Live und in Farbe.

18 04 2009

Hier der angedrohte Videonachtrag. Viel Spass mit den lieblichen Panflötenklängen.


 
 
Und manchmal ist man eben auch gezwungen, seine Reisepläne zu ändern. Nicht viele Wege führen nach Iruya…

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Panflötenterror.

13 04 2009

Ort: Tilcara (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: fein

Auf der nächsten Busfahrt musste erst Liam Neeson seine Tochter aus den Fängen albanischer Mädchenhändler in Paris und wenig später Bruce Willis in Stirb Langsam 4.0 wieder mal eine ganze Stadt vor Terroristen retten, bevor wir in Tilcara, einem beschaulichen kleinen Städtchen in den Bergen nördlich von Salta angekommen waren.

Jedes Jahr in der Karwoche vor Ostern treffen sich mehr als 1.500 Musiker aus der Region zu einer Wallfahrt zur Virgen de Copacabana del Abra de Punta Corral. Die Musiker der circa 70 Bands, die an einem Fanfarenzug nur mit Panflöte erinnern, starten mit Sack und Pack, Kind und Kegel zu einem 30 Km Fußmarsch auf einen Berg zum Sanktuarium der besagten Jungfrau. Immer montags vor Ostern beginnt die 7-stündige Wallfahrt und findet am Mittwoch ihren krönenden Abschluß beim gemeinsamen Abstieg. Die Bands holen sich vor Abmarsch den Segen in der lokalen Kirche und vertreiben sich die Wartezeit bis nach Mitternacht mit lustigem Spielen auf Pauke, Schellen und Panflöte. Vor allem letztere, bekannt aus der Fußgängerzone zur Weihnachtszeit, kann einen nervtötenden Klang erzeugen, in hundertfacher Ausführung unerträglich. Panflötenterror. Und wo waren jetzt Liam und Bruce als wir sie brauchten?

Doch wenn man bedenkt wie beschwerlich der Aufstieg mit schweren Gepäck und kleinen Kindern ist, muss man wirklich den Hut ziehen. Dazu kam noch der Regen am Mittwoch beim Abstieg. Der erste während der Wallfahrt in den letzten 50 Jahren. Die armen Schweine hatten echt Pech, was ihrer Spiellust allerdings keinen Abbruch getan hat. In Kürze wird hier ein Video folgen, wo man dem Geschehen nicht nur im Geiste beiwohnen kann.

Tilcara hatte aber neben der Osterprozession auch noch andere dauerhafte Attraktionen zu bieten. Eine 5 Km Wanderung zur Garganta del Diablo, also dem Teufelsschlund in ansehnlicher Szenerie, dann die Pucará, was in Quechua, der populärsten, indigenen Sprache, Festung bedeutet und mit aufgebauten Ruinen des Volkes der Tilcara aufwarten konnte, ein schöner und lehrreicher Botanischer Garten mit Pflanzen aus dem andinischen Hochland und das archäologische Museum an der Plaza. Vorzüglich gespeist werden konnte im „Nuevo Progreso“, was übersetzt „Neuer Fortschritt“ heißt und somit eher wie eine Gewerkschaftskantine auf Kuba klingt, uns aber mit nahezu dem besten Essen in den letzten Wochen verwöhnen konnte. Für Dina gab es die beste Pasta bisher auf dem Kontinent, so ganz leicht ist es ja nicht im Fleischland etwas vernünftiges Vegetarisches zu finden.

Und wo wir gerade bei Kulinaria sind. Was die nordargentinische Küche empfiehlt: Zuerst einmal Llama, was die Racker Jama, mit „Ja“ wie in Jaqueline aussprechen und das cholesterinfrei allerdings nicht so saftig wie ein schönes Bife de Chorizo (Filet Mignon, Anm. d. Red.) ist. Dann wäre da noch Quinoa, das Getreide der Incas, Cayote eine Art Hochlandmelone und Humitas sowie Tamales, in Maisblätter gewickelte Maispampe.

