Grüzi und Prost.

12 03 2009

Bariloche – Wintersportzentrum am Fuße der Anden und Hauptstadt der argentinischen Schokolade. Die 130.000 Einwohner zählende Stadt erinnert, zumindest im touristischen Teil, irgendwie an einen stereotypen Schweizer Skiort. Viele Häuser haben Spitzdächer, eine akkurate Holzverkleidung und bepflanzte Blumenkästen, die Hotels haben Namen wie Gstaad oder Chamonix, auf den Speisekarten in den Restaurants stehen Forelle und Wildschwein mit Sauerkraut. Aber trotzdem fehlt die Authentizität. Bariloche erscheint wie eine Blaupause der alten Welt, die Schweiz aus der Retorte. Oder wie Emma, unsere schottische Raumteilerin in unserem Dorm des Hostel Inn Bariloche, treffend meinte: „It’s rather a doing place than a seeing place“, also eher ein Ort, wo man etwas machen kann, anstatt sich ihn nur anzusehen. Daher haben wir auch eine schöne Mountainbike Tour, den sogenannten Circuito Chico, über 25 Km gemacht, denn die Gründungsväter haben sich hier im patagonischen Norden eine wirklich sehr schöne Gegend ausgesucht. Vom Aussichtspunkt Campanario hat man einen sensationellen Blick auf die Lärchenwälder, die blauen Seen und die Berge der Kordillerenkette.

Und apropos Berg. 125 Km von Bariloche gibt es einen ganz besonderen Berg. Der Piltriquitron ist angeblich ein Energiezentrum und Grund genug, dass sich ab der 60er Jahre Hippies aus der Kategorie „Lange Haare, Holzgitarre“ ansiedelten und für uns Grund genug, der kleinen Stadt El Bolsón einen Besuch abzustatten. Heute gibt es im entspannten Örtchen zudem 3x die Woche einen großen Markt mit Straßenzirkus, Musikanten und allerlei Handgemachtem: Schmuck mit magischen Steinen aus der Umgebung, Ohrringe aus Baumblättern, Schachteln aus Apfelsinenschalen und viele Produkte aus organischem Anbau. Das angebotene Gemüse hat riesige Ausmaße, was ganz klar auf den Energieberg zurückzuführen sein muss. Und es gibt auch eine Menge lokal gebrautes Bier und zufällig wurde auch an diesem Samstag eine Prozession zum Hopfenfest, inklusive Hopfenkönigin, abgehalten.

Wo wir beim Stichwort wären. Nicht das Gebräu der großen Brauerein wusste bisher zu überzeugen, sondern die lokalen Microbrews, wie Baguales in Puerto Natales, El Trébol in Bariloche und eben viele kleine Biere aus El Bolsón, wie z.B. Piltry, Ilegales oder auch Parapapoto.

Und nun wartet Valdivia, ein Zentrum deutscher Auswanderer, mit dem angeblich besten Bier Chiles namens Kunstmann auf uns. Allerdings gibt’s hier unten nur Warsteiner als Benchmark und daher wissen die armen Teufel es einfach nicht besser.





Torres del Paine.

27 02 2009

4 Tage und 50 Km sind es geworden. Bei den erhofften 10 Kg auf dem Rücken ist es nicht geblieben, es waren eher 15 Kg. 40 Km davon mit vollem Gepäck bei Regen, strahlender Sonne oder drückender Schwüle, bergauf und bergab, über Stock und Stein, durch Wald und über Felsen, über Bäche hinweg oder direkt im Flußbett entlang, bei Windgeschwindigkeiten bis 90 Km/h, wo eben der Wind und nicht die Motorik entscheidet, wohin man als nächstes seinen Fuß setzt. Anstrengend war’s und es hat ziemlich geschlaucht.

Als Stadtmenschen sind wir es eher gewohnt vier Tetrapak Milch aus dem Supermarkt um die Ecke zu holen, als tagelang teils recht anspruchsvolle Strecken mit gut Gepäck zu meistern. Trotz erstklassigen Schuhwerks knickt man im Geröll um, der gemietete Rucksack mit quasi nicht existenten Polstern schneidet einem die Schultern ein, die 1 mm dicke Isomatte beschert unerholsame Nächte, die Kondition läßt zu wünschen übrig. Willkommen im Tal der Tränen.

Erschöpfung und Schmerzen also. Und wofür? Dafür!

Bergseen in Farben von milchig-türkis über ultramarin bis zu tiefem Lapislazuli-blau, wie der Stein, den man vornehmlich in Afghanistan, Rußland oder eben hier in Chile findet. Flüsse die glasklares Wasser direkt von einem der vielen Gletscher führen, so dass es bedenkenlos trinkbar ist. Der 270.000 qm große Grey-Gletscher, ein Ausläufer des südpatagonischen Inlandeises, der so eisblau schimmert, wie man es aus der Reklame kennt, die für irgendwas mit „iced menthol“ wirbt. Der majestätische, schneebedeckte Cerro Paine Grande, der über dem Frances Gletscher thront. Dort wo man unter lautem Getöse lawinenartige Schneeabgänge nicht nur sehen, sondern auch hören und man durch das malerische Valle de Francés wandern kann. Das Tal, das spektakuläre Rundumsichten auf die schönsten Bergmassive des Nationalparks wie die Torres (=Türme) oder die Cuernos (=Hörner) bietet und Postkartenmotive am laufenden Band liefert. Dort wo man live erleben kann, wie sich aus aufsteigenden Wassertropfen Wolken bilden. Und meistens mit so gutem Wetter, wie man es selten im Torres del Paine hat.

Es war einfach großartig – trotz der Anstrengungen. Und nun, nach 4 Tagen in den selben Klamotten, umschmeichelt ein Odor aus frischen Brötchen und einer gerade gemähten Frühlingswiese unsere Körper.

Nach der Tour erholen wir uns noch 2 volle Tage bei Spaßvogel Alejandro im Hostal Dos Lagunas in Puerto Natales am „Fjord der letzten Hoffnung“. Es gibt wieder ein richtiges Bett, eine Dusche und vernünftiges Essen und nicht mehr nur Tütensuppe zum Frühstück oder zuckersüße Kalorienlieferanten und Instant-Futter. Das lokal gebraute Baguales-Bier schmeckt ganz hervorragend und auch ein frisch gepresster Mangosaft weiß zu munden. Am Samstag geht es dann weiter nach El Calafate auf argentinischem Boden, wo der riesige Perito Moreno Gletscher schon auf uns wartet und wir für 2 Nächte bleiben werden.