On the Rocks.

2 03 2009

Ort: El Calafate (ARG)
Zeitunterschied: MEZ -4 Std.
Wetter: heiter mit wenig Wind

Farbtöne in violett bestimmten die Szenerie bevor die Morgensonne El Calafate mit dem Lago Argentino und den vielen Zypressen in ein goldenes Licht tünchte. Geo Saison würde wohl „Magisches Argentinien“ titeln oder andere blumige Adjektive wie verzaubernd oder atemberaubend verwenden. Wobei ich noch nie erlebt habe, dass jemand beim Anblick „Atem beraubender“ Landschaften an Atemnot gestorben ist. Das Elfmeterschießen im Viertelfinale der WM 2006 in Berlin – Deutschland gegen Argentinien – war atemberaubend. Lohmi und ich im Olympiastadion und Jens holt den Zettel raus.

Aber ach ja, dieses Argentinien. Da sind wir jetzt nämlich wieder. Und zwar im nicht gerade beschaulichen Städtchen El Calafate, was übersetzt soviel wie buchsblättrige Berberitze heißt, ein Symbol für Patagonien ist und gern an gestörten Standorten wächst. Wegweisend. Das Tourismuszentrum besteht aus gefühlten 80% Hotels oder ähnlichen Unterkünften, der Rest sind Souvenirshops, Restaurants und das übliche Casino. Rundherum nur trockene Steppe. Und in 80 Km Entfernung der Perito Moreno, ein riesiger Gletscher des südlichen Eisfeldes. Nicht fälschlicherweise mit „braunes Hündchen“ zu übersetzen, sondern der Name eines argentinischen Geographen, Anthropologen und Entdecker, wie Wikipedia zu berichten weiß. Und eben nach ihm wurde der Gletscher benannt, obwohl der alte Name „Bismarck-Gletscher“ eigentlich viel schneidiger klingt.

Wie auch immer, deswegen waren wir hier. Hielo y Aventura (Eis und Abenteuer, Anm. d. Red.) hält hier das Monopol für Exkursionen zum Gletscher und wir hatten uns für eine Tour namens Big Ice entschieden, die 4 Stunden Gletscherwanderung im Kreis von maximal 20 Personen versprach, inklusive Verzehr selbstmitgebrachter Lunchpakete auf dem Eisfeld. Man setzt mit dem Boot über den Brazo Rico, wandert etwa 45 Minuten, bevor man sich die Steigeisen anlegt und wie am Bindfaden aufgereiht über das Eis spaziert. Und so richtig beschreiben läßt sich gar nicht, was wir dort erleben durften. Die Bilder können zwar einen Eindruck vermitteln aber wie es sich anfühlt auf dieser eisigen Mondlandschaft zu wandern, läßt sich schwer in Worte fassen. Versuchen wir es mal: Über Gletscherspalten und Eisbäche springen, vom Guide Stufen ins Eis geschlagen bekommen, das Krachen sich abspaltender Gletscherstücke zu hören bevor man es sieht, zu wissen, dass man auf bis zu 700 m dickem Eis läuft, einfach für ein paar Stunden ein Teil dieser sich täglich verändernden Eismasse sein. Einmalig. Und zum Abschluß gabs noch Whisky „on the Rocks“, standesgemäß mit 300-400 Jahre altem Gletschereis. Salud.

Am Vorabend gab es im Hostel America del Sur, unserem temporären Zuhause, das allabendliche Grillfest und es wurde gut auf den Rost gelegt. Wurst und Steaks, die ob des Gargrades Hannibal Lector ein Fest gewesen wären und Dina beim Anblick der blutigen aber durchaus leckeren Rindfleischstücke fast die Linsen im Hals steckengeblieben sind. Das wäre dann wirklich atemberaubend gewesen.

Und weil hier sonst nicht viel mehr zu holen ist, sind wir auch gleich nach 2 Nächten wieder auf dem Weg gen Norden. Es geht ins 1.400 Km entfernte San Carlos de Bariloche. Wir freuen uns auf 36 Stunden Busfahrt und hoffen, dass ein paar schöne Truck Stop Kassetten den Weg ins Radio finden werden.





Torres del Paine.

27 02 2009

4 Tage und 50 Km sind es geworden. Bei den erhofften 10 Kg auf dem Rücken ist es nicht geblieben, es waren eher 15 Kg. 40 Km davon mit vollem Gepäck bei Regen, strahlender Sonne oder drückender Schwüle, bergauf und bergab, über Stock und Stein, durch Wald und über Felsen, über Bäche hinweg oder direkt im Flußbett entlang, bei Windgeschwindigkeiten bis 90 Km/h, wo eben der Wind und nicht die Motorik entscheidet, wohin man als nächstes seinen Fuß setzt. Anstrengend war’s und es hat ziemlich geschlaucht.

Als Stadtmenschen sind wir es eher gewohnt vier Tetrapak Milch aus dem Supermarkt um die Ecke zu holen, als tagelang teils recht anspruchsvolle Strecken mit gut Gepäck zu meistern. Trotz erstklassigen Schuhwerks knickt man im Geröll um, der gemietete Rucksack mit quasi nicht existenten Polstern schneidet einem die Schultern ein, die 1 mm dicke Isomatte beschert unerholsame Nächte, die Kondition läßt zu wünschen übrig. Willkommen im Tal der Tränen.

Erschöpfung und Schmerzen also. Und wofür? Dafür!

Bergseen in Farben von milchig-türkis über ultramarin bis zu tiefem Lapislazuli-blau, wie der Stein, den man vornehmlich in Afghanistan, Rußland oder eben hier in Chile findet. Flüsse die glasklares Wasser direkt von einem der vielen Gletscher führen, so dass es bedenkenlos trinkbar ist. Der 270.000 qm große Grey-Gletscher, ein Ausläufer des südpatagonischen Inlandeises, der so eisblau schimmert, wie man es aus der Reklame kennt, die für irgendwas mit „iced menthol“ wirbt. Der majestätische, schneebedeckte Cerro Paine Grande, der über dem Frances Gletscher thront. Dort wo man unter lautem Getöse lawinenartige Schneeabgänge nicht nur sehen, sondern auch hören und man durch das malerische Valle de Francés wandern kann. Das Tal, das spektakuläre Rundumsichten auf die schönsten Bergmassive des Nationalparks wie die Torres (=Türme) oder die Cuernos (=Hörner) bietet und Postkartenmotive am laufenden Band liefert. Dort wo man live erleben kann, wie sich aus aufsteigenden Wassertropfen Wolken bilden. Und meistens mit so gutem Wetter, wie man es selten im Torres del Paine hat.

Es war einfach großartig – trotz der Anstrengungen. Und nun, nach 4 Tagen in den selben Klamotten, umschmeichelt ein Odor aus frischen Brötchen und einer gerade gemähten Frühlingswiese unsere Körper.

Nach der Tour erholen wir uns noch 2 volle Tage bei Spaßvogel Alejandro im Hostal Dos Lagunas in Puerto Natales am „Fjord der letzten Hoffnung“. Es gibt wieder ein richtiges Bett, eine Dusche und vernünftiges Essen und nicht mehr nur Tütensuppe zum Frühstück oder zuckersüße Kalorienlieferanten und Instant-Futter. Das lokal gebraute Baguales-Bier schmeckt ganz hervorragend und auch ein frisch gepresster Mangosaft weiß zu munden. Am Samstag geht es dann weiter nach El Calafate auf argentinischem Boden, wo der riesige Perito Moreno Gletscher schon auf uns wartet und wir für 2 Nächte bleiben werden.