Und überall findet man Schilder, die sagen: „Hay Coca“ („Hier gibt’s Coca“, Anm. d. Red.). Hui, jetzt kommen wir der Sache mit dem Koks in Düsseldorf schon wieder näher. Es handelt sich nämlich tatsächlich um die Pflanze, die in chemischer Veredlung zum beliebten Nasenpulver wird. Im Naturzustand als getrocknete Blätter werden sie allerdings nicht zu berauschenden Zwecken eingesetzt, sondern erfreuen sich als Hausmittel gegen Höhenkrankheit, sie dämmen den Hunger ein oder werden als Digestivum eingesetzt.. Zudem hat das Coca-Blatt-Kauen eine lange Tradition in den Anden, findet man doch auf vielen präkolumbianischen Kunstwerken Gesichter mit den typischen ausgebeulten Backen, so als wenn man einen Tischtennisball im Mund hat. Auch viele Musiker der Prozession haben sich mit einer Ladung Coca auf den langen Weg gemacht, da es neben der Strecke auch noch einen Höhenunterschied von 1.400m zu bewältigen gab. Es handelt sich hierbei definitiv nicht um eine Droge, was das deutsche Rauschmittelgesetz zwar anders sieht, uns aber nicht davon abgehalten hat, Coca-Tee und eben die Blätter zu konsumieren. Neulich im Büdchen: „Schönen Guten Tag, eine Flasche Wasser und eine Tüte Coca-Blätter bitte“. Ein Beutel der Größe eines Standardgefrierbeutels kostet etwa 0,50€. Fetzt.

Eigentlich sollte es danach ins einsam gelegene Bergdorf Iruya gehen aber das Wetter und insbesondere der Regen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Bus konnte beim besten Willen nicht das Flußbett passieren, das mittlerweile reißendes Wasser mit sich führte, eine Brücke gab es natürlich nicht. Auch hierzu demnächst noch Videomaterial. So haben wir uns nach vier Stunden vergeblichen Wartens auf schweres Gerät zur Flußüberquerung auf den Weg nach Bolivien gemacht. Aufgrund der späten Stunde mussten wir in La Quiaca direkt an der Grenze nächtigen, um dann am nächsten Morgen per Pedes die Grenze zum ärmsten Land Südamerikas zu überqueren. Nach 2,5 Stunden auf armseeligster Schotterpiste und nach einigen Haarnadeltunneln sind wir mittlerweile in Tupiza angekommen, um hier Ostern zu verbringen und von hier in den Salar de Uyuni aufzubrechen.





Stadt. Land. Fluß.

11 04 2009

Ort: Salta – Cafayate – Cachi – Salta (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig

Am Morgen ging es es vorbei an kleinen Dörfern und Tabakfeldern zuerst zur Dique Cabra Coral, einem malerischen Seengebiet. Der VW Gol lag geschmeidig in den Kurven, aus dem Radio tönte ein formidabler Rocksender und die Klimaanlage hielt uns bei heißen Temperaturen einigermaßen wach. Circa 190 Km lagen bis zum Weinort Cafayate noch vor uns und es ging über die gesamte Strecke über die gut geteerte Route 68. Der schönste Streckenabschnitt tat sich etwa 80 Km vor Cafayate auf. Die Quebrada de las Conchas (Schlucht der Muscheln, Anm. d. Red.) oder besser bekannte als Quebrada de Cayafate mit einzigartigen Sandsteinformationen in einer wirklich wunderschönen Landschaft, die Postkartenmotive am laufenden Band lieferte. Die Schlucht wurde durch einen rötlich-braunen Fluß durchschnitten, der in dieser eigentlich sehr trockenen Gegend, eine Vegetation entlang des Flußbettes ermöglicht, die in den verschiedensten Grüntönen schmimmerte. Ach, wat schön.

