Ein bunter Fiebertraum.

19 02 2010

Ort: Singapur (SG)
Zeitunterschied: +7 Std. MEZ
Wetter: Drückend heiß

Nach neun Wochen Natur und wenig Stadt in Neuseeland, empfängt uns mit der 4,2 Mio Metropole Singapur eine neue Welt. Singapur? Dat war doch die Stadt, wo man für Kaugummi kauen an den Galgen kommt. Eine Wattebauschdiktatur, die jegliche Kontrolle in den Händen hält, der Bevölkerung aber gleichzeitig einen hohen Lebensstandard ermöglicht. Die Stadt, wo alles schön steril ist, Asien light sozusagen, ohne den ganzen Dreck und das Chaos anderer Millionenstädte wie Bangkok, Shanghai oder Kuala Lumpur. Eigentlich sagen alle, die man trifft und die schon in Singapur gewesen sind, dass 2-3 Tage vollkommen ausreichen würden. Es gäbe nicht viel zu sehen, nur Shoppingsmalls und wenig Kultur. Wir hatten vier Tage Zeit, um uns ein eigenes Bild zu machen, bevor wir für 24 Tage nach Myanmar reisen würden, um uns mal eine waschechte Militärdiktatur anzuschauen.

Zuerst mal hatten wir das Glück, nicht in einem Hostel absteigen zu müssen, sondern bei meinem alten Studienkollegen Sebastian und Freundin Jessica unterzukommen. Das hieß dann statt 200 m hohem Appartmentkomplex, ein zweistöckiges Shophouse mitten im Zentrum der Stadt. Diese traditionellen Geschäfts- und Wohnhäuser haben im Erdgeschoß Platz für einen Krämerladen, wobei in den 1-2 Etagen darüber komfortables Wohnen angesagt ist. Das hat dann Charme und man fühlt sich nicht wie eine Ameise ohne Namen, wie in einem der Hochhäuser, die links und rechts in den Himmel ragen. Damals in Luang Prabang galt noch die Bauvorschrift, dass kein Gebäude höher als die größte Palme im näheren Umkreis sein darf. Das kann man für Singapur nicht sagen, denn wir haben kein Gewächs gesehen, dass als Benchmark für die maximale Bauhöhe von 280 m herhalten könnte. Aber klar, Boomtown, viele Menschen, wenig Platz, da wird halt nach oben gebaut. Singapur sieht aus wie ein riesiger Spielplatz für Architekten.

Na, das klingt ja nicht so prickelnd mag der geneigte Leser meinen. Doch auch Singapur hat seinen Charm. Die Stadt ist nämlich Schmelztiegel der Kulturen, wobei Chinesen die Mehrheit der Einwohner stellen. Es gibt dann logischerweise Chinatown, aber auch Little India und das arabische Viertel. Singapur ist ein Gebräu aus unzähligen Nationalitäten und bietet eine überraschend facettenreiche Palette an Kontrasten.

Gerade eben flaniert man noch über die kilometerlange Orchard Rd, auf der es recht wenig Orchideen aber dafür umso mehr Shoppingmalls gibt, doch geht man nur wenige Straßen weiter taucht man plötzlich in eine Welt ein, die in den Straßen von Mumbai spielen könnte. Fort ist die glitzernde Konsumwelt der gigantomanischen Einkaufszentren und man ist im Gewusel von Tausenden Menschen, wie auf einem indischen Straßenbasar. Der Sonntagabend ist der beste Tag der Woche, um sich von den Gerüchen, Klängen und Bildern des indischen Viertels betäuben zu lassen. Unter der Woche ist für die vielen Inder Maloche als billige Gastarbeiter auf einer der vielen Baustellen der Stadt angesagt, es entstehen ja immer neue Wolkenkratzer und auch über 250 Shoppingmalls scheinen nicht genug zu sein. Doch am Sonntagabend trifft man sich zum Plausch in den Straßen, es gibt frisch zubereitete Köstlichkeiten aus ganz Indien und auch die Wocheneinkäufe werden auf den Märkten getätigt. Und es sind zu 90% Männer, die uns wenige Europäer anstarren, vor allem, wenn man wie wir in einem billigen Straßenimbiss mit Plastikmöbeln und Pappgeschirr isst. Doch es herrschte eine freundliche Atmosphäre und wir bekamen oft eines der berühmten indischen Lächeln geschenkt. Wir sind heiß auf Indien, auch wenn es auf dieser Reise leider nicht klappen wird. Indien braucht Zeit, mindestens 3 Monate. Wenn Matze nicht schon einen Job ab März angenommen hätte, wären wir nach einem Monat in der Heimat wieder in den Flieger gestiegen und nach Mumbai geflogen. Irgendwo habe ich mal gelesen: „Loving India is like kissing a princess through inch deep shit“. Wir hätten feuchte Tücher mitgenommen. Beim nächsten Mal.

