Wer Wind säht…

8 06 2009

Als ich etwa 7 Jahre alt war, hatte ich wie viele andere Kinder ein Haustier. Sie sollen helfen zu lernen Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Oder man findet es einfach nur putzig. Meins war ein Angora-Meerschwein und hatte den ausgefallenen Namen Mucki. Dann starb Mucki, ohne den Zenit eines Meerschweinchenlebens überschritten zu haben. Böse Zungen sprechen vom Resultat sozialer Inkompetenz. Und Muckis Tod schien nicht ohne Folgen zu bleiben.

So entwickelte ich eine ausgefeilte Meerschweinhaar-Allergie, die sich in ein wirklich atemberaubendes Asthma steigern kann. Doch ich spührte, dass auch für mich irgendwann der Tag der Vergeltung kommen würde. In den Anden gehört Meerschwein, oder auch Cuy, zu den wenigen domestizierten Tieren und ist seit Jahrhunderten eine Delikatesse auf den Märkten und den Speisekarten traditioneller Küchen. Cuy Chactado, ein ganzes Tier mit krokanter Kruste auf einem Tomaten-Zwiebelbett mit Kartoffeln. In Mario Puzos Klassiker „Der Pate“ kann man lesen, dass „Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird“. Nun in diesem Fall wurde das Cuy warm bereitet und es mundete ganz deliziös auch wenn der kleine Racker nicht viel Fleisch hatte. Die Wachtel unter den Nagern sozusagen, geschmacklich aber dem Kaninchen nahe.

Doch Muckis Fluch schien noch nicht erschöpft. Beim Versuch die Photos des Cuy-Festmahles auf mein Notebook zu ziehen, um mich an meiner Vergeltung zu ergötzen, verabschiedete sich die Festplatte meines noch recht jungen Dell-Rechners. 2:1 für Mucki.

Wer Wind säht, wird Sturm ernten.

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Das Dschungelcamp.

20 05 2009

Ort: Madidi-Nationalpark bei Rurrenabaque (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiß und schwül

Nun also Dschungelcamp. Eigentlich wollten wir nur den Pampas einen Besuch abstatten, aber wir wurden von schlagkräftigen Argumenten überzeugt. Zum einen zeltet man nicht alle Tage in einem Camp, tief im Madidi-Nationalpark am Ufer der Flußes Tuichi, zum anderen sind 155 Euro für 4 Tage ein richtiger Schnapper, wenn man bedenkt, dass es in Peru oder in anderen mit tropischen Regenwald gesegneten Ländern Südamerikas mindestens das Doppelte kostet. Zudem gilt der Madidi als Nationalpark mit der zweitgrößten Biodiversität weltweit. Ein weiterer Umstand, der für den Anbieter Berraco del Madidi sprach, war, dass Miteigentümer, Guides und Wasserträger aus der lokalen Urwald-Community stammen, sich somit bestens auskannten und unsere teuer gekauften Euros in der Region blieben. Man könnte fast meinen das sei nachhaltiger Tourismus.

Wir waren neben zwei Lesbierinnen, die mit weißen Turnschuhen angereist waren, die einzigen Gäste im Dschungelcamp und wurden somit mütterlich umsorgt. Wir hatten ein tolles Quechua-Zelt mit Belüftung, dicke Luftmatratzen und dünne Schlafsäcke bekommen, wurden wie in den Pampas 3x am Tag gemästet und uns der Hintern nachgetragen. Camping deluxe. Naja fast. Unser Camp war noch relativ neu und verfügte über keinerlei sanitäre Einrichtungen. Die Badewanne hatte zwar fließendes, frisches Wasser, hieß aber Fluß Tuichi, es gab eine Drop-off-Zone im Wald für private Geschäfte und man tat gut daran, die nicht bedeckten Stellen mit Insektenspray einzusprühen und eine Kompostgrube für organische Abfälle aller Art. Aber gerade das hat es so speziell gemacht, so ursprünglich, so natürlich. Gegessen wurde bei Kerzenschein und gebadet sowie gefischt im hellen Licht des Vollmondes. Denn natürlich gibt’s weder einen Supermarkt um die Ecke, noch Stromversorgung zum Frischhhalten der Lebensmittel, also sorgt man selbst für den Hauptgang und geht fischen. So gab es frischen Wels und Riesen-Piranha, der im Vergleich zum Exemplar aus den Pampas deutlich mehr Fleisch hatte und im Bambusrohr im Feuer gedünstet wurde. Ein Gedicht.