In Cafayate angekommen, wurde schnell ins Hostel Rusty-K eingecheckt. Cafayate ist hier ein bekannter Weinort, der vor allem einen Weißwein namens Torrontés hervorgebracht hat und mit 360 (jetzt mal kurz überlegen wieviel Tage das Jahr hat) wirklich sensationellen 360 Sonnentagen glänzen kann. Ideale Bedingungen für Weinanbau und so konnten wir auch im Garten des Hostels frische Trauben direkt von den Reben pflücken. Ein Traum. Und weil es so schön war, sind wir gleich nochmal in die Quebrada zurück, um unsere Kameratasche an einem Felskomplex namens La Punilla liegen zu lassen. Dummerweise haben wir es erst nach 45 Minuten bemerkt und in Südamerika bleiben nun mal eben keine Sachen lange unbeaufsichtigt liegen. Glücklicherweise war „nur“ das Teleobjektiv und das Datenkabel sowie mein Presseausweis aus Bangkok drin. Irgendwie hängt uns das Pech an den Hacken. In dem kleinen 11.000 Seelen Ort, war natürlich kein Fachgeschäft zu finden, der führende Anbieter für Photographie war die hiesige Apotheke. Um es hier vorweg zu nehmen, in der Provinzhauptstadt Salta konnten wir ein schnelles Kartenlesegerät erstehen. Das Ladekabel war Gott sei Dank nicht in der Tasche.

Im Hostel haben wir dann zwei Schweden aus Göteborg kennengelernt, die auch von Cafayate nach Cachi wollten, was aber ohne eigenes Vehikel nur sehr schwer möglich ist. Warum haben wir dann selbst erfahren können. So hatten wir mit Johanna und Daniel zum einen lustige Reisebegleitung an Bord und zum anderen konnten wir so unsere Unkosten etwas senken. Der 6-stündige Weg von Cafayate nach Cachi führte fast über die gesamten 180 Km über eine ungepflegte Schotterpiste, die mit der Zeit immer beschissener wurde. Kein Wunder, dass hier kein ÖPNV verkehrt, jeder Bus würde in seine Einzelteile zerfallen. Die Route selber, die ein Teilstück der Route 40 ist, die Argentinien von Nord bis Süd über mehr als 5.000 Km durchzieht, führte durch viele kleine Dörfer, die oftmals nicht mehr als nur aus ein paar einfachen Häusern, einer Kirche und einem Fußballplatz bestanden. Auffallend war, dass in dieser eher schwer zugänglichen Gegend die Kirche immer das best erhaltene Gebäude in einerm makellosen Weiß ist. Typisch für die Region sind auch die kleinen, gepflegten Friedhöfe mit farbenfroh geschmückten Gräbern. Auch wenn die Piste ziemlich mies war, gab es doch viel zu sehen. Chinchillas springen über den Weg, Pimiento, eine Chiliart, wird am Straßenrand getrocknet, Zwiebelsäcke stehen zur Abholung bereit.

Cachi selbst ist ein kleines verschlafenes Nest, dass eine Kirche mit Kaktusdach, einen Bergfriedhof über den Kondore kreisen und eine wunderschöne Lage am Anfang des Valle Calchaquíes und zu Fuße des 6.380 m hohen Nevado del Cachi hat. Ein friedvoller Ort.

