Machu Picchu.

7 06 2009

Ort: Machu Picchu (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: semitropisch

Zur Vorbereitung auf Machu Picchu gab es Lektüre. Bei einem betrunkenen Buchhändler in Cusco konnte Hiram Binghams „Lost City of the Incas“ erstanden werden. Daneben fand sich noch ein anderer Klassiker, „Mein Kampf“ von Adolf Nazi in der spanischen Ausgabe. Doch vom gescheitelten Mann mit dem hässlichen Bärtchen hat uns Guido Knopp schon genug berichtet, dieses Mal hieß es etwas über die Inkas zu lernen.

Zuerst mal waren die Inka keine eigene Volksgruppe und hatten auch nicht das Geringste mit unserem Zonensternchen Inka Bause zu tun, sondern bezeichnet die Jahrhunderte alte Dynastie einer Königsfamilie. Sie hatten über 200 Ethnien unterworfen und ihr Imperium erstreckte sich in ihrem Höhepunkt vom ecuadorianischen Quito, über ganz Peru, der Hälfte Boliviens, den Norden Argentiniens bis hin zu der Stadt, die man heute unter dem Namen Santiago de Chile kennt. Dreizehn Inka sollen geherrscht haben, doch nur die Existenz der letzten vier ist historisch verbrieft. Denn im Gegensatz zu anderen Hochkulturen, wie den Griechen oder den Maya, hat sich keine Schriftsprache erhalten, die über Alltag, Mythen oder Tradition Auskunft geben kann. Nur die Lautsprache Quechua hat sich langfristig manifestiert und wird noch heute von vielen originären Bevölkerungsgruppen gesprochen. In der historischen Betrachtung sind die Chroniken der ersten spanischen Missionare und Konquistadoren die wichtigsten Informationsquellen.

Bei Machu Picchu sieht das allerdings etwas anders aus. Die Ruinen liegen hoch in den Bergen in einem der unzugänglichsten Teile der Anden, unsichtbar vom Tal aus und so auch für die Spanier. So beruht alles was man heute weiß, auf Spekulationen und Erkenntnissen anderer inkaischer Ruinenstädte. Selbst der Name ist bis heute nicht 100%ig geklärt, so dass man den Ruinen kurzerhand den Namen des Berges Machu Picchu (Quechua: „Alter Berg“, Anm. d. Red.) gab.

Man geht davon aus, dass die Stadt ein geheimes Refugium für die herrschenden Inkas, die Adligen und ihre Familien waren. Es sollen Tausende Menschen über drei Generationen, also etwa 150 Jahre, an dem Bauwerk höchster architektonischer Finesse gearbeitet haben. In der Stadt, in der bis zu 500 Personen gelebt haben müssen, konnte vollkommen autark existieren. Es gab über 100 handselektierte Mädchen und Frauen, die Jungfrauen der Sonne, die dazu bestimmt waren, exquisite Speisen zu bereiten, Chicha zu brauen und feinste Alpakagewänder zu weben. Es gab Militär, das den einzigen Eingang zu Stadt verteidigen sollte, einen Sonnetempel füer zeremonielle Anlässe, erhabene Königsgemächer, und eine astronomische Beobachtungsstation mit einer Sonnenuhr, dessen Zeiger aus der Spitye des machu Picchu Massiv gemeisselt worden war. Mais und Kartoffeln wurden auf eigene Terrassen angebaut, Früchte kamen zusätzlich aus den tropischen Tälern und die künstlich angelegte Wasserversorgung wurde aus einer Quelle des Berges gespeist. Im Katalog von Neckermann Reisen, wäre so etwas sicher unter „5-Sterne-All-Inklusive-Luxus-Resort“ in idyllischer, ruhiger Lage fernab von Pöbel und Gesocks gelaufen.

Doch mit dem Untergang der Inkadynastie geriet die Stadt in Vergessenheit und die Natur holte sich zurück, was ihr gehörte. Bis eben jener Hiram Bingham 1911 von einem Bauern zu den Ruinen geführt wurde und unter üppiger Vegetation die „Lost City of the Incas“ entdeckte. Nach mehreren Expeditionen konnte aber auch er sich in die lange Liste der Konquistadoren einordnen, denn die 40.000 Fundstücke von Machu Picchu sind heute nicht etwa nationales Kulturerbe Perus, sondern lagern im Museum der Universität von Yale.

Unsere Entdeckungsreise lief glimpflicher ab und in etwa so: Zuerst mal aufgeregt gewesen. Dann von Cusco mit Bus und Bahn via Ollantaytambo nach Aguas Calientes am Fuße des Machu Picchu Massivs. Immer aufgeregter. Die Stimmung war in etwa so, wie für einen 6-jährigen einen Tag vor Weihnachten. Am nächsten Morgen 4:15 Uhr aufgestanden und in die lange Busschlange eingereiht. In der Morgendämmerung angekommen und da lag es wirklich vor uns – Machu Picchu. Dann quer über die Anlage, um sich für die Besteigung des Huayna Picchu („Junger Berg“, Anm. d. Red.) registrieren zu lassen, da es nur 400 Priveligierten pro Tag vergönnt ist, den Anblick von ganz oben genießen zu dürfen. Als #76 & 77 den steilen, einstündigen Aufstieg gemeistert und mit sensationellem Panorama und Hochgefühlen belohnt worden. Dann unseren angeheurten Guide mit dem klingenden Namen Ramiro Tupacyupanqui-Lima für fünfeinhalb Stunden in die Geheimnisse der Ruinen einführen lassen, bevor es 14:30 Uhr erschöpft aber glücklich wieder zurück nach Cusco gehen sollte.

