Samstag ist Markttag.

3 07 2009

Ort: Otavalo (ECU)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Sonntagswetter am Samstag

Otavalo gilt als der wirtschaftlich größte Markt Südamerikas. Bekannt ist vor allem der Samstagsmarkt, wo neben Handwerkskunst aus Ecuador, Peru und Bolivien auch Tiere aller Art, Obst und Gemüse sowie Waren des täglichen Bedarfs den Besitzer wechseln. Es gibt eine Straße mit Wolle-Petry-Freundschaftsbändern, ein ausgewachsenes Meerschwein kostet 12 US$ (natürlich nur zu Verzehrzwecken gedacht, denn mit Essen spielt man ja bekanntlich nicht) und man kann sich an ganzen gegrillten Schweinen laben. Ein Spaß für die ganze Familie.

Advertisements




Wer Wind säht…

8 06 2009

Als ich etwa 7 Jahre alt war, hatte ich wie viele andere Kinder ein Haustier. Sie sollen helfen zu lernen Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Oder man findet es einfach nur putzig. Meins war ein Angora-Meerschwein und hatte den ausgefallenen Namen Mucki. Dann starb Mucki, ohne den Zenit eines Meerschweinchenlebens überschritten zu haben. Böse Zungen sprechen vom Resultat sozialer Inkompetenz. Und Muckis Tod schien nicht ohne Folgen zu bleiben.

So entwickelte ich eine ausgefeilte Meerschweinhaar-Allergie, die sich in ein wirklich atemberaubendes Asthma steigern kann. Doch ich spührte, dass auch für mich irgendwann der Tag der Vergeltung kommen würde. In den Anden gehört Meerschwein, oder auch Cuy, zu den wenigen domestizierten Tieren und ist seit Jahrhunderten eine Delikatesse auf den Märkten und den Speisekarten traditioneller Küchen. Cuy Chactado, ein ganzes Tier mit krokanter Kruste auf einem Tomaten-Zwiebelbett mit Kartoffeln. In Mario Puzos Klassiker „Der Pate“ kann man lesen, dass „Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird“. Nun in diesem Fall wurde das Cuy warm bereitet und es mundete ganz deliziös auch wenn der kleine Racker nicht viel Fleisch hatte. Die Wachtel unter den Nagern sozusagen, geschmacklich aber dem Kaninchen nahe.

Doch Muckis Fluch schien noch nicht erschöpft. Beim Versuch die Photos des Cuy-Festmahles auf mein Notebook zu ziehen, um mich an meiner Vergeltung zu ergötzen, verabschiedete sich die Festplatte meines noch recht jungen Dell-Rechners. 2:1 für Mucki.

Wer Wind säht, wird Sturm ernten.





Der graue Puma.

26 05 2009

Ort: Puno (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: mit Sonne ok, ohne Sonne Daunenjacke

Nach den Tropen jetzt wieder auf Höhe. Unsere letzten Tage in Bolivien sollten wir in der Kälte von La Paz verbringen. Es gab noch einmal einen Ausflug ins höchste Curry-Haus der Welt, wo es Llama Tikka Masala gibt, wir konnten im Etno Cafe Absinth probieren und im Coca Museum viel Interessantes erfahren. Und schon neigten sich fünf abwechslungsreiche Wochen Bolivien dem Ende zu.

Peru empfing uns mit Sonne und Geschrei. Nach den entspannten und eher distanzierten Bolivianern, nun also die tourismusverwöhnten Peruaner. Unsere neuen Freunde wittern mit jedem Touri die schnelle Mark und man bekommt recht kontinuierlich tolle Strickwarenangebote ins linke und Restaurantofferten ins rechte Ohr geschrien. Da wird man schnell zum arroganten Ausländer, der die armen Einheimischen ignoriert. Aus Mitleid und wegen kalten Füßen hab ich dann aber doch ein paar Alpaka-Socken erstanden.

Die eher unattraktive Stadt Puno liegt auf frischen 3.800 m Höhe und an der einzig wirklichen Attraktion, dem Titicaca See, der nicht das Geringste mit dem Taka-Tuka Land zu tun hat. Das Quechuawort Titicaca heißt übersetzt soviel wie „Der graue Puma“ (bisweilen auch „Der steinerne Puma“), denn mit etwas Phantasie hat der See aus der Vogelperspektive und auf den Kopf gestellt die Form eines Pumas, der in der andinischen Mythologie eine gewichtige Rolle spielt. Man fragt sich zwar zunächst, wie man ohne Fluggerät und Google Earth die Form erkennen konnte, aber die Racker waren sicher 1A im Kartographieren durch einmal um den See laufen.

Und auf dem höchsten befahrbaren See lauerten auch gleich die tollsten touristischen Attraktionen. Wir wurden, wie 95% aller Puno-Besucher, zunächst auf ein Boot und dann zu den Uros mit ihren künstlichen, schwimmenden Inseln verfrachtet. Die kleinen Eilande bestehen aus vertäutem Schilf und Wurzelwerk und bieten ein Zuhause für eine Handvoll Seebewohner. Dort gab es schon Wissenswertes zu erfahren, nichtsdestotrotz ließ einen das Gefühl nicht los in einem Menschenzoo gelandet zu sein. Die Gesichter der Inselbewohner waren leer, die traditionellen Trachten muteten wie Verkleidungen an und der traurige Höhepunkt war erreicht, als unter routiniertem Winken das französische „Alouette“ und der Ballermann-Hit „Vamos a la playa“ angestimmt wurden. Traurig. Der tägliche Besucherstrom hatte die Uros sichtlich abstumpfen lassen, von Authentizität konnte keine Rede mehr sein. Auf der nächsten Insel namens Taquile wurden wir dann Zeuge eines Festes eines lokalen Landwirtschafts-Patrons, was ausnahmsweise mal nicht für uns Touris inszeniert worden war. Noch am Interessantesten waren aber die Ausflügler aus aller Herren Länder mit denen wir einige schöne Geschichten austauschen konnten.

Und weil wir uns so gut mit Renaut aus Frankreich verstanden hatten, ging es abends in das Restaurant La Choza de Oscar mit traditionellen Tänzen, die teilweise recht bizarr erschienen und zwischen Theater und Prügelorgie anzusiedeln waren. Puno gilt als die peruanische Folklorehauptstadt und deshalb gab es reichlich Wein, Weib und Gesang. Und Cuy. Cuy werden hier liebevoll Meerschweine genannt, die nicht nur im Streichelzoo ihr Dasein fristen, sondern auch frittiert auf den Teller wandern. Schmeckt eigentlich ganz lecker, wie sehr zartes Kaninchen nur mit recht wenig Fleisch, sieht aber aus wie Ratte. Besonders der Kopf des kleinen Nagers. Was unsere Tischnachbarn auch erfreut bemerkt zu haben schienen.

Nach zwei Nächten im schönen Hostel Inka’s Rest reichte es uns aber erst mal mit Puno. Es sollten nach Cusco gehen, die alte Hauptstadt der Inka-Kultur und Ausgangsort für den Besuch der alten Machu Picchu Ruinen.