Geschmolzene Weihnachtsgefühle.

18 02 2010

Ort: Christchurch (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Weihnachtliche 27°

„It’s a mess, it’s a mess“ („Es ist ein Chaos, es ist ein Chaos“; Anm. d. Red.) waren die Worte, die unser Couchsurf-Gastgeber Brandon immer wieder entschuldigend wiederholte. Und ja, in der Tat, das war nicht übertrieben, denn der Anblick, der sich uns auf dem großen Grundstück vor den Toren Christchurchs bot, war wirklich erbärmlich. Da standen zwei große Häuser nebeneinander, die darauf warteten verheiratet zu werden, doch die Liebesmüh schien keine Früchte tragen zu wollen. Der 57-jährige IT-Admin der Uni von Christchurch versuchte nun schon seit über 20 (in Worten: zwanzig) Jahren einzuziehen und Ordnung in die zwei Bruchbuden zu bekommen. Das totale Chaos, die beiden Gebäude schienen nichts anderes zu tun, als auf die Abrißbirne zu warten.

Doch wir waren nicht wegen schöner Landhausidylle und gebügelten Stoffservietten in die Stadt gekommen, sondern um Weihnachten zu feiern. Und zwar mit Freunden. Die Monkeys, Michi und Josef, waren nämlich auch „in da house“. Naja, eigentlich ja „in front of da house“, denn wir hatten bei Brandon die Möglichkeit auf dem Grundstück zu parken, unser Zigeunerlager aufzuschlagen und nach guter alter westeuropäischer Sitte ein Weihnachten bei 27°C zu feiern. Brandon hatte sich selber Freunde eingeladen und war somit vollkommen beschäftigt. So konnten wir ein eigenes Festmahl auffahren und uns gemütlich den ganzen Tag lang im Campingstuhl betrinken. Ach wat schön.

Leider mussten die Monkeys schon am 1. Weihnachtsfeiertag abreisen, da es für sie zum Jahreswechsel nach Sydney gehen sollte. Doch auch wir hatten noch so einiges auf dem Zettel stehen und haben uns nicht gerade gelangweilt.

So langsam aber sicher konnten wir den Countdown bis zur Abreise aus NZ immer lauter ticken hören und wir mussten doch noch Rosarka an den Mann oder die Frau bringen. Wir also schön Flyer gebastelt und von Hosteltür zu Hosteltür gefahren und Rosarka am Schwarzen Brett zum Verkauf angeprangert.

Die Resonanz war dürftig und so beschlossen wir für einen Tag nach Kaikoura zu fahren, was aber bei bedecktem Himmel nicht so zu überzeugen wusste.

Wieder zurück in ChCh und noch immer ohne wirklichen Kaufinteressenten ging uns so langsam die Muffe und wir kreuzten beim Backpacker Car Market auf, um mal die Lage abzuklopfen. Der eigentlich gar nicht so unsymphatische Vermittlertyp hatte dann eine gute und eine schlechte Nachricht für uns. Die gute war, dass wir mit Rosarka wirklich eine tschechische Prinzessin im Gepäck hatten, die deutlich über dem durchschnittlichen Niveau der gängigen fahrbaren Untersätze lag. So weit so gut. Freude. Die schlechte war dann aber, dass die Woche zwischen Weihnachten und Sylvester die denkbar schlechteste Woche des ganzen Jahres wäre, wann man sein Auto verkaufen möchte. Entweder sitzen die potentiellen Käufer noch zuhause bei Mutti und müssen den ganzen Tag Weihnachtsgans und Lebkuchen essen oder sie lassen es noch ordentlich über den Jahreswechsel in Sydney krachen. Das war also als würde man einen Halal-Imbiss mitten im Ramadan eröffnen. Scheiß-Timing.

Also Planänderung. Anstatt Rosarka schon ein paar Tage vor Abflug nach Singapur zu verschachern, beschlossen wir bis zum letzten Tag im Van zu übernachten und ihn dann zum Backpacker Car Market zu bringen, NZ$250 auf den Tresen zu legen und dann einfach abzuwarten bis sich der Wagen quasi von selbst verkauft.

Wir hatten uns also von der Sorge befreit und ab ging es auf die Banks Peninsula gleich umme Ecke. Da gabs ein schönes Tourikaff namens Akaroa, wo man mit allem Französischen eine schnelle Mark machen wollte und man schön den Eingeborenen beim Eis essen zuschauen konnte. Doch spektakulär war schon die Anfahrt. Rosarka ächzte auf ihrer letzten großen Tour für uns nochmal die Hügelkuppen hoch und runter und wir konnten die Aussicht auf die vielen Buchten der Halbinsel genießen. Fein, fein.

Zum Jahreswechsel erhofften wir uns etwas menschlichen Anschluß und so ging es ins Vagabond Hostel, wo wir für einen schmalen Taler nicht nur im Hof parken und auch schlafen, sondern auch die Küche und das Töpfchen nutzen konnten. Und ach, welch Überraschung. 90% der Hostelgäste waren der deutschen Sprache mächtig. Wir hatten ja vorher noch kein Hostel in NZ von innen gesehen, kannten den Spaß ja aber schon aus Australien. Jaja, in diese zivilisierten Länder lässt man die Kleinen gern auch mal alleine ziehen, um sich nach dem Abi die Hörner abzustoßen.

Dort lernten wir dann aber auch zwei nette Landsleute, Julie und Sebastian, kennen, mit denen wir dann auch beschwingt den Jahreswechsel feierten. Bei uns hieß die Devise wieder mal „Martini statt Böller“ und so ging es recht fein angehübscht in die Innenstadt, wo allerdings die Stadt ChCh ein großes Alkohol- und Rauchfreies Neujahrsfest auf die Beine gestellt hatte. Laaaaaaangweilig. Wir kamen gerade pünktlich zum Feuerwerk und dann nach spektakulären 30 Sekunden war dieses auch schon beendet. Ach, diese Wirtschaftskrise. Zum Glück fanden wir noch durch Zufall das „Le Petit Croix“, ein kleines französisches Bistro, das auch als Champagner-Cafe bekannt ist, wo wir noch gut versacken konnten.

Und Peng! 2009 war vorbei. Scheiße! Wir waren fast das ganze Jahr unterwegs, 11 Monate schon. Das sind 11/12 oder auch 92% von projekt365. Wir hatten Schweißperlen, die uns auf der Stirn standen. Sollte es denn fast schon vorbei sein? Wir waren doch noch gar nicht müde, noch gar nicht satt. Immer noch begierig nach neuen, aufregenden Abenteuern und Erlebnissen.

Aber wat willste machen. Fehlfarben sangen „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran“ und Steppi sachte ja auch immer „Lebbe geht weider“. So also auch für uns.

Am 2. Januar war nun also auch das Kapitel Neuseeland Geschichte, wir brachten Rosarka schweren Herzens zum Car Market und es ging weiter nach Singapuritanien. Bis gleich also.





Alpenglühen.

9 02 2010

Ort: The Catlins, Dunedin, Otago Peninsula, Mt Cook (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Wie immer in NZ

Nach dem imposanten Fjordland ging es über die südliche „Szenische Route“ (in Neuseeland scheint es mehr szenische Routen zu geben, als normale Straßen, Anm. d. Red.) nach Invercargill. Doch die rasterförmig angelegte Stadt strotzte nur so vor Langeweile und war daher nur ein logistischer Zwischenstopp, wo es günstige Vorräte aufzustocken galt. Das schönste an Invercargill war dann die Straße nach Osten, in die sogenannten Catlins, denn da sollte es als nächstes hingehen.

Die Catlins beschreiben das malerisch schöne Gebiet östlich von Invercargill bis nach Balclutha. Die Region kann Küstenlandschaft, kann Regenwald und kann wilde Tiere. Wir haben also an Waipapa faule Seelöwen im Sand liegend entdeckt, am südlichsten Punkt der Südinsel – am Slope Point – das obligatorische „Wir waren hier“-Photo gemacht, haben in der Curio Bay Gelbaugenpinguine beim abendlichen Bad inmitten eines 160 Mio Jahre alten versteinerten Waldes zugesehen (Gondwana live!, Anm. d. Red.) und immer wieder betont, wie putzig sie doch sind, haben die McLean Wasserfälle besucht und den Wilkie See, bis wir uns schließlich via staubigen Schotterstraßen über Cannibal Bay bis zum Nugget Point gearbeitet hatten, wo wir Pelzrobben bei der abendlichen Jagd beobachten konnten. Fein, fein.

Doch es gab auf der Strecke nicht nur rauhe Küste und viel Tierleben zu bestaunen, sondern auch ein ausgefallenes Kuriositätenkabinett. „The Lost Gypsy Gallery“ in Papatowai war voll mit kleinen mechanischen und elektronischen Gerätschaften, die wohl in die Kategorie „Dingsbums, Diverses und Verschiedenes“ fallen. Es war wie auf einem Spielplatz für Erwachsene. Ein Fahrrad auf dem man treten musste, um eine Simpsons-Folge in Gang zu setzen, raffinierte Apparaturen aus recycletem Material oder Müll, deren Einzelteile geschickt miteinander verzahnt worden waren und mit dem Dominoeffekt funktionierten oder das spektakuläre Klavier, wo jede Taste an ein neues sagenhaftes Instrument oder sonstige Geräuscherzeuger gekoppelt war. Unsere Augen leuchteten, wie die kleiner Kinder zu Weihnachten. Nur dass wir immateriellen Spaß geschenkt bekommen hatten.

In zwei Tagen hatten wir die Catlins dann abgefrühstückt und es ging weiter nördlich nach Dunedin (ausgesprochen wie Du-ní-dn, Anm. d. Red.). Dort wollten wir wieder Gelbaugenpinguine glotzen und auch mal einen Blick auf die mächtigen Königs-Albatrosse werfen. Aber leider musste man für beide Aktivitäten zahlen und auch nicht zu knapp, so dass wir uns einen Besuch der Tierkolonien auf der Otago Peninsula schenkten. Was es dann aber doch für lau gab, waren die 70 Zwergpinguine an der Pilot’s Bay beim Albatross Centre, die am Abend von der Arbeit nach Hause kamen. Den ganzen Tag wurde gefischt, denn im heimischen Nest wartete der Nachwuchs. Und der machte sich auch lautstark bemerkbar, als die Rückkehr von Mutter und Vater vernommen wurde. Es klang wie eine Riesenparty mit Pinguingezwitscher. Witzigerweise trafen wir noch Richie und Chris wieder, die wir beim Couchsurfen in Auckland kennengelernt hatten und uns einen Besuch bei Mt Cook nahelegten.

Aber vorher erst mal die Universitätsstadt Dunedin. Eine richtige Stadt, mit richtigen Menschen und Infrastruktur – die erste seit Wochen. Neuseeland ist nun wirklich nicht für seine urbanen Zentren berühmt und so verwunderte es auch kaum, dass eine der städtischen Hauptattraktionen die steilste Straße der Welt ist. Verrückt. Diese Neuseeländer haben es echt mit den Superlativen. Wir also hin und wir müssen gestehen, die Steigung sieht bedrohlich aus. Da Dina in der Nacht davor geträumt hatte, dass wir uns mit der alten Rosarka überschlagen würden, verzichteten wir eine Befahrung und stiegen zu Fuß auf. Allerdings kann ich heute auch nicht mehr genau sagen, ob die gute alte Dame die Steigung auch geschafft hätte.

Mit einem Zwischenstopp am windverwitterten Shag Point ging es weiter gen Norden. Flach und ziemlich gerade aus, an der Küste entlang. Wir passierten die mit blitzweißen Sandsteinbauten geschmückten Kleinstadt Oamaru und arbeiteten uns weiter Inland. Mt Cook entgegen. Auf der sonnigen Seite der Südalpen, mit einem Panorama der schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Am Fuße des größten Berges Australasiens bewanderten wir das Hooker Valley und es gab Schwarzbier von Monteiths (bestes Bier in Neuseeland, Anm. d. Red.) am Gletschersee, wo auch die allseits beliebte Weihnachts-Photosession abgehalten wurde. Was für ein feines Panorama. Am spektakulärsten war dann aber das Alpenglühen. Der majestätische Aoraki (Mt Cook in Maori, Anm. d. Red.), leuchtete in Rosa- und Purpurtönen, die man eigentlich für Photoshop-Fake halten müsste, ein Farbspektakel allererster Güte. Mit dem glimmenden Rücken des Drachen der Südalpen verließen wir dann das Mt Cook Dorf. Das klingt in erster Linie sehr stimmungsvoll aber die verrückten Kaninchen, die in 30-Sekunden-Intervallen kreuz und quer und vor allem scharenweise über die Straße in der Abenddämmerung rennen, machten unsere Rückfahrt zu einem sportlichen Slalomparcour.

Ja und dann war es plötzlich Weihnachten. Unsere letzten Tag in Neuseeland waren angebrochen. Unsere letzten Tage mit Rosarka. Und überhaupt ging es dann bedrohlich dem Ende von projekt365 entgegen.





Das Geräusch der Stille.

30 01 2010

Ort: Fjordland (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Regenwahrscheinlichkeit 100%

Als Tu-te-raki-whanoa die Aufgabe gegeben wurde, die Küste des südwestlichen Neuseelands zu formen, sprach die göttliche Figur kraftvolle Beschwörungen und nahm sein mächtiges Beil, um die heute bestehende Fjordlandschaft aus den Felsen zu hauen. Er wollte sich schlängelnde Meeresarme modellieren, die Schutz vor der rauhen See und den stürmischen Winden des Westens bieten. Nach der alten Maori Legende begann er im Süden und wuchs quasi mit der Aufgabe, da er mit dem berühmten Milford Sound ganz im Norden Fjordlands Perfektion erlangte.

Heute zieht es bis zu 5.000 Besucher pro Tag in den berühmtesten Fjord Neuseelands und mindestens genauso großer Beliebtheit erfreut sich der 53,5 Km lange Milford Track, einer der großen Wanderwege NZ’s. Der war allerdings im November schon bis April ausgebucht, da die Übernachtungsplätze in den Hütten vor allem im neuseeländischen Sommer schwer gefragt sind. Das hörte sich aber auf jeden Fall ziemlich hektisch und zu gut besucht an und daher beschlossen wir, in den zweitgrößten Fjord, nach dem Dusky Sound – den Doubtful Sound – zu fahren.

Doch hier muss gleich mal etwas richtig gestellt werden. Zuerst mal ist der Doubtful Sound kein Sound (Sund oder Meerenge, Anm. d. Red.), sondern ein Fjord. Zumindest in der europäischen Bedeutung. Denn bei uns wird eine enge Meerestraße als Sund bezeichnet, hingegen ein Fjord ein überschwemmtes Tal beschreibt, dass durch Gletscheraktivität entstanden ist. So, da habt ihr es. Der Name Doubtful, also zweifelhaft, stammt von olle James Cook, der nicht in den Fjord segeln wollte, da er gerechtfertigte Bedenken hatte, dass der Wind ihn nicht wieder aus dem „Doubtful Sound“ heraustragen wird. Naja, eigentlich hat er es nur „zweifelhaften Hafen genannt“, er konnte ja nicht wissen, wie es weiter innen aussieht, aber wir wollen hier mal nicht zu sehr ins Detail gehen.

Selber fahren kann man dann im Gegensatz zum Milford Sound auch nicht bis direkt vor die Haustür, so dass man eine Tour buchen muss, um sich die spektakuläre Szenerie anzuschauen. Wir also mal wieder etwas Organisiertes gebucht, obwohl wir das ja so weit wie möglich vermeiden wollten. Doch für die 24-stündige Übernacht-Kreuzfahrt von Real Journeys gab es gerade ein Special und wir hatten zugeschlagen. Ein echter Schnapper.

Die Reise zum Fjord begann an einem Sonntag zu mittäglicher Stunde und führte uns zuerst über den Manapouri-See, der idyllisch vor den Kepler Bergen gelegen ist. Dann hieß es in einen Bus umsteigen und über den Wilmot Pass zur Deep Cove, dem Tor zum Doubtful Sound-Fjord-Ding. Verrückt, ein See, ein Pass und dann noch ein Fjord.

Nachdem uns das Wetter auf der Südinsel bisher ja eher eingenässt hatte, hatten wir uns auch für den Fjord keine großen Hoffnungen gemacht. Und wir wurden nicht enttäuscht. Begann die Fahrt auf dem Manapouri-See noch recht sonnig, ging es nach dem Pass schön in die dunstige Waschküche. Alles grau in grau, Regen und Hagel, Rheumawetter. Hört sich ja erst mal wieder ziemlich entmutigend an, war es aber nicht.

