Mordor bei Sonnenschein.

20 12 2009

Ort: Taupo, Tongariro Nationalpark (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Wanderwetter

DIE vermeintlich beste Tageswanderung in Neuseeland. Das Tongariro Alpine Crossing. 19,4 Km, 800 Höhenmeter rauf, 800 Höhenmeter wieder runter, Windstärken um die 100 Km/h auf dem Rand des Vulkankegels und 7-9 Stunden auf Tour. Soweit zu den Eckdaten.

Wir hatten zuvor auf dem kostenfreien Campingplatz in Taupo zwei Schweizer kennengelernt, die ebenfalls ihre Jobs gekündigt und die Wanderschuhe geschnürt haben, um die weite Welt zu sehen. Als wanderfreudige Eidgenossen mussten Nathalie und Daniel nicht lange überzeugt werden, dass sich die Überquerung des Tongariro lohnen würde.

Der Wetterbericht von der i-site in Taupo hatte grünes Licht gegeben, da die Strecke bei zu heftigem Westwind auch gern mal gesperrt wird. Laut Vorhersage hatten wir den besten Tag der Woche erwischt.

Wir checkten auf einer DoC Campsite ganz in der Nähe des Wanderweges ein und am nächsten Morgen brachte uns um 7:00 Uhr ein Shuttle zum Startpunkt. Die Sonne schien, keine Wolke am Himmel und klare Sicht auf Mount Egmont im fernen Hintergrund. Perfekte Wetterbedingungen.

Anfangs ging es erst mal eine ganze Weile hoch – durch’s „Treppenhaus des Teufels“. Hoch bis zum Südkrater, von wo man den Berg Ngauruhoe zusätzlich noch besteigen könnte, wenn einem die ca. 7 Stunden Wandern am Tag nicht genug sind und man den Schicksalsberg aus „Herr der Ringe“ besteigen möchte. Wir hatten den Ring jetzt eh grad nicht dabei und Mordor sah bei Sonnenschein auch nicht so bedrohlich aus, so dass schnelles Handeln nicht erforderlich war. Also, Scheiß auf Hobbingen und weiter durch den Südkrater bis auf den höchsten Punkt des Sattels. Und dann wurde uns auch klar, warum bei zu starkem Wind der Laden dicht gemacht wird. Man wird quasi fast vom Sattel gefegt und muss teilweise auf allen Vieren die letzten Meter kriechen. Dazu blässt einem der starke Wind unaufhörlich Sand in die Augen, was durch das nachrutschende Geröll der Leute, die vor einem liefen bzw. krochen, noch erschwert wurde. Hui, das war schon was.

Aber was hinter dem Sattel kam, machte alle Strapazen wieder wett. Der Blick auf die Kraterseen namens Emerald Lakes und den blauen See, der den leicht einprägbaren Maorinamen Te wai-whakaiata-o-te-Rangihiroa hat, kann man so nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Unfassbar strahlende Blautöne, die uns mit der Zunge schnalzen lassen haben und rundherum dampfende Fumarole. Im Zentralkrater konnte man noch eine erloschene Magmazunge erkennen und im Hintergrund eine Mondlandschaft, die als Kulisse für Mordor aus der bekannten Trilogie wirklich überzeugend erschien.

Eine wirklich großartige Tageswanderung, die nun mit anderen alpinen Highlights wie dem Torres del Paine Nationalpark in Chile und dem Cradle Mountain in Tasmanien in einem Atemzug genannt werden muss.

Und dann saßen wir schon recht erschöpft auf der Terrasse der Ketahi Hütte und verspeisten gerade den mitgebrachten Nudelsalat, als es mich plötzlich auf die Schulter tippte. Nä! Nä, also wirklich! Anna! Ich wusste ja, dass meine ehemalige Kollegin für ihre Flitterwochen in Neuseeland weilte. Aber jetzt mal ehrlich, wie oft klappt dann wirklich ein Treffen? Bruder Zufall hat mal wieder für eine gelungene Überraschung gesorgt und wir sind zusammen die letzten zwei Stunden zum Parkplatz hinabgestiegen.

So, jetzt aber endlich Bilder. Noch besser aber Flugticket nach Neuseeland buchen und selber anschauen.





Das Dschungelcamp.

20 05 2009

Ort: Madidi-Nationalpark bei Rurrenabaque (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiß und schwül

Nun also Dschungelcamp. Eigentlich wollten wir nur den Pampas einen Besuch abstatten, aber wir wurden von schlagkräftigen Argumenten überzeugt. Zum einen zeltet man nicht alle Tage in einem Camp, tief im Madidi-Nationalpark am Ufer der Flußes Tuichi, zum anderen sind 155 Euro für 4 Tage ein richtiger Schnapper, wenn man bedenkt, dass es in Peru oder in anderen mit tropischen Regenwald gesegneten Ländern Südamerikas mindestens das Doppelte kostet. Zudem gilt der Madidi als Nationalpark mit der zweitgrößten Biodiversität weltweit. Ein weiterer Umstand, der für den Anbieter Berraco del Madidi sprach, war, dass Miteigentümer, Guides und Wasserträger aus der lokalen Urwald-Community stammen, sich somit bestens auskannten und unsere teuer gekauften Euros in der Region blieben. Man könnte fast meinen das sei nachhaltiger Tourismus.