Little India beherbergt auch das spannendste bzw kurioseste Shoppingcenter der Stadt. Das Mustafa Centre. 24 Stunden am Tag geöffnet, 365 Tage im Jahr. 14.000 qm und 1.200 Mitarbeiter. Auf sechs Etagen bekommt man alles. Wirklich alles! Von Mickey Mouse Bettwäsche über Holzkohle, von Lindt-Schokolade über billige Souvenirs, von Medikamenten über Kameraspeicherkarten. Allein in der dritten Etagen gibt es 61 Regalreihen. Man bekommt einfach alles, nur Autos verkaufen sie nicht mehr.

Und apropos Speicherkarten. In Myanmar wird die technologische Infrastruktur wohl noch auf dem Stand wie von 15 Jahren sein, was zwar auf den ersten Blick nicht allzu lang her erscheinen mag aber zu der Zeit war an WLAN noch nicht zu denken und ich hatte noch nicht mal eine Email-Adresse. Das bedeutet, dass wir unser Notebook nicht mit ins Land nehmen werden und wir keine Photos mehr herunterladen können. D.h. wir brauchen ausreichend Speichermedien. Wir also im Mustafa Centre und zu den Elektronikexperten. Es gab zwei verschiedene CF Kartenmodelle, wobei das teurere doppelt so viel kostete wie die andere Karte. Und wir wollten feilschen. Zu der teureren Karte hätte es eine Kameratasche dazugegeben. Doch wir wollten die billigere noch billiger. Aber wir hatten es hier nicht mit der Stadtwache zu tun, sondern mit Verhandlungsexperten, die man nicht verarschen kann. Auf die Frage, was er uns für die günstigere Karte für einen Deal anbieten könne, meinte er, dass er auch für diese eine Tasche oben drauf packen könne. Und zeigte mit einem süffisanten Lächeln auf die Plastiktüte des Fachgeschäfts. Wir waren sehr amused.

Im arabischen Viertel (Kampong Glam, Anm. d. Red.) kann man nicht nur hervoragend speisen, sondern abends auch in einem der vielen Cafés Shisha-Pfeifen rauchen. Im Mohd Razeen & Bros Café gibt es den vielleicht besten Teh Halia (eine Variantion des berühmten Teh Tarik, Anm. d. Red.) der Stadt, einem Tee aus Ingwer und Kondensmilch der kunstvoll ins Glas geschüttet wird. Aber in den Gassen rund um die Arab St gibt es auch einen Gegenpol zu den gigantischen Shoppingmalls. Es gibt viele kleine Boutiquen und Szeneläden mit ebenso kleinen Preisen, mit Modellen von lokalen Designern und Einflüssen aus ganz Asien.

In Chinatown gibt es neben den üblichen Kitsch-Lampions und Seidenhemden aber auch etwas für Leib und Seele geboten. Reflexzonenmassage. Das ist dann allerdings nicht so ein Entspannungsding mit Lavendelöl und Cafe del Mar CD im Hintergrund, sondern handfeste Arbeit. Der personifizierte Alptraum eines jeden, der eine Massage bekommen möchte, ist ja oft der folgende Typ Masseuse: eine 130 Kg schwere ehemalige bulgarische Gewichtheberin mit Warze am Kinn und leichtem Bartansatz. Dem 70-jährigen Chinesen, der eher in der Kategorie „Fliegengewicht“ einzuordnen gewesen wäre und einen halben Kopf kleiner war als ich, hätte ich mit Sicherheit nicht so viel Kraft zugetraut. Doch die Unterarme waren stahlhart und es war nicht gesagt, dass der schmächtige Greis nicht auch die Fünf-Finger-Pressur-Herz-Explosionstechnik aus Kill Bill beherrscht. Hui, hat das geknackt und geschmerzt. Leider konnte ich ihm auch nicht wirklich mitteilen, wo denn der Schuh drückt, da seine Englisch-Kenntnisse eher rudimentärer Art waren und das einzige Wort, was er wirklich konnte „Pain“ – also Schmerz – war.