Am dritten Tag stand die letzte Etappe unseres Road Trips an. Und weil unsere Fahrgemeinschaft so schön war, sind Johanna und Daniel auch den letzten Abschnitt mit uns gekommen. Der Vorteil eines Mietwagens gegenüber organisierten Touren war natürlich, dass wir so oft anhalten konnten wie wir wollten und so auch auf 4.000 m frühstücken konnten. Die Strecke von Cachi nach Salta durch das pitoresque Valle Calchaquíes gilt zudem als eine der schönsten Routen Argentiniens. Zuerst passiert man den Nationalpark Los Cardones, der 28.000 Riesenkakteen beherbergt, die zwischen 250-400 Jahre alt und bis zu 7 m hoch sind. Eine phantastische Landschaft. Ein Wald voller Kakteen. Noch heute kann man verschiedenste Einrichtungsgegenstände aus Kakteenholz kaufen, für den Häuserbau sind die leichten aber stabilen Kakteenstämme aus Artenschutzgründen allerdings nicht mehr erlaubt. Danach ging es durch das wunderschöne Valle Calchaquíes. Alle gefühlte 10 Minuten gab es einen Photostop, denn die Landschaft ist wirklich faszinierend. Lange Haare, kurzer Sinn, schaut euch die Bilder an.

Bevor wir in die Region gekommen waren, hatten wir eigentlich keinen blassen Schimmer, was uns erwarten wird. Nun haben wir eine der schönsten Gegenden Argentiniens kennenlernen dürfen. Sicher unter den Top 3 bisher.

Mit den Schweden im Gepäck ging es dann wieder ins Hostel Inti Huasi, wo wir pünktlich zum nächsten BBQ eintrafen. Insgesamt waren die drei Tage also eine nette Art die Zeit zwischen den zwei Festmahlen zu überbrücken. Irgendwie war es ein wenig wie nach Hause kommen, nur dass nicht Mutti kocht. Wenn man andauernd unterwegs ist, die Hostels wie Unterhosen wechselt, also etwa alle 3 Tage, ist man froh an einen Ort zurückzukehren, an dem man sich wohlfühlt. Salta und vor allem das Hostel war so ein Ort.

Nächster Stop soll Tilcara, etwa 4,5 Stunden nördlich von Salta, sein, einem kleinen Bergdorf, wo eine vorösterliche Prozession auf uns warten wird.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!





Die Mumien.

8 04 2009

Ort: Salta (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: Heiter

Die 18-stündige Nachtfahrt mit Andesmar im Coche Cama Bus von Mendoza nach Salta begann vielversprechend. Sylvester Stallone in Cliffhanger. Als weitere Entertainment-Happen warteten ein neben uns sitzender, dicker schnarchender Mann und ein vor uns sich erbrechendes Mädchen. Highlight kurz vor Ankunft war aber die Bingorunde im Bus und eine ältere Dame konnte sich über eine Flasche Rotwein freuen.

Gefreut haben wir uns dann auch, als wir endlich in Salta, der schönsten Stadt Argentiniens, angekommen waren. So sieht das zumindest die Marketingabteilung des örtlichen Tourismusbüros und so ganz Unrecht haben sie nicht. Eine Vielzahl von Kirchen und Kathedralen, der Stadtkern mit Kolonialarchitektur durch und durch und die feine Lage inmitten grüner Hügel. Und ein besonderes Museum, das MAAM (Museo de Arqueología de Alta Montaña), dem Archäologischen Hochgebirgsmuseum.

1999 wurden in der Umgebung von Salta auf dem Llullaillaco Vulkan in 6.700 m Höhe ein Grab mit drei Mumien gefunden, die durch das eisige trockene Klima über 500 Jahre so konserviert wurden, dass sie nach wie vor in sehr gutem Zustand erhalten sind. Die wohl best erhaltenen Mumien der Inca-Epoche erzählen die Geschichte einer rituellen Zeremonie, in der drei Kinder mit Maisschnaps betäubt und lebendig begraben wurden. In der Vorstellung der Inca allerdings konnte nicht von Opfer oder Tod die Rede sein, sondern von der Reise in eine andere Welt. Das waren noch Zeiten damals.

Doch nicht nur die Stadt, sondern auch unsere Unterkunft, das Hostel Inti Huasi (Haus der Sonne, Anm. d. Red.) wusste zu begeistern. Ein schöner Garten, Dachterasse und das vegetarierfreundliche BBQ 2x die Woche. Endlich mal nicht nur Fleisch. Dina was amused.

