No Fast Moves.

12 09 2009

Ort: Agnes Water & 1770 (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Strandwetter

Nach Fraser Island und Wale glotzen wollten wir einfach ein paar Tage in Agnes Water bzw. im nur 7 Km entfernten Town of 1770 relaxen. 1770 wurde nach dem Jahr benannt, in dem James Cook als erster weißer Mann Australien betrat. Und der erste Eindruck muss nicht schlecht gewesen sein. Viel grün, malerische Sandbänke und einsame Buchten. Interessanterweise ist das auch heute noch so. In 1770 wohnen permanent nur 30 Leute, es gibt ein paar Ferienhäuser zu mieten und eine kleine Marina. Als Rucksackreisender steigt man aber in den bezahlbaren Unterkünften in Agnes Water ab. Dort gibt es sogar ein paar mehr Einwohner, eine große Bar mit Drive-Through Schnapsladen gleich nebenan und immerhin zwei Supermärkte, aber ansonsten passiert auch dort nicht viel. No Fast Moves (Keine schnellen Bewegungen, Anm. d. Red.) heißt die Maxime und es hält sich eigentlich auch jeder dran. Entspannung pur also. Dachten wir zumindest.

Wir hatten vor vier Nächte im Hostel mit dem uncoolen Namen „Cool Bananas“ einzuchecken, um ein paar lauschige Tage zu verbringen. Das Hostel war zu 90% von deutschen Abiturienten belegt, die noch schnell die Möglichkeit nutzen wollten ins Ausland zu gehen, da man ja während oder nach des Studiums nicht mehr die Möglichkeit haben wird. Gaaaaaaanz, genau. Das sorgte für Schmunzler.

Was nicht für Schmunzler sorgte, war die Tatsache, dass der Reinigungstrupp 4:30 Uhr, das ist halb fünf nachts, mit den Arbeiten begann. Die plausible Begründung war, man wolle doch die geschätzten Gäste nicht mit der Anwesenheit des Personals verschrecken und bis 6 Uhr morgens alles fertig haben. Die Idee, dass man dadurch den Nachtschlaf der Kundschaft stören könnte, lag offensichtlich nicht auf der Hand. Auch auf Nachfrage bei der unfreundlichen Reinigungskraft, bekam man in herrlich patzigem Ton zu hören, dass wenn man schlafen wolle, sich doch ein Hotel suchen möchte. Das hier sei nämlich ein Hostel. Ach, das war uns dann doch neu. Wir hatten eigentlich schon damit gerechnet, dass wir in dem Gebäude mit den Betten auch übernachten könnten. So richtig mit: „Licht aus, kalinixta!“ (für unsere nicht-griechischen Freunde, kalinixta heißt schlicht und einfach Gute Nacht!, Anm. d. Red.). Wir haben uns dann den Ratschlag der netten Dame zu Herzen genommen und sind am nächsten Morgen ausgezogen und haben für die nächsten zwei Nächte im Beachside Backpacker eingecheckt. Dort konnten wir dann allerdings auch nicht unseren Schönheitsschlaf finden, da wir einen schnarchenden Iren als Zimmerkollegen hatten, der wirklich in jeder nur erdenklichen Position unangenehme Geräusche von sich geben konnte.

Naja umgezogen und ab an den Strand, schön in die Wellen springen. Agnes Water ist der letzte Stop gen Norden, wo man noch surfen kann. Weiter nördlich schirmt das über 2.000 Km lange Barriere Riff jede ernsthafte Wellenbewegung in Strandnähe ab und macht somit seinem Namen alle Ehre. Der zweistündige Surfkurs war mit AU$22 schweinebillig und damit wären es nur noch 9.996 Stunden bis zu einem sorgenfreien Profisurfer-Leben mit Piña Coladas und sonnenverwöhnter Haut – ganzjährig.