Wir waren neben zwei Lesbierinnen, die mit weißen Turnschuhen angereist waren, die einzigen Gäste im Dschungelcamp und wurden somit mütterlich umsorgt. Wir hatten ein tolles Quechua-Zelt mit Belüftung, dicke Luftmatratzen und dünne Schlafsäcke bekommen, wurden wie in den Pampas 3x am Tag gemästet und uns der Hintern nachgetragen. Camping deluxe. Naja fast. Unser Camp war noch relativ neu und verfügte über keinerlei sanitäre Einrichtungen. Die Badewanne hatte zwar fließendes, frisches Wasser, hieß aber Fluß Tuichi, es gab eine Drop-off-Zone im Wald für private Geschäfte und man tat gut daran, die nicht bedeckten Stellen mit Insektenspray einzusprühen und eine Kompostgrube für organische Abfälle aller Art. Aber gerade das hat es so speziell gemacht, so ursprünglich, so natürlich. Gegessen wurde bei Kerzenschein und gebadet sowie gefischt im hellen Licht des Vollmondes. Denn natürlich gibt’s weder einen Supermarkt um die Ecke, noch Stromversorgung zum Frischhhalten der Lebensmittel, also sorgt man selbst für den Hauptgang und geht fischen. So gab es frischen Wels und Riesen-Piranha, der im Vergleich zum Exemplar aus den Pampas deutlich mehr Fleisch hatte und im Bambusrohr im Feuer gedünstet wurde. Ein Gedicht.

Wir haben die lokale Community besucht, wo es immer noch Jäger und Sammler gibt und Straftäter, Faulpelze und Ehebrecher von der Gemeinschaft mit dem Joch bestraft werden. Wir haben haben ein 2-stündiges Rentner-Rafting auf dem entspannten Teil des Flußes gemacht. Aber der Madidi-Nationalpark, der nach einer eben so heißenden Ameise benannt ist, lockte natürlich auch mit Ausflügen. Wir haben einige Pflanzen des Waldes kennengelernt, wie die Wanderpalme oder den Curare-Baum, aus dem das berühmte Pfeilgift gewonnen wird. Durch das umfangreiche Mastprogramm stellte dann mein Magen auf stur und unser Chefguide Pedro mit mir los und mal eben etwas Baumrinde einer Liane names Uña de gato (Katzenkralle, Anm. d. Red.) und die eines Baumes, dessen Namen ich mir umöglich merken konnte, für einen heilenden Mate (Kräutertee, Anm. d. Red.) geholt. Hilft. Wir haben Früchte und Samen gesammelt und daraus Ringe und eine Kette für Dina gebastelt. Bis auf etwas Arbeitskraft für lau zu haben. Und ja es ist unfassbar schwül, man schwitzt ununterbrochen und trotzdem sind lange Klamotten und hohe Schuhe angesagt. Es gibt allerlei Kleingetier und Insekten, die einem ans Blut wollen. Es gab aber auch größere Exemplare, vor allem stinkende, grunzende Wildschweine, die in Rotten bis zu 300 Schweinen durch den Wald marodieren. Dabei geht man nicht nur auf kleinen, verschlungenen Pfaden, die nicht unbedingt eine klare Richtung weisen, sondern man kämpft sich auch mit der Machete durch dichten Primär- und Sekundärwald. Dann, auf der Verfolgungsjagd nach den Schweinen, stand dann auf einmal ein seltener Fuchs neben uns und ein Puma machte sich aus dem Staub. Und man bemerkt nichts. Brüllaffen hängen in den Bäumen und zahlreiche Aras krächzen in den Wipfeln. Doch leider ließ sich kein Jaguar blicken. Man kann halt nicht alles haben.

Neben schweißtreibenden Ausflügen in den Wald ging es ja aber auch mit der Handangel fischen. Und da saßen wir nun im Schein des Vollmondes am Ufer des Flußes Tuichi mitten im bolivianischen Regenwald. Kein Motorenlärm weit und breit, nur die Geräusche einer Dschungelnacht. Und das war wieder einer der Momente, wo uns so richtig bewußt wurde, dass wir es wirklich getan haben. Jobs gekündigt, die Zelte in der Heimat abgebrochen und Familie und Freunde zurückgelassen. Nun sind wir schon 3,5 Monate unterwegs. Erschreckend wie schnell die Zeit vergeht. Doch wenn wir in den Rückspiegel schauen, können wir auf großartige Erlebnisse und Erfahrungen zurückschauen. Der Tango in den Straßen von Buenos Aires, wandern im Torres del Paine Nationalpark in Chile, der Eisplanet des Perito Moreno Gletschers, die raue Küste Chiloes, die bizarren Felsformationen bei Cafayate und das Valle Calchaquíes, die Salar die Uyuni Tour im bolivianischen Altiplano und jetzt schwimmen mit Delfinen in der Pampas bei Rurrenabaque und eben die Geräusche des Regenwaldes. Wir sind noch nicht müde. Immer noch hungrig. Die Reiselust ist nach wie vor da. Die gewonnenen Eindrücke von Mensch und Natur sind immer wieder abwechslungsreich, langweilig wird es eigentlich nie. Trotzdem stehen auch immer mal wieder Tage an, wo man außer essen, schlafen und TV glotzen relativ wenig tut. Ein bißchen stinknormaler Alltag eben.

Nach Pampas und Dschungel ging es jetzt aber wieder aus den Tropen ins Moskitofreie La Paz, unser Sprungbrett über die Grenze nach Peru.