Gold.

7 08 2009

Ort: Bogotá (COL)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Erschreckend frisch

In Bogotá sollte es also endlich Ligafußball im Stadion geben. Die neue Saison hat gerade begonnen und Millionarios, der große Hauptstadtclub und 13-malige Meister, sah sich Tolima gegenüber. Wieder mal Unstimmigkeiten gab es wegen der Anstoßzeit. Meine Sportseite im Internet sagte 20 Uhr, der erste Taxifahrer 18:30 Uhr, die Hosteltante es hätte schon begonnen und der zweite Taxifahrer auf dem Weg zum Stadion 18:45 Uhr. Das Spiel wurde dann 18 Uhr angepfiffen und wir waren nach Kauf zweier Schwarzmarktkarten 7 Minuten nach Anpfiff endlich im Stadion. Knapp 24.000 Zuschauer im Estadio Nemesio Camacho, das auch El Campín genannt wird und eine Bombenstimmung in den zwei Stehplatzblöcken in den Kurven hinter den Toren und auch auf der Gegentribüne. Der Mob sprang und sang fast 90 Minuten durch, es gab eine kleine Kapelle, die Ausführenden der Eckstöße wurden von drei Polizisten in Darth-Vader-Uniform und Schutzschilden vor Wurfgeschossen abgeschirmt, Telefonbücher wurden für Papierschnipsel zerrissen und flogen als Konfettiregen über die Fans und es war eine super Stimmung, obwohl die Ränge nur halb voll waren. Nur auf dem Platz ging bei den Millios überhaupt nichts zusammmen. 80% Ballbesitz und unzählige Torschüsse auf Seiten der Bogotaner, doch am Ende hieß der Sieger Tolima, die mit 2:0 gewannen und sehr effizient mit ihren Chancen umgingen. Fünfmal wurde auf’s Tor gezielt und zweimal wurde eingenetzt. Ansonsten war das nichts fürs Fußballerherz, pomadiger Spielaufbau, unzählige Abspielfehler, blinde Flanken in der 16er und fehlendes technisches Grundverständnis. Aber der Pöbelmob auf den Rängen war gut und ich konnte endlich das ersehnte Spiel im Stadion sehen. Leider hatten wir in der Hektik die Kamera vergessen und so gibt es keinen Videobeweis.

Bogotá ist keine Perle unter den Hauptstädten Südamerikas, seit langer Zeit sieht man wieder einmal Obdachlose, den Verkehr kann man nur als Dauerstau beschreiben und dann ist auch noch das Wetter Scheiße. Und trotzdem gab es ein paar Schätze zu entdecken. Das Altstadtviertel Candelaria hat eine Unzahl an interessanten Cafés und Bars, es gibt endlich mal wieder ein große Auswahl an vernünftigen Lokalen und auch kulturell ist die Hauptstadt ganz weit vorn dabei.

Des Herrn Andy Warhol ihm seine Werke waren im Museum der Nationalbank zu bewundern, nebenan gab es eine vielfältige Botero Kollektion zu bestaunen, aber das absolute Nonplusultra aller Museen dieses Universums war definitiv das Goldmuseum. Zuerst mal bekamen wir ob der Menge an glänzenden Exponaten die Kinnlade nicht wieder hoch und zudem waren die präkolumbianischen Stücke, die aus der Zeit stammen, als Kolumbien noch nicht Kolumbien hieß und von vielen kleineren Kulturen beherrscht wurde, so professionell und anschaulich präsentiert, dass keine Wünsche und Fragen offen blieben. Wirklich spektakulär.