Aber dieses Australien, irgendwie lässt sich dieser Kontinent immer wieder was neues einfallen. Dieses Mal hatten sie einen großen, scharfkantigen Steinblock so im Wasser drapiert, dass es für unbeschwerte deutsche Besucher nicht zu erkennen war. Dafür aber zu spüren. All das ganze Blut! Naja, es hat zwar erst etwas geblutet aber so schlimm war der Schnitt über dem linken Knie dann doch nicht. Allerdings unangenehm genug, dass es mit dem surfen nichts wurde. Schnief. Dafür sind wir Kayak auf dem Meer gefahren und sind auf den Wellen in der Sonnenuntergang gesurft.

Was noch? Rumgewandert, die lokale Kneipe besucht, Pelikanattacke überlebt, am Strand abgehangen, am Strand gelesen und nochmal am Strand gewesen. Strand ist so ziemlich bei allen Aktivitäten an der Ostküste involviert und wir freuen uns auf die feuchten Tropen im Norden.

Es gibt darüberhinaus ein paar neue Meilensteine im Reiseplan zu vermelden. Am 20.09. fliegen wir von Cairns nach Darwin, wo wir uns den Kakadu NP anschauen wollen, um dann am 29.09. weiter nach Melbourne zu reisen. So sieht das nämlich aus.

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Spaß im Sandkasten.

7 09 2009

Ort: Hervey Bay, Fraser Island (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Sonnig mit steifer Brise

Nach unserer Ankunft in Sydney befanden wir uns durch den Preis- und Kulturschock wohl in einem Zustand der zeitweiligen geistigen Umnachtung, denn anders kann man nicht erklären, warum wir so dämlich waren und uns ein Tourpaket für Fraser Island und die Whitsundays aufschwatzen ließen. Beide Orte seien Pflichtprogramm auf einem Ostküstentrip und die Tussi von Wicked Travel versicherte uns, dass beide Touren vor Ort teurer wären und wir noch einen saftigen Rabatt bekommen würden. Dazu wurden uns diverse Hostelgutscheine im Wert von AU$400 als Bonus oben drauf gelegt und ein 2-Tagestrip ins Hunter Valley zur Weinverkostung für lau.

Und dann haben wir mal dieses Internet bemüht und einige interessante Infos zu den Touren und den Hostels gefunden. Am besten haben uns die Hostelbewertungen bei Trip Advisor und anderen Plattformen gefallen. Da wurde in den höchsten Tönen geschwärmt: „Dreckloch, dass nach Füßen von 15-jährigen Jungs stinkt“, „nur im absoluten Notfall beziehen“ oder mein Favorit „in dem Bad würde ich nicht mal meinen Hund waschen“. Die Hostelgutscheine verdienten also das Prädikat „wertlos“. Was auch nicht ganz so schlimm war, denn wir mussten da ja auch nicht einchecken. Außer eben vor dem Fraser Island Trip, den man in der Regel von Hervey Bay aus startet.

Wir hatten also eine Selbstfahrer-Tour auf der größten Sandinsel der Welt gebucht. Die 90 Km lange Ostküste von Fraser Island ist ein einzige Autopiste aus Sand, die man mit einem Allradwagen selber befahren kann. Da man als Rucksackreisender aber selber eher selten einen Land Rover Defender im Gepäck hat, schnüren verschiedene Anbieter ein Paket inklusive Jeep, Ausrüstung und Fleischpaket vom Metzger. Das tolle Angebot beinhaltete auch eine Übernachtung vor und nach dem Ausflug im Koala Ressort in Hervey Bay. Das 6-Bett-Dorm stank nach Urin und zu den Flecken auf den Matratzen will ich mich nicht weiter äußern. Toll auch, dass man sich in einigen Hostels zusätzlich Bettlaken und Decke mieten muss. Unfassbar. Als wenn man sich im Restaurant noch zusätzlich den Teller und das Besteck entgeltlich ausleihen müsste. Nach dem nachmittäglichen Briefing hatten wir für einen Umzug keine Zeit mehr und es sollte am nächsten Morgen um 6:00 Uhr der Jeep bepackt werden und weitere Instruktionen folgen. Begleitet wurden wir von einer zweiten Gruppe. Geteiltes Leid ist eben doch halbes Leid.