Und um nicht wieder auf einer Kaffeefahrt zu enden, haben wir uns bei der Autovermietung Alamo für drei Tage einen VW Gol, nein nicht Golf, gemietet und werden die Quebrada de las Conchas und das Valle Calchaquíes mit den beeindruckenden Strecken nach Cafayate und Cachi und wieder zurück nach Salta erkunden. Nach dem BBQ geht’s los.





Abgefüllt und frisch verkorkt.

4 04 2009

Ort: Mendoza (ARG)
Zeitunterschied: MEZ -4 Std.
Wetter: 30 Grad, Sonne

Um von Santiago nach Mendoza zu kommen, muss man die Anden überqueren. Phantastische Berglandschaften, endlos wirkende Serpentinen und eine glasklare Sicht. Fast so schön wie das Erzgebirge. Nach der Großstadt ein Augenschmaus. Sicherlich eine der szenischsten Fahrten Südamerikas.

Nun also Mendoza. Das Weinzentrum von Gaucholand, selbst ernannte sauberste Stadt Argentiniens und mit sensationellen 300 Sonnentagen im Jahr ausgestattet. Laut Berliner Morgenpost hatte Freiburg im Breisgau vor ein paar Jahren mal – gähn – 142 Tage mit viel Sonne. Eine Statistik aus dem Jahr 2004 besagt allerdings auch, dass Freiburg mit 218 Regentagen auf Platz 3 dieser medaillenumseitigen Bilanz liegt. Mendoza hat normalerweise 200 mm Niederschlag im Jahr. Letztes Jahr allerdings war hier die globale Erwärmung auch zu spüren und es waren sage und schreibe 300 mm. Zum Vergleich, der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei zirka 800 mm. Freiburg hat übrigens 954 mm. Wieder etwas schönes aus der Kategorie „Unnützes Wissen“.

Mendoza ist auch die Stadt der Bäume. Die ganze Stadt ist gesäht mit Alleen, im Zentrum vor allem Platanen. Nach dem Erdbeben 1860 wurde die Straßen breit gebaut und erlauben die Vielzahl an Schattenspendern. Und es ist gerade Herbstbeginn. Die Blätter nehmen ein schönes gelb an. Allerdings heißt hier Herbst immer noch 34 Grad. Mendozas Bewässerungsgräben, die mit dem Wasser des Rio Mendoza gespeist werden, der wiederum seinen Ursprung in den Gletschern der Anden hat, halten die Baumpracht am Leben. Und nicht nur Bäume wachsen hier, sondern auch Wein. Daher gab’s einen Ausflug mit einer organisierten Tour, so richtig schön Kaffeefahrtmäßig, nur eben mit Wein. Wir haben die landesweit renommierte Bodega Lopez besucht und uns am Wein gelabt, wobei uns der Malbec nicht wirklich zu begeistern wusste. Danach ging es noch zum Gut von Don Arturo, der wieder frischen Traubensaft bereit hielt. Als Bonus gab es noch einen Abstecher zur Laur Olivenfarm. Auch das war recht fein.

Und weil so eine organisierte Tour so schön ist, haben wir es nochmal getan. Diesmal allerdings gen Anden, mit pitoresker Szenerie auf der ganzen Strecke, dem Aconcagua Nationalpark, der Puente del Inca und die große Cristo Redentor Statue, die die Grenze zwischen Argentinien und Chile markiert. Immerhin bis auf 3800 m Höhe ging es und man konnte den Aconcagua bestaunen, der seines Zeichens der höchste Berg außerhalb des Himalayas ist. Insgesamt wurden etwa 420 Km bewältigt und man verbrachte den Großteil des Tages im Bus. Man hält nicht dort, wo man gerne möchte, wird zum essen in ein Restaurant with very special offer only for you gekarrt und zahlt genau so viel, als wenn man sich ein Mietwagen genommen hätte. Aber man lernt Leute kennen. Und so ging es am Abend mit Lufthansa-Pilot Weert und Nicola, die gerade ein Praktikum bei einem Parlamentsabgeordneten in Cordoba macht sowie noch drei anderen Reisenden, in das vorzügliche Restaurant Anna, das dann auch den Abschluß des Kapitels Mendoza bedeuten sollte.