Es gab nämlich unzählige Wasserfälle. In diesen 24 Stunden an Bord der Navigator haben wir auf jeden Fall mehr gesehen als in unserem gesamten Leben bisher. Wasserfälle in allen Größen, bis zu 365 m hoch, Wasserfälle in versteckten Tälern, Wasserfälle, die wie aus blutenden Bergen rannen. Wasserfälle wohin man nur schaute. Voll fett, wie es in der Jugendsprache heißt.

Das Fjordland gehört zu den regenreichsten Regionen der Welt. Wer dachte Freiburg, unser Lieblingsbenchmark, hat mit 954 mm mittlerer jährlicher Niederschlagsmenge ordentlich Regen, dem sei gesagt, dass der Doubtfull Sound 6.000 mm hat. Das sind sechs Meter! Die Wahrscheinlichkeit Regen zu haben, war also von vornherein nicht die geringste.

Es hatte aber nicht nur geregnet und das war auch ganz fein, denn wir wollten doch auch mit dem Kayak den Fjord erkunden. Auf die Frage, wie nass man in der Regel beim kayaken wird, meinte Crewmitglied Warren, dass man normalerweise etwas Spritzwasser von den Paddeln auf die Oberschenkel bekommt und man durchaus überlegen könnte Schwimmshorts anzuziehen. Das stimmte dann auch, allerdings nur so lange wie es auch von oben trocken bleibt. Das tat es dann natürlich nicht lang. Aber auch im strömenden Regen war die Fahrt ein Erlebnis und wir konnten die Stille Jahrtausende alter Landschaften genießen, die zum größten Teil noch nie von Menschen betreten wurden. Dramatische Berglandschaften mit Wäldern die auf hartem Gestein nur eine dünne Schicht aus nährstoffreichem Humus haben und auf der vor allem Rot- und Silberbuchen, Baumfarne, Moose und Flechten wachsen. Eine Zeitreise in die Vegetation nach der letzten Eiszeit.

Innerhalb des Fjords war das Wasser meist spiegelglatt, doch je näher es gen offene See ging, umso rauher wurde es. Doch genau das wilde Wasser, dass die Felsen der Nee Insel umspült, finden die Pelzrobben super und haben sich dort niedergelassen. Und es gab auch putzige Dickschnabelpinguine zu sehen, die zu den seltensten der Welt gehören.

Doch es gab nicht nur wildes, weißes Wasser zu sehen. Im Doubtful Sound ist das Wasser nämlich nahezu schwarz. Auf dem Salzwasser liegt ein bis zu 3 m hoher Süßwasserfilm, der sich aus Regen und Schmelzwasser speist und durch die ausgewaschenen Tannine des Waldes so dunkel ist, dass das Wasser kaum Licht durchlässt. Dadurch können auch auch Tiefseearten im relativ flachen Fjord wachsen und gedeihen.

Des Nachts wurde ein ruhiger Seitenarm des Fjords aufgesucht und wir schliefen den Schlaf des Gerechten. Wenn wir nicht schliefen, wurden wir von der Crew verhätschelt, wo es nur ging. Aber man konnte auch merken, dass sie auch ordentlich Spaß hatten. Aber es gibt auch sicher schlimmere Arbeitsplätze als einen der schönsten Fjorde Neuseelands. Besser auf jeden Fall als der Beruf des Eimer-Entleerers im Cholera-Camp.

Der nächste Morgen brachte dann nochmals Dickschnabelpinguine, Sonne und natürlich Regen. Aber gerade diese Kombi bringt ja bekanntlich einen Regenbogen. Und dieses Mal gab es nicht so ein unprofessionelles Ding, sondern einen vollständigen Halbkreis. Ein kompletter Bogen. Very beautiful.

Mit dem Overnight-Cruise hatten wir nicht ins Klo gegriffen und den spektakulären Fjord in allen Zügen genießen können. Vor allem auch, weil wir das einzige Boot im riesigen Fjord waren. Natur exklusiv. Wir waren sehr amused.

Trotzdem wollten wir auch dem anderen Fjord einen Besuch abstatten. Wir also schön mit Rosarka einen Tagesausflug gemacht. Doch nicht nur der Milford Sound selber, sondern vor allem auch die Fahrt dorthin ist recht spektakulär. Man passiert riesige Lupinenfelder, die in allen Lila-, Violett- und Pinktönen blühen, vorbei an den Mirror Lakes, die so heißen, weil sie oft ein perfektes Spiegelbild der dahinter liegenden Bergkette namens Earl Mountains werfen. Man staunt über das grün und blau des Hollyford Flusses und über die alpinen Schneefelder am Homer Tunnel, der strichgerade für 1270 m in den Berg gehauen wurde.

Doch den größten Spaß hatten wir noch mit ein paar spitzbübischen und dreisten Keas. Ein Kea ist ein alpiner Papagei oder auch ein Bergpapagei. Das Federkleid ist eher langweilig grünlich-braun mit nur wenigen Farbtupfern. Doch öffnen sie ihre Schwingen, kann man die darunter verborgene Farbenpracht sehen. Der Schnabel ist nicht nur lang, sondern die Klappe ist auch groß, denn sie sind alles andere als scheu. Steht man also am Homer Tunnel, um auf das Grün der Ampel zu warten, wird man regelrecht überfallen und die Keas setzen sich auf Spiegel oder Dach und fangen an einem die Fensterdichtung anzuknabbern. Und nicht, dass man die frechen Federviecher so einfach los wird. Selbst wenn man Vollgas im Kreis fährt, lassen sie sich nicht vom Dach abschütteln und ihr lautes Krächzen klingt wie höhnisches Lachen.

Doch konnten wir im „zweifelhaften Fjord“ noch das Geräusch der Stille hören, war es im Milford Sound vor allem der Lärm der Hubschrauber, Bootsmotoren oder Flugzeuge. Die Atmosphäre, die der Doubtful Sound verströmte, wollte hier einfach nicht aufkommen, es war einfach zu busy. Natürlich wurden auf dem Uferland-Weg noch die obligatorischen Bilder vom spitz aufragenden Mitre Peak gemacht, bevor es dann wieder zurück nach Manapouri ging.

Wir hatten ein paar wirklich unvergeßliche Tage im Fjordland Neuseelands.





Berge und Wolken. Vögel sind dort.

6 01 2010

Ort: Wanaka, Queenstown, Glenorchy (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: 1 Sonnentag pro Woche

Wanaka ist im Winter eines der besten Skigebiete in Neuseeland und die Sommer sind sonnig und heiß. Der Dezember bringt normalerweise 30°C und das klang vielversprechend. Die Anreise vom Fox Gletscher begann, wie nicht anders zu erwarten, nass. Die Überquerung des Haast-Passes war für uns nicht spektakulär, da sich die Sichtweite bei ausblickunfreundlichen 30 m einpendelte. Wieder mal dichte Wolken und Regen also. Doch mit der besagten Überquerung bewegten wir uns auf die andere Seite der südlichen Alpen und damit in den ersehnten Regenschatten. Als wir dann am Wanaka See ankamen wurden wir nicht enttäuscht, die Sonne schien und der Blick vom Lake Outlet Campingsplatz eröffnete uns ein herrliches Bergpanorama.

Wir also ganz aufgeregt zur Touriinfo und den Wetterbericht angefragt. Und prima, die nächsten fünf Tage waren Regen angekündigt. Dieses verdammte Regenwetter schien uns zu verfolgen. Und die Vorhersage hatte nicht zu viel versprochen. Wo am Vorabend noch Berge, See und Wälder zu bestaunen waren, war am nächsten morgen so eine dunstige Waschküche, dass alles hinter dichten Regenwolken verschwunden waren.

Wir also entnervt nichts wie weg aus Wanaka und ab nach Queenstown, der Fun-, Action- und Partyzentrale des Landes. Wir hatten aber eigentlich keine Lust auf Spaß und gute Laune mit spätpubertären Frühzwanzigern und daher ging es gleich weiter nach Glenorchy. Schon die Fahrt entlang des Wakatipu Sees war ganz fantastisch. Ach wat schön.

Die Gegend hinter Glenorchy diente für zahlreiche Herr der Ringe Szenen und man hatte in der Tat jeden Augenblick das Gefühl, dass der Ringträger und sein Gefährte Sam um die Ecke kommen und man zusammen ein kleines Pfeifchen mit Kräutern aus Hobbingen rauchen würde. Berge rechts und links, herrliche Seen, wie der Diamond Lake, Wälder mit Buchenbäumen drin und wilde Flüße mit dicken Steinsbrocken – wie im Westfernsehen. Toll, sogar die Sonne schien.

