fassen und die grauen Hirnzellen richtig in Schwung zu bringen um in dieser hocheffizienten Gesellschaft nicht unterzugehen…

Viele Erfolg zurück und danke, dass wir an eurem Abenteuer teilhaben durften! Hoffentlich auf ein Wiedersehen.

Thomas & Andrea

27 04 2010
Anne-Kathrin Kern

Hallöchen lieber Matthias und liebe Dina,

mir war heute beim Lesen doch bissel seltsam um’s Herz, man merkt das es noch Zeit braucht um die ganzen Eindrücke, Erlebnisse, die tollen Menschen verschiedener Nationalitäten, diese herrliche Natur, einfach alles zu verarbeiten und Revue passieren zu lassen. Wie soll das auch nach „365 Tagen“ fern der Heimat und in so kurzer Zeit, wo ihr wieder zu Hause seit, gehen.
Ein bisschen hilft euch da bestimmt die neue tolle Wohnung, die ihr jetzt mit den Mitbringseln aus aller Welt dekorieren könnt und wenn es euch schwer um’s Herz wird, dann schaut ihr scharf geschossene Fotos an, erzählt und erinnert euch. Ich denke der Rucksack wird immer in greifbarer Nähe sein. Habt eine schöne, gemeinsame Zeit in eurer ersten Wonung, Eure Anne

27 04 2010
Steve

Willkommen zurück,

ich wünsche euch für die „Reintegrationsphase“ alles Gute und viel Erfolg. Wenn ich mir überlege, wie lange ich noch an Urlaube denke die „nur“ 3 Wochen gedauert haben, bzw. wie mir die Eindrücke und Gefühle immer noch im Kopf rumschwirren und ich nicht loslassen kann; so kann ich mir vorstellen, wie es euch nach 52 Wochen geht.
Viel Erfolg für eure CouchSurfing-Karriere.

Grüße

Steve

28 04 2010
Daniel

Hallo ihr Lieben,
ich weiß gar nicht mehr wie ich auf euren Blog gekommen bin, aber hin und wieder habe ich reingeschmökert, um zu sehen, dass wir vor 2 Jahren auf einer ähnlichen Route ebenfalls ein Jahr unterwegs waren. Und ich hatte beim Lesen eurer Berichte oft ein Schmunzeln auf den Lippen, wurde ich doch an unsere Erlebnisse und Situationen erinnert. Wir sind mittlerweile 2,5 Jahren wieder in der Heimat und eines hält bis heute an: die Sehnsucht nach dem Fernen und Unbekannten und dem Gedanken, jeder Zeit wieder aufbrechen zu wollen. Es wird nie aufhören und daher wird man eines Tages wieder losziehen, infiziert mit dem Travel-Bug.
Uns ging es nach der Heimkehr ähnlich, Leute haben wenig nach der Reise gefragt. Im Nachhinein verstehe ich es. Jeder interessiert sich für etwas anderes und die wenigsten dafür, sich vorzustellen, mit allen Freiheiten selbst um die Welt zu reisen. Das ist auch ok, wohlwissend, dass es für uns selbst die beste Entscheidung war und uns persönlich so viel gegeben hat, dass uns keiner mehr nehmen kann. Ihr wisst wovon ich rede! 😉
Alles Gute
Daniel

30 04 2010
Susan

Hi Ihr zwei,
schön, noch mal was von euch zu hören! (Man hätte sonst ja denken können, ihr wärt in Myanmar gestrandet…).
Vielen Dank für schöne Geschichten und tolle Tipps in eurem Blog und auf weltreise-info!
Dicke Grüße, Susan von traumweh.de

1 05 2010
Tobias

Hallo Matze & Dina,

Auch von mir noch alles Gute fuer die Eingewoehnungsphase, welche auch auf mich ab Juli diesen Jahres zukommen wird.

Und ich kann Euch auch zustimmen, bisher ist Australien, vor allem nach dem grandiosen Suedamerika, eher langweiig, mit ein paar tollen Ausnahmen. Es geht bei mir nun noch an die Westkueste Australiens. Und dann gibt es wohl wieder etwas mehr Herzblut, denn mein Abschluss wird das suedliche Afrika, inkl. der Fussballl-WM sein.

Auch von mir ein ganz dickes DANKE, das ich an Eurem Projet 365 teilhaben durfte. Und wer weiss, vielleicht gibt es eines Tages eine Fortsetzung. Ich habe jedenfalls schon heute ein paar Ideen…

Beste Gruesse aus Adelaide, Australien
Tobi

3 08 2010
Dave

Guten Tag ihr beiden!
Wir kennen euch zwar nicht und ihr uns noch weniger. Wir haben ueber Nathi und Dani aus der Schweiz irgendwie den Link zu eurer Homepage aufgeschnappt und haben zumindest mal den Schlussbericht gelesen. Echt cool, besonders fuer uns, wo wir immer noch auf unserer 15 monatigen Weltumrundung sind, aber auch bereits in den letzten Tagen vorwaertsmarschieren… Ihr habt einen sympatischen, witzigen Schreibstil und das macht es total spannend zum Schmoekern… Das mit dem Alltag und dem ganzen Krimbimsel bezueglich den meist gestellten Fragen wird bei uns somit auch bald aktuell. Lustig, uns hat auch Suedamerika super gefallen (Bolivien war unser Highlight, wobei auch die Galapagos und der Torres del Paine natuerlich zu den absoluten Favoriten gehoeren ;-), Australien fanden wir aber im Gegensatz zu Neuseeland, wesentlich mehr WOW-bestueckt.

Alles Gute euch beiden und liebe Gruesse aus Malaysia…
Dave

PS: Wir haben das selbe Homepage-Layout… total praktisch fuer so ein Reiseblogg!

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