Der graue Puma.

26 05 2009

Ort: Puno (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: mit Sonne ok, ohne Sonne Daunenjacke

Nach den Tropen jetzt wieder auf Höhe. Unsere letzten Tage in Bolivien sollten wir in der Kälte von La Paz verbringen. Es gab noch einmal einen Ausflug ins höchste Curry-Haus der Welt, wo es Llama Tikka Masala gibt, wir konnten im Etno Cafe Absinth probieren und im Coca Museum viel Interessantes erfahren. Und schon neigten sich fünf abwechslungsreiche Wochen Bolivien dem Ende zu.

Peru empfing uns mit Sonne und Geschrei. Nach den entspannten und eher distanzierten Bolivianern, nun also die tourismusverwöhnten Peruaner. Unsere neuen Freunde wittern mit jedem Touri die schnelle Mark und man bekommt recht kontinuierlich tolle Strickwarenangebote ins linke und Restaurantofferten ins rechte Ohr geschrien. Da wird man schnell zum arroganten Ausländer, der die armen Einheimischen ignoriert. Aus Mitleid und wegen kalten Füßen hab ich dann aber doch ein paar Alpaka-Socken erstanden.

Die eher unattraktive Stadt Puno liegt auf frischen 3.800 m Höhe und an der einzig wirklichen Attraktion, dem Titicaca See, der nicht das Geringste mit dem Taka-Tuka Land zu tun hat. Das Quechuawort Titicaca heißt übersetzt soviel wie „Der graue Puma“ (bisweilen auch „Der steinerne Puma“), denn mit etwas Phantasie hat der See aus der Vogelperspektive und auf den Kopf gestellt die Form eines Pumas, der in der andinischen Mythologie eine gewichtige Rolle spielt. Man fragt sich zwar zunächst, wie man ohne Fluggerät und Google Earth die Form erkennen konnte, aber die Racker waren sicher 1A im Kartographieren durch einmal um den See laufen.

Und auf dem höchsten befahrbaren See lauerten auch gleich die tollsten touristischen Attraktionen. Wir wurden, wie 95% aller Puno-Besucher, zunächst auf ein Boot und dann zu den Uros mit ihren künstlichen, schwimmenden Inseln verfrachtet. Die kleinen Eilande bestehen aus vertäutem Schilf und Wurzelwerk und bieten ein Zuhause für eine Handvoll Seebewohner. Dort gab es schon Wissenswertes zu erfahren, nichtsdestotrotz ließ einen das Gefühl nicht los in einem Menschenzoo gelandet zu sein. Die Gesichter der Inselbewohner waren leer, die traditionellen Trachten muteten wie Verkleidungen an und der traurige Höhepunkt war erreicht, als unter routiniertem Winken das französische „Alouette“ und der Ballermann-Hit „Vamos a la playa“ angestimmt wurden. Traurig. Der tägliche Besucherstrom hatte die Uros sichtlich abstumpfen lassen, von Authentizität konnte keine Rede mehr sein. Auf der nächsten Insel namens Taquile wurden wir dann Zeuge eines Festes eines lokalen Landwirtschafts-Patrons, was ausnahmsweise mal nicht für uns Touris inszeniert worden war. Noch am Interessantesten waren aber die Ausflügler aus aller Herren Länder mit denen wir einige schöne Geschichten austauschen konnten.

Und weil wir uns so gut mit Renaut aus Frankreich verstanden hatten, ging es abends in das Restaurant La Choza de Oscar mit traditionellen Tänzen, die teilweise recht bizarr erschienen und zwischen Theater und Prügelorgie anzusiedeln waren. Puno gilt als die peruanische Folklorehauptstadt und deshalb gab es reichlich Wein, Weib und Gesang. Und Cuy. Cuy werden hier liebevoll Meerschweine genannt, die nicht nur im Streichelzoo ihr Dasein fristen, sondern auch frittiert auf den Teller wandern. Schmeckt eigentlich ganz lecker, wie sehr zartes Kaninchen nur mit recht wenig Fleisch, sieht aber aus wie Ratte. Besonders der Kopf des kleinen Nagers. Was unsere Tischnachbarn auch erfreut bemerkt zu haben schienen.

Nach zwei Nächten im schönen Hostel Inka’s Rest reichte es uns aber erst mal mit Puno. Es sollten nach Cusco gehen, die alte Hauptstadt der Inka-Kultur und Ausgangsort für den Besuch der alten Machu Picchu Ruinen.





Auf der Mauer, auf der Lauer…

24 03 2009

Ort: Chonchi, Insel Chiloé (CHL)
Zeitunterschied: MEZ -5 Std.
Wetter: feucht mit vereinzelt Sonne

2007 hat das Magazin „National Geographic Traveller“ mit Hilfe einer Jury aus Fachleuten ein Ranking von 111 Inselparadiesen gemacht. Chiloé, Chiles zweitgrößte Insel und südlich von Puerto Montt gelegen, erreichte dabei den dritten Platz. Bekannt ist die Insel vor allem durch die zahlreichen Holzkirchen, die mittlerweile UNESCO Kulturerbe sind. Darüberhinaus findet man auch immer wieder die Palafitos (Pfahlbauten, Anm. d. Red.) in tollen Tourismusbröschüren. Also erschien die kleine Inselwelt eine Reise wert.