Wir haben die lokale Community besucht, wo es immer noch Jäger und Sammler gibt und Straftäter, Faulpelze und Ehebrecher von der Gemeinschaft mit dem Joch bestraft werden. Wir haben haben ein 2-stündiges Rentner-Rafting auf dem entspannten Teil des Flußes gemacht. Aber der Madidi-Nationalpark, der nach einer eben so heißenden Ameise benannt ist, lockte natürlich auch mit Ausflügen. Wir haben einige Pflanzen des Waldes kennengelernt, wie die Wanderpalme oder den Curare-Baum, aus dem das berühmte Pfeilgift gewonnen wird. Durch das umfangreiche Mastprogramm stellte dann mein Magen auf stur und unser Chefguide Pedro mit mir los und mal eben etwas Baumrinde einer Liane names Uña de gato (Katzenkralle, Anm. d. Red.) und die eines Baumes, dessen Namen ich mir umöglich merken konnte, für einen heilenden Mate (Kräutertee, Anm. d. Red.) geholt. Hilft. Wir haben Früchte und Samen gesammelt und daraus Ringe und eine Kette für Dina gebastelt. Bis auf etwas Arbeitskraft für lau zu haben. Und ja es ist unfassbar schwül, man schwitzt ununterbrochen und trotzdem sind lange Klamotten und hohe Schuhe angesagt. Es gibt allerlei Kleingetier und Insekten, die einem ans Blut wollen. Es gab aber auch größere Exemplare, vor allem stinkende, grunzende Wildschweine, die in Rotten bis zu 300 Schweinen durch den Wald marodieren. Dabei geht man nicht nur auf kleinen, verschlungenen Pfaden, die nicht unbedingt eine klare Richtung weisen, sondern man kämpft sich auch mit der Machete durch dichten Primär- und Sekundärwald. Dann, auf der Verfolgungsjagd nach den Schweinen, stand dann auf einmal ein seltener Fuchs neben uns und ein Puma machte sich aus dem Staub. Und man bemerkt nichts. Brüllaffen hängen in den Bäumen und zahlreiche Aras krächzen in den Wipfeln. Doch leider ließ sich kein Jaguar blicken. Man kann halt nicht alles haben.

Neben schweißtreibenden Ausflügen in den Wald ging es ja aber auch mit der Handangel fischen. Und da saßen wir nun im Schein des Vollmondes am Ufer des Flußes Tuichi mitten im bolivianischen Regenwald. Kein Motorenlärm weit und breit, nur die Geräusche einer Dschungelnacht. Und das war wieder einer der Momente, wo uns so richtig bewußt wurde, dass wir es wirklich getan haben. Jobs gekündigt, die Zelte in der Heimat abgebrochen und Familie und Freunde zurückgelassen. Nun sind wir schon 3,5 Monate unterwegs. Erschreckend wie schnell die Zeit vergeht. Doch wenn wir in den Rückspiegel schauen, können wir auf großartige Erlebnisse und Erfahrungen zurückschauen. Der Tango in den Straßen von Buenos Aires, wandern im Torres del Paine Nationalpark in Chile, der Eisplanet des Perito Moreno Gletschers, die raue Küste Chiloes, die bizarren Felsformationen bei Cafayate und das Valle Calchaquíes, die Salar die Uyuni Tour im bolivianischen Altiplano und jetzt schwimmen mit Delfinen in der Pampas bei Rurrenabaque und eben die Geräusche des Regenwaldes. Wir sind noch nicht müde. Immer noch hungrig. Die Reiselust ist nach wie vor da. Die gewonnenen Eindrücke von Mensch und Natur sind immer wieder abwechslungsreich, langweilig wird es eigentlich nie. Trotzdem stehen auch immer mal wieder Tage an, wo man außer essen, schlafen und TV glotzen relativ wenig tut. Ein bißchen stinknormaler Alltag eben.

Nach Pampas und Dschungel ging es jetzt aber wieder aus den Tropen ins Moskitofreie La Paz, unser Sprungbrett über die Grenze nach Peru.





Mit Flipper in den Pampas.

16 05 2009

Ort: Pampas bei Rurrenabaque (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Mmh, warm und feucht

Nach vier semihumiden Tagen sollte es nun weiter im Norden in Rurrenabaque richtig schön tropisch werden. Eine weitere Übernachtfahrt stand an: 15 Stunden auf staubiger Buckelpiste entlang steiler Felshänge, zu 99% ohne Leitplanke. Es heißt die alte Strecke von La Paz via La Cumbre auf 5.000 m nach Yolosita bei Coroico sei „the most dangerous road in the world“, doch ich bin sicher, dass diese Strecke keinen Deut besser war, denn es ging teilweise 60 m ungebremst in die Tiefe. Nach 15 Minuten hat der Bus erst mal schön die Felswand gestriffen, was den Busfahrer aber natürlich nicht genötigt hatte den Bus anzuhalten, um zu schauen ob alles okay sei. Dann CC Catch in der Endlosschleife, entgegenkommende Fahrzeuge ohne Licht, kaputte Sitze im Bus und keine Minute Schlaf. Willkommen in Rurre, wo uns 5:30 Uhr schon die ersten Touranbieter belagerten. Disqualifiziert. Dann den Kofferkuli angeheuert und unsere Rucksäcke zum Hotel Oriental schieben lassen. Schlaf.

Rurre, wie Rurrenabaque liebevoll genannt wird, ist eine Kleinstadt am Fluß Beni, die sich den Temperaturbedingungen angepasst hat. In der schwülen Mittagshitze ist hier Siesta angesagt und auch sonst ist hier alles sehr „tranquilo“, in den Restaurants gibt es Fisch wie Wels oder Dorado, die Apotheken verkaufen fleißig Insektenschutzmittel und es wimmelt nur so von Touranbietern für mehrtägige Ausflüge in die Pampas oder den Regenwald. Die Pampas, offenes, feuchtes Grasland, gilt als der Klassiker, denn es winken Begegnungen mit Affen und Flußdelfinen. Der Dschungel ist vielfältiger und artenreicher, gilt aber trotzdem als schwer zugänglicher für Tierbegegnungen.

Die Anbieter haben teilsweise große Preisunterschiede und eigentlich alle ködern ihre Klientel mit den Schlagwörtern ökologisch korrekt und nachhaltiger Tourismus. Bei den meisten sind das allerdings nur leere Phrasen, denn es werden immer wieder bedrohte Arten gejagt, gefangen und dann den Touristen zur Fleischbeschau vor die Photolinse gehalten. Allerdings bleibt es dabei oft nicht, denn immer wieder werden Anacondas oder auch Affen getötet und sogar verspeist. Da die Billiganbieter ihren Guides gerade einmal 4€ pro Tag zahlen, schauen sich diese natürlich nach alternativen Geldquellen um und da bietet man dem abenteuerlustigen Tourist doch gern mal einen Extraservice an. Menschen, Tiere, Sensationen. Und wieder einmal sind es die Isrealis die sich negativ aus der Masse hervortun und einen Dreck auf Konservation geben. 1981 ging Yossi Ginsberg mit zwei anderen Touris für 20 Tage im Dschungel verloren aber nur er konnte sich mit Glück zum Fluß Tuichi durchschlagen, wo er von Einheimischen gerettet wurde. Zurück in Israel schrieb er ein Buch (Back from Tuichi), das ein Bestseller wurde und Rurre für die Israelis zum Mekka für Abenteuer Wildnis werden ließ. Heute machen die Anbieter 25% des Umsatz mit unseren Freunden vom Gazastreifen. Doch Artenschutz auf dem Grillrost ist nicht so unser Ding. Also haben wir uns zunächst für eine Pampas-Tour mit „Bala Tours“ entschieden, dem mit Abstand teuersten aber auch seriösesten Anbieter. Drei Tage in der Ecolodge mit Flußfahrten und allem Pipapo.

Los ging es im Mitsubishi Pajero Jeep inklusive 2 Iren, namens Claire und Steven, Typ spangelanger Hansel, nudeldicke Dirn, er dazu rothaarig, um gleich mal ein irisches Klischee zu erfüllen und unser erst 21-jähriger Guide Yadmani, der aber jeden Vogel persönlich mit Vor- und Nachnamen zu kennen schien. Was wir alles erleben durften? Wir konnten mit rosa Flußdelfinen schwimmen, uns von ihnen in den Fuß beißen lassen und die Racker beim vergnügten Spiel beobachten, unzählige Raub- und Singvögel, wie Tropische Kormorane oder Amazon Kingfisher tirillieren hören, Capibaras, die größten existierenden Nagetiere observieren, einen Ameisenbär durch Palmen klettern sehen, Rote und Schwarze Brüllaffen sowie Kapuzineraffen und Yellow Squirrel Monkeys beobachten, Kaimane flüchten sehen, übel und gefährliche Piranhas fischen und dann ein Exemplar der Sorte „Roter Piranha“ verspeisen, durch Mosquitowolken laufen und uns mit köstlichen Speisen verwöhnen lassen. Ja, das war schon fein. Und da die Iren nur 1,5 Tage dabei waren, hatten wir das ganze Camp mit auf Stelzen gebauten Holzhäusern für den Rest der Zeit für uns allein.

Und weil es so schön war, machen wir noch eine Tour in den Dschungel, konkret in den Madidi Nationalpark: dann aber schön zelten, baden im Fluß statt Dusche und kacken im Wald. Unser Dschungelcamp.





Im Cocaland.

14 05 2009

Ort: Coroico (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Semihumid und warm

Von der kühlen Cordillera Real La Paz’ kommend kostet es einen nur drei Stunden, um in die subtropischen Täler der Yungas, dem Eingang zum bolivianischen Amazonas, zu kommen. Yungas bedeutet soviel wie „immergrün“, denn im warmen, semihumiden Klima wächst einfach alles. Ein Sprichwort der Region sagt: „Solamente el flojo muere del hambre“ („Nur der Faule stirbt an Hunger“, Anm. d. Red.). Verschiedenste Bananensorten, wie die leckere rote Apfel-Banane, riesige Papayas, Kaffee, dessen rote Schale süß und Bohne eierschalenfarbig ist, Kakao, der im Rohzustand wirklich lila ist und die Milka-Kuh nun also doch ihre Existenzberechtigung hat, Mangos so zahlreich, dass sie Säckeweise zu Spottpreisen verscherbelt werden, Avocados hängen von den Bäumen und Coca wird kultiviert.

