Ein Herz für Kinder.

12 06 2009

Wenigstens einmal haben die Peruaner Herz bewiesen, denn hier wird Bier an Alt und Jung verkauft. Die Redaktion findet’s toll.

ein herz fuer kinder

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Linien in der Wüste.

12 06 2009

Ort: Nasca (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: wolkenlos

Dieses Mal ging es im Luxusbus von Oltursa von Arequipa nach Nasca (Quechua-Schreibweise, Nazca mit z ist die spanische Version, Anm. d. Red.), die Stadt, die nach der bedeutenden präinkaischen Kultur beanannt ist. Die Stadt selber ist hässlich bis potthässlich, man hat eigentlich nur einen Grund hier her zu kommen und zwar die berühmten Nasca-Linien zu bestaunen.

Wir hatten einen wolkenlosen Morgenhimmel, 8:30 Uhr gab es angenehme Temperaturen, perfektes Flugwetter also. Für 55 US$ hatten wir einen 30-minütigen Rundflug über die bekanntesten geometrischen Formen und Designs wie Kondor, Affe oder auch dem „Astronauten“ gebucht. Wir wurden zu fünft in eine Cessna 206 verfrachtet und mit Pilot Richard ging es los. Schon in in der ersten Flugkehre wirkten sich die Fliehkräfte negativ auf Gleichgewichtssinn und Mageninhalt aus, was zur Folge hatte, dass sich unsere Gesichtsfarbe schnell der des Fluggerätes anpasste. Die verschiedenen Geoglyphen konnten wir dann aber doch genießen, waren aber ebenso froh zur Landung anzusetzen, als der 100 Kg Typ vor uns plötzlich anfing in eine Tüte zu kotzen. Wir hatten ja vorsorglich nicht gefrühstückt.

Über den Sinn und Zweck der Linien wird bis heute spekuliert und es existieren zahlreiche Theorien, von astronomischem Kalender über Bewässerungssystem bis hin zu Dänikens Unfug von Außerirdischen. Die realistischste Annahme besagt allerdings, dass die Muster Fruchtbarkeitsritualen in dieser öden, unwirtlichen Gegend gedient haben sollen, der Affe beispielsweise stand für den Regen, der Kolibri fungierte als Botschafter zwischen Mensch und Gottheiten und der Kondor repräsentierte den Gott des Himmels oder der Berge.

Peru hatte mit Machu Picchu und Nasca seine Highlights, hat uns aber keine guten Vibes gebracht. Der Tourismus hat uns kalt erwischt, die südliche Route, ein Klassiker auf dem Gringo Trail, hat zuviele Pinocchios mit Dollarzeichen in den Augen hervorgebracht. So werden aus den geplanten sieben Wochen Peru nicht mal drei und Oltursa wird uns von Nasca nach Lima und von dort direkt und ohne Übernachtung nach Tumbes ganz im Norden bringen.

Somit wird das letzte Highlight von Peru der Grenzübertritt nach Ecuador sein, wo wir uns wieder etwas entspanntere Leute versprechen. Wir freuen uns auf 24 Stunden Busfahrt und die letzten zwei Monate in Ecuador und Kolumbien. Und es sollte jetzt wirklich nur noch tropisch werden. Nach etwa zwei Monaten im Altiplano von Südamerika, dem zweitgrößten Bergplateau nach Tibet, einer Landschaft aus Eis und Feuer, Wind und Salz, erwarten uns nun tropisches Äquatorialklima und weiße Karibikstrände.





Wer Wind säht…

8 06 2009

Als ich etwa 7 Jahre alt war, hatte ich wie viele andere Kinder ein Haustier. Sie sollen helfen zu lernen Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Oder man findet es einfach nur putzig. Meins war ein Angora-Meerschwein und hatte den ausgefallenen Namen Mucki. Dann starb Mucki, ohne den Zenit eines Meerschweinchenlebens überschritten zu haben. Böse Zungen sprechen vom Resultat sozialer Inkompetenz. Und Muckis Tod schien nicht ohne Folgen zu bleiben.