Unsere Gruppe im elfsitzigen Toyota Landcruiser bestand aus vier nordirischen Medizinstudenten, 2 Taiwanesinnen und uns. Wir waren also nur zu acht und keine Ahnung, wie hier sonst 11 Leute mit Gepäck reingehen, die Karre war voll. Der Landcruiser hatte einen Dachaufbau in dem sämtliches Equipment verstaut und höchst unprofessionell durch poröse Gummiseile vorm herunterfallen „gesichert“ war. Das wussten wir aber erst, als wir mit der Fähre auf die Insel übergesetzt hatten und uns durch die mehr als knöcheltiefen Sandpisten im Inselinneren mühten. Als wir dann mal wieder anschieben mussten und der Toyota über die Huckel knallte, rissen die Gummiseile und die Kiste mit den Gasflaschen und dem Edelstahlgeschirr krachte auf die Sitze herunter. Das wäre sicher recht hässlich geworden, wenn wir im Jeep gesessen hätten. Es blieb mehr als ruppig und wir blieben zahlreiche Male im Sand stecken. Damien, einer unserer nordirischen Fahrer bemerkte hierzu treffend: „This is serious off-road shit!“ (frei übersetzt: „Das ist krasse Allrad-Scheiße“, Anm. d. Red.).

Und Scheiße war auch die Ausrüstung. Die Gangschaltung konnte nur mit Menschengewalt bewegt werden, der Grill triefte vor Fett, die rostigen Zeltstangen kapitulierten in der ersten Nacht dem starken Wind, so dass vier Leute nachts darauf im Jeep schlafen mussten und voller Freude dabei entdeckten, dass der Wagen Kakerlaken infiziert war. Einige unserer Mitfahrer hatten sich im Koalas Schlafsäcke gemietet und dafür eine Reinigungsgebühr von AU$10 bezahlt. Umso größer war die Freude, als einer von den Nordiren einen benutzten Mädchen-Pyjama in seinem Schlafsack entdeckte. Überhaupt war ein gesunder Schönheitsschlaf nur schwer zu bekommen, denn der Wind ließ die ganze Nacht Sand auf die Zeltplane prasseln oder ich musste nachts mehrmals raus und unser Schrottzelt wieder neu fixieren, damit wir nicht ins Meer geweht werden. Die undichten Kühlboxen leckten, was sich nicht so dramatisch anhören mag, allerdings war das nicht verpackte Eis mittlerweile geschmolzen und hatte sich zusammen mit den blutigen Fleischlappen unseres Metzgerpaket und zur Freude Dina’s auch mit ihrem einzigen vegetarischen Burger vermengt und bildete eine schöne lauwarme Blutlauge. Auch die zweite Kühlbox teilte ein ähnliches Schicksal, als sich die Butter im Eiswasser verselbständigte. Es gab auch keine Duschen oder Toiletten auf dem Zeltplatz. Was so schlimm auch nicht war, aber die Spackos von Koala Tours sagten uns noch am Vortag, wir sollten doch genug Kleingeld für die Duschen mitnehmen. Ach, lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho.

Die Insel haben wir dann aber auch besichtigt. Die Kombination Sand und Insel hörte sich nicht sonderlich lebensfreundlich an, umso erstaunlicher war die Erkenntnis, wie vielfältig das Leben auf der Landmasse doch ist. Eukalyptuswäler und Buschland, kristallklare Süßwasserseen wie Wabby, Birrabeen und Mc Kenzie, riesige Sanddünen, wild lebende Dingos, die ins Meer laufenden Flußarme und natürlich das maritime Leben um die Insel herum. Vom Indian Head konnte man gigantische Rochen anhand ihrer Schatten im Wasser erahnen, Buckelwale ziehen vorbei und an der Küste stehen unzählige Angler auf der Suche nach dem großen Fang. Wir hatten auch das Glück, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und Zeuge zu werden, wie ein 1,5 Meter langer Schaufelnasen-Hammerhai nahe des Maheno-Wracks nach einstündigem Kampf an Land gezogen werden konnte. Allerdings wurde dieser dann aber wieder ins heimatliche Meer gelassen, sonst hätte es auch ordentlich Ärger mit Dina gegeben.

