Angst und Schrecken.

20 08 2009

Ort: Byron Bay (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Sonnig mit frischer Brise

Greyhound Busfahrer sehen ganz possierlich aus in ihren kurzen Höschen und den weißen Kniestrümpfen. Und eine ordentliche Prise trockener Humor ist wohl notwendig, um die langen Fahrten mit immer gemischtem Publikum über die Runden zu bringen. So, also endlich mal wieder eine lange Busfahrt. 13 Stunden über Nacht und ein zum Glück nur halbgefüllter Greyhoundbus, so dass man sich auch schön breit machen konnte. Und weil ja hier alles seinen sozialistischen Gang geht, wurde ordnungsgemäß alle Nase lang für eine vorgeschriebene Pause angehalten. Licht an. Bustür auf. Kälte rein. Und das alle drei Stunden. Klingt schön unerholsam und das war es auch.

Umso größer war dann die Freude als wir im Nomads in Byron Bay eincheckten und es hieß es gäbe nicht das online reservierte Zimmer. Das roch nach Überbuchung aber wir hatten Glück und wurden wie im Flugzeug üblich von der Holz- in die Businessklasse geupgradet (Neudeutsch für hochgestuft, Anm. d. Red.), was in unserem Fall Doppelzimmer statt 4-Bett-Schlafsaal hieß. Das war dann auch wirklich ein Glücksfall, denn schon gegen 18 Uhr war der Großteil der jungen Hostelgäste so voll wie ein russischer Schichtbus und der Aufenthaltsraum wandelte sich einen Ort stumpfer Dekadenz. Sodom und Gomorrah mit 4 Promille. Knapp beschürzte Mädchen und schlecht tätowierte Prolls aus dem nahen Brisbane sowie die übliche europäische Backpacker-Klientel ließen sich im besten Hostel Australiens zulaufen (Hostelworld-Ranking, Juni 2009, Anm. d. Red.). Auf der Tischtennisplatte wurden Saufspiele zelebriert, der Lautstärkepegel hätte jedem Oktoberfestzelt alle Ehre gemacht und wir kopfschüttelnd mittendrin. Angst und Schrecken in Byron Bay. Klingt verdammt spießig, oder? Naja sagen wir mal so, mit fortschreitendem Alter spielen etwas mehr Kultur und Stil eine immer gewichtigere Rolle (mal die 3 Tage wach auf dem BAC, With Full Force Festivals und Ausflüge ins Pretty Vacant ausgenommen, Anm. d. Red.) und so war die Schar an 20-jährigen, trinkwütigem Pöbel und Gesocks mehr und mehr anstrengend. Erst recht, wenn einem des Nachts der geräucherte tasmanische Lachs aus dem Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche geklaut wird. Den hatte sich der feine Herr nämlich nach langer Abstinenz mal wieder gegönnt. Doch wir zogen schon nach zwei Nächten wie geplant in die nächste Unterkunft um. Dieses Mal mit mehr Kultur und Stil versteht sich.

Was kann Byron Bay sonst noch? Wellen, schöne Strände und hier und da noch ein paar Überreste der Hippiekultur, die früher ein wichtiger Bestandteil der Surfszene war, bevor sich hippe Klamottenmarken wie Billabong, Quicksilver oder auch Rip Curl und damit die übliche Kommerzkultur ins kleine Küstenkaff geschlichen haben. Im August war es allerdings noch recht frisch mit ca. 20 Grad und steifer Brise, so dass es am Beach selbst für Strandschönheiten nicht dauerhaft auszuhalten war, nur die zahlreichen Surfer mit dicken Neoprenanzügen zog es in die Wellen. Daher ging es auf dem Trockenen auf einen schönen Rundgang, an diversen Stränden und dem östlichsten Punkt Australiens vorbei bis zum Leuchtturm von Byron Bay, immer in der Hoffnung einen kurzen Blick auf die vorbeiziehenden Großen Tümmler und Buckelwale zu erhaschen.





Die Bibel ist da.

15 09 2008

Frisch reingeschneit, das South American Handbook 2009 von Footprint, die Bibel für Südamerika.

1.872 Seiten

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es ist ein echter Klassiker, den ich da in der Hand halte, das bekannteste, meistaktualisierte und mit ziemlicher Sicherheit umfangreichste Reisebuch auf dem Markt. Perfekt für den gestreßten Backpacker, der bei der Planung einer Jahrestour durch Anden und Amazonasdschungel keinen Platz für 10 Kilo Bücher hat. Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Peru, Uruguay, Guyana und Venezuela zeigen sich trotz teilweiser Turbulenzen und Feindschaften einträchtig auf den extrem dünnen Papierseiten. An Platz wurde natürlich wo immer möglich gespart, und so schaut das geniale Werk von außen wie eine Hungerversion von mageren 800 Seiten aus. Lassen Sie sich nicht ins Boxhorn jagen und besorgen Sie sich eine gute Brille, denn natürlich ist auch die Schrift nicht gerade riesig.

Riesig allerdings ist der Inhalt. Da bleibt genug Platz für Öffnungszeiten, Flug-, Boot- und Busverbindungen, Hotel- und Restaurantpreise, Campingplätze, Adressen von guten Vor-Ort-Agenturen, die den Trip zum Titicaca oder Machu Picchu in die Hände nehmen können, lohnenden Trekking-Touren oder Tagesausflügen (falls Sie nicht so hoch hinauswollen). Selbst für ausreichendes Kartenmaterial blieb ein Eckchen übrig, nur von Fotos fehlt verständlicherweise jede Spur. Die wären auch unnötiger Ballast, schließlich wollen Sie sich ja alles mit eigenen Augen anschauen.

Witzig und mit Sicherheit nicht uninteressant sind die quer im Buch verstreuten Anzeigen von Ausrüstern und einheimischen Reisespezialisten. Vielleicht ist ja auch ihr zukünftiger Favorit dabei. Denken Sie jetzt aber bitte nicht, daß hier nur Backpacker und Weltenbummler auf ihre Kosten kommen, selbst den Fans von Karl-May-Romanen und Indianergeschichten wird Tribut gezollt. Nicht verwunderlich in der Hochburg der Inka-Kultur! Eines der wichtigsten Gründe für das South American Handbook ist aber die jährliche Neuauflage und die ständige Überarbeitung durch die vielen begeisterten Leser. Na, haben Sie auch bald ein paar Tips beizusteuern? –HW —