So entwickelte ich eine ausgefeilte Meerschweinhaar-Allergie, die sich in ein wirklich atemberaubendes Asthma steigern kann. Doch ich spührte, dass auch für mich irgendwann der Tag der Vergeltung kommen würde. In den Anden gehört Meerschwein, oder auch Cuy, zu den wenigen domestizierten Tieren und ist seit Jahrhunderten eine Delikatesse auf den Märkten und den Speisekarten traditioneller Küchen. Cuy Chactado, ein ganzes Tier mit krokanter Kruste auf einem Tomaten-Zwiebelbett mit Kartoffeln. In Mario Puzos Klassiker „Der Pate“ kann man lesen, dass „Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird“. Nun in diesem Fall wurde das Cuy warm bereitet und es mundete ganz deliziös auch wenn der kleine Racker nicht viel Fleisch hatte. Die Wachtel unter den Nagern sozusagen, geschmacklich aber dem Kaninchen nahe.

Doch Muckis Fluch schien noch nicht erschöpft. Beim Versuch die Photos des Cuy-Festmahles auf mein Notebook zu ziehen, um mich an meiner Vergeltung zu ergötzen, verabschiedete sich die Festplatte meines noch recht jungen Dell-Rechners. 2:1 für Mucki.

Wer Wind säht, wird Sturm ernten.





Die Stadt in der Stadt.

8 06 2009

Ort: Arequipa (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: agradable

Und die peruanische Verarsche ging weiter. Statt der angekündigten 10 Stunden brauchten wir 13, um von Cusco in die andere große Kolonialstadt Perus, nach Arequipa zu kommen. 22 Uhr abends war somit unser eigentlich reserviertes Zimmer schon vergeben, weil angeblich ein kranker Tourist das Zimmer vollkotzte. Genau, und ich war der König von Spanien. Zum Glück stellte sich die Alternative als die bessere Option heraus. Wir residierten kolonial für einen proletarischen Preis im Samana Wasi. Die Gewölbedecke war 6 m hoch, es gab einen schön begrünten Patio und eine Sonnenterrasse. Frühstück kostete 1€ für uns zwei Hanseln.

Wie viele Gebäude der Stadt war auch unser Gebäude aus weißem, vulkanischen Sillargestein gebaut, was Arequipa auch den Beinamen „Die weiße Stadt“ eingebracht hat. Das wichtigste Zeugnis kolonialer Architektur ist aber zweifellos das über zwei Hektar große Kloster Santa Catalina. Eine Stadt in der Stadt. Das Babylon der Klausurnonnen, wo sich die Frauen einrichteten, nie wieder ins normale Leben zurückzukehen. 1970 wurde es nach 430 Jahren Isolation geöffnet und der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Fein, fein.

Doch nicht nur für ihr koloniales Vermächtnis ist Arequipa bekannt, sondern auch für die gute Küche. Rocoto Relleno, mit Hackfleisch gefüllte scharfe Paprikaschoten, Chupe de Camarones, leckere Garnelensuppe und Queso Helado, was übersetzt soviel wie Käseeis heißt, aber der beste Nachtisch der Welt, bestehend aus verschiedenen Milchsorten, geraspeltem Kokos und Zimt, ist. Überhaupt Eis, wir laben uns an phantastischen Sorten aus verrückten Früchten wie Chirimoya, ein Schuppenapfelgewächs aus der Familie der bedecktsamigen Pflanzen auch bekannt unter dem appetitanregenden Namen Ochsenherz oder auch Papaya Arquipeña, Algarrobina, Grenadilla und Membrillo. Da kann selbst der geschätzte Leser die Exotik schmecken, anstatt sich von einem geheimnisvollen Weichspüler in fremde Welten entführen zu lassen.

Und einmal in Arequipa, kommt man um einen Besuch des Colca Canyons nicht herum. Publikumswirksam als der tiefste Canyon der Welt verkauft, was natürlich nicht stimmt, aber hey wir sind in Peru, dem Land der südamerikanischen Münchhausens, wohl aber wirklich doppelt so tief wie der Grand Canyon in dem großen Land etwas weiter nördlich. Der erstbeste Touroperator wollte für 3 Tage/ 2 Nächte 170€ pro Nase wonach uns erst mal der Kitt aus der Brille fiel, denn nach Kalkulation bei Durchführung auf eigene Faust lagen die Kosten bei weniger als 1/4.

