Samstag ist Markttag.

3 07 2009

Ort: Otavalo (ECU)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Sonntagswetter am Samstag

Otavalo gilt als der wirtschaftlich größte Markt Südamerikas. Bekannt ist vor allem der Samstagsmarkt, wo neben Handwerkskunst aus Ecuador, Peru und Bolivien auch Tiere aller Art, Obst und Gemüse sowie Waren des täglichen Bedarfs den Besitzer wechseln. Es gibt eine Straße mit Wolle-Petry-Freundschaftsbändern, ein ausgewachsenes Meerschwein kostet 12 US$ (natürlich nur zu Verzehrzwecken gedacht, denn mit Essen spielt man ja bekanntlich nicht) und man kann sich an ganzen gegrillten Schweinen laben. Ein Spaß für die ganze Familie.

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Die Mitte der Welt.

1 07 2009

Ort: Quito (ECU)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: wechselhaftes Äquatorialklima

Quito war eine der wichtigsten Städte des Inkareiches und ist wie viele andere Metropolen seiner Zeit von den Zerstörungen alles Heidnischen und den darauf folgenden kolonialen Einflüssen und der Spanier gezeichnet. Daher schlug der Reiseführer auch einen Rundgang durch das koloniale Quito vor, das heute UNESCO Weltkulturerbe ist. So haben sich die Dominikaner, die Franziskaner und Jesuiten dicke Tempel ins Tal vor dem Pinchincha Vulkan bauen lassen und die Kirche La Compañia de Jesus ist wohl heute eine der spektakulärsten Sakralbauten auf dem amerikanischen Kontinent und hat zusammen mit der Kathedrale von Santiago de Chile den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen.

Nicht ganz aus kolonialen Zeiten aber aus dem Jahr 1962 stammt die Peluqueria Amazonas, wo man(n) sich für 3 US$ rasieren oder frisieren lassen lassen kann. Da die Stromspannung in Ecuador nur 120V beträgt, funzt mein Bartschneidegerät nicht mehr, da der Saft zum aufladen nicht reicht. Und das war unbestritten eine der besten Erfahrungen der letzten Monate. Die krawattetragenden Herren, die allesamt im Eröffnungsjahr angefangen haben müssen, sind in dementsprechend betagtem Alter und bemühen sich mit teils tattriger Hand um eine blessurenfreie Nassrasur. Es wird nicht gesprochen, sondern ganz professionell geschwiegen, nur im Hintergrund laufen klassische spanische Chansons. Stilecht.

Ja und dann heißt Ecuador ja nicht Ecuador, weil es so schön klingt, sondern weil es am Äquator liegt. Die Mitte der Welt liegt etwa 25 Km von Quito entfernt und es ist erstaunlich, wie fein diese Linie doch ist. 1736 bestimmte eine französiche geodätische Mission die Lage, verrechnete sich aber um 180 m, so dass das heutige Äquatortouridorf „Mitad del Mundo“ quasi eine Fälschung ist. Im benachbarten Intiñan Museum konnte aber mit neumodischem GPS die genaue Lage bestimmt werden. Es gab einen schöne Demonstration, wie direkt auf dem Äquator das Wasser ohne Strudel abfließt und nur drei Meter nördlich oder südlich, der Strudel gegen oder mit dem Uhrzeigersinn verläuft. Wirklich beeindruckend.

Tja und dann warteten wir im L’Auberge Inn geduldig auf den Dell-Support, der jeden Tag auf’s Neue ankündigte einen Techniker zu schicken. Dummerweise gab es immer wieder neue Probleme und auch diverse Pöbelmails schienen keinen Erfolg zu bringen, so dass wir nach fünf Nächten in Äquatornähe nach Otavalo aufbrachen, um uns den größten Markt Südamerikas anzuschauen.





Ausnahmeszustand.

23 06 2009

Ort: Latacunga, Zumbahua, Quilotoa, Chugchilan (ECU)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: bedeckt mit Nebel

Die 9-stündige Fahrt von Cuenca nach Latacunga lief recht ereignislos ab. Es gab die übliche Filmvorführung in dem dieses Mal ein Ninjutsukämpfender Affe als Spion die Welt rettete und uns den letzten Verstand raubte. Auch die übliche Schar an fliegenden Händlern und naja nennen wir sie mal Performancekünstlern war wieder bei jedem Stop an Bord. Entweder wird einem etwas über den menschlichen Körper erzählt und dann wundersame Tabletten verkauft, ein schwarzer Costeño gibt eine Rapeinlage zum Besten oder ein Marionettenmann denkt die Leute zum Lachen zu bringen, wenn er ihnen mit seiner Puppe vor den Nase herumfuchtelt. Die Händler wiederum versuchen Hühnchen mit Kartoffeln, frischen Bananenkuchen oder auch Obst zu verkaufen, wobei aber das Geschäftsmodell nicht zu 100% durchdacht zu sein scheint. Es kommen drei Leute rein und alle haben das für den Bus ehrer benutzerunfreundliche Obst Orange dabei. Was sich nun Verkäufer drei für Erfolgsaussichten ausmalt, wenn schon die ersten beiden keinen Erfolg hatten, bleibt ein südamerikanisches Mysterium. Produktdiversifikation ist generell keine Stärke der Südamerikaner, da sich der Verkauf ein und derselben, beliebig austauschbaren Ware oft auf genau einen Punkt konzentriert. Eine Straße wo es nur Fliesen gibt, eine andere wo nur nachgemachte Fußballtrikots feilgeboten werden oder eine Straße mit 20 Internetcafes, was besonders als nichts ganz helle erscheinen mag, wohl aber doch seine Existenzberechtigung zu haben scheint.

So kann auch der Eindruck entstehen, dass alle Welt nach Latacunga zum Frisör geht, denn die Stadt hat das gefühlt höchste Frisöraufkommen pro unfrisiertem Kopf. Aber eigentlich sollte uns die Stadt als Basislager für den sogenannten Quilotoa-Loop in der Nähe des Vulkans Cotopaxi dienen. Im ecuadorianisch-holländisch geführten Hostel Tiana gab’s Infos und eine detaillierte Wegbeschreibung.

Zuerst sollte es in die 40 Häuser umfassende Metropole Zumbahua gehen, wo am Samstag ein authentischer, lokaler Markt ohne Touri-Schnickschnack stattfinden sollte. Zu Dina’s großer Freude wurden vor Ort auch (hauptsächlich) Schafe geschlachtet. Sehenswert. Danach ging es auf der Ladefläche eines Pick-ups, die wir uns mit drei Spaniern teilten, zur Kraterlagune des Quilotoa-Vulkans, die dann ausführlich bestaunt wurde. Der Weg von der Lagune zum Dorf Chugchilan gilt als einer der schönsten Wandertouren Ecuadors und mit der Wegbeschreibung bewaffnet, machten wir uns auf den Weg. Schon nach 10 Minuten waren wir „lost“, bekamen aber doch noch die richtige Kurve, bevor wir dann nach 1,5 Stunden wirklich kurz vor der Umkehr standen, da wir das Gefühl hatten, dass uns das Gewirr aus zahlreichen Wegen auch wieder nach Peru hätte führen können. Bis plötzlich aus dem Nichts Gonzalo Diaz auftauchte und uns in sein Dörfchen Guayama mitnahm. Die Welt ist nun um einen Fortuna Düsseldorf Fan reicher, denn als Dank gab es einen mundgeklöppelten Aufnäher.

Der weitere Weg nach Chugchilan konnte dann recht problemlos gefunden werden und führte uns durch die neblige Landschaft des ecuadorianischen Andenhochlandes. Nach 4,5 Stunden kamen wir Mama Hilda an, die uns und den anderen Hostelgästen ein kräftiges Abendmahl bereitete und wir wie eine große Familie um den Tisch versammelt waren. Mit Andrea, aus der anderen Stadt am Rhein, konnten dann noch lustige Reisegeschichten von Busfahrten, Diarrhoe und Busfahrten mit Diarrhoe ausgetauscht werden. Schön.

Sonntag wollten wir dann mal eben von Chugchilan zurück nach Latacunga. Wenn da nicht Wahlen des andinischen Parlaments gewesen und ganz Ecuador auf den Beinen gewesen wäre. Hier herrscht Wahlpflicht (bei Nichtantritt drohen 20 US$ Strafe) und die Ecuadorianer wählen nicht im Wahlbezirk ihres Wohn- sondern ihres Geburtsorts, was eine ganze Völkerwanderung zur Folge hatte. Und daher lief die Rückfahrt etwas anders als gedacht.

Der Bus kam und es spielten sich tumultartige Szenen ab, denn auch hier unterlagen die Einheimischen dem weltweit verbreiteten Unverstandsphänomen beim Besteigen des Busses. Anstatt erst mal die Leute im Bus aussteigen zu lassen, stürmte der Pöbel den Bus durch Fenster und Tür. Sogar Kleinstkinder wurden durchs Fenster gereicht und als Platzreservierung benutzt. Nach 25 Minuten hatten sich die Passagiere dann ihren Weg nach draussen gekämpft und auch wir konnten Sitzplätze erhaschen. Die Fahrt war dann auch super. Es ging über eine schlechte Straße, die selbst die Beschreibung Feldweg nicht verdient hatte. Der Bus schwankte einige Mal bedenklich und die am Fenster Sitzenden mit Blick zum Abgrund im ecuadorianischen Hochland wurden einige Male sehr unruhig. Etwas zu unruhig für Leute, die diese Strecke regelmäßig fahren. Die Lage wurde auch nicht entspannter, als einer anfing kleine Jesusbildchen auszupacken. Halleluja. Die immer schlechter werdende Sicht bei dichtem Nebel trug ebenfalls nicht unbedingt zur einer gemütlichen Kaffeefahrt bei. Auch der Busfahrer mit einem verschlagenen Gesichtsausdruck, der bei jedem Grinsen seine Silberumrandeten Schneidezähne entblösste und einen stereotypischen Bart trug, wie man ihn aus südamerikanischen 70er Jahre Räuberpistolen kennt, machte die Sache nicht vertrauenswürdiger. Mich hätte es nicht gewundert, wenn ihm plötzlich zwei Hörner gewachsen wären und wir mit Höllentempo in den Teufelschlund gefahren wären. Das einzige was die Passagiere am Leben hielt, waren wummernde Criollo-Pop-Beats und schmalzige Melodien zu noch schmalzigeren Texten, wie „Yo tengo cuarenta y tu tienes veinte, no importa que dice la gente“ („Ich bin 40 und du bist 20, es ist egal, was die Leute sagen“, Anm. d. Red.). Nach vier Stunden kamen wir dann doch überraschend unversehrt in Latacunga an und wollten uns auf den direkten Weg nach Quito machen.

Noch schnell ins Hostel Tiana unsere Klamotten abholen und dann mit dem Taxi zum Busbahnhof, denn ein sintflutartiges Gewitter ergoß sich aus vollen Rohren. So zumindest der Plan. Doch selbst nach dreimaligem Anlauf kam einfach kein Taxi. Ein schlechtes Omen. Am Busbahnhof angekommen sollte sich dieses bewahrheiten. Hunderte Menschen wollten nach der Wahl zurück nach Quito und auch hier spielten sich wieder Tumulte ab. Obwohl die Busse im 5-Minuten-Takt kamen, war der Pöbel außer Rand und Band. Es wurde geschubst, die überforderte Polizei beschimpft, Babys schrien und wir mit vollem Gepäck mittendrin. Ausnahmezustand. Irgendwie sind wir dann in den Bus und gut nach Quito gekommen. Zwar um ein paar Nerven ärmer aber auch um ein paar Erfahrungen reicher. Und selbst die fliegenden Händler hatten es in diesem Chaos geschafft einen Weg in den Bus zu finden. Der ganz normale Wahnsinn eben.





Ein wichtiger Sieg.

18 06 2009

Ort: Cuenca (ECU)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: verregnet

Nach Vilcabamba nun also Cuenca und es gab auf der Fahrt mal wieder ein besonderes Schmankerl aus der Busvideothek: Rocky II, III und IV. Herrlich schlecht synchronisiert und dann lief auch noch die Tonspur hinterher.