So gibt es eben die verschiedensten Ecken in der Stadt, die auch ein Lehrbeispiel für Toleranz sein könnte. Denn es gibt in Singapur auch 140 Kirchen, Tempel und Moscheen, die manchmal sogar in relativ kurzer Distanz koexistieren, ohne dass Pogrome den Frieden der Stadt überschatten. Respekt.

Doch trotz vermeintlich hoher Lebensqualität ist Singapur erschöpfend. Das Klima zehrt. Das ganze Jahr über ist es konstant heiß und schwül, wobei der Mai der feuchteste und drückendste Monat sein soll. Tropische Hitze muss man mögen. Ohne Klimaanlage ist es kaum auszuhalten.

Und übrigens, Kaugummi kauen ist nicht verboten, nur wirklich kaufen kann man ihn nicht in S’pore. Heute kann man nur gegen Vorlage eines Rezeptes und seines Personalausweises „therapeutische“ Kaugummis in der Apotheke kaufen. Aber wenn man erwischt wird, wie man ihn nonchalant auf die Straße spuckt, drohen einem 8 Jahre Kerkerhaft. Mindestens.

Nach vier wohlbehüteten Tagen ging es dann weiter nach Myanmar. Reise in eine verlorene Zeit. Erwachen aus dem bunten Fiebertraum namens Singapur. Unsere letzte Etappe.

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Camperleben auf Tasmanien.

15 11 2009

Ort: Tasmanien (AUS)
Zeitunterschied: +9 Std. MEZ
Wetter: Konstant wechselhaft

Tasmanien war für uns die Sahneschnitte in der australischen Kuchenauslage. Die Creme de la Creme sozusagen. Obwohl, schwer im Magen liegt einem die Insel südlich der australischen Kontinentalmasse nun wirklich nicht. Denn eigentlich müsste Tasmanien ein Stück Streuselkuchen mit wilden Waldbeeren sein. Natürlich, abwechslungsreich und mit einigen Erhebungen.

Wenn man nach Tasmanien kommt, wird einem vor allem Natur geboten. Es leben nur eine halbe Million Menschen auf der Insel und die gehören sicher nicht zu den coolsten und trendigsten auf der Welt. Aber Mutter Natur hat sich für Tassie wirklich etwas einfallen lassen. So gehören heute 20% der Insel zum UNESCO Welterbe, ein Nationalpark reiht sich an den anderen. In Tasmanien wurde in den 50er Jahren auch die erste Grünen-Partei gegründet. Die ist auch heute noch recht aktiv und erfolgreich, was hier und da aber auch auf Unverständnis stoßen kann. Die Minenstadt Queenstown z.B., deren Umgebung völlig abgeholzt und für den Bergbau urbar gemacht wurde, gleicht heute einer Mondlandschaft. Das finden einige lokale Inselbewohner so toll, dass sie den nachwachsenden Baumbestand vergiften wollten. Die Begründung: „Bäume gibt es überall, diese tote Landschaft nur bei uns!“. Bonjour Tristesse.

Um Tassie wirklich kennenzulernen, muss man mobil und flexibel sein. Und das geht am besten in einem Campervan. Spaceships gibt es keine auf der Insel, also haben wir alle Autoverleiher abgeklappert und in guter deutscher Schnäppchen-Manier bei Bargain Campervan Rentals zugeschlagen. Wir waren nur also richtige Camper. Zwei Wochen in einem Toyota Hiace Hitop Umbau mit kleiner Spüle, Kühlschrank, Gasherd und großem ausklappbaren Bett. Unser Leben on-the-road konnte weitergehen.