Wir sind hier im Cocaland. Hier herrschen ideale Bedingungen, um Coca ohne Zuhilfenahme chemischer Düngemittel anzubauen. Coca, hat als nationales Kulturerbe Boliviens und Dank Präsident Evo Morales, einem ehemaligen Cocabauer, sogar den Weg in die Verfassung gefunden, was den Cocaleros hier in den Yungas den Anbau legal erlaubt. Coca ist das Premiumprodukt der Region und erwirtschaftet den höchsten landwirtschaftlichen Ertrag. Lassen sich mit dem „heiligen Blatt“ wohl etwa 9.000 US$ pro Jahr machen, würde der Anbau von Guyabas nur etwa 2.000 US$ bringen. Keine Frage, was angebaut wird. Doch machen wir uns nichts vor, die komplette Jahresration der an sich harmlosen Cocablätter, wird nicht nur gekaut, in Tee oder zu Medizin verarbeitet, für die Coca-Cola Company abgestellt (204 t in 1995) oder für den bolivianischen Mojito mit Cocablättern verbraucht, sondern es sollen auch mindestens 30% in die Kokainherstellung gehen. Bolivien ist nach Kolumbien und Peru der drittgrößten Kokainproduzent und man munkelt, dass Evos Wahlkampagne mit weißen Pulver finanziert wurde. Da hat er wohl eine feine Nase bewiesen. Ach und hier noch eine schöne Lach- und Sachgeschichte zum Thema Coca und deutsche Gesetzgebung.

Mit unserem Guide Coco haben wir uns dann auf einem 16 Km Trek entlang von Talhängen zu den terassenartigen Cocafeldern begeben und gelernt, dass Coca 3-4x im Jahr geerntet werden kann und dann für 12 Stunden in der Sonne getrocknet wird, bevor es sozusagen konsumfertig ist. Darüberhinaus haben eine Lehrstunde über die lokale Flora und Fauna bekommen und uns dann am Tag darauf bei der nächsten Tour nach Tocaña in die Geschichte der schwarzen Minderheit Boliviens einführen lassen. Im Zeitalter der Sklaverei wurden Senegalesen nach Bolivien gebracht, um in den Minen zu knechten. Doch unseren Freunden aus Afrika ist die Höhe im Altiplano nicht bekommen und so wurden sie in die Yungas verfrachtet, um für die Minenarbeiter in Potosí Coca anzubauen. Einige wenige Nachfahren leben heute immer noch hier. Und die machen was? Richtig, Coca pflanzen.

Coroico selber ist spektakulär auf einem 1.700 m Hügel gelegen und hat zwar nur 3.200 Einwohner, doch 700 Gästebetten, denn die kurze Distanz zu La Paz und die warmen Temperaturen machen die Stadt zu einem beliebten Ausflugsziel für das Wochenende. Es gab lecker Frühstück in der „Backstube“ bei einem Aussteiger aus Düren, mit Ausblick auf das Tal und die Rabengeier, die sich im warmen Aufwind gleiten lassen. Wir sind sehr entspannt mitten im Grünen in einer eigenen Hütte mit schöner Aussicht, Außenklo und Bad abgestiegen. Das Sol y Luna wird von Sigrid betrieben, einer Deutschen, die schon seit 1984 im Idyll der bolivianischen Subtropen lebt, gerade aber auf Reisen in Deutschland weilte. Direkt vor der Tür wächst Kaffee, die Zikaden zirpen eine schöne Melodie und die Kolibris summen wie dicke Hummeln. Es gab eine heiße Outdoor-Badewanne und Shiatsu-Massage. Manchmal ist das Leben eben doch ein Zuckerschlecken.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Denn Sandfliegen machen auch vor dem Paradies nicht halt. Nach den Bettwanzen ist das die neue Pest. Wir wurden böse zerstochen und haben uns noch Tage an den juckenden Stichen erfreuen können. Außerdem gab es mal wieder einen Besuch im Wald- und Wiesenhospital. Ein eitriger Abzess am linken Mittelfinger wollte herausgeschnitten werden. Was dann auch ohne lokale Betäubung gemacht wurde. Ich also schön rumgejammert und Dina fast ohnmächtig geworden. Mit einem zierenden Verband und Antibiotika sollte der Drops aber in ein paar Tagen gelutscht sein. Außerdem merken wir, dass wir nach der Magen-Darm-Geschichte noch nicht 100% fit sind. Die Touren haben ganz schön geschlaucht, die brennende Hitze und das doch zumindest semihumide Kilma hat uns so manche Schweißperle auf die Stirn getrieben.