Wir also mit dem lokalen Bus via Chivay nach Cabanaconde in den Canyon rein und uns leichtfertig vom Tourismusbüro übers Ohr hauen lassen. Es wurde mal wieder ein Touriticket fällig, dass einzig und allein dazu diente, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir hätten es besser wissen müssen. Dann etwa drei Stunden in die Oase abgestiegen, die ein grüner Vegetaionsfleck im sonst so staubigen und heißen Canyon ist. Aufgrund blasengeplagter Füße und der Hitze blieben wir dann auch am Pool hängen, anstatt weiterzuwandern. Für den Rückweg genehmigten wir uns dann auch den Luxus des steilen Aufstiegs auf dem Rücken von Mulis. Mulis sind wirklich robuste Lasttiere und eine Mischung aus Pferd und Esel, sowohl Größe als auch Aussehen betreffend, wobei ein Muli deutlich mehr Traglast weggeschafft bekommt (80 Kg, ix 160 vs Esel). Leider vertrug Juana, Dinas Muli und Erste in unserer kleinen Karawane, das Oasenwasser nicht sehr gut und erfreute mich als Dahinterreitenden volle zwei Stunden mit beachtlichem Stuhlgang und ausschweifenden Flatulenzen.

Zurück in Arequipa wurde noch zwei Tage die lokale Küche genossen, bevor es mit Oltursa acht Stunden gen Nasca gehen sollte.





Machu Picchu.

7 06 2009

Ort: Machu Picchu (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: semitropisch

Zur Vorbereitung auf Machu Picchu gab es Lektüre. Bei einem betrunkenen Buchhändler in Cusco konnte Hiram Binghams „Lost City of the Incas“ erstanden werden. Daneben fand sich noch ein anderer Klassiker, „Mein Kampf“ von Adolf Nazi in der spanischen Ausgabe. Doch vom gescheitelten Mann mit dem hässlichen Bärtchen hat uns Guido Knopp schon genug berichtet, dieses Mal hieß es etwas über die Inkas zu lernen.

Zuerst mal waren die Inka keine eigene Volksgruppe und hatten auch nicht das Geringste mit unserem Zonensternchen Inka Bause zu tun, sondern bezeichnet die Jahrhunderte alte Dynastie einer Königsfamilie. Sie hatten über 200 Ethnien unterworfen und ihr Imperium erstreckte sich in ihrem Höhepunkt vom ecuadorianischen Quito, über ganz Peru, der Hälfte Boliviens, den Norden Argentiniens bis hin zu der Stadt, die man heute unter dem Namen Santiago de Chile kennt. Dreizehn Inka sollen geherrscht haben, doch nur die Existenz der letzten vier ist historisch verbrieft. Denn im Gegensatz zu anderen Hochkulturen, wie den Griechen oder den Maya, hat sich keine Schriftsprache erhalten, die über Alltag, Mythen oder Tradition Auskunft geben kann. Nur die Lautsprache Quechua hat sich langfristig manifestiert und wird noch heute von vielen originären Bevölkerungsgruppen gesprochen. In der historischen Betrachtung sind die Chroniken der ersten spanischen Missionare und Konquistadoren die wichtigsten Informationsquellen.

Bei Machu Picchu sieht das allerdings etwas anders aus. Die Ruinen liegen hoch in den Bergen in einem der unzugänglichsten Teile der Anden, unsichtbar vom Tal aus und so auch für die Spanier. So beruht alles was man heute weiß, auf Spekulationen und Erkenntnissen anderer inkaischer Ruinenstädte. Selbst der Name ist bis heute nicht 100%ig geklärt, so dass man den Ruinen kurzerhand den Namen des Berges Machu Picchu (Quechua: „Alter Berg“, Anm. d. Red.) gab.

Man geht davon aus, dass die Stadt ein geheimes Refugium für die herrschenden Inkas, die Adligen und ihre Familien waren. Es sollen Tausende Menschen über drei Generationen, also etwa 150 Jahre, an dem Bauwerk höchster architektonischer Finesse gearbeitet haben. In der Stadt, in der bis zu 500 Personen gelebt haben müssen, konnte vollkommen autark existieren. Es gab über 100 handselektierte Mädchen und Frauen, die Jungfrauen der Sonne, die dazu bestimmt waren, exquisite Speisen zu bereiten, Chicha zu brauen und feinste Alpakagewänder zu weben. Es gab Militär, das den einzigen Eingang zu Stadt verteidigen sollte, einen Sonnetempel füer zeremonielle Anlässe, erhabene Königsgemächer, und eine astronomische Beobachtungsstation mit einer Sonnenuhr, dessen Zeiger aus der Spitye des machu Picchu Massiv gemeisselt worden war. Mais und Kartoffeln wurden auf eigene Terrassen angebaut, Früchte kamen zusätzlich aus den tropischen Tälern und die künstlich angelegte Wasserversorgung wurde aus einer Quelle des Berges gespeist. Im Katalog von Neckermann Reisen, wäre so etwas sicher unter „5-Sterne-All-Inklusive-Luxus-Resort“ in idyllischer, ruhiger Lage fernab von Pöbel und Gesocks gelaufen.