Cuenca liegt im andinischen Hochlandbecken und hat so einiges an kolonialer Bausubstanz herumstehen. Das bedeutendste Gebäude ist allerdings noch recht frisch, die 1885 begonnene Neue Kathedrale, die 11.000 Gläubigen Platz bietet und somit eine ordentliche Hausnummer ist. Und dann war da noch Fronleichnam oder Corpus Christi, wie es hier ja heißt. Mit großem einwöchigem Tamtam, Schauspiel und Feuerwerk sowie zahlreichen Ständen mit süßem Naschwerk. Allerdings hatten wir seit Beginn der Reise das erste Mal durchgehend mieses Regenwetter, so dass viele Fronleichnamsfestivitäten gecancelt wurden mussten und man lieber drinnen als draußen war.

Cuenca ist als Zentrum der Hutflechterei bekannt und vor allem für den sogenannten Panamahut, den auch schon der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Staatsratsvorsitzender der DDR Erich Honecker zu schätzen wusste. Lehrreiches gab es dann im Hutmuseum zur Tradition und Herstellung des Hutes, der trotz seines Namens in Ecuador hergestellt wird. Auch hier mal wieder viele Theorien, warum der Hut aus feinem Toquilla-Stroh eine so irreführende Bezeichnung hat. Bei Kurt Dorfzaun wurde zugeschlagen.

Doch das schlechte Wetter hatte nicht nur Schlechtes, denn bei Sonnenschein kümmert man sich nicht so gern um die nervigen Dinge wie ein kaputtes Notebook. Im Computerladen schauten wir zunächst in ratlose und besorgte Gesichter, was die Rettung unserer Photos, Emails, persönlichen Dokumente wie Bewerbungsunterlagen usw. anging. Nach einigem Hin und Her wurde aber versprochen, dass wenn Ecuador in der WM Quali gegen Argentinien gewinnen sollte, auch unsere Daten gerettet werden würden. Es hieß also Daumen drücken. In ganz Cuenca und wahrscheinlich ganz Ecuador gab es an diesem Nachmittag nichts anderes als Fußball in der Glotze. In jedem Cafe, in jedem kleinen Büdchen, jedem Friseur oder Hutladen, es lief Fußball. Die Stimmung war so, wie im schwarz-rot-goldenen Sommer 2006. Und wir sahen schon schwarz, als Tevez zum Elfmeter für Argentinien antrat, doch der gebürtige argentinische und eingeecuadorianerte Torhüter konnte den Strafstoß vereiteln und Ecuador in der Folgezeit zwei Treffer zum verdienten Sieg erzielen. Unsere Daten und vor allem Photos waren gerettet und konnten auf einer externen Festplatte gesichert werden. Naja fast zumindest, denn Schockschwerenot, alle Outlook-Daten sind hinfort. 2.000 Emails, alle Kontakte mit Post- und Emailadressen, Geburtstage etc. Wer sich also in Zunkunft eine Karte aus fernen Ländern oder Geburtstagswünsche erschleichen möchte, der schicke doch seine Daten an bekannte Email oder via Kontaktform .

Nächste Ausfahrt wird dann Latacunga sein.





Im Tal der Langlebigkeit.

17 06 2009

Unsere Flucht aus Peru entpuppte sich als wahre Ochsentour. Denn zum einen gehört Peru sicher nicht zu den kleinsten Ländern Südamerikas, zum anderen liegt unser Bestimmungsort im ecuadorianischen Vilcabamba nicht unbedingt direkt an der Panamericana.

Zuerst ging es sieben Stunden nach Lima, der Stadt von der wir soviel Gutes gehört hatten, dass wir unseren Aufenthalt auf vier Stunden reduzieren konnten, um dann sofort weiter nach Tumbes weiterzufahren. Die Fahrt dauert nochmals sportliche 19 Stunden und es ging vom Bus direkt ins Taxi, um die 25 Km zur Grenze zu bewältigen. Und für Leute die die Grenze zu Fuß überqueren wollen, hat man sich ein besonders unkompliziertes Prozedere ausgedacht. Das Taxi kann natürlich nicht über die Grenze, also läuft man durch Unmengen von Straßenhändlern, Transitlern und Dieben, die in der Masse ihr Glück versuchen. Danach ging es zum Busbahnhof, der aber nichts anderes als ein „Büro“ am Straßenrand war. Zu dem Zeitpunkt war man aber noch nicht offiziell eingereist und die Immigration lag etwa 3 Km hinter der Grenze und wieder ins nächste Taxi. Dann unfassbar langsame Grenzbeamte beobachten müssen und wieder zurück mit dem Taxi. Der Bus sollte dann aber gleich fahren, nur eben nicht die erhofften 2-3 Stunden, sondern erst mal fünf (bei entspanntem Verkehr) bis nach Loja und dann nochmal eine Stunde nach Vilcabamba, dem ersten Ziel unser Reise in Ecuador. Naja, nach 40 Stunden waren wir dann auch schon da.