Nun soll es auf einer entspannenden 15 Stunden Fahrt gen Norden nach Rurrenabaque gehen. Die Fahrt ist als eine der ruppigsten und nicht gerade ungefährlichsten in Bolivien bekannt. Wir freuen uns also auf eine schlaflose Nacht auf Buckelpiste. Und ach ja, unser Reiseführer empfiehlt regelmäßig Nachtfahrten zu vermeiden, da die Wahrscheinlichkeit, dass der Busfahrer bei Tag einschläft oder betrunken ist, deutlich geringer sein soll. Superlieb gemeint, nur leider gab es bisher für längere Strecken keine Fahrten bei Tag. Naja, dann toi toi toi.





Die Cholitas von La Paz.

5 05 2009

Ort: La Paz (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig, nachts kalt am Fuß

Nach einer weiteren Übernachfahrt, deren Temperaturen ein gemütliches Kühlschrankniveau erreicht hatten, kamen wir mit dem Morgenverkehr in La Paz an. Boliviens Regierungssitz und damit Evo Morales temporäres Zuhause liegt in einem Talkessel zu Fuße des Illimani Berges auf etwa 3.650 m Höhe. Der Übergang zum benachbarten El Alto ist fließend und eigentlich ist der ganze Kessel bis hoch zum Rand bebaut. Ein Statiker würde hier die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und so kommt es immer wieder zu Erdabgängen, die ganze Häuserreihen in den Abgrund reißen. Trotzdem ist der Anblick nach dem eher gediegenen Sucre überwältigend.

Es ist Samstag morgen und die schönste Hektik bricht aus. Menschenmassen wuseln durch die Straßen der 850.000 Einwohner Metropole, Straßenstände werden aufgebaut und die Fahrzielausrufer aus den Minibussen werben schreiend um Fahrgäste. Hier sind es auch nicht die Nissans, die die Luft verpesten, sondern alte Dodges, die sicher mehr als 40 Jahre auf dem Buckel haben. Die Stadt ist der pure Stress. Die Höhe per se macht es nicht einfacher, dazu kommt das stetige auf und ab, zu beiden Seiten des Prados entlang der Talsohle.

Wir checken ins Hostal Republica ein, einem ehemaligen Wohnsitz der Präsidenten Pando aus dem Jahre 1904. Klingt nach dem ersten Satz ganz schön, wir hatten aber wohl das muffigste und kleinste Zimmer. Der einzige Vorteil war dann aber doch die Größe, da es des Nachts aufgrund der Höhe schweinekalt wird und sich das Zimmer dank mobiler Gasflasche mit entzündbarem Brennaufsatz relativ schnell erheizen ließ. Trotzdem zahlen wir mit 19 US$ den bisher höchsten Preis für ein Zimmer in Bolivien und das auch noch ohne privates Bad. Wucher. Abzocke. Zeter und Mordio.

Wir bleiben drei Nächte und lernen doch ein paar interessante Ecken kennen. Die Plaza Murillo mit Katedrale und Evos schwer bewachten Wohn- und Regierungssitz und Sonntagskonzerte mit Militärkapelle. Dann einen der wenigen kolonialen Straßenzüge im Altstadtformat, Jaén, der zahlreiche interessante Museen, wie das Museo de Metales Preciosos mit Gold- und Silerartefakten beheimatet. Das Sopocachi Viertel mit Geschäftshäusern und Restaurants in eher entspannterer Gegend. Ja und dann natürlich den sogenannten Hexenmarkt, wo crazy Sachen, wie Glücksbringer, Kräuter und Zaubermittelchen jeder Art verkauft werden und man sich auch einen Lama Fötus für eine gemütliche rituelle Beschwörung für Zuhause zulegen kann. Zudem gibt es Unmengen an Kunsthandwerk und Textilien und wir konnten ein paar Preziosen erwerben, die dann im Paket hoffentlich sicher den 3-monatigen Postweg zuerst mit dem Flieger nach Brasilien und dann mit dem Schiff nach Europa überstehen werden.

Und jeden Sonntag gibt es neben dem Nationalsport Fußball noch einen anderen sportlichen Höhepunkt. Lucha Libre, was nicht anderes als Wrestling auf lateinamerikanischen Niveau ist. Einfach nur schräg und ganz klar Kategorie „So schlecht, dass es schon wieder gut ist“. Angepriesen wurde die Veranstaltung als Cholitas Wrestling. Cholitas? So werden die Frauen aus La Paz genannt, die traditionell einen melonenartigen Hut über dick geflochtenen Zöpfen, Rock mit zahlreichen Unterröcken, Bluse und einen viereckigen Umhang namens Manta tragen. Der Umhang ist mit delikaten Stickereien und Old-Shatterhand-Fransen hier in der Region in und um La Paz viel mondäner als noch Sucre, wo die Mantas aus viel grobschlächtigem Material waren und die Muster eine starke indigene Prägung hatten. Auf jeden Fall mit dem Bus nach El Alto ist die Arena und schön erste Reihe direkt am Ring mit Popcorn und Pepsi-Cola. Zuerst gab es ein paar lächerliche Vorkämpfe, wo sich die männlichen Ringer nicht mal die Mühe machten, die augenscheinliche Inszenierung „Guter Ringer vs. Böser Ringer“ zu verbergen. Grundsätzlich war der Gute zuerst unterlegen und selbst der vermeintlich unparteiische Schiedsrichter schlug sich auf die Seite von Böse. Dann wendete sich das Blatt und Gunsten des Guten und der Kampf war vorbei. Wir warten gespannt auf den Kampf Frau gegen Frau. Und nein, nicht im Schlammringformat, halbnackt und dreckbesudelt, sondern anständig bekleidet im Cholitastil. Doch es kam etwas anders. Denn es „kämpften“ nicht Frau gegen Frau, sondern Mann gegen Frau. Und es ging ziemlich zur Sache. Plastikstühle und Holzpaletten wurden auf Köpfen zertrümmert, die metallene Ringbegrenzung miteinbezogen und so lange durch die Luft gewirbelt, bis doch tatsächlich ein Ringer mit blutüberströmten Gesicht ausscheiden musste. Am Ende gewannen aber Yolanda und Jennifer gegen ihre männlichen Kollegen und die johlende Menge war versöhnt.