Doch mit dem Untergang der Inkadynastie geriet die Stadt in Vergessenheit und die Natur holte sich zurück, was ihr gehörte. Bis eben jener Hiram Bingham 1911 von einem Bauern zu den Ruinen geführt wurde und unter üppiger Vegetation die „Lost City of the Incas“ entdeckte. Nach mehreren Expeditionen konnte aber auch er sich in die lange Liste der Konquistadoren einordnen, denn die 40.000 Fundstücke von Machu Picchu sind heute nicht etwa nationales Kulturerbe Perus, sondern lagern im Museum der Universität von Yale.

Unsere Entdeckungsreise lief glimpflicher ab und in etwa so: Zuerst mal aufgeregt gewesen. Dann von Cusco mit Bus und Bahn via Ollantaytambo nach Aguas Calientes am Fuße des Machu Picchu Massivs. Immer aufgeregter. Die Stimmung war in etwa so, wie für einen 6-jährigen einen Tag vor Weihnachten. Am nächsten Morgen 4:15 Uhr aufgestanden und in die lange Busschlange eingereiht. In der Morgendämmerung angekommen und da lag es wirklich vor uns – Machu Picchu. Dann quer über die Anlage, um sich für die Besteigung des Huayna Picchu („Junger Berg“, Anm. d. Red.) registrieren zu lassen, da es nur 400 Priveligierten pro Tag vergönnt ist, den Anblick von ganz oben genießen zu dürfen. Als #76 & 77 den steilen, einstündigen Aufstieg gemeistert und mit sensationellem Panorama und Hochgefühlen belohnt worden. Dann unseren angeheurten Guide mit dem klingenden Namen Ramiro Tupacyupanqui-Lima für fünfeinhalb Stunden in die Geheimnisse der Ruinen einführen lassen, bevor es 14:30 Uhr erschöpft aber glücklich wieder zurück nach Cusco gehen sollte.

Und ja, das war schon ganz großes Tennis oder um es mit den gängigen Worten niedrigpreisiger Frauenmagazine zu sagen: „Träume werden manchmal wirklich wahr.“





In der alten Inkahauptstadt.

30 05 2009

Ort: Cusco (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Tags lange Hose, abends Kamin

Eigentlich läuft es immer nach dem gleichen Prinzip ab. Man kommt nach mehrstündiger Fahrt in einer neuen Stadt an und will möglichst fix ins Hostel seiner Wahl, um seinen Kram abzustellen, eine Dusche zu nehmen und sich die Stadt anzuschauen. Der Bus von Puno nach Cusco, der alten Inkahaupstadt, war bis auf zwei Mann komplett mit ausländischen Teufeln gefüllt, was eine erste Vorahnung auf die Touristenhochburg geben sollte. Wir also am Terminal angekommen, dort nach dem normalen Taxitarif gefragt und vom Taxifahrer den doppelten Preis genannt bekommen. Dass wir ihn runtergehandelt haben, haben wir dann wieder doppelt bezahlt, weil uns die schmierige Made an falscher Stelle rausgelassen hat und wir ein neues Taxi nehmen mussten. Naja, das ging ja gut los.

Ein großes Hallo gab’s dann aber bei Ludwig, einem angenehm sarkastischen aber liebenswerten Ex-Franken und Eigentümer unserer Unterkunft, dem Hostal Royal Frankenstein. Zum Inventar gehörten neben einem schön warm brutzelnden Kamin, Leguan Martin und Hund Bruno, auch noch eine Glotze mit Deutsche Welle TV. Bei der ZDF-Reportage „Zoff über’m Gartenzaun“ gab es endlich mal wieder ein paar deutsche Heimatgefühle und Ludwig und ich konnten die Nichtmeisterschaft von Bayern feiern.

Cusco ist an sich ein schönes Städtchen mit einem exzellent erhaltenen kolonialen Stadtkern. Nur schade, wenn man bedenkt, dass die meisten Gebäude mit den Steinen alter Inkabauten errichtet wurden, nachdem die Spanier im religiösen Wahn alles Nichtchristliche kaputt gekloppt hatten. Trotzdem findet man im Zentrum immer wieder gut erhaltene Inkamauern, auf denen heute allerdings Restaurants, Hotels und Gotteshäuser statt Sonnentempel stehen.