Eigentlich wollten wir ja auch den Routeburn-Track laufen. Drei Tage durch unbeschreiblich schöne Landschaften. Aber wir trauten dem Wetter nicht über die Runden und hatten im Vorfeld keine Übernachtunsgplätze in den Berghütten gebucht. Daher haben wir nur einen sportlichen Tagesausflug bis zur ersten Hütte gemacht und durchaus Appetit bekommen. Doch komplett werden wir ihn wohl erst beim nächsten Mal machen, wenn die globale Erderwärmung endlich mal für besseres Wetter gesorgt haben wird. Drücken wir die Daumen und sprühen etwas mit FCKW durch die Gegend.

Und als altes tschechisches Mädchen braucht Rosarka alle 1000 Km frisches Öl. Ich also die vordere Sitzbank umgeklappt und schön einen Liter reingekippt, um die betagten Lebensgeister des Motors frisch zu halten. Nach ca. 5 Minuten hatten wir 70 Sandfliegen im Auto. Wir hatten nämlich direkt am Ufer des Wakatipu Sees übernachtet. Dann nur noch Amok. Kill, kill und kill. Die Biester schienen überall und es dauerte eine ganze Weile bis alle platt waren. So schön es hier auch ist, die Sandfliegen können einem schon den Nerv für’s Genießen rauben.

Auf dem Rückweg nach Queenstown übernachteten wir dann auch noch am wunderschön gelegenen Moke Lake, der neben ein paar garstigen Sandfliegen auch noch ein sensationelles Spiegelbild der dahinter liegenden Hügelkette zu bieten hatte. Fein.

In Queenstown machten wir dann sogar noch mit Luke Leaf Bekanntschaft. Wir erinnern uns, der Jadeschmuck-Künstler, gebürtig aus Hokitika und Schöpfer von Matzes neuem Jade-Anhänger.

Doch auch Luke konnte uns nicht überzeugen in der hektischen und natürlich schon wieder regnerischen Stadt zu bleiben, und so ging es auf direktem Weg ins Fjordland. Doch das ist eine andere Geschichte.





Regen, Sandfliegen und dreckiges Eis.

1 01 2010

Ort: Westküste von Westport zum Fox Gletscher (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Nasskalt mit vereinzeltem Sonnenschein

Das Rezept für nasses Wetter an der Westküste der Südinsel Neuseelands lautet wie folgt: Man nehme eine kleine isolierte Insel am Arsch der Welt, Westwinde, die somit lange ohne Hindernis über den Ozean fegen und sich mit Feuchtigkeit vollsaugen können und eine riesige Gebirgskette, die durch das Zusammenschieben der pazifischen und der polynesisch-australischen Platte entstanden ist – die südlichen Alpen. Regennasse Wolken kommen also aus Westen und sind so schwer, dass sie es nicht über die Berge schaffen. Und was passiert? Richtig, sie regnen sich ab.

Heute gibt es überall entlang der Westküste gemäßigten Regenwald mit üppiger Vegetation, viele Seen und Flüsse. Das sieht dann alles toll aus, es gibt aber eben verdammt viel Regentage und Wasser.

Wo wir dann auch schon beim zweiten und eigentlichen Problem wären. Sandfliegen. Die nervtötenden Sandfliegen sind eigentlich weibliche Kriebelmücken (so zumindest übersetzt Wikipedia Blackflies, Anm. d. Red.), die so gierig nach Blut sind, wie ein dehydrierter Vampir. Sie brauchen Süßwasser, um zu existieren und davon gibt es vor allem an der Westküste reichlich. Die kleinen Stechmücken treten auch nicht einzeln, sondern in Schwärmen auf, was die Sache nicht unbedingt entspannter macht. Sie sind die absolute Pest am Arsch (die Redaktion entschuldigt das explizite Französisch, Anm. d. Red.) und auf der Liste mit Insekten, die wir nicht leiden können, ganz oben.

Unser erstes Zusammentreffen gab es bei den Nelson Lakes, die zwar nicht direkt an der Westküste liegen aber eben alle Kriterien für ein schönes Zuhause für Sandfliegen erfüllen. Der pure Hass. Sobald sie einen entdeckt haben, fallen sie in Schwärmen über einen her. Ich hab sogar eine beim Reden verschluckt, weil das kleine Biest direkt in meinen Mund geflogen war.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Sie sind langsam, d.h. man muss in Bewegung bleiben. Das hat uns sogar zwei Stunden Wanderung auf dem Braeburn Track an den Nelson Lakes ermöglicht. Sie mögen keinen direkten Regen, weil sie da nicht fliegen können. Und sie können keinen Wind ab und verschwinden bei Nacht, da sie, um zu stechen, auf ihren Sehsinn angewiesen sind und im Dunkeln nichts sehen können. Ein entspanntes Szenario ohne Sandfliegen wäre dann also: Nachts, bei starkem Regen und Sturm. Super. Genau die Konditionen, die man sich wünscht, um Neuseeland zu entdecken.

Naja Meeresnähe mit etwas Wind reichte zum Glück auch und schon konnten wir in der Nähe von Westport an Cape Foulwind die rauhe Küste bestaunen und den einzigen Sonnentag der Woche genießen. Am Vorabend gab es sogar einen ansehnlichen Sonnenuntergang und der nächste Tag brachte einen kleinen Ausflug zu einer Pelzrobben-Kolonie. Da war vor kurzer Zeit Nachwuchs angekommen und die Racker krakelten wie kleine Menschenkinder aus vollem Halse. Noch bekloppter waren aber die Weka Vögel, die wie eine billige Kiwifälschung aus China aussehen. Statur und Farbe sind sehr ähnlich, nur ist der Schnabel zu kurz und der Schwanz zu lang. Und kleptomansich veranlagt sind sie auch noch. Die Wekas schlichen die ganze Zeit um unseren Tisch und versuchten etwas abzugreifen, wo es nur ging. Aber nicht mit uns.

Weiter ging es nach Punakaiki im Paparoa Nationalpark, der für die sogenannten Pancake-Rocks (Pfannkuchen-Felsen, Anm. d. Red.) berühmt ist. Bei wolkenverhangenem Wetter sahen die aber gar nicht appetitanregend aus und wir sind lieber durch den mit Nikau-Palmen verzierten Regenwald marschiert.

Der nächste Stopp brachte uns nach Hokitika, einem bedeutenden Zentrum für Jadeschmuck. Jade, oder auch Pounamu (Maori, Anm. d. Red.) oder Greenstone (die Engländer wussten es nicht besser, Anm. d. Red.) genannt. Schon bei den Maoris war der grüne Stein sehr beliebt und es wurden Schmuckstücke oder andere eher nützliche Gegenstände, wie todbringende Äxte, aus dem harten Material gefertigt. Heute gibt es in ganz Neuseeland eine große Schmuckindustrie und kaum ein Neuseeland-Urlauber fährt oher Schmuckstein wieder nach Hause. Aber so einfach wie es klingt, läuft es eigentlich nicht. Erstens hat jede geschnitzte Form eine bestimmte Bedeutung und zweitens kauft man sich nach altem Maori-Brauch den Anhänger nicht selber, sondern bekommt ihn von jemanden geschenkt. Und weil der Matze immer schön artig war, immer schön brav sein Bier ausgetrunken hat und es nach dem projekt365 neue Herausforderungen zu bewältigen geben wird, gab es von der lieben Dina einen Anhänger in Form eines Beils mit intergrierter Spirale. Koru, wie die Spirale in Maori heißt, steht für Neuanfang und ist jungen Farnblättern nachempfunden, die sich im Entwicklungsprozess ausrollen und somit voll entfalten können. Und damit es beim Neuanfang auch alles rund laufen wird, gab es das Beil (Toki in Maori, Anm. d. Red.) gleich dazu, denn dieses steht für Stärke und Kraft und soll helfen Herausforderungen zu meistern. Matze hat sich sehr über das blumenjadene Stück aus der Werkstatt von Luke Leaf gefreut. 2010 kann kommen.

Was dann aber erst mal kam, waren die Gletscher. Wir waren ja schon in Argentinien auf dem Perito Moreno Gletscher, was für uns ein absolutes Highlight der ganzen Reise ist. Herrlicher Sonnenschein, eisblaue Gletscherseen und Whisky on the rocks zum Abschluß. Und am Franz Josef und Fox Gletscher? Regenwolken und dreckiges Eis. Trotzdem war die Tagestour auf dem Fox Gletscher, namens „The Nimble Fox“, schon einzigartig. Zum einen reicht der Regenwald bis an den Gletscher heran und zum anderen gibt es steil aufragende Eisspitzen zu sehen. Und überraschenderweise schimmert das Blau des Eises auch bei geschlossener Wolkendecke. Trotzdem waren wir nicht so von den Socken, wie noch damals auf dem Perito Moreno. Und damals war ja sowieso alles besser.

Feister Sonnenschein wäre schon was feines gewesen aber davon gibt es ja an der Westküste leider nicht so viel. Überhaupt haben wir dieses Jahr einfach Pech mit dem Wetter. Auch der gemeine Neuseeländer jammert, dass es zu kalt und zu regnerisch sei für diese Jahreszeit. Was tröstet sind die Wettermeldungen aus Deutschland. Also dann, immer schön ans Streusalz denken.





Frohes Fest!

23 12 2009

Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Daheimgebliebene,

es ist Ende Dezember und nicht ganz überraschend steht das Weihnachtsfest vor der Tür. Laut aktuellem Wetterbericht sieht es in der Heimat ja nach richtigem Winterwetter aus, Schnee, Matsch und Chaos. Toll. Die weiße Weihnacht kann also kommen. Wir wünschen also frohe und entspannte Weihnachten, einen vollen Sack mit schönen Konsumgütern und wir hoffen, dass sich Deutschland mit der festlichen Völlerei aus der Rezession fressen kann.

Bei uns ist es momentan etwas weniger schattig. Obwohl, so ein bißchen Schnee haben wir momentan auch. Allerdings nur auf Sichtweite ab etwa 3.000 m, denn wir sind mittlerweile in der Nähe von Mt Cook in den südlichen Alpen auf der Südinsel. In Bodennähe haben wir strahlenden Sonnenschein bei 24°C. Kann man machen. Auch zu Weihnachten. Wir wissen zwar noch nicht genau, wo wir Weihnachten sein oder was wir machen werden aber es wird irgendetwas mit Sonne, Flip Flops und kalten Mai Tais sein. Vergießt keine Träne, wir kommen hier schon klar.

Am 2. Januar werden wir dann Neuseeland nach 9 Wochen verlassen und der geneigte Leser wird bemerkt haben, dass da noch so einiges an Blogberichten aussteht. Die Redaktion zeigt sich beschämt und muss eingestehen, dass in letzter Zeit der Schlendrian eingezogen ist. Nach dem Tongariro Crossing ging es via Wellington auf die Südinsel in den Marlborough Sound und den Abel Tasman Nationalpark, wozu es heute auch einen aktuellen Bericht gegeben hat. Danach zog es uns die nasse Ostküste entlang bis runter ins Fjordland, wo wir dem Geräusch der Stille lauschen durften. Via Invercargill ging es dann durch die Catlins nach Dunedin und auf die Otago Peninsula, wo wir faule Pelzrobben und lustige Pinguine beobachten konnten. Und nun also Mt Cook, der höchste Berg (3.754 m, Anm. d. Red.) Australasiens. Berichterstattung folgt, einige liegen schon fertig in der Schublade, müssen aber noch durch’s Lektorat bei Frau B.

Anfang Januar fliegen wir dann von Christchurch via Sydney nach Singapur, wo wir uns für ein paar Tage eine gediegene Wattebausch-Militärdiktatur anschauen werden, bevor es dann nochmal ein absolutes Highlight geben wird. Myanmar. Unsere Pässe mit dem Visum sind gestern aus Australien angekommen und wir freuen uns endlich mal wieder auf gutes Essen, Geschichte und Kultur und interessante Menschen.

Am 3. Februar wird dann das Unvermeidliche passieren. Wir kommen wieder. Zurück. Zurück nach Deutschland. Zurück nach Düsseldorf. Zurück zu Familie und Freunden, zurück zu Altbier und Mettbrötchen, zurück zu Baustellen und pünktlich zum Karneval. Matze fängt am 1. März seinen neuen Job an alter Wirkungsstätte an. Der Alltag wird uns wiederhaben.

Doch bis dahin müsst ihr euch noch gedulden. Und damit ihr euch nicht so allein fühlt am Fest der Liebe, gibt es jetzt ein paar schöne (und weniger schöne) Schnappschüsse vom Fuße des Mt Cook.

In diesem Sinne: Frohes Fest und sicherheitshalber auch schon mal einen guten Rutsch,
Dina & Matze
Twizel, 23-12-2009





Biounsicherheit.

23 12 2009

Ort: Wellington, Marlborough Sound, Abel Tasman NP (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Steife Brise, wechselhaft

Nach dem erfolgreichen Tongariro Crossing ging es auf geradem Weg in die Hauptstadt Wellington. Neuseeland ist ja bekannt für seine grünen Hügel, Regenwälder und Küstenlandschaften. Daher war das Stück Wüste vor der Kulisse des Ruapehue Vulkans mehr als überraschend. Allerdings war das keine richtige Wüste mit viel Sand, Kamelen und Oasen, sondern eher eine steppenartige Einöde. So lebensfreundlich, dass einzig das Militär die Gegend nutzt und mit Panzern lustige Manöver durchführt. Dazu kam ein so starker Westwind weiter im Süden, dass wir fast von der Straße geweht wurden.

Neuseeland ist ja aber auch bekannt für seine Bewohner. Es gibt mittlerweile null Moas (erfolgreich ausgerotteter großer Laufvogel, Anm. d. Red.), nur noch wenige 1000 Kiwis (Vogel, flugunfähig, nachtaktiv, mehr Säugetier als Vogel, Anm. d. Red.), 4,2 Mio andere Kiwis (gängige Bezeichnung für Neuseeländer hauptsächlich Nachfahren englischer Einwanderer und Maori, Anm. d. Red.), 8,8 Mio Rinder und 50 Mio Schafe. Es vergeht eigentlich kein Tag an dem man kein Schaf sieht. Man kann überall Wollprodukte kaufen, das Lammregal im Supermarkt ist gut gefüllt und durch’s ganze Land hallt ein Blöken.

Umso erstaunlicher ist, dass es noch eine Säugetierart gibt, die die Schafe zahlenmäßig übertrumpft. Es gibt nämlich 70 Mio Brushtail Opossums. Irgendwann im 19. Jahrhundert aus Australien eingeführt, vermehrten sich die Racker so schnell, dass sie heute die größte Plage darstellen. 20.000 Tonnen Vegetation pro Nacht fressen die nur nachtaktiven Biester, die aber auch ein riesige Bedrohung vor allem für einheimische Vogelarten sind, da sie die Nester leerräumen.

Neuseeland hat nämlich nur drei wirklich endemische Säugetierarten und das sind alles Fledermäuse (Pelzrobben, Seelöwen, Delphine und Wale mal ausgenommen). Der Rest, vom Igel über Opossum oder dem noch aggressiveren Räuber Hermelin bis hin zu Rotwild wurde alles vorsätzlich eingeführt. 80 Mio Jahre Isolation hatte Neuseeland zu einem Vogelparadies ohne natürliche Feinde gemacht, was sich mit der Einführung neuer Arten schnell änderte.

Wenn es heute einen guten Sommer gibt und die Bäume und Sträucher viele Nüsse und Samen produzieren, vermehren sich die Nagetiere. Die widerum werden von Hermelinen gefressen und ihre Population steigt bei schlaraffenlandartigem Nahrungsüberfluß. Alle sind scheinbar glücklich, die Nahrungskette scheint zu funktionieren. Kommt dann aber der Winter, gibt es weniger Nahrung für die sommergemästete Population der Nager und die Hermeline müssen sich nach alternativen Nahrungsquellen umschauen. Das ist der Moment, wo die Vögel ein Riesenproblem bekommen, da dann ihre Nester geräubert werden und auch die Vögel selber dem Räuber zum Opfer fallen.

Heute sieht man im ganzen Land Fallen für Hermeline und Opossums und es gibt kleine Inseln, die als Schutzgebiete „pestfrei“ sind. Neuseeland versucht der Lage Herr zu werden. Biosicherheit ist eines der größten Themen im Land, wobei aktuell aber eher von Biounsicherheit die Rede sein muss, da es schwierig ist eingeführte Arten unter Kontrolle zu bekommen. Ein kleinen Beitrag leisten aber auch die Touristen in ihren Campervans, denn es liegen gefühlt 1 Mio tote Opossums als Roadkill auf der Straße. Denn nun wissen wir ja: das einzige gute Opossum, ist ein totes Opossum.