Wir hatten drei verrückte Tage in La Paz und freuen uns nun auf Coroico, das Idyll in den subtropischen Yungas, drei Stunden nördlich gen Amazonas.





Gute Reise, gute Besserung.

4 05 2009

Ort: Sucre (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig, nachts schattig

Da saßen wir also nun in dem kleinen Dreckskaff namens Uyuni – mit Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und der allseits beliebten Diarrhoe. Und noch vier Stunden bis uns der Luxusbus der Extraklasse des Unternehmens namens „11 de Julio“ (11. Juli, Anm. d. Red.) via Potosí nach Sucre bringen sollte. Eigentlich wollten wir mit „6 de Octubre“ fahren aber solange das Busunternehmen nicht „11 de Septiembre“ hieß, war uns das soweit egal. Es galt Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken. Also bei einem lokalen Touroperator nachgehakt, ob man nicht für ein paar Stunden die Couch einnehmen könne und das ok erhalten. Mit UEFA Cup in der Glotze und Coca-Tee die Zeit vertrieben. 19 Uhr ging’s dann los. Gepäck auf’s Dach geschnallt und wir die einzigen Weißbrote neben drei Briten. Klare Ansage: Rucksack auf den Schoß. Bei Übernachtfahrten wird gern mal der Rucksack ausgeräumt. Keine Kohle, keine Hemmungen. Da der Bus kein Klo hatte, wurde uns eine Biopause nach der Hälfte der 7-stündigen Fahrt auf schaukelnder Buckelpiste angepriesen. Und ja gestoppt wurde auch, allerdings gab es keine Toilette., sondern nur die Umgebung. Ein Scheißkaff – im wahrsten Sinne des Wortes. Und irgendwie waren wir doch froh nachts zu reisen, denn so oft wie der Bus stoppen musste, um Gegenverkehr durchzulassen, wollten wir gar nicht wissen auf welch unentspannten Straßen wir uns bewegten. Zu unchristlicher Stunde gegen 2 Uhr morgens kamen wir dann in der Minenstadt Potosí an – unsere Umsteigestation nach Sucre. Ein Klo gab es hier natürlich wieder nicht. Halb in Trance wurde der Bus gewechselt, der nicht etwa in einem Terminal, sondern an irgendeiner Straßenecke wartete, und die letzten drei Stunden auf geteerter Straße nach Sucre genommen. Hier möchte ich nochmal an die Magen-Darm-Grippe mit all ihren fröhlichen Begleiterscheinungen erinnern. Mit Diarrhoe verreist es sich einfach spannender.

In Sucre angekommen, wurde ins reservierte La Dolce Vita eingecheckt. Aber da wir gegen 7 Uhr morgens aufschlugen, hieß das erst mal Schlafsack raus und wieder auf die Couch. Dann schön 2 Tage richtig krank gewesen und relativ wenig von der Stadt gesehen. Genau so hatte ich mir meinen Geburtstag vorgestellt. Danach sind wir dann doch ins Hospital, um auszuschließen, dass wir nicht doch die Cholera oder so haben. Einen ersten Schmunzler konnte uns das Japanische-Bolivianische Hospital selbst abringen, da an der Eingangspforte in großen Lettern geschrieben stand: „Das zweitbeste Hospital Boliviens“. Naja, untersucht und alles soweit gut, die typische Magen-Darm-Geschichte auf Reisen eben. Der Arzt hatte uns ein tolle 10-tägige Diät verordnet und daher sind wir am übernächsten Abend das Geburtstagsessen nachholen gegangen – mit Rinderzunge in Schoko-Chili-Soße und ein Ziegenkäsesalat. Zwei typische Schonkostgerichte.