Wirklich unspektakulär war unser Ausflug zur deutschen Botschaft, um unsere Papiertickets für den Flug Bogotá nach Santiago abzuholen. Was die Botschaft macht jetzt auch auf Reisebüro? Nein, nicht ganz, sondern eher als Briefkurier der Herzen. Wir hatten online bei STA Travel Österreich eTickets für den besagten Flug geordert und auf einmal hieß es, sie könnten keine elektronischen Tickets ausstellen und ob sie nicht die Tickets nach Düsseldorf schicken könnten. Nach etwa 100-maligem Mailverkehr hatten sie dann begriffen, dass das nicht so einfach geht. Und auch im Folgenden waren unsere Freunde aus Bergdeutschland ein wunderbares Beispiel für Behäbigkeit und „No-can-do“-Attitude und waren keine Hilfe bei der Lösung des Problems. Aber die Schluchtenscheißer mögen ja wohl eh keine Piefkes. So waren wir wieder froh, dass wir das Auswärtige Amt, den Botschaftskurier und eine nette Dame der deutschen Botschaft in Bogotá für uns gewinnen konnten, die Tickets anzunehmen. Für einen Schmunzler sorgten allerdings die Sicherheitsmaßnahmen im Botschaftsgebäude, denn durchsucht wurden wir nicht, aber es wurde Fieber gemessen. Die Angst vor der Schweinegrippe scheint wohl doch höher als vor Attentaten zu sein. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Mit dieser Aktion wurde aber auch der vorletzte Akt auf dem südamerikanischen Kontinent eingeläutet. Und so sehr wir uns auch bemühen mit einem lachenden und nur einem weinenden Auge zu gehen, wird uns dieser Abschied schwer fallen.





Ein wichtiger Sieg.

18 06 2009

Ort: Cuenca (ECU)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: verregnet

Nach Vilcabamba nun also Cuenca und es gab auf der Fahrt mal wieder ein besonderes Schmankerl aus der Busvideothek: Rocky II, III und IV. Herrlich schlecht synchronisiert und dann lief auch noch die Tonspur hinterher.

Cuenca liegt im andinischen Hochlandbecken und hat so einiges an kolonialer Bausubstanz herumstehen. Das bedeutendste Gebäude ist allerdings noch recht frisch, die 1885 begonnene Neue Kathedrale, die 11.000 Gläubigen Platz bietet und somit eine ordentliche Hausnummer ist. Und dann war da noch Fronleichnam oder Corpus Christi, wie es hier ja heißt. Mit großem einwöchigem Tamtam, Schauspiel und Feuerwerk sowie zahlreichen Ständen mit süßem Naschwerk. Allerdings hatten wir seit Beginn der Reise das erste Mal durchgehend mieses Regenwetter, so dass viele Fronleichnamsfestivitäten gecancelt wurden mussten und man lieber drinnen als draußen war.

Cuenca ist als Zentrum der Hutflechterei bekannt und vor allem für den sogenannten Panamahut, den auch schon der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Staatsratsvorsitzender der DDR Erich Honecker zu schätzen wusste. Lehrreiches gab es dann im Hutmuseum zur Tradition und Herstellung des Hutes, der trotz seines Namens in Ecuador hergestellt wird. Auch hier mal wieder viele Theorien, warum der Hut aus feinem Toquilla-Stroh eine so irreführende Bezeichnung hat. Bei Kurt Dorfzaun wurde zugeschlagen.

Doch das schlechte Wetter hatte nicht nur Schlechtes, denn bei Sonnenschein kümmert man sich nicht so gern um die nervigen Dinge wie ein kaputtes Notebook. Im Computerladen schauten wir zunächst in ratlose und besorgte Gesichter, was die Rettung unserer Photos, Emails, persönlichen Dokumente wie Bewerbungsunterlagen usw. anging. Nach einigem Hin und Her wurde aber versprochen, dass wenn Ecuador in der WM Quali gegen Argentinien gewinnen sollte, auch unsere Daten gerettet werden würden. Es hieß also Daumen drücken. In ganz Cuenca und wahrscheinlich ganz Ecuador gab es an diesem Nachmittag nichts anderes als Fußball in der Glotze. In jedem Cafe, in jedem kleinen Büdchen, jedem Friseur oder Hutladen, es lief Fußball. Die Stimmung war so, wie im schwarz-rot-goldenen Sommer 2006. Und wir sahen schon schwarz, als Tevez zum Elfmeter für Argentinien antrat, doch der gebürtige argentinische und eingeecuadorianerte Torhüter konnte den Strafstoß vereiteln und Ecuador in der Folgezeit zwei Treffer zum verdienten Sieg erzielen. Unsere Daten und vor allem Photos waren gerettet und konnten auf einer externen Festplatte gesichert werden. Naja fast zumindest, denn Schockschwerenot, alle Outlook-Daten sind hinfort. 2.000 Emails, alle Kontakte mit Post- und Emailadressen, Geburtstage etc. Wer sich also in Zunkunft eine Karte aus fernen Ländern oder Geburtstagswünsche erschleichen möchte, der schicke doch seine Daten an bekannte Email oder via Kontaktform .

Nächste Ausfahrt wird dann Latacunga sein.