Zuerst ging es nach Port Arthur, um etwas von der neueren australischen Geschichte zu schnuppern. Port Arthur war eine der harten Sträflingskolonien für Wiederholungstäter, die zu Schwerstarbeit verurteilt wurden. Wer zuviel Blödsinn im Kopf hatte, wurde mit ordentlich Peitschenhieben gezüchtigt. Mitte des 19. Jahrhunderts war das die gängige Form von kleiner Bestrafung. Irgendwann kam man aber auf den revolutionären Gedanken, dass statt körperlicher Züchtigung, doch besser eine psychische Bestrafung angewandt werden sollte. Heute kann man die Überreste des Einzelgefängnisses besichtigen, in dem Totenstille herrschte und die Insassen absolut isoliert wurden, um ihren Weg zu einem gottesfürchtigen Leben zu finden. Es gab Redeverbot, die Delinquenten waren 23 Stunden am Tag in der Zelle eingesperrt. Wenn sie raus durften, dann nur mit Gesichtsmaske, um keinen visuellen Kontakt aufzunehmen, die Wärter schlichen mit lautlosen Slippern über die Gänge und wenn es in die knasteigene Kapelle ging, dann standen die Häftlinge in aufrechten Särgen. Wirklich gruselig. Und auch gruseliger als die geführte Geistertour, die wir am späten Abend durch die kleine Ruinenstadt gemacht haben. Da wurde uns dann von wissenschaftlich bewiesenen paranormalen Aktivitäten berichtet und ab und zu mal auf irgendeinen Tisch gehauen, damit wir uns auch ja schön erschrecken.

Weiter ging es nach Richmond, einem gregorianischen Vorzeigedörfchen, im Hintergrund immer blühende Landschaften wie auf einer Modelleisenbahnplatte. Tasmanien, das nach dem holländischen Entdecker Abel Tasman benannt ist, erinnert immer an eine Mischung aus schottischem Hochmoor, kanadischer Wildnis und den grasenden Schafen und Kühen, die man aus der Kerrygold-Werbung kennt. Oktober bedeutet auf der Insel Frühling und wir wurden nahezu erschlagen von der Blütenpracht der Sträucher und Wildblumen. Das eher kühle, feuchte Klima hatte große Teile der hügeligen Insel in einen riesigen Wald verwandelt und auch am Firmament schiebt sich immer eine Wolke ins Panorama. Tasmanien lebt von der Dramatik.

Wir fanden also immer wieder ein schönes Plätzchen, um unseren Camper abzustellen, an der Picknickstelle den Grill anzuschmeißen und lecker Bulettchen (ostdeutsch für kleine Frikadellen, Anm. d. Red.), Känguruh oder auch frisches Gemüse zu brutzeln. Wer gedacht hat, die kulinarische Vielfalt im Camperleben heißt die Entscheidung zwischen 3- und 5-Minuten-Terrine, der hat sich schwer getäuscht. Es wurde jeden Abend frisch gekocht und morgens Nutellabrot mit Meerblick gefrühstückt.

Die Route führte uns weiter entlang der Ostküste, vorbei an Walnussplantagen und Weingütern, nach Coles Bay am Freycinet Nationalpark, wo wir neben kurzen Ausflügen zu Sleepy Bay und dem Leuchtturm von Cape Tourville auch eine gepflegte 11 Km Runde hingelegt haben. Die Weinglas-Bucht war ein absoluter Traum, wir waren allein an Hazards Beach und während des Wanderweges entlang der Küstenlinie, der immer wieder durchs Gehölz führte, wurden wir argwöhnisch von Wallabies beobachtet.

Mehr Natur zu erlaufen gab es dann im Nordosten der Insel bei St Helens. Vor allem die Wanderung im Winifred Curtis Reserve war really beautiful. Entlang einer pittoresken Lagune ging es durch Wildblumenfelder, die in allen erdenklichen Farben schillerten. Frühling fetzt.

Wir bestaunten die kilometerlange Bay of Fires, die zu den schönsten Stränden der Welt zählen soll. Dort wurde dann auch direkt am Strand abgeparkt und genächtigt. Fast so schön wie am Rheinufer in Düsseldorf.

Und Tasmanien ist zwar ein relativ kleines Eiland und wenn man sich die Distanzen auf dem Papier anschaut, denkt man, dass die Insel an einem Nachmittag umfahren ist. Doch der Grand Prix de Tasmania führte uns durch unzählige Serpentinen und Haarnadelkurven mit immer neuen Schlaglochüberraschungen. Es waren oft nicht mehr als 60Km/h drin und so schaukelten wir uns eher gemächlich durch die Lande.

Trotzdem überall Roadkill. Tasmanien ist bekannt für sein reiches Tierleben, das am einfachsten tot am Straßenrand zu beobachten ist. Doch am schönsten ist so ein Tier ja doch lebendig und daher ging es – mit kurzen Abstechern in die recht tote Stadt Launceston und das Tamar Weintal – in den Narawntapu NP. Der Park ist bekannt für Pademelons, Wallabies und Forester Känguruhs, die es dann mit Anbruch der Dämmerung auch alle in Hülle und Fülle zu sehen gab. Man hat dann wirklich das ganze Gelände voll mit Gras fressenden Beuteltieren und wir freuten uns über diese Gesellschaft, da außer uns kein Mensch auf dem Springlawn Campingplatz seine nicht nur sprichwörtlichen Zelte aufgeschlagen hatte.