All das gab es im sensationellen Nationalmuseum Te Papa (Our Place, Anm. d. Red.) zu erfahren. Und natürlich noch viel mehr. Es gab eine gute Einführung in die Maori-Kultur, eine temporäre Ausstellung über Jade als wertvollsten und bedeutendsten Stein der Maori, eine weitere Ausstellung über die pazifischen Wurzeln der neuseeländischen Kultur, viel Info und Anschauliches zu Geologie (mit Erdbebensimulator), Fauna (mit Riesentintenfisch) und Flora. Ein Museum, in dem man gut mal eine Woche verbringen könnte.

Wir hatten aber nur einen Tag, denn am nächsten Morgen sollte es mit der Fähre von Interislander von Wellington nach Picton auf die Südinsel gehen. In der Nacht hatte es uns und Rosarka schon ordentlich durchgeschüttelt, denn die starken Westwinde bliesen immer noch. Und das war kein guter Vorbote für die anstehende Fährüberfahrt. Die See war zwar verhältnismäßig ruhig aber draußen war es so diesig und regnerisch, dass man von einer der angeblich schönsten Fährverbindungen nicht viel mitbekam.

In Picton war nicht viel los, da mochte man nicht mal tot über den Zaun hängen und daher ging es direkt weiter Richtung Marlborough Sound. Der Wetterbericht hatte einen guten Tag für die nächste Zeit gemeldet und daher haben wir den Tag genutzt und schön die ganzen Buchten abgeklappert. Wir sind einen kurzen Teil auf dem Queen Charlotte Walkway gewandert, um die Aussicht auch von ganz oben mit 720° Panorama (man dreht sich mindestens 2x um die eigene Achse, Anm. d. Red.) zu genießen.

Und für die schönen Buchten ist auch der kleinste Nationalpark Neuseelands, der Abel Tasman, berühmt. Allerdings fetzt das nur so richtig, wenn das Wetter auch stimmt und die Sonne scheint. Tat sie aber nicht und wir wollten auch nicht so lange in der Region warten, bis sich mal ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke traut. Aber wir waren schon mal in der Gegend und daher sind wir zuerst mit einem Bootszubringer, dem Abel Tasman Sea Shuttle, von Kaiteriteri nach Tonga Bay gefahren und dann die 13,6 Km bis Torrent Bay durch schönen Wald entlang der Küste gelaufen. Nett.

Wir hatten keinen so guten Start auf der Südinsel, was das Wetter angeht. Aber nun sollte es als nächstes an die Westküste gehen, die mit reichlich Niederschlag gesegnet sein soll. Sehr vielversprechend.





Mordor bei Sonnenschein.

20 12 2009

Ort: Taupo, Tongariro Nationalpark (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Wanderwetter

DIE vermeintlich beste Tageswanderung in Neuseeland. Das Tongariro Alpine Crossing. 19,4 Km, 800 Höhenmeter rauf, 800 Höhenmeter wieder runter, Windstärken um die 100 Km/h auf dem Rand des Vulkankegels und 7-9 Stunden auf Tour. Soweit zu den Eckdaten.

Wir hatten zuvor auf dem kostenfreien Campingplatz in Taupo zwei Schweizer kennengelernt, die ebenfalls ihre Jobs gekündigt und die Wanderschuhe geschnürt haben, um die weite Welt zu sehen. Als wanderfreudige Eidgenossen mussten Nathalie und Daniel nicht lange überzeugt werden, dass sich die Überquerung des Tongariro lohnen würde.

Der Wetterbericht von der i-site in Taupo hatte grünes Licht gegeben, da die Strecke bei zu heftigem Westwind auch gern mal gesperrt wird. Laut Vorhersage hatten wir den besten Tag der Woche erwischt.

Wir checkten auf einer DoC Campsite ganz in der Nähe des Wanderweges ein und am nächsten Morgen brachte uns um 7:00 Uhr ein Shuttle zum Startpunkt. Die Sonne schien, keine Wolke am Himmel und klare Sicht auf Mount Egmont im fernen Hintergrund. Perfekte Wetterbedingungen.

Anfangs ging es erst mal eine ganze Weile hoch – durch’s „Treppenhaus des Teufels“. Hoch bis zum Südkrater, von wo man den Berg Ngauruhoe zusätzlich noch besteigen könnte, wenn einem die ca. 7 Stunden Wandern am Tag nicht genug sind und man den Schicksalsberg aus „Herr der Ringe“ besteigen möchte. Wir hatten den Ring jetzt eh grad nicht dabei und Mordor sah bei Sonnenschein auch nicht so bedrohlich aus, so dass schnelles Handeln nicht erforderlich war. Also, Scheiß auf Hobbingen und weiter durch den Südkrater bis auf den höchsten Punkt des Sattels. Und dann wurde uns auch klar, warum bei zu starkem Wind der Laden dicht gemacht wird. Man wird quasi fast vom Sattel gefegt und muss teilweise auf allen Vieren die letzten Meter kriechen. Dazu blässt einem der starke Wind unaufhörlich Sand in die Augen, was durch das nachrutschende Geröll der Leute, die vor einem liefen bzw. krochen, noch erschwert wurde. Hui, das war schon was.

Aber was hinter dem Sattel kam, machte alle Strapazen wieder wett. Der Blick auf die Kraterseen namens Emerald Lakes und den blauen See, der den leicht einprägbaren Maorinamen Te wai-whakaiata-o-te-Rangihiroa hat, kann man so nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Unfassbar strahlende Blautöne, die uns mit der Zunge schnalzen lassen haben und rundherum dampfende Fumarole. Im Zentralkrater konnte man noch eine erloschene Magmazunge erkennen und im Hintergrund eine Mondlandschaft, die als Kulisse für Mordor aus der bekannten Trilogie wirklich überzeugend erschien.

Eine wirklich großartige Tageswanderung, die nun mit anderen alpinen Highlights wie dem Torres del Paine Nationalpark in Chile und dem Cradle Mountain in Tasmanien in einem Atemzug genannt werden muss.

Und dann saßen wir schon recht erschöpft auf der Terrasse der Ketahi Hütte und verspeisten gerade den mitgebrachten Nudelsalat, als es mich plötzlich auf die Schulter tippte. Nä! Nä, also wirklich! Anna! Ich wusste ja, dass meine ehemalige Kollegin für ihre Flitterwochen in Neuseeland weilte. Aber jetzt mal ehrlich, wie oft klappt dann wirklich ein Treffen? Bruder Zufall hat mal wieder für eine gelungene Überraschung gesorgt und wir sind zusammen die letzten zwei Stunden zum Parkplatz hinabgestiegen.

So, jetzt aber endlich Bilder. Noch besser aber Flugticket nach Neuseeland buchen und selber anschauen.





Ein Loch im Sand und faule Eier in der Luft.

15 12 2009

Ort: Von Coromandel nach Rotorua (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Sonne, Regen, Schwefel

Nach zwei unterhaltsamen Tagen bei Lozo ging es dann endgültig raus aus Auckland und gen Osten, der Halbinsel namens Coromandel entgegen. Wir tuckerten schön auf dem Pacific Ocean Highway entlang der Küste und genossen die Aussicht. Coromandel gilt noch als recht unberührt und ist noch mit reichlich Wald ausgestattet. Doch vor allem die Strecke entlang der schroffen Westküste wusste zu begeistern. Die See peitscht, die Straße schlängelt sich durch kleine Ortschaften und urige Pohutukawa-Bäume säumen den Wegesrand. Alles in allem also schön entspannt, einfach etwas Natur gucken und die Szenerie genießen.

In Coromandel Town gab es dann frischen geräucherten Fisch. Leider auch nur geräuchert, da es dort neuseeländischen Fischern nicht gestattet ist, Fisch direkt vom Boot bzw. vom Hafen aus zu verkaufen, wie es in Australien noch üblich war.

Auf der Schotterpiste bis hoch nach Port Jackson waren wir dann die so gut wie Einzigen und auf der DoC Campsite vor Ort wurde mit Schwebedeckel (Ostdeutsch für Frisbee, Anm. d. Red.) und Federball relaxed.

Eigentlich wollten wir dann ein Stück auf dem Coromandel Coastal Walkway wandern, allerdings machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn es windete nicht nur wie an besten patagonischen Tagen, sondern die Himmelsschleusen öffneten sich und es ergoß sich wie aus Kübeln. Dafür war dann aber die Fahrt auf Schotterpiste durch Regen und Dunst ein Erlebnis.

Also nichts wie weg und ab an die mildere Ostküste. So richtig war der Sommer noch nicht angekommen aber es war vertretbar bei der Cathedral Cove mal ins Wasser zu springen. Der ausgespülte Felsdurchgang hatte zwar mit einer Kathedrale recht wenig zu tun, doch „Way through cove“ schien wohl nicht das Potential zu haben, viele Touristen anzuziehen.

