Hot in the city.

25 07 2009

Ort: Cartagena de Indias (COL)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Hot in the city

Als wir in Cartagena aus dem Bus stiegen, sprang uns erst mal das Wetter mit vollem Anlauf ins Gesicht. 8:30 Uhr war es schon so unfassbar heiß und drückend, dass wir nach der kühlschrankkalten Nachtfahrt erst mal mit einem Temperaturunterschied von gefühlten 50 Grad klarkommen mussten. Puh, diese Karibik. Tagsüber 35 Grad, die sich nachts auf angenehme 27 abkühlen. Positiver Nebeneffekt des heißen Wetters ist allerdings, dass man auch gern mal ein oder zwei Knöpfe am Hemd mehr offen tragen kann, ohne komisch angeguckt zu werden.

Aufgrund der unolympischen Temperaturen waren leichte Aktivitäten angesagt. Aber wo kann man besser als in Cartagena durch eine außerordentlich gut erhaltene koloniale Altstadt flanieren und die stummen Zeugen der fast 500-jährigen Geschichte besichtigen. Cartagena de Indias, wie es ja eigentlich heißt, da die Spanier sich doch in einem anderen Teil der Welt wähnten, war ein Zentrum des Sklavenhandels und auch wichtiger Umschlagplatz für Waren (nicht nur des täglichen Bedarfs) für den europäischen Mutterkontinent. Sowas hat sich freilich auch bei Piraten wie Sir Francis Drake und Konsorten rumgesprochen und Cartagena war ein beliebtes Ziel für Angriffe und Plünderungen schätzesuchender Freibeuter. Natürlich ließen die Bewohner das nicht auf sich sitzen und es wurde um den Stadtkern ein mächtiger Schutzwall und mehrere Forts errichtet. Und genau innerhalb dieses Walls liegt eine wahre koloniale Perle Südamerikas.

Ein Meer aus kleinen Gassen mit farbigem Anstrich, der Parque Bolivar und das angrenzende Museum über die Inquisition mit ein paar schönen Folterinstrumenten und einem Galgen im Hinterhof, die „Plaza de Coches“, traditioneller Parkplatz für die Pferdekutschen, das „Portal de las Dulces“, wo auch heute noch süße, handgemachte Leckereien unters Volk gebracht werden und „Las Bovedas“, riesige Gewölbe in der Stadtmauer, die für militärische Zwecke und als Kerker genutzt wurden.

Doch besonders werden lässt die Stadt erst die Mischung ihrer Bewohner – eine Melange aus karibischen Ureinwohnern, schwarzen Sklaven aus Afrika und den spanischen Konquistadoren. Heute sieht man farbige Straßenverkäuferinnen, oft in prächtig gefärbte Textilien gehüllt, frisches Obst feilbieten; vor der Stadtmauer wird frischer Fisch eingeholt, die gediegeneren Damen der Stadt tragen weiße Leinen auf sonnengebräunter Haut, die Herren bevorzugen kurze Sommerhemden, mit bereits erwähnter offener Knopfleiste und sprießender Brustkatze; und wir sind unverkenntlich als Touristen in Shorts mit einem frisch gemixten Obstshake in der Hand zu erkennen. Wobei Obstshake wahlweise auch mit Eis oder Kuchen ausgetauscht werden kann.

Viel Müßiggang, gutes Essen und 3x Nachtisch am Tag sind ja bekanntlich sehr förderlich für die Bikinifigur, denn nicht vergessen, wir sind ja hier in der Karibik. Wobei die Strände um Cartagena nicht unbedingt auf Postkarten zu finden sind, da diese oft überfüllt und dreckig sind.

Die wahre Karibik mit Kokospalmen und weißen Sandstränden liegt dann doch etwas weiter östlich. Tja und deswegen geht es nach drei klimaanlagengekühlten Nächten hinter der Mauer ins kleine Fischerdorf Taganga. Bis dahin schwitzen wir uns die Bikinifigur auch wieder an.

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