Berge und Wolken. Vögel sind dort.

6 01 2010

Ort: Wanaka, Queenstown, Glenorchy (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: 1 Sonnentag pro Woche

Wanaka ist im Winter eines der besten Skigebiete in Neuseeland und die Sommer sind sonnig und heiß. Der Dezember bringt normalerweise 30°C und das klang vielversprechend. Die Anreise vom Fox Gletscher begann, wie nicht anders zu erwarten, nass. Die Überquerung des Haast-Passes war für uns nicht spektakulär, da sich die Sichtweite bei ausblickunfreundlichen 30 m einpendelte. Wieder mal dichte Wolken und Regen also. Doch mit der besagten Überquerung bewegten wir uns auf die andere Seite der südlichen Alpen und damit in den ersehnten Regenschatten. Als wir dann am Wanaka See ankamen wurden wir nicht enttäuscht, die Sonne schien und der Blick vom Lake Outlet Campingsplatz eröffnete uns ein herrliches Bergpanorama.

Wir also ganz aufgeregt zur Touriinfo und den Wetterbericht angefragt. Und prima, die nächsten fünf Tage waren Regen angekündigt. Dieses verdammte Regenwetter schien uns zu verfolgen. Und die Vorhersage hatte nicht zu viel versprochen. Wo am Vorabend noch Berge, See und Wälder zu bestaunen waren, war am nächsten morgen so eine dunstige Waschküche, dass alles hinter dichten Regenwolken verschwunden waren.

Wir also entnervt nichts wie weg aus Wanaka und ab nach Queenstown, der Fun-, Action- und Partyzentrale des Landes. Wir hatten aber eigentlich keine Lust auf Spaß und gute Laune mit spätpubertären Frühzwanzigern und daher ging es gleich weiter nach Glenorchy. Schon die Fahrt entlang des Wakatipu Sees war ganz fantastisch. Ach wat schön.

Die Gegend hinter Glenorchy diente für zahlreiche Herr der Ringe Szenen und man hatte in der Tat jeden Augenblick das Gefühl, dass der Ringträger und sein Gefährte Sam um die Ecke kommen und man zusammen ein kleines Pfeifchen mit Kräutern aus Hobbingen rauchen würde. Berge rechts und links, herrliche Seen, wie der Diamond Lake, Wälder mit Buchenbäumen drin und wilde Flüße mit dicken Steinsbrocken – wie im Westfernsehen. Toll, sogar die Sonne schien.

Eigentlich wollten wir ja auch den Routeburn-Track laufen. Drei Tage durch unbeschreiblich schöne Landschaften. Aber wir trauten dem Wetter nicht über die Runden und hatten im Vorfeld keine Übernachtunsgplätze in den Berghütten gebucht. Daher haben wir nur einen sportlichen Tagesausflug bis zur ersten Hütte gemacht und durchaus Appetit bekommen. Doch komplett werden wir ihn wohl erst beim nächsten Mal machen, wenn die globale Erderwärmung endlich mal für besseres Wetter gesorgt haben wird. Drücken wir die Daumen und sprühen etwas mit FCKW durch die Gegend.

Und als altes tschechisches Mädchen braucht Rosarka alle 1000 Km frisches Öl. Ich also die vordere Sitzbank umgeklappt und schön einen Liter reingekippt, um die betagten Lebensgeister des Motors frisch zu halten. Nach ca. 5 Minuten hatten wir 70 Sandfliegen im Auto. Wir hatten nämlich direkt am Ufer des Wakatipu Sees übernachtet. Dann nur noch Amok. Kill, kill und kill. Die Biester schienen überall und es dauerte eine ganze Weile bis alle platt waren. So schön es hier auch ist, die Sandfliegen können einem schon den Nerv für’s Genießen rauben.

Auf dem Rückweg nach Queenstown übernachteten wir dann auch noch am wunderschön gelegenen Moke Lake, der neben ein paar garstigen Sandfliegen auch noch ein sensationelles Spiegelbild der dahinter liegenden Hügelkette zu bieten hatte. Fein.

In Queenstown machten wir dann sogar noch mit Luke Leaf Bekanntschaft. Wir erinnern uns, der Jadeschmuck-Künstler, gebürtig aus Hokitika und Schöpfer von Matzes neuem Jade-Anhänger.