Das eigentliche Highlight der Ostküste Coromandels ist aber Hot Water Beach. Die Halbinsel ist vulkanischen Ursprungs und es findet sich 2 Km unter dem populären Hot Water Beach noch immer Magma, die sich zwar abkühlt aber immer noch 170°C heiß ist. Diese Magma erhitzt versickerndes Grundwasser und lässt dieses etwa 60°C als heiße Quellen direkt am Strand erspringen. Wir mussten also nur noch ein flaches Loch zwei Stunden vor oder nach Ebbe im Wattbereich graben. Es war verdammt viel los am Strand und jeder wollte sich seinen eigenen heißen Whirlpool buddeln. Wir hatten Glück und erbten den Pool von zwei Slowaken, doch es hieß ständig nachbessern und Poolmauern sichern. Trotzdem sehr relaxed, obwohl man aufpassen musste, nicht zu nah an der heißen Quelle zu buddeln. Aua, heiß.

Die Dusche danach wurde direkt am Strand genommen. Zurzeit ist das Leben on-the-road schon etwas Hippie-mäßig. Caravanparks oder Campsites sehen wir selten oder gar nicht, Dusche gibt’s entweder kalt, in Flüssen oder Seen oder pipiwarm mit unserer Solardusche, geparkt wird oft auch auf Feldwegen, Rast- oder Picknickplätzen. Mir sind die Haare lang gewachsen und ein 12 Tage Bart. Janis Joplin und The Doors im Radio. Und Rosarka verpestet die Luft mit Dieselabgasen. Jaja, damals dachten wir, wir könnten die Welt verändern.

Und dann Rotorua. Die Stadt die man riechen kann. Überall muckert es nach faulen Eiern. Wat is da denn los, wird der interessierte Bürger fragen? Geothermische Aktivitäten. Mit lecker Schwefelgeruch rund um die Uhr. Wo aber Geothermie, da auch Thermalbäder. Und so sind wir für ein paar Stunden im Polynesian Spa verschwunden und haben die sieben Outdoor-Pools mit Seeblick genossen. Die Temperatur rangierte von 38°-42°C und selbst die Gesichtshaut fühlte sich danach an, als hätte man einen Baby-Popo ins Gesicht verpflanzt bekommen. Ach wat schön.

Zu Hell’s Gate ging es dann auch noch. Naja, als George Bernhard Shaw im frühen 19. Jahrhundert mal in der Gegend um Rotorua war, hatte sich der bekennende Atheist, so vor den brodelnden Schlammlöchern ins Hemd gemacht, dass er es Tor zur Hölle nannte und danach doch glatt zur Religion übergetreten ist. Wir haben dafür mineralhaltigen Schlamm gegessen und die Feuchtigkeit aus Lehm gepresst, so dass man danach nicht nur weiße Pantomime-Hände hatte, sondern diese auch noch seidig-zart wurden.

Und als vorbildlich interessierte Besucher Neuseelands wollten wir dann etwas tiefer in die Maori-Kultur eintauchen. Bräuche und Sitten kennenlernen, ein Versammlungshaus schnitzen, ein Tattoo über’s ganze Gesicht machen lassen oder einen Kiwi-Vogel auf den Grill tun. Maori-Alltag eben. Und Rotorua ist bekannt für sogenante Maori Village Touren. Wir also hin, die Tour von Tamaki gewählt und uns wurde ein authentisches Erlebnis versprochen. Den anderen 200 Touristen leider auch. Im nachgebauten Maori-Disneyland gab es dann eine Begrüßungszeremonie, der wir in der zweiten Reihen beiwohnen durften. Ganze 15 Minuten hatte man dann für das „Dorf“ selber, bevor man in ein Versammlungshaus getrieben wurde, wo dann ein Konzert und eine Haka aufgeführt wurde. Ein weiterer Bestandteil sollte dann ein Hangi sein, ein warmes Erdofen-Essen. Vor dem Restaurant war zwar ein Hangi nachgebaut, doch der diente wohl nur zu Demonstrationszwecken, da das Essen schön ordentlich in klassischen Catering-Kübel kam. Da gab es dann auch ganz typische Maoriküche wie Lammbraten mit Minzsoße und Hühnchenbrust. Alles in allem recht enttäuschend aber „Kultur“ von tanzenden Grimassenschneidern mit Gesichtstattoo-Fake funktioniert nun mal gut als Gelddruckmaschine.

Dann wurde der Lady Knox Geysir im Wai-O-Tapu Geothermal Wonderland als must-do angekündigt. Pünktlich jeden Morgen 10:15 Uhr bricht er aus, wurde uns angekündigt. Hui, wir waren beeindruckt. Ein pünktlicher Geysir! Wie das denn? Was verursacht denn die Eruption? Und wie ist das mit der Zeitumstellung? Und überhaupt? In Nordamerika soll es ja durchaus Geysire geben, die jeden Tag zu einer ganz bestimmten Zeit ausbrechen. Wir waren also gespannt. Und dann nur noch enttäuscht. Alles Fake, alles inszeniert, alles schön als erste Etappe für die Touribusse konzipiert. Unter dem Lady Knox Geysir liegen zwei verschieden heiße Wassermassen und wenn die Oberflächenspannung des kühleren Wassers bricht, vermischen sich beide und es entsteht Dampf, der sich als Geysir-Fontäne entlädt. Doch das passiert nicht nach einem genauen Zeitplan, sondern in einem Intervall von 24 bis 72 Stunden. Wir saßen also wie im Kino vor dem Geysir mit der ganzen Meute und warteten, dass es 10:15 Uhr wurde. Und dann kam ein Typ vom Wunderland und packt doch allen Ernstes zwei Stück Seife in den Geysir, um die Oberflächenspannung des Wassers zu brechen. Naturgewalt mit Kippschalter. Buuuuuuuuuuuh, Nepper, Schlepper, Tourifänger.

Na wenigstens war das Wai-O-Tapu Wunderland dann echt und wir konnten allerlei geothermische Aktivität an brodelnden Löchern bestaunen. Verschiedene Mineralien und Bakterien verleihen den heißen Pools zudem noch eine schillernde Farbenpracht. Schwefel sieht so aus, wie er riecht, gallig-gelb, Orpiment zaubert ein schönes giftgrün, Permaganat sorgt für purpur und rot und braun entsteht durch Eisenoxide. Lecker Schlammtümpel.

Ach, Couchsurfen waren wir mal wieder. Dieses Mal bei Lorraine Turner, einer Dame älteren Semesters, die mit Mann, 2 Pferden, Schafen und allerlei anderem Getier vor den Toren Rotoruas residierte. Und wie der Zufall so wollte, haben wir die Monkeys und Sebastian in der Stadt wieder getroffen und wir haben zusammen im Hause Turner einen geselligen Abend mit gutem Curry und Vino verbracht. Wir haben uns gefreut.

Und rubbeldiekatz, war schon wieder eine Woche vorbei. Die nächste Station sollte Taupo und der Tongariro Nationalpark sein.





Nordland.

30 11 2009

Ort: Nordland (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Neuseeländisch wechselhaft

Nun ging es also endlich on the road. Eine Woche Nordland war geplant. Eine Woche im winterlosen Teil nördlich von Auckland, westlich bis hoch ans Cape Reinga und an der Ostküste wieder zurück nach Auckland.

Zuerst ging es in die unattraktive Geisterstadt Dargaville. Schon auf der Fahrt wunderten wir uns, dass wir an einem Samstagabend kein einziges Licht in den Häusern brannten sahen, keinen einzigen Menschen auf den Straßen. Wir waren im neuseeländischen Outback. Alles tot. Das einzige was von existierendem Leben sprach, war der volle Parkplatz vor dem lokalen Pub, wohin natürlich jeder mit dem Auto hinfährt.

Nach einem Frühstücksabstecher zu Baylys Beach ging es weiter zu den Kai Iwi Lakes. Doch schon der Oktober war der kälteste seit Ende des Zweiten Weltkriegs und die Zeichen standen noch nicht wirklich auf Frühling. Viel Regen und viel Wind hatten wir in den ersten Tagen aber immerhin waren wir im winterlosen Norden, denn auf der Südinsel wurde vor ein paar Tagen noch meterhoch Schnee geräumt.

In den Zwillingsstädten Opononi und Omapere hätten wir an der War Memorial Hall über Nacht parken können, doch auch schon wie in Dargaville trieben sich da einige fragwürdige Gestalten herum.