Ein wirklich seltsames Tier ist aber das Wombat. Es sieht aus, wie ein Hamster mit Bärenmaske, den man auf 20 L Bierfass-Größe aufgepumpt hat. Schon optisch wirkt die fette Fellwurst etwas plump, etwas tollpatschig und man merkt sofort: „Nääääää, der kann keine Integralrechnung“. Man verteilt ja gerne menschliche Attribute auf Tiere. Der listige Fuchs, die diebische Elster und jetzt eben das dümmliche Wombat. Nähert man sich einer Wiese mit grasfressenden Beuteltieren, machen sich sofort alle hakenschlagend aus dem Staub. Gesunder Fluchtinstinkt eben. Bis natürlich auf das Wombat, das solange nichts mitbekommt, bis man relativ kurz davor steht. Dann heißt es kurz Schreckstarre bis es den Tunnelblick einschaltet und sich schnurstracks in Richtung nächstes Gebüsch verdrückt, egal von welcher Richtung der potentielle Angreifer kommt. Auch als Mutter Wombat einmal mit Nachwuchs vor uns die Straße überqueren wollte, flüchteten sie nicht in den rettenden Straßengraben, sondern das Kleine versteckte sich mitten auf der Fahrbahn unter Muttern. „Survival of the fattest“ und nicht „Survival of the fittest“. Die Redaktion hat sich festgelegt, Gewinner in der Kategorie „Dümmstes Tier auf Wald und Wiese“: das Wombat. Ach und Wombat-Kot ist quaderförmig. Dieses Tier kann einfach nichts richtig machen.

Und dann Cradle Mountain. Das Highlight des Highlights Tasmanien. Irgendwie schien uns die Gegend an den Torres del Paine Nationalpark im patagonischen Chile zu erinnern. Es gab zahlreiche Seen in unfassbaren Blautönen, weiße Schneefelder, herrliche Wanderwege und wir hatten Glück mit dem Wetter. Der Cradle Mountain ist nämlich bekannt für eher ruppige klimatische Bedingungen. 260 Regentage im Jahr und 75% der Zeit wolkenverhangende Berggipfel. Wir dagegen hatten strahlenden Sonnenschein, angenehme Temperaturen und freie Sicht in einem Radius von mehreren Kilometern. So wanderte es sich doch gleich viel entspannter auch wenn es einige schwierige Passagen gab. Am Fuße des Cradle Mountains, entlang des Face Tracks, gab es Schnee in Hanglage zu überqueren. Und wir reden hier über mindestens 45% Steigung und der Schnee lag recht brüchig auf darunterliegendem Gesträuch. Wir mussten wie auf einem Drahtseil immer schön den einen vor den anderen Fuß setzen, denn der leicht ausgetretene Weg war gerade wanderschuhbreit. Das war dann schon etwas aufregender, vor allem wenn man mit dem kompletten rechten Bein im Schnee einbricht oder man mal eben etwas ausrutscht. Die 6-Stunden-Wanderung wurde aber ohne Verluste gemeistert und wir konnten uns auf dem nahe gelegenen Campingplatz beim abendlichen Kaminfeuer in der Küche aufwärmen. Nachts hatten wir vor allem auf dem westlichen Teil der Insel nur 2°C, da ist man gern auch mal drinnen.

Der Cradle Mountain NP hat ja eigentlich noch die Ergänzung Lake St Clair, denn der liegt an der südlichen Spitze des Parks. Wer irgendwann mal auf Tasmanien weilt und Langeweile hat, der kann die 70 Km in sechs Tagen von Nord nach Süd auf dem sogenannten Overland Track wandern. Die Strecke ist nicht wahnsinnig anspruchsvoll, nur das Wetter spielt nicht immer so mit.