Und ja, das war schon ganz großes Tennis oder um es mit den gängigen Worten niedrigpreisiger Frauenmagazine zu sagen: „Träume werden manchmal wirklich wahr.“

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In der alten Inkahauptstadt.

30 05 2009

Ort: Cusco (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Tags lange Hose, abends Kamin

Eigentlich läuft es immer nach dem gleichen Prinzip ab. Man kommt nach mehrstündiger Fahrt in einer neuen Stadt an und will möglichst fix ins Hostel seiner Wahl, um seinen Kram abzustellen, eine Dusche zu nehmen und sich die Stadt anzuschauen. Der Bus von Puno nach Cusco, der alten Inkahaupstadt, war bis auf zwei Mann komplett mit ausländischen Teufeln gefüllt, was eine erste Vorahnung auf die Touristenhochburg geben sollte. Wir also am Terminal angekommen, dort nach dem normalen Taxitarif gefragt und vom Taxifahrer den doppelten Preis genannt bekommen. Dass wir ihn runtergehandelt haben, haben wir dann wieder doppelt bezahlt, weil uns die schmierige Made an falscher Stelle rausgelassen hat und wir ein neues Taxi nehmen mussten. Naja, das ging ja gut los.

Ein großes Hallo gab’s dann aber bei Ludwig, einem angenehm sarkastischen aber liebenswerten Ex-Franken und Eigentümer unserer Unterkunft, dem Hostal Royal Frankenstein. Zum Inventar gehörten neben einem schön warm brutzelnden Kamin, Leguan Martin und Hund Bruno, auch noch eine Glotze mit Deutsche Welle TV. Bei der ZDF-Reportage „Zoff über’m Gartenzaun“ gab es endlich mal wieder ein paar deutsche Heimatgefühle und Ludwig und ich konnten die Nichtmeisterschaft von Bayern feiern.

Cusco ist an sich ein schönes Städtchen mit einem exzellent erhaltenen kolonialen Stadtkern. Nur schade, wenn man bedenkt, dass die meisten Gebäude mit den Steinen alter Inkabauten errichtet wurden, nachdem die Spanier im religiösen Wahn alles Nichtchristliche kaputt gekloppt hatten. Trotzdem findet man im Zentrum immer wieder gut erhaltene Inkamauern, auf denen heute allerdings Restaurants, Hotels und Gotteshäuser statt Sonnentempel stehen.

Im Norden liegt die ehemalige Festung Sacsayhuaman, die im pumaförmigen Grundriß der Stadt den Kopf gebildet hat. Heutzutage ist leider nur noch ein Bruchteil erhalten. Die präzise zusammen gefügten Steinblöcke, die bis zu 120 Tonnen wiegen und kaum einen Spalt für eine Messerklinge erlauben, lassen aber erahnen, was hier einst gestanden haben muss. Inkalego. Ein weiteres archäologisches Highlight konnten wir im Heiligen Tal bestaunen. Die Ruinen von Pisac, einer imposanten Inkafestung, thronen über top erhaltenen Terrassen auf denen früher Kartoffeln und Mais angebaut wurden.

Und doof sind sie ja nicht die Peruaner. Damit wir dummen Besucher auch ja schön viel Kohle in der Region lassen, haben sie sich ein 35€ teures Touristenticket einfallen lassen, dass man überall vorzeigen muss, selbst wenn nur noch drei Steine übereinandergestapelt als Ruine verkauft werden. Und unsere Freunde mit dem Kreuz auf dem Dach fanden die Idee wohl super und so muss man ein weiteres Touriticket erstehen, wenn man sich religiöse Stätten, wie Kirchen, Kloster und Kathedrale anschauen will. Überhaupt kommen wir uns hier wie die Milchkühe vor, die ständig gemolken werden. Jeder versucht sein Stück vom leckeren Tourismus-Kuchen abzubekommen. Man wird entweder alle 10 m zum Kauf kitschiger Inkabilder genötigt, es werden einem zwielichtige Massageangebote offeriert oder man wird von einer der mit traditioneller Tracht verkleideten Frauen – mit Lama an der Leine und einem „Photo, Photo“ auf den Lippen – belästigt. Das wäre ja noch zu ertragen, wenn die Peruaner, die direkt am Tourismus verdienen, nicht noch andauernd versuchen würden einen über den Tisch zu ziehen. Man merkt sichtlich, wie die Einheimischen hier im Süden von Jahrzehntelangem Tourismus verwöhnt wurden. Und die fetten Milchkühe werden auch immer mehr.