Und apropos War Memorial Hall. Ein klassischer Fall von Minderwertigkeitskomplex, sogar noch schlimmer als in Australien. Als ehemalige Kolonien des Vereinigten Königreich fühlten sich unsere Freunde von Down Under nämlich in die Pflicht genommen, als Anfang des 20. Jahrhunderts im fernen Europa ein Weltkrieg ausbrach. Das Mutterland England war natürlich froh über jedes Kanonenfutter und so kämpften australische und neuseeländische Einheiten gegen Deutschland auf dem bedeutendsten Schlachtfeld Europas. Gallipoli. Was noch nie gehört? Zu Recht! Gallipoli ist eine kleine Halbinsel in der Türkei auf der Tausende Soldaten für nichts und wieder nichts ihr Leben ließen. Von England blind ins Feld geschickt, war Gallipoli für die tausende Kilometer entfernten ozeanischen Länder so bedeutend wie Schweinekoteletts auf einem türkischen Wochenmarkt. Heute gibt es hier in jedem kleinen Kaff ein Versammlungshaus, dass den Gefallenen von Gallipoli gewidmet ist. Es kommt einen so vor, als wenn hier immer wieder betont werden will, dass der Zwerg NZ auch mal mitgespielt hat, auch wenn sie als letztes ins Basketballteam gewählt wurden. Schön sind auch die ganzen Bunkerruinen, die auf der ganzen Insel verteilt sind. Wenn einem davon berichtet wird, fällt dann auch immer der Nachsatz, dass sie nie wirklich benutzt wurden, weil leider keiner Neuseeland okupieren wollte. Ich verdrücke eine Träne und hoffe, dass es beim nächsten Mal besser laufen wird.

Es ist ja nicht so, dass Neuseeland nichts zu bieten hätte, es liegt nur einfach mal verdammt weit weg. So findet man immer mal wieder exotische und endemische Exemplare aus Flora und Fauna. Heute: Kauri-Fichten. Die nadelhölzigen Baumriesen gibt es nur im subtropischen Teil auf der neuseeländischen Nordinsel und davon auch nicht mehr viele, da sie wegen ihres vorzüglichen Holzes und eines bernsteinartigen Baumharzes reihenweise abgeholzt wurden. Der größte noch stehende Kauribaum ist Tane Mahuta, der „Gott des Waldes“. Er ist etwa 2.000 Jahre alt, 51,5 m hoch und bei einem Stammumfang von 13,8 m muss man sich ganz schön lang machen. Doch heute existieren nur noch 150 von ehemals 1 Million Hektar der altehrwürdigen Baumriesen. Ein Schicksal, dass viele Waldregionen getroffen hat. Nach 80 Millionen Jahren Isolation hat es der Mensch in kürzester Zeit geschafft, den Baumbestand von ehemals 85% Landabdeckung auf einen vernichtend kleinen Anteil zu reduzieren.

Und dann ging es endlich an die nördlichste Spitze Neuseelands, an Cape Reinga. Man kann an einem 90 Meilen langen Strand entlang fahren, doch Rosarka läuft nicht mit Allrad und wir hatten keine Lust auf Experimente im Sand. So ging es also ganz langweilig auf Bitumen bis zum Kap. Naja fast, denn hier und da gab es noch schön Schotterpiste, die uns immer schön eingestaubt hat.

Wir versuchen ja immer einen kostenlosen Stellplatz für die Nacht zu bekommen, da man bei der Übernachtung am leichtesten sparen kann, vor allem, wenn man im Van schlafen kann. Uns wurde gesagt, dass sei in NZ kein Problem, man könne überall parken, wo kein Schild steht. Doch dummerweise standen an jeden öffentlichen Platz mit Toiletten auch Schilder, die das Parken über Nacht ausdrücklich verboten.

Aber das Department of Conservation, die sich um Nationalparks und Wanderwege in ganz NZ kümmert, unterhält auch Campingplätze. Die sind zwar nicht immer umsonst, kosten etwa 4€ pro Person und sind damit deutlich günstiger als jeder private Campingplatz. Zudem haben sie meist die beste Lage und wir freuten uns über einen Stellpatz direkt hinter der Düne am Meer in der Tepotupotu Bucht.

Ach und immer wieder diese Maori-Namen. Nicht unbedingt leicht einzuprägen, oftmals sehr ähnlich klingend und vor allem auf der Nordinsel überall zu finden. Aber ein Zeichen dafür, dass die Maori-Kultur in Neuseeland sehr gut integriert und essentieller Bestandteil der nationalen Identität ist. Ganz anders also im Vergleich zu Australien, wo die Aborigines einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft haben, obwohl sie doch mittlerweile den Status als anerkannte Ureinwohner der letzten 40.000 Jahre haben.

Nach archäologischen Erkenntnissen ist die Kultur der Maori auf Neuseeland noch recht jung – etwa 2.000 Jahre alt – und Resultat polynesischer Wanderbewegungen. In der Maori-Überlieferung ist ihre Kultur sogar noch jünger, denn Kupe, der große Seefahrer des Pazifiks, soll erst 925 n. Chr. als erster Neuseeland entdeckt haben. „He ao, he ao, he ao tea, he ao tea roa!“ – „Eine Wolke, eine Wolke, eine weiße Wolke, eine lange weiße Wolke!“ sollen die ersten Worte von Kuramarotini, der Frau Kupes, gewesen sein. Und so heißen die Inseln eigentlich Aotearoa, das Land der langen weißen Wolke.

Nachdem wir ein Stück auf dem spektakulären Küstenwanderweg gen Cape Reinga gewandert waren, sind wir dann doch mit Rosarka zum Cape gefahren. Der Ort, wo die raue Tasmanische See und der Pazifische Ozean zusammentreffen, der Wind hart bläst und die Brandung krachend bricht, ist aber nicht nur als wildes Naturschauspiel bekannt, sondern auch der spirituell bedeutendste Ort der Maori auf Neuseeland.

An der nördlich ausgerichteten Spitze von Te Rerenga Warua, so der Maori-Name, steht ein nie blühender Pohutukawa Baum. Die animistische Glaubensvorstellung der Maori sagt, dass an seinen Wurzeln die Seelen der Verstorbenen ins Meer herunter rutschen, um in die Unterwelt zu verschwinden. Auf den vorgelagerten „Three Kings Islands“ steigen sie nochmal auf die höchste Erhebung für einen letzten Abschied hinauf, bevor es endlich in das Land der Urahnen, nach Hawaiiki-A-Nui geht.

Für uns ging es aber auf dem Trockenen und ganz real mit Rosarka zu einem anderen DoC Campingplatz namens Spirits Bay, von wo es am nächsten Morgen in die Te Paki Sanddünen ging. Wir waren zu früh dran für’s Sandboarding, daher erkundeten wir zu Fuß die über 100 m hohen Dünen. Wüste direkt am Meer.

Nach der nördlichen Spitze des Nordlandes ging es nach Osten in die Bay of Islands, also die Bucht der Inseln. Dort gab es eine 6-stündige Bootsfahrt auf den alten Wasserwegen der Versorgungsschiffe im Inselsystem, „The Cream Trip“ genannt. Wir hatten das Glück, gleich 2x Delphine zu sehen, faulenzende Robben und sogar einen blauen Pinguin, der mit nur maximal 41cm der kleinste seiner Art ist. Auf der Insel Urupakupaku gab es einen herrlichen Blick und wir waren schon fast etwas traurig, dass es die Zeit nicht erlaubte auf einer der DoC Campsites zu bleiben.

Dann kurz Pipi machen in den Hundertwasser-Klos in Kawakawa und ab nach Whangarei, wo mal wieder Couchsurfing angesagt war. Diesmal waren wir bei Matt und Stu, 2 richtigen Kiwis, untergekommen. Es gab lecker BBQ und wir lernten mal wieder eine Menge anderer Surfer kennen.

Zum Abschluß gab es noch einen Abstecher in den Tawharanui Regional Park am Cape Rodney. Es ist ja nicht so, dass nur die Nationalparks einen Besuch wert sind, sondern auch die vielen regionalen Parks sind mehr als sehenswert.

Ach furchtbar dieses Neuseeland. Im Vorfeld wurde uns gesagt, dass neun Wochen mehr als genug seien. Aber wir merken schon jetzt, dass das bei weitem nicht reicht. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu tun. Wir wären gern hier und da noch etwas länger geblieben, doch nach einer Woche Nordland ging es zurück nach Auckland.