Wir hatten leider keine Zeit und daher ging es mit dem Camper via Strahan nach Lake St Clair. Doch der Zwischenstop in Strahan hatte für projekt365 eine große Bedeutung. Wenige Tage vorher hatten wir uns entschlossen, die letzten Etappe des Projekts umzuändern. Während meiner Studienzeit lief auf Euronews immer ein Trailer des malayischen Tourismusministeriums in dem eine mandeläugige Asiatin immer sang: „Malaysia – Truly Asia“. Doch es kamen immer mehr Zweifel auf, ob das das wirkliche Asien sei. Was dagegen schon seit geraumer Zeit auf der Liste der noch zu besuchenden Länder nach Indien ganz oben stand, war Myanmar. Buuuuuuuuuuuuh, Militärdiktatur. Das darf man doch nicht unterstützen, vor allem nachdem der Hausarrest der bekanntesten Oppositionellen und eigentlichen Gewinnerin der Parlamentswahlen von 1990 Suu Kyi wieder verlängert wurde. Sie hatte zudem 2x zu einem Tourismusboykott ins Land aufgerufen, da man die Militärjunta nicht unterstützen dürfe. Doch die selbe Suu Kyi hat erst vor ein paar Monaten ihren Boykottaufruf widerrufen, da auch sie einsehen musste, dass die Tourismuseinnahmen der Regierung deutlich unter dem Drogengeld liegen, dass auf dem Weg nach China erwirtschaftet wird und vor allem kleine Familienunternehmen Schaden aus dem Boykott nahmen. Doch natürlich war nicht Suu Kyi der ausschlaggebende Grund, sondern das Land selbst und das gute Zureden von Anja und Pit. Die Visumsfrage ist auch geklärt und so geht es nun für 25 Tage ins Land der 1.000 Pagoden. Und das auch nur, weil wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. In Strahan konnten wir zufällig WLAN anzapfen und mal kurz Emails checken. Die Flüge hatten wir drei Tage vorher gebucht, doch zahlen mussten wir sie bis Tag X 11:00 Uhr Singapur Zeit. Es war gerade Tag X und 10:34 Uhr. Hektische Minuten folgten, es mussten Kopien von Pass und Kreditkarte online verschickt werden, diverse Buchungsvorgänge bestätigt und mit dem Reisebüro in Singapur telefoniert werden. Doch alles gut, Vollzug. Just in time.

Just in time war unser Auftritt am Lake St Clair dann allerdings nicht, denn es wartete trübes Regenwetter. So wurde aus einer geplanten Tageswanderung nur ein kurzer Ausflug und wir flüchteten weiter Richtung nächsten Nationalpark. Dieses mal Mt Field mit den Russell Wasserfällen. Die wurden dann natürlich auch besichtigt und noch ein zweites Mal bei einer Nachtwanderung durch gemäßigten Regenwald. Es war stockduster, nur hier und da ein Knacken und ein reflektierendes Augenpaar, was aber meist nur ein aufgescheuchtes Opossum war.

Tasmanien hat auch keine Jaguar, keine Tiger und auch keine Löwen. Obwohl, früher gab es auch einen Tiger, der die Gestalt eines Wolfes und die Zeichnung eines Tigers hatte. Der wurde aber schon erfolgreich ausgerottet, die letzte Photoaufnahme stammt aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Was es aber noch gibt, ist ein Teufel. Den Tasmanischen Teufel, den man vor allem aus ACME Cartoons, als gefräßigen Wirbelwind kennt. In echt sind die Teufel nicht größer als ein Dackel aber kleine aggressive Räuber, die gern nach allem schnappen, was in Reichweite ist. Doch sie sind schwer zu sichten, da sie hauptsächlich nachtaktiv sind. Doch kein Tasmanien-Besuch, ohne nicht mal einen Blick auf das Wahrzeichen geworfen zu haben. Und im „Something Wild“ Zoo war es dann soweit, der Teufel in Tiergestalt. Aber in freier Wildbahn wären uns die Racker dann doch lieber gewesen.

Unsere letzte Station war dann der südlichste Punkt Australiens. Das Südkap bei Cockle Creek, das man in einem leichten 2-Stunden-Fußmarsch erreichen kann. So waren wir für eine ganze Weile die südlichsten Menschen auf dem australischen Kontinent. Wir konnten die angeblich sauberste Luft der Welt einatmen, denn der Wind bläst kontinuierlich aus Süden, wo in 2.500 Km die Antarktis zu finden ist, oder aus Westen, wo man 19.000 Km überqueren müsste, um nach Südamerika zu kommen.

Ach wat schön war das Camperleben auf Tasmanien. Das beste von Australien kam zum Schluß.