Doch auch Luke konnte uns nicht überzeugen in der hektischen und natürlich schon wieder regnerischen Stadt zu bleiben, und so ging es auf direktem Weg ins Fjordland. Doch das ist eine andere Geschichte.





Mordor bei Sonnenschein.

20 12 2009

Ort: Taupo, Tongariro Nationalpark (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Wanderwetter

DIE vermeintlich beste Tageswanderung in Neuseeland. Das Tongariro Alpine Crossing. 19,4 Km, 800 Höhenmeter rauf, 800 Höhenmeter wieder runter, Windstärken um die 100 Km/h auf dem Rand des Vulkankegels und 7-9 Stunden auf Tour. Soweit zu den Eckdaten.

Wir hatten zuvor auf dem kostenfreien Campingplatz in Taupo zwei Schweizer kennengelernt, die ebenfalls ihre Jobs gekündigt und die Wanderschuhe geschnürt haben, um die weite Welt zu sehen. Als wanderfreudige Eidgenossen mussten Nathalie und Daniel nicht lange überzeugt werden, dass sich die Überquerung des Tongariro lohnen würde.

Der Wetterbericht von der i-site in Taupo hatte grünes Licht gegeben, da die Strecke bei zu heftigem Westwind auch gern mal gesperrt wird. Laut Vorhersage hatten wir den besten Tag der Woche erwischt.

Wir checkten auf einer DoC Campsite ganz in der Nähe des Wanderweges ein und am nächsten Morgen brachte uns um 7:00 Uhr ein Shuttle zum Startpunkt. Die Sonne schien, keine Wolke am Himmel und klare Sicht auf Mount Egmont im fernen Hintergrund. Perfekte Wetterbedingungen.

Anfangs ging es erst mal eine ganze Weile hoch – durch’s „Treppenhaus des Teufels“. Hoch bis zum Südkrater, von wo man den Berg Ngauruhoe zusätzlich noch besteigen könnte, wenn einem die ca. 7 Stunden Wandern am Tag nicht genug sind und man den Schicksalsberg aus „Herr der Ringe“ besteigen möchte. Wir hatten den Ring jetzt eh grad nicht dabei und Mordor sah bei Sonnenschein auch nicht so bedrohlich aus, so dass schnelles Handeln nicht erforderlich war. Also, Scheiß auf Hobbingen und weiter durch den Südkrater bis auf den höchsten Punkt des Sattels. Und dann wurde uns auch klar, warum bei zu starkem Wind der Laden dicht gemacht wird. Man wird quasi fast vom Sattel gefegt und muss teilweise auf allen Vieren die letzten Meter kriechen. Dazu blässt einem der starke Wind unaufhörlich Sand in die Augen, was durch das nachrutschende Geröll der Leute, die vor einem liefen bzw. krochen, noch erschwert wurde. Hui, das war schon was.

Aber was hinter dem Sattel kam, machte alle Strapazen wieder wett. Der Blick auf die Kraterseen namens Emerald Lakes und den blauen See, der den leicht einprägbaren Maorinamen Te wai-whakaiata-o-te-Rangihiroa hat, kann man so nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Unfassbar strahlende Blautöne, die uns mit der Zunge schnalzen lassen haben und rundherum dampfende Fumarole. Im Zentralkrater konnte man noch eine erloschene Magmazunge erkennen und im Hintergrund eine Mondlandschaft, die als Kulisse für Mordor aus der bekannten Trilogie wirklich überzeugend erschien.

Eine wirklich großartige Tageswanderung, die nun mit anderen alpinen Highlights wie dem Torres del Paine Nationalpark in Chile und dem Cradle Mountain in Tasmanien in einem Atemzug genannt werden muss.

Und dann saßen wir schon recht erschöpft auf der Terrasse der Ketahi Hütte und verspeisten gerade den mitgebrachten Nudelsalat, als es mich plötzlich auf die Schulter tippte. Nä! Nä, also wirklich! Anna! Ich wusste ja, dass meine ehemalige Kollegin für ihre Flitterwochen in Neuseeland weilte. Aber jetzt mal ehrlich, wie oft klappt dann wirklich ein Treffen? Bruder Zufall hat mal wieder für eine gelungene Überraschung gesorgt und wir sind zusammen die letzten zwei Stunden zum Parkplatz hinabgestiegen.

So, jetzt aber endlich Bilder. Noch besser aber Flugticket nach Neuseeland buchen und selber anschauen.