Nächster Stop ist Salta, ganz im Norden von Argentinien und unser Sprungbrett in eine andere Welt. Bolivien.





Grüzi und Prost.

12 03 2009

Bariloche – Wintersportzentrum am Fuße der Anden und Hauptstadt der argentinischen Schokolade. Die 130.000 Einwohner zählende Stadt erinnert, zumindest im touristischen Teil, irgendwie an einen stereotypen Schweizer Skiort. Viele Häuser haben Spitzdächer, eine akkurate Holzverkleidung und bepflanzte Blumenkästen, die Hotels haben Namen wie Gstaad oder Chamonix, auf den Speisekarten in den Restaurants stehen Forelle und Wildschwein mit Sauerkraut. Aber trotzdem fehlt die Authentizität. Bariloche erscheint wie eine Blaupause der alten Welt, die Schweiz aus der Retorte. Oder wie Emma, unsere schottische Raumteilerin in unserem Dorm des Hostel Inn Bariloche, treffend meinte: „It’s rather a doing place than a seeing place“, also eher ein Ort, wo man etwas machen kann, anstatt sich ihn nur anzusehen. Daher haben wir auch eine schöne Mountainbike Tour, den sogenannten Circuito Chico, über 25 Km gemacht, denn die Gründungsväter haben sich hier im patagonischen Norden eine wirklich sehr schöne Gegend ausgesucht. Vom Aussichtspunkt Campanario hat man einen sensationellen Blick auf die Lärchenwälder, die blauen Seen und die Berge der Kordillerenkette.

Und apropos Berg. 125 Km von Bariloche gibt es einen ganz besonderen Berg. Der Piltriquitron ist angeblich ein Energiezentrum und Grund genug, dass sich ab der 60er Jahre Hippies aus der Kategorie „Lange Haare, Holzgitarre“ ansiedelten und für uns Grund genug, der kleinen Stadt El Bolsón einen Besuch abzustatten. Heute gibt es im entspannten Örtchen zudem 3x die Woche einen großen Markt mit Straßenzirkus, Musikanten und allerlei Handgemachtem: Schmuck mit magischen Steinen aus der Umgebung, Ohrringe aus Baumblättern, Schachteln aus Apfelsinenschalen und viele Produkte aus organischem Anbau. Das angebotene Gemüse hat riesige Ausmaße, was ganz klar auf den Energieberg zurückzuführen sein muss. Und es gibt auch eine Menge lokal gebrautes Bier und zufällig wurde auch an diesem Samstag eine Prozession zum Hopfenfest, inklusive Hopfenkönigin, abgehalten.

Wo wir beim Stichwort wären. Nicht das Gebräu der großen Brauerein wusste bisher zu überzeugen, sondern die lokalen Microbrews, wie Baguales in Puerto Natales, El Trébol in Bariloche und eben viele kleine Biere aus El Bolsón, wie z.B. Piltry, Ilegales oder auch Parapapoto.

Und nun wartet Valdivia, ein Zentrum deutscher Auswanderer, mit dem angeblich besten Bier Chiles namens Kunstmann auf uns. Allerdings gibt’s hier unten nur Warsteiner als Benchmark und daher wissen die armen Teufel es einfach nicht besser.





On the Rocks.