Sucre haben wir uns dann auch an geschaut. Die verfassungsrechtliche Hauptstadt Boliviens wird auch die weiße Stadt genannt, da die meisten Gebäude in einem strahlenden weiß gestrichen sind. Momentan bereitet sich Sucre auf das 200. Jubiläum der Unabhängigkeit Boliviens vor und putzt sich frisch heraus. Die Casa de Libertad wusste über die bewegte Geschichte des Landes zu berichten, das sehr gute Museo de Arte Indigena gab einen lebendigen Einblick in das Leben der sich auf Textilien spezialisierten Völker der Jal’qa und Tarabuco und der chaotische Markt mit frischem Obst und Gemüse sowie nicht allzu einladenden Fleisch ließ uns am Alltag der Bolivianer teilhaben. Apropos Alltag, ein fester Bestandteil der bolivianischen Kultur ist das Mittagsmenü. Für etwa 1,80€ gibt es Vorsuppe, Hauptgericht und Nachspeise inklusive Getränk. Unschlagbar in Preis und Leistung, günstiger kann man kaum selbst kochen.

Sucre hat uns mit der schönen Lage, dem entspannten Klima und den vielen Kolonialbauten wie in Recoleta und dem Kloster San Felipe Neri äußerst gut gefallen. Wären da nicht die Abgase, die die 1000 japanischen Busse produzieren. Japanische Busse? Ja genau, ganz Bolivien wimmelt nur so von 80er Jahre Nissans und Toyotas. An eine Abgasnorm war da natürlich nicht zu denken und die Spanier kamen im 16. Jahrhundert noch nicht auf den Trichter breite Straßen zu bauen, um den Dunst abziehen zu lassen.

Als nächstes wartet La Paz auf uns, die Stadt, die ebenfalls behauptet Hauptstadt zu sein und zumindest in Sachen Abgase die Nase vorn haben wird.





Weiße Wüsten und farbige Lagunen.

24 04 2009

Ort: Südwestbolivien (Potosí Provinz)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis staubig

Ostermontag ging’s los. Sollte es zumindest. Denn es gab kleine Verzögerungen wie kein Wasser und auch kein Benzin in ganz Tupiza. In der Nacht hatte es auch schon nach starkem Regen unser Dach durchweicht und uns ein schönes Loch mit tropfenden Wasser in die Decke gezaubert. Irgendwie war das das Bolivien, das wir uns vorgestellt hatten.

Nach eigentlich nicht nennenswerter Verspätung von 1,5 Stunden ging es dann aber wirklich los. Mit uns im Jeep, der Marke Toyota Landcruiser, waren noch zwei andere Erstweltbewohner, nämlich Kate und Mark aus Brisbane, Australien, dann unsere Köchin Delizia, was man wohlwollend von delicioso also köstlich ableiten kann und schlußendlich Juan Carlos, unser Fahrer, Guide und Mädchen für alles. Darüberhinaus begleitete uns ein weiterer Jeep, der mit zwei Londonern und einer Irin sowie einem Neuseeländer bestückt war. Es stellte sich schnell heraus, dass wir die einzigen der spanischen Sprache mächtig waren. Gebürtige Englischsprachler, die wir in den letzten 12 Wochen getroffen haben, verlassen sich oft auf die tolle Weltsprache und ihre Spanischkenntnisse sind oftmals shocking. So wurde z.B. auf ein herzhaftes „Buon Provecho“ („Guten Appetit“, Anm. d. Red.) ein freudestrahlendes „Buenos dias“ („Guten Tag“, Anm. d. Red.) geantwortet. Ihr oftmals hilfloses Gestammel sorgte doch für den ein oder anderen Schmunzler.

Hier ein kleiner Nationalitätenexkurs: Also zuerst mal sind 90% der Leute, die man in Hostels oder immer mal wieder in der Stadt oder auf Touren trifft, Langzeitreisende, die mindestens drei Monate in Südamerika unterwegs sind. Am dominantesten vertreten sind Briten, da in UK ein sogenanntes Gap Year recht populär ist. Man trifft aber auch viele Holländer und Franzosen, immer mal wieder Skandinavier oder Leute von Down Under. Deutsche? Sehr sporadisch. Und dann sind da noch die Israelis, die nach ihrem mehrjährigen Wehrdienst (drei Jahre für Männer, zwei für Frauen) durch Südamerika marodieren. Zumeist in Gruppen, seltener einzeln unterwegs benehmen sie sich wie die Axt im Wald. Wenig Anstand, laut, aufdringlich, ignorant, arrogant, unverschämt. Und das interessante ist, dass diese Meinung von vielen nicht-isrealischen Reisenden geteilt und von Einheimischen ebenfalls bestätigt wird. Israelis wollen immer alles, schnell und billig. Qualität spielt meist eine untergeordnete Rolle. Berichtet wurde u.a. auch von „No Isrealis“ Schildern an Hostels in Nepal. Nichtsdestotrotz sind alleinreisende Israelis nicht dem Gruppengehabe unterlegen und weitaus offener und kontaktfreudiger. Trotzdem, wenn man bedenkt, dass in Südamerika bis zu 100.000 Israelis pro Jahr unterwegs sein sollen, kann man sich kaum schlechtere Botschafter für’s eigene Volk vorstellen. Aber Imageprobleme hatte Israel ja noch nie.