Chiloé war lange ein isoliertes Eiland, dass es nicht am Wohlstand der Seenregion auf dem Festland weiter nördlich teilhaben ließ. Die Städte wie Ancud oder auch die Hauptstadt Castro sind ziemlich heruntergekommen und nicht weiter ansehnlich. Es gibt viel Arbeitslosigkeit, da sowohl Tourismus als auch die Fischerei Saisonarbeit sind.

Untergekommen sind wir in der Hospedaje Mirador in Chonchi, einem beschaulichen Küstendorf in der Landesmitte – natürlich mit Holzkirche. Und bisher hatten wir ja auch nicht viel Kontakt mit der Tierwelt Chiles, doch das sollte sich ändern. Hm, was für exotische Tierchen könnten uns wohl begegnet sein? Bettwanzen. Der Mensch zählt zu den Hauptwirtsgruppen dieser kleinen nachtaktiven Racker und das konnten wir am eigene Leibe erfahren. Etwa 20 Wanzenstiche zierten meinen geschundenen Körper, die sich in wunderbar juckende Quaddeln verwandelten und ein schönes Andenken an die Insel waren. Manchmal zahlt es sich aus getrennte Betten und ein glückliches Händchen bei der Wahl des selben zu haben, denn Dina war komplett verschont geblieben. Meine Theorie war eher, dass Dina einfach ungenießbar sei. Okay, zumindest für Wanzengeschmäcker.

Doch die eigentlich Schönheit Chiloés liegt nicht in der Fauna, sondern in der schönen Pflanzenwelt. Und das vor allem an der Westküste. Das extrem feuchte Pazifikküstenklima läßt die Insel immergrün erscheinen und hat eine einzigartige Vegetation entwickeln lassen. Im Nationalpark Chiloé konnten wir auf dem Tepual Lehrpfad wandeln und den Urwald der Insel kennenlernen sowie 20 Km Küste mit unzähligen Muscheln und Krabbenpanzern bestaunen. Kolibris laben sich an Fuchsien, es wächst vielerorts eine Art Riesenrhabarber und wir konnten uns an den Unmassen an Wildbrombeeren erquicken. Eine wahre Pracht.

Wenn wir nochmal auf die Insel gehen würden, dann direkt durch bis an die Westküste, wo kleine Orte wie Cucao oder das etwas weiter im Landesinneren an einem schönen See gelegene Huillinco eine gute Ausgangsbasis für Exkursionen in die Natur bieten. Im Parador Darwin, einem Hostal mit Restaurant in Chaquin bei Cucao, betrieben von Susi aus dem Schwabenland, die vor 16 Jahren auf die Insel kam, haben wir wertvolle Tipps bekommen und so ging es entlang der Küste in die einzigartige und gleichsam einsame Landschaft der Berge Rahues. Hat Hemingway von den grünen Hügel Afrikas geschwärmt, können wir das von den mindestens ebenso schönen Hügeln Chiloés tun. Auf dem Weg dorthin wurden wir von Goldwäschern mitgenommen, konnten Fossilien am Strand finden und die Einsamkeit genießen. Die Loberia, einem Küstenabschnitt, wo sich zahlreiche Robben tummeln, konnten wir aus Zeitgründen zwar nicht mehr aufsuchen, aber allein der halbe Weg dorthin war einmalig.

Ach und wir haben unsere ersten Reitversuche getätigt. Meine bisherige Erfahrungen beschränkte sich bisher auf Yul Brunner in „Die Glorreichen Sieben“ zu beobachten, Dina hatte zumindest schon mal ein Pferd gesehen. Naja, der Pferdebesitzer vertraute uns zwei Ahnungslosen zwei Gäule an, die mit viel Schmeichelei als Pferd durchgehen konnten, wohl aber eher die Bezeichnung Pony verdient hatten. Eigentlich hatten wir ja gedacht, dass man uns die zwei Vierbeiner nicht allein überlässt, sondern der Besitzer uns begleiten wird, was dann aber nicht der Fall war. Und Dinas Stute, die Princesa hieß und sich auch wie eine Prinzessin aufführte, war dann nicht sonderlich angetan, sich in irgendeiner Art fortzubewegen und wenn dann eher rück- als vorwärts oder direkt zum Fressen an die Seite. Da Princesa ihren eigenen Willen hatte und partout nicht zum Strand wollte, war die Tour schon nach 40 Minuten vorbei. Und da sagt nochmal jemand, das Leben sei kein Ponyhof.

Mit den Wanzenstichen im Gepäck ging es nun weiter mit dem Flieger von Puerto Montt in die Hauptstadt Chiles wo wir sechs Nächte verweilen werden. Aus der Natur in den Moloch Santiago mit seinen fünf Millionen Einwohnern.