Im Norden liegt die ehemalige Festung Sacsayhuaman, die im pumaförmigen Grundriß der Stadt den Kopf gebildet hat. Heutzutage ist leider nur noch ein Bruchteil erhalten. Die präzise zusammen gefügten Steinblöcke, die bis zu 120 Tonnen wiegen und kaum einen Spalt für eine Messerklinge erlauben, lassen aber erahnen, was hier einst gestanden haben muss. Inkalego. Ein weiteres archäologisches Highlight konnten wir im Heiligen Tal bestaunen. Die Ruinen von Pisac, einer imposanten Inkafestung, thronen über top erhaltenen Terrassen auf denen früher Kartoffeln und Mais angebaut wurden.

Und doof sind sie ja nicht die Peruaner. Damit wir dummen Besucher auch ja schön viel Kohle in der Region lassen, haben sie sich ein 35€ teures Touristenticket einfallen lassen, dass man überall vorzeigen muss, selbst wenn nur noch drei Steine übereinandergestapelt als Ruine verkauft werden. Und unsere Freunde mit dem Kreuz auf dem Dach fanden die Idee wohl super und so muss man ein weiteres Touriticket erstehen, wenn man sich religiöse Stätten, wie Kirchen, Kloster und Kathedrale anschauen will. Überhaupt kommen wir uns hier wie die Milchkühe vor, die ständig gemolken werden. Jeder versucht sein Stück vom leckeren Tourismus-Kuchen abzubekommen. Man wird entweder alle 10 m zum Kauf kitschiger Inkabilder genötigt, es werden einem zwielichtige Massageangebote offeriert oder man wird von einer der mit traditioneller Tracht verkleideten Frauen – mit Lama an der Leine und einem „Photo, Photo“ auf den Lippen – belästigt. Das wäre ja noch zu ertragen, wenn die Peruaner, die direkt am Tourismus verdienen, nicht noch andauernd versuchen würden einen über den Tisch zu ziehen. Man merkt sichtlich, wie die Einheimischen hier im Süden von Jahrzehntelangem Tourismus verwöhnt wurden. Und die fetten Milchkühe werden auch immer mehr.

1911 wurde der Yale-Dozent und Abenteurer Hiram Bingham auf der Suche nach der letzten Inkahauptstadt von einem Quechua zu den Ruinen auf dem Berg Machu Picchu geführt. Mit Hilfe seiner Universitätsverbindungen und dem Magazin National Geographic brachte es er so zu Weltruhm und ließ sich als Entdecker feiern. Heute besuchen jeden Tag etwa 2.500 Besucher die spektakulär gelegenen Ruinen und Cusco gilt als der Startpunkt für die Besichtigung. Der Klassiker ist der sogenannte Inkatrail, der über vier Tage auf alten Pfaden nach Machu Picchu führt. Der ist allerdings bis September ausgebucht, da es seit ein paar Jahren eine Limitierung von 500 Personen für den Wanderweg gibt. Zufälligerweise trifft diese Regulierung zeitlich mit der Privatisierung der Eisenbahn zusammen, die eine horrende Preissteigerung nach sich zog und nun mehr Leute den teuren Zug nach Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu nehmen müssen. Wir konnten schon wieder die kalten Hände am Euter spüren. Auch Alternativ-Wanderwege liegen wie auch der Inkatrail preislich etwa bei 400-500 US$. Kalte Hände.

Und so haben wir uns gegen eine Wanderung und für die noch verhältnismäßig günstige Anreise mit lokalem Bus und Bahn entschieden. Leider klappte das nicht sofort, weil die Racker gegen die Privatisierung des Wasser protestiert und mit einem Streik den ÖPNV lahmgelegt haben. Der Zug fuhr auch nicht und war an unserem Wunschtag schon ausgebucht und so mussten wir länger in Cusco bleiben, als uns lieb war. Wir konnten uns aber mit dem Besuch der kreisförmigen Terrassen von Moray und den Salineras von Maras die Zeit vetreiben. Moray ist ein altes Umweltlaboratorium der Inkas, wo jede Terrassenebene ein eigenes Mikroklima hat und die Agrikultoren der Inkas mit der Akklimatisierung von Nutzpflanzen experimentiert haben. Die Salineras wiederum zeigen eine ebenfalls Jahrhunderte alte Art der Salzgewinnung, wo in künstlich angelegten Pfannen Salz aus dem Quellwasser der Berges gewonnen wird. Jaja, auf Zack waren sie damals schon.

Und dann sollte sich endlich ein jahrelanger Wunsch erfüllen. Einmal Machu Picchu sehen.