Doch zurück nach Bolivien. Den ersten Tag ging es von Tupiza ins Hochplateau oder auch Altiplano, wie es hier von den Einheimischen liebevoll genannt wird. Es wurde eine neue Strecke befahren, man sollte aber nicht dem Trugschluß erlegen sein, dass neu auch gut bedeutet. Nein im Gegenteil, der Weg war holprig und auf verschlungenen Pfaden. Aber es gab Lamas (domestiziertes Nutztier) und Vicuñas (wildes, elegantes Andentier, begehrte Wolle) zu sehen, hier und da sprang ein Vizcacha, eine Art Andenhase, der mit seinem langen Schwanz wie eine Mischung aus Feldhase und Eichhörnchen erscheint, über den Weg und mächtige Kondore zogen ihre Kreise. Nach mehreren Stunden umfangreichen Bestaunens der Landschaft waren wir in unserer ersten Behausung in einem kleinen Kaff namens Kollpani angekommen. Und wenn ich Kaff sage, dann meine ich Kaff. Nicht so wie Hoyerswerda, sondern ohne fließendes Wasser und Strom nur mit Hilfe eines Generators von 19 – 22 Uhr. Die Matratzen waren auf massiven Betonblöcken gebettet, das Dach war aus Wellblech und es war bitterkalt. Naja so um die 3 Grad Celsius. Besonders für die Australier schockierend, da sie Brisbanes Winter mit Minimaltemperaturen von etwa 15 Grad gewohnt waren. Das Essen war dagegen umso besser und mit voller Plautze ging es in die warmen Daunenschlafsäcke.

Der zweite Tag brachte Lagunen und Flamingos und noch mehr Lagunen mit Flamingos. Durch verschiedene Sedimentablagerungen und Mineralien schimmern diese in verschiedenen Farbtönen und haben so auch ihre Namen bekommen. Grüne Lagune, blaue Lagune, gelbe Lagune, usw. Toll. Es konnte zudem in 35 Grad warmen Quellen gebadet werden, wo mich die bolivianische Klofrau über den Tisch ziehen wollte und die Wüste von Dalí bestaunt werden, deren Name sich von den bizarren Felsformationen ableitet. Highlight des Tages aber waren die heißen Geysire auf 5.000 m Höhe, die recht aktiv vor sich hin brodelten und einen lieblichen Geruch von faulenden Eiern verbreiteten. Dann wieder essen, wieder nicht duschen, schlafen.

Tag drei ging zunächst durch die Wüste Siloli und wir konnten den Arbol de Piedra (Baum aus Stein, Anm. d. Red.) auf Photos und in unseren Herzen verewigen. Dann wieder mit dem Jeep weiter gen Norden zum kleinen Salzsee Chiguana, der uns mit Fata Morganas verblüffen konnte. Der Horizont schien deutlich einen See, wenn nicht einen Ozean, zu zeigen, doch dann fiel es uns wieder ein: Trockenzeit, Binnenland, Salzsee. Mutter Natur hatte uns ein Schnippchen geschlagen. Der letzte Abend wurde dann fein in einem Hostel ganz aus Salz verbracht. Wände, Betten, Tische, Hocker – alles aus Salzblöcken. Und endlich auch eine Dusche mit warmen Wasser. Naja so eher: heiß, kalt, heiß, kalt. Es war verdammt staubig die letzten Tage und die Dusche trotzdem ein Segen. Und nein, es war kein Salzwasser.

Der letzte Tag der Tour führte dann noch vor Sonnenaufgang zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt, wo man die Erdkrümmung am Horizont erkennen kann. Etwa 160 Km im Durchmesser und in der Trockenzeit mit salinen Kachelmustern bestückt, die das aufsteigende weil verdunstende Wasser formiert. Wie zu erwarten ging dann die Sonne auf. Allerdings unerwartet haben wir eine Insel namens Incahuasi mit Riesenkakteen bewachsen mitten auf dem Salzsee vorgefunden. Dann ne Menge Blödsinnsphotos gemacht, ein altes Salzhotel besucht, Menschen beim Salz schöpfen beobachtet und die Tour in der kleinen, dreckigen Stadt Uyuni beendet. Und eigentlich wäre es ein leichtes gewesen uns mit Brot und Salz zu empfangen, doch die Zeichen standen eher auf Magen-Darm-Viren. Das unschöne Ende einer schönen Tour.

In den vier Tagen hat uns ein vielfältiges Hochplateau mit Wüsten und Lagunen, bizarren Steinformationen und Geysiren so manches Ooooh und Aaaah entlockt. Es war fein. Und ja, wir würden es wieder tun. Doch es muss immer weiter gehen. Und zwar nach Sucre, der verfassungsrechtlichen Hauptstadt Boliviens. Doch das ist eine andere Geschichte.