Tango, Ché und Boca Juniors.

9 02 2009

Impressionen vom sonntäglichen Spektakel in San Telmo, von La Bombonera, dem Stadion der Boca Juniors und vom ruppigen Stadviertel La Boca.

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Buenos Aires: Heiter bis wolkig

8 02 2009

Ort: Buenos Aires
Zeitunterschied: MEZ -3 Std.
Wetter: heiter bis wolkig
Stimmung: ausnahmslos heiter
 
 
Wir sind nun also da. Buenos Aires. Wie das schon klingt. Benannt nach der Heiligen Maria des Guten Windes, um sich bei der Anfahrt auf dem Seeweg für das günstige Wetter zu bedanken. Und in diesem feierlichen Rahmen möchte ich das auch gleich noch einmal tun. War der Empfang doch etwas feucht mit leichtem Nieselregen, strahlt die Sonne bis in die späten Abendstunden und verwöhnt mit sommerlichen Temperaturen. Die 27°C heißen hier auch wirklich 27°C und nicht 9°C jeweils früh, morgens und abends. Danke Maria. Die Kehrseite des guten Wetters heißt natürlich auch: es gibt Mosquitos und die Tauben scheißen von den Bäumen. Und wer durch die direkte Übersetzungen auf einen Luftkurort schließen möchte, wird bitterlich enttäuscht werden. Die EU Abgasnorm ist hier genauso bekannt, wie das Ansinnen Hundescheiße von der Straße zu räumen.

Wir sind im Sandanzas, einem kleinen Hostel in San Telmo abgestiegen. San Telmo ist der älteste Stadtteil von BsAs und einst Heimat der begüterten Bevölkerung, die aber nach einer Gelbfieber-Epidemie in den 1870er Jahren von ihnen verlassen wurde und so Platz für mittel- und ahnungslose Immigranten schuf. Heute ist dieser Stadtteil das was man Altstadt nennt und ebenso Heimat für Antiquitätenläden und geschichtsträchtige Restaurants wie für uns im Moment.

Darüber hinaus wussten zu gefallen: Palermo, der bürgerliche Viertel mit vielen Mode- und Designorientierten Läden, sensationellen Restaurants, wie dem Lelé de Troya oder der Boutique Del Libro, Recoleta, die elegante Upper Class Nachbarschaft, mit dem berühmten Friedhof, wo unter anderem auch Evita Peron begraben liegt und das Stadtzentrum, das natürlich ein Touristenmagnet aber auch Shopping- und Businesszentrale ist.

Doch neben der hauptberuflichen Tätigkeit als argentinische Hauptstadt, kann die Stadt einige Eigenheiten bzw. Ansonderlichkeiten aufbieten. Das benutzte Klopapier geht, wie auch in den meisten anderen Ländern Lateinamerikas, nicht in die Schüssel, sondern wird in einem separaten Eimer entsorgt. Hintergrund hier sind ganz trivial die zu engen Rohrsysteme bzw. die nicht dafür ausgelegte Kanalisation. Es war wohl zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar, dass das mal von Nöten sein könnte. Man kann maximal 320AR$ am Automaten ziehen, was bedeutet, dass man zumindest ein nerviges Problem hat, wenn man mehr als den Wahnsinnsbetrag von 70€ auf einmal benötigt. Die Zebrastreifen dienen in erster Linie dazu, dass man darauf aufmerksam gemacht wird, dass es keine Ampel gibt.

Und Fußball. Fanatische Fußballverehrung. Und das heißt in erster Linie El Diego und in zweiter Linie Boca Juniors. Es gibt zwar noch über 20 weitere Clubs aber blau-gelb vom Arbeiterclub Boca dominiert die Stadt. Der andere große Club heißt River Plate und den werden wir uns aufgrund der aktuellen Spielansetzung am Sonntag im Spiel gegen Santa Fe anschauen. Fußball ist Glaube. Fußball ist Religion. Fußball ist hier der reine Wahnsinn.