Der graue Puma.

26 05 2009

Ort: Puno (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: mit Sonne ok, ohne Sonne Daunenjacke

Nach den Tropen jetzt wieder auf Höhe. Unsere letzten Tage in Bolivien sollten wir in der Kälte von La Paz verbringen. Es gab noch einmal einen Ausflug ins höchste Curry-Haus der Welt, wo es Llama Tikka Masala gibt, wir konnten im Etno Cafe Absinth probieren und im Coca Museum viel Interessantes erfahren. Und schon neigten sich fünf abwechslungsreiche Wochen Bolivien dem Ende zu.

Peru empfing uns mit Sonne und Geschrei. Nach den entspannten und eher distanzierten Bolivianern, nun also die tourismusverwöhnten Peruaner. Unsere neuen Freunde wittern mit jedem Touri die schnelle Mark und man bekommt recht kontinuierlich tolle Strickwarenangebote ins linke und Restaurantofferten ins rechte Ohr geschrien. Da wird man schnell zum arroganten Ausländer, der die armen Einheimischen ignoriert. Aus Mitleid und wegen kalten Füßen hab ich dann aber doch ein paar Alpaka-Socken erstanden.

Die eher unattraktive Stadt Puno liegt auf frischen 3.800 m Höhe und an der einzig wirklichen Attraktion, dem Titicaca See, der nicht das Geringste mit dem Taka-Tuka Land zu tun hat. Das Quechuawort Titicaca heißt übersetzt soviel wie „Der graue Puma“ (bisweilen auch „Der steinerne Puma“), denn mit etwas Phantasie hat der See aus der Vogelperspektive und auf den Kopf gestellt die Form eines Pumas, der in der andinischen Mythologie eine gewichtige Rolle spielt. Man fragt sich zwar zunächst, wie man ohne Fluggerät und Google Earth die Form erkennen konnte, aber die Racker waren sicher 1A im Kartographieren durch einmal um den See laufen.

Und auf dem höchsten befahrbaren See lauerten auch gleich die tollsten touristischen Attraktionen. Wir wurden, wie 95% aller Puno-Besucher, zunächst auf ein Boot und dann zu den Uros mit ihren künstlichen, schwimmenden Inseln verfrachtet. Die kleinen Eilande bestehen aus vertäutem Schilf und Wurzelwerk und bieten ein Zuhause für eine Handvoll Seebewohner. Dort gab es schon Wissenswertes zu erfahren, nichtsdestotrotz ließ einen das Gefühl nicht los in einem Menschenzoo gelandet zu sein. Die Gesichter der Inselbewohner waren leer, die traditionellen Trachten muteten wie Verkleidungen an und der traurige Höhepunkt war erreicht, als unter routiniertem Winken das französische „Alouette“ und der Ballermann-Hit „Vamos a la playa“ angestimmt wurden. Traurig. Der tägliche Besucherstrom hatte die Uros sichtlich abstumpfen lassen, von Authentizität konnte keine Rede mehr sein. Auf der nächsten Insel namens Taquile wurden wir dann Zeuge eines Festes eines lokalen Landwirtschafts-Patrons, was ausnahmsweise mal nicht für uns Touris inszeniert worden war. Noch am Interessantesten waren aber die Ausflügler aus aller Herren Länder mit denen wir einige schöne Geschichten austauschen konnten.

Und weil wir uns so gut mit Renaut aus Frankreich verstanden hatten, ging es abends in das Restaurant La Choza de Oscar mit traditionellen Tänzen, die teilweise recht bizarr erschienen und zwischen Theater und Prügelorgie anzusiedeln waren. Puno gilt als die peruanische Folklorehauptstadt und deshalb gab es reichlich Wein, Weib und Gesang. Und Cuy. Cuy werden hier liebevoll Meerschweine genannt, die nicht nur im Streichelzoo ihr Dasein fristen, sondern auch frittiert auf den Teller wandern. Schmeckt eigentlich ganz lecker, wie sehr zartes Kaninchen nur mit recht wenig Fleisch, sieht aber aus wie Ratte. Besonders der Kopf des kleinen Nagers. Was unsere Tischnachbarn auch erfreut bemerkt zu haben schienen.

Nach zwei Nächten im schönen Hostel Inka’s Rest reichte es uns aber erst mal mit Puno. Es sollten nach Cusco gehen, die alte Hauptstadt der Inka-Kultur und Ausgangsort für den Besuch der alten Machu Picchu Ruinen.