2 03 2009

Ort: El Calafate (ARG)
Zeitunterschied: MEZ -4 Std.
Wetter: heiter mit wenig Wind

Farbtöne in violett bestimmten die Szenerie bevor die Morgensonne El Calafate mit dem Lago Argentino und den vielen Zypressen in ein goldenes Licht tünchte. Geo Saison würde wohl „Magisches Argentinien“ titeln oder andere blumige Adjektive wie verzaubernd oder atemberaubend verwenden. Wobei ich noch nie erlebt habe, dass jemand beim Anblick „Atem beraubender“ Landschaften an Atemnot gestorben ist. Das Elfmeterschießen im Viertelfinale der WM 2006 in Berlin – Deutschland gegen Argentinien – war atemberaubend. Lohmi und ich im Olympiastadion und Jens holt den Zettel raus.

Aber ach ja, dieses Argentinien. Da sind wir jetzt nämlich wieder. Und zwar im nicht gerade beschaulichen Städtchen El Calafate, was übersetzt soviel wie buchsblättrige Berberitze heißt, ein Symbol für Patagonien ist und gern an gestörten Standorten wächst. Wegweisend. Das Tourismuszentrum besteht aus gefühlten 80% Hotels oder ähnlichen Unterkünften, der Rest sind Souvenirshops, Restaurants und das übliche Casino. Rundherum nur trockene Steppe. Und in 80 Km Entfernung der Perito Moreno, ein riesiger Gletscher des südlichen Eisfeldes. Nicht fälschlicherweise mit „braunes Hündchen“ zu übersetzen, sondern der Name eines argentinischen Geographen, Anthropologen und Entdecker, wie Wikipedia zu berichten weiß. Und eben nach ihm wurde der Gletscher benannt, obwohl der alte Name „Bismarck-Gletscher“ eigentlich viel schneidiger klingt.

Wie auch immer, deswegen waren wir hier. Hielo y Aventura (Eis und Abenteuer, Anm. d. Red.) hält hier das Monopol für Exkursionen zum Gletscher und wir hatten uns für eine Tour namens Big Ice entschieden, die 4 Stunden Gletscherwanderung im Kreis von maximal 20 Personen versprach, inklusive Verzehr selbstmitgebrachter Lunchpakete auf dem Eisfeld. Man setzt mit dem Boot über den Brazo Rico, wandert etwa 45 Minuten, bevor man sich die Steigeisen anlegt und wie am Bindfaden aufgereiht über das Eis spaziert. Und so richtig beschreiben läßt sich gar nicht, was wir dort erleben durften. Die Bilder können zwar einen Eindruck vermitteln aber wie es sich anfühlt auf dieser eisigen Mondlandschaft zu wandern, läßt sich schwer in Worte fassen. Versuchen wir es mal: Über Gletscherspalten und Eisbäche springen, vom Guide Stufen ins Eis geschlagen bekommen, das Krachen sich abspaltender Gletscherstücke zu hören bevor man es sieht, zu wissen, dass man auf bis zu 700 m dickem Eis läuft, einfach für ein paar Stunden ein Teil dieser sich täglich verändernden Eismasse sein. Einmalig. Und zum Abschluß gabs noch Whisky „on the Rocks“, standesgemäß mit 300-400 Jahre altem Gletschereis. Salud.

Am Vorabend gab es im Hostel America del Sur, unserem temporären Zuhause, das allabendliche Grillfest und es wurde gut auf den Rost gelegt. Wurst und Steaks, die ob des Gargrades Hannibal Lector ein Fest gewesen wären und Dina beim Anblick der blutigen aber durchaus leckeren Rindfleischstücke fast die Linsen im Hals steckengeblieben sind. Das wäre dann wirklich atemberaubend gewesen.

Und weil hier sonst nicht viel mehr zu holen ist, sind wir auch gleich nach 2 Nächten wieder auf dem Weg gen Norden. Es geht ins 1.400 Km entfernte San Carlos de Bariloche. Wir freuen uns auf 36 Stunden Busfahrt und hoffen, dass ein paar schöne Truck Stop Kassetten den Weg ins Radio finden werden.