Das könnte auch der Grund sein, warum die Stadt der Porteños, wie die Einwohner der 13 Mio Metropole heißen, auch die höchste Psychoanalytikerdichte der Welt noch vor New York hat. Nach der nahezu durchgängigen Freundlichkeit der Londoner schlägt uns hier in den ersten Tagen eine Mürrischkeit entgegen, die trotz des guten Wetters, einer überlebten Rezession und unseren harten Devisen auf tiefgreifendere Probleme hinweist. Wir werden das beobachten.

Der Argentinier per se gehört ja auch nicht unbedingt zu den beliebtesten Bevölkerungsgruppen Lateinamerikas, da er doch sehr gern und vielleicht etwas übertrieben auf seine europäischen Wurzeln bzw. den großen Einfluß vor allem italienischer Einwanderer auf die eigene Kultur und sein Bewußtsein aufmerksam macht und so seine elaborierte Position gegenüber den anderen Mercosur-Staaten betonen möchte. So verabschiedet man sich eben auch nicht mit „Adios“ sondern mit „Ciao“.

Und trotzdem können die meisten Restaurants keine Pasta. Dafür aber Fleisch. Und zwar gegrillt in allen Variationen, von allen möglichen Tieren, von allen möglichen Körperteilen. Das ganze nennt sich dann Parrilla und erfreut sich breiter Beliebtheit. Die Essenszeiten varriieren hier auch leicht. Viele Restaurant schließen 17 Uhr und öffnen nicht vor 21 Uhr für das Abendmahl und das obwohl der Magen doch schon 18 Uhr schließt. Nach 3 Tagen setzt so langsam eine Fleischsättigung ein, da man ja auch nicht Häppchen vorgesetzt bekommt, sondern Portionen, die Kabel.1 eine XXL Reportage wert wäre und die feurige Salsa auf Dauer nicht sonderlich magenfreundlich ist.

Apropos Salsa (ein sensationeller Delling-Netzer-Übergang übrigens). Neben der besagten Würzsauce gibt es ja noch den gleichnamigen Tanz und wir kamen in unserem Hostel in den Genuss von Tanzstunden für lau. Oder sagen wir mal so, für jeden Außenstehenden war es sicher amüsant einen gestandenen Mitteleuropäer wie mich beim Versuch lateinamerikanische Rhythmen in anmutige Tanzschritte zu übersetzen, zuzusehen. Adriana, unserer Tanzlehrerin aus Kolumbien, konnte man sofort anmerken, dass sie den Salsa im Blut hat. Grazil, geschmeidig, rassig, so dass man sich sofort einen Caipirinha bestellen möchte. Dina ist ja mit südländischen Wurzeln gesegnet, was der Sache nicht unbedingt hinderlich war. Was mir blieb, war die Erkenntnis, das ich den besten Eindruck mache, wenn ich mit besagtem Caipirinha und meinem neuen Panama-Hut an der Bar stehe und unseren lateinamerikanischen Freunden freudig zuproste.

Und wo wir gerade bei rhythmischen Bewegungen sind. Am Samstag ging hier überraschend der Carnaval los. Eine größere Straße gleich bei uns um die Ecke wurde gesperrt, die Karnevalsvereine mit Mitgliedern aus allen Altersklassen wurden mit Schulbussen rangekarrt und es gab einen kleinen Umzug mit ausgelassenem Tanz und Musik. Sensationell. Zudem artete das ganze in eine Schaumschlacht aus, da es wohl zu den größten Vergnügen gehört sich mit dem Schaumschnee anzusprühen und dabei auch keine Passanten zu verschonen. Was für eine Sauerei.

Bis zum nächsten Mal. Ein Update aus BsAs wird es sicher noch geben, bevor es nächsten Samstag nach Feuerland ans Ende der Welt gehen wird.
 
 





Der Countdown läuft…

17 01 2009

Holla die Waldfee! Heute in 2 Wochen geht’s los… Oder besser gesagt, heute in 2 Wochen sind wir schon weg.
 
 
Was bisher geschah?

Wir haben im Großen und Ganzen die bürokratischen Hürden genommen, ich habe aber nächste Woche noch das Vergnügen in der ARGE Düsseldorf vorzusprechen, die es nicht lassen konnten mir in den letzten Wochen mit Terminen zum Vorsprechen zu drohen. Sie scheinen es ernst zu meinen. Die Enttäuschung, dass ich bzw. wir beide in den nächsten 12 Monaten dem lokalen Arbeitsmarkt in Zeiten drohender Rezession nicht zur Verfügung stehen werden, wird sich aber sicher in Grenzen halten.

Wir haben erfolgreich die Auslandskrankenversicherung der Hansemerkur via STA Travel mit allem Pipapo abgeschlossen und liegen in den letzten Zügen, auch bei der Rechtsschutzversicherung Vollzug zu melden.

Momentan läuft noch das Einscannen und Uploaden der gesammelten wichtigen Dokumente, wie Reisepass, Quittungen für den Ersatz bei Gepäckverlust, Kreditkarten und so weiter und so fort.

Ein Skype Account wurde eingerichtet: projekt365

Ich habe noch eine Woche im Kinderbergwerk vor mir, die Übergabe läuft, die Kollegen weinen Krokodilstränen und am Mittwoch nächster Woche gibt es zum Abschied mit dem Team nochmal ein großes Austrinken. Dina ist ja schon off-the-job und kann sich weiterhin auf Spanisch und Wohnungsauflösung konzentrieren. Kartons konnten kostengünstig von privat erstanden werden.

Dina’s Domizil in der Derendorfer Str wird fließend von Tina & Matze übernommen, vom 80er Jahre Heavy Metal Nachbarn wissen sie noch nichts. „Schooooooooooools out for summer…“ Mein Zimmer in der WG Sonnenschein wird Marco übernehmen. Das heißt für mich wenig Stress, da ich nur meine persönlichen Sachen rausräumen muss und mein nicht gerade umfangreiches Mobiliar in der WG belassen kann.

Gesundheitlich bin ich fast wieder auf dem Damm, nachdem mich eine fiese spastische Bronchitis mit schwerer Halsentzündung über 2 Wochen ausgeklinkt hatte. Dina hat sich ihre Hep B Impfung abgeholt, das läuft also auch. Der Allgemeinmediziner unseres Vertrauens hat uns zudem unaufgefordert 2 verschiedene Breitband-Antibiotika und ein leckeres Magen-Darm-Therapeutikum zugeschoben. Da lacht das Herz.

Probepacken stand gerade an und top! Nur 15 Kg rückseitig auf den Schultern bei mir, die Frontbeladung wird sich durch Notebook, Literatur und sonstigem Handgepäckquatsch nochmal auf 5 Kg belaufen. Dina’s Gepäck wurde noch nicht gewogen, sollte aber circa bei 12 Kg liegen. Das Equipment ist nahezu final, es fehlen nur noch wenige Details…

Und ich trage Trauer. Die neue Fußballsaison geht in Argentinien erst Anfang Februar wieder los und Boca hat das erste Heimspiel einen Tag nach unserer Abreise nach Ushuaia. Mal schauen, ob River Plate ein Ersatz sein kann…
 
 
Die Aufregung hält sich zumindest bei mir noch in Grenzen, so richtig realisieren, wie es in schlechtem Neudeutsch ja so schön heißt, werden wir es wohl erst, wenn es von London nicht zurück ins gelobte (Rhein-) Land geht, sondern weiter nach Buenos Aires.

Die letzten Tage sind nahezu komplett verplant. Kochen und bekochen lassen, nochmal in den Salon und ins Pretty Vacant, mit vielen Freunden treffen und Abschied nehmen – einfach auf Wiedersehen sagen.
 
 
Noch 2 Wochen, also fast…

Dina & Matze