1911 wurde der Yale-Dozent und Abenteurer Hiram Bingham auf der Suche nach der letzten Inkahauptstadt von einem Quechua zu den Ruinen auf dem Berg Machu Picchu geführt. Mit Hilfe seiner Universitätsverbindungen und dem Magazin National Geographic brachte es er so zu Weltruhm und ließ sich als Entdecker feiern. Heute besuchen jeden Tag etwa 2.500 Besucher die spektakulär gelegenen Ruinen und Cusco gilt als der Startpunkt für die Besichtigung. Der Klassiker ist der sogenannte Inkatrail, der über vier Tage auf alten Pfaden nach Machu Picchu führt. Der ist allerdings bis September ausgebucht, da es seit ein paar Jahren eine Limitierung von 500 Personen für den Wanderweg gibt. Zufälligerweise trifft diese Regulierung zeitlich mit der Privatisierung der Eisenbahn zusammen, die eine horrende Preissteigerung nach sich zog und nun mehr Leute den teuren Zug nach Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu nehmen müssen. Wir konnten schon wieder die kalten Hände am Euter spüren. Auch Alternativ-Wanderwege liegen wie auch der Inkatrail preislich etwa bei 400-500 US$. Kalte Hände.

Und so haben wir uns gegen eine Wanderung und für die noch verhältnismäßig günstige Anreise mit lokalem Bus und Bahn entschieden. Leider klappte das nicht sofort, weil die Racker gegen die Privatisierung des Wasser protestiert und mit einem Streik den ÖPNV lahmgelegt haben. Der Zug fuhr auch nicht und war an unserem Wunschtag schon ausgebucht und so mussten wir länger in Cusco bleiben, als uns lieb war. Wir konnten uns aber mit dem Besuch der kreisförmigen Terrassen von Moray und den Salineras von Maras die Zeit vetreiben. Moray ist ein altes Umweltlaboratorium der Inkas, wo jede Terrassenebene ein eigenes Mikroklima hat und die Agrikultoren der Inkas mit der Akklimatisierung von Nutzpflanzen experimentiert haben. Die Salineras wiederum zeigen eine ebenfalls Jahrhunderte alte Art der Salzgewinnung, wo in künstlich angelegten Pfannen Salz aus dem Quellwasser der Berges gewonnen wird. Jaja, auf Zack waren sie damals schon.

Und dann sollte sich endlich ein jahrelanger Wunsch erfüllen. Einmal Machu Picchu sehen.





Die Mumien.

8 04 2009

Ort: Salta (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: Heiter

Die 18-stündige Nachtfahrt mit Andesmar im Coche Cama Bus von Mendoza nach Salta begann vielversprechend. Sylvester Stallone in Cliffhanger. Als weitere Entertainment-Happen warteten ein neben uns sitzender, dicker schnarchender Mann und ein vor uns sich erbrechendes Mädchen. Highlight kurz vor Ankunft war aber die Bingorunde im Bus und eine ältere Dame konnte sich über eine Flasche Rotwein freuen.

Gefreut haben wir uns dann auch, als wir endlich in Salta, der schönsten Stadt Argentiniens, angekommen waren. So sieht das zumindest die Marketingabteilung des örtlichen Tourismusbüros und so ganz Unrecht haben sie nicht. Eine Vielzahl von Kirchen und Kathedralen, der Stadtkern mit Kolonialarchitektur durch und durch und die feine Lage inmitten grüner Hügel. Und ein besonderes Museum, das MAAM (Museo de Arqueología de Alta Montaña), dem Archäologischen Hochgebirgsmuseum.

1999 wurden in der Umgebung von Salta auf dem Llullaillaco Vulkan in 6.700 m Höhe ein Grab mit drei Mumien gefunden, die durch das eisige trockene Klima über 500 Jahre so konserviert wurden, dass sie nach wie vor in sehr gutem Zustand erhalten sind. Die wohl best erhaltenen Mumien der Inca-Epoche erzählen die Geschichte einer rituellen Zeremonie, in der drei Kinder mit Maisschnaps betäubt und lebendig begraben wurden. In der Vorstellung der Inca allerdings konnte nicht von Opfer oder Tod die Rede sein, sondern von der Reise in eine andere Welt. Das waren noch Zeiten damals.

Doch nicht nur die Stadt, sondern auch unsere Unterkunft, das Hostel Inti Huasi (Haus der Sonne, Anm. d. Red.) wusste zu begeistern. Ein schöner Garten, Dachterasse und das vegetarierfreundliche BBQ 2x die Woche. Endlich mal nicht nur Fleisch. Dina was amused.

Und um nicht wieder auf einer Kaffeefahrt zu enden, haben wir uns bei der Autovermietung Alamo für drei Tage einen VW Gol, nein nicht Golf, gemietet und werden die Quebrada de las Conchas und das Valle Calchaquíes mit den beeindruckenden Strecken nach Cafayate und Cachi und wieder zurück nach Salta erkunden. Nach dem BBQ geht’s los.