Und weil die Anreise so gemütlich war, hat es uns die nächsten Tage wieder mal komplett aus den Latschen gekippt und wir verbrachten die ersten Tage mit süßem Nichtstun. Aber wo kann man sich besser erholen als im kleinen Dorf Vilcabamba, dem Tal der Langlebigkeit. Die Region ist dafür bekannt eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Mitbürgern mit einem Alter von über 100 Jahren hervorgebracht zu haben. Der älteste Vilcabambero starb angeblich mit 129 Jahren und hat in dieser langen Zeit 238 Kinder produziert. Die Bedingungen dafür stehen auch nicht schlecht. Das Klima ist ganzjährig mild bis warm, die Ernährung durch viel Obst und Gemüse recht gesund und man zeigt ein freundliches Desinteresse am Rest der Welt. Und so sind auch mittlerweile über 700 Ausländer in der Region registriert, die sich hier ein entspanntes Leben fernab von Abwrackprämie, globaler Krise und Piraten vor Somalia versprechen.

Und so konnten wir bei Jean (ein kauziger Franzose, eigentlich ständig fluchend: „Pfffff, le merde!“) im schön begrünten Hostel Rendezvous in der Hängematte liegend und bei sensationellem Frühstück, für sechs Tage nicht nur die Seele baumeln lassen. Es gab einen kurzen Ausflug ins private Rumi Wilco Reserve, einen Rundgang durch die umliegenden Dörfer mit Fluß- und Bananenplantagendurchquerung sowie einen Besuch in einer kleinen Panelafabrik. Dazu gab es gutes Essen, wie z.B. frittierte Amazonas-Froschschenkel und eine 1,5-stündigen Massage bei Lola, die trotz ihres Namens seriös gearbeitet hat.

Der erste Eindruck von Ecuador ist so ganz anders als Peru und läßt auf mehr hoffen.





Wer Wind säht…

8 06 2009

Als ich etwa 7 Jahre alt war, hatte ich wie viele andere Kinder ein Haustier. Sie sollen helfen zu lernen Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Oder man findet es einfach nur putzig. Meins war ein Angora-Meerschwein und hatte den ausgefallenen Namen Mucki. Dann starb Mucki, ohne den Zenit eines Meerschweinchenlebens überschritten zu haben. Böse Zungen sprechen vom Resultat sozialer Inkompetenz. Und Muckis Tod schien nicht ohne Folgen zu bleiben.

So entwickelte ich eine ausgefeilte Meerschweinhaar-Allergie, die sich in ein wirklich atemberaubendes Asthma steigern kann. Doch ich spührte, dass auch für mich irgendwann der Tag der Vergeltung kommen würde. In den Anden gehört Meerschwein, oder auch Cuy, zu den wenigen domestizierten Tieren und ist seit Jahrhunderten eine Delikatesse auf den Märkten und den Speisekarten traditioneller Küchen. Cuy Chactado, ein ganzes Tier mit krokanter Kruste auf einem Tomaten-Zwiebelbett mit Kartoffeln. In Mario Puzos Klassiker „Der Pate“ kann man lesen, dass „Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird“. Nun in diesem Fall wurde das Cuy warm bereitet und es mundete ganz deliziös auch wenn der kleine Racker nicht viel Fleisch hatte. Die Wachtel unter den Nagern sozusagen, geschmacklich aber dem Kaninchen nahe.

Doch Muckis Fluch schien noch nicht erschöpft. Beim Versuch die Photos des Cuy-Festmahles auf mein Notebook zu ziehen, um mich an meiner Vergeltung zu ergötzen, verabschiedete sich die Festplatte meines noch recht jungen Dell-Rechners. 2:1 für Mucki.

Wer Wind säht, wird Sturm ernten.