Trotzdem waren alle froh nach den zwei Nächten wieder zurück in der Zivilisation zu sein. Wir verzichteten auch gern auf die zweite freie Nacht im Koala-Loch und zogen schnelltsmöglich ins The Friendly Hostel um, wo der Name Programm war und wir endlich den ersehnten Nachtschlaf nachholen konnten.

Ach und übrigens, die Tour hätte bei Koala direkt vor Ort kurzfristig etwa die Hälfte gekostet. Wicked Travel hatte uns dreist ins Gesicht gelogen. Uns voll verarscht. Deswegen heißen die auch ab heute (und die Redaktion lässt den rüden Ton entschuldigen) Wichser Travel.

Naja und weil Dina ja so gern in See sticht, ging es am Folgetag noch Wale schauen, denn Hervey Bay ist die selbsternannte Whale Watching Hauptstadt Australiens und Juli – September die Zeit, wo hunderte Buckelwale, die aus der kalten Antarktis kommen, in den wärmeren Gefilde an der Ostküste Australiens ihre Kälber zur Welt bringen.

Wir hatten das schnellste Boot gewählt, um den Ausflug kurz und schmerzlos zu gestalten. Wir hatten Wind aus Südwest und nach Aussage des Kapitäns die ungünstigste Windrichtung. Das hieß Seegang – und zwar richtig. Mit 40 Knoten heizten wir über den Ozean und verloren dabei einige Male die Wasserhaftung, um kurz danach mit wuchtigem Krachen hart auf den Wellen aufzuschlagen. Buckelwale gab’s dann tatsächlich zu sehen, wenn auch nicht so nah, wie wir es uns gewünscht hätten.

Interessante Zeiten also, hier an der Ostküste. Agnes Water und Town of 1770 unsere nächsten Stationen weiter entlang der Ostküste versprechen da schon entspanntere Tage.





No worries.

1 09 2009

Ort: Noosa (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: australisch winterlich

Noosa und Umgebung war nett. Die vielen bildhübschen Häuschen entlang des Flusses, wo sich Pelikane gierig die Fischreste der zahlreichen Angler schnappen; die vielen aneinander gereihten Strände und der wirklich schöne Wanderweg entlang der Küste im Noosa Nationalpark, wo neben Pandanus-Bäumen auch Brush Turkeys (Buschhuhn, Anm. d. Red.), eine beachtliche Waranart namens Goanna und allerlei anderes Getier beheimatet sind. Im 12 Km entfernten Eumundi konnten wir auf dem Mittwochsmarkt so verrückte Sachen wie Mango-Macadamia-Muffins und eine deutsche Wurstbude mit Knackwurst with Sauerkraut bestaunen. Man konnte sogar Pony reiten oder einen Drachen steigen lassen. Es war nett. Nicht spektakulär. Nur nett.

Was gab es bisher denn überhaupt Spektakuläres auf diesem fernen Kontinent? Landschaftlich war es bisher keine Offenbarung, da wir momentan entlang der Ostküste unterwegs sind. Und da gibt es eben vor allem Strände. Aber nach dem dritten „schönsten Strand Australiens“ ist ein Strand eben auch nur ein Strand. Bisher also keine Naturwunder.

Und kulturell? Eher dünn. Australien ist ein junges Land mit wenig sichtbarer Historie. Die hellhäutige Bevölkerung des fünften Kontinents mockiert ja zudem gerne mal, dass die Aboriginies ja nüschd geleistet hätten. Nüschd produziert, nüschd imposantes wie z.B. eine crazy Oper gebaut, nüschd entwickelt. Sie haben nur ein paar langweilige Felskrakeleien hinterlassen, dafür aber keine wirklich großartigen Zeugen der Geschichte wie z.B. die Pyramiden der Mayas oder die gigantischen Steinfiguren der Osterinsel. Noch nicht mal den großen roten Felsen namens Uluru haben sie selbst geschaffen. Den ganzen Tag nur aus Spaß Boomerang werfen und faulenzend Didgeridoomelodien hören.

Als dann der weiße Mann nach Australien kam und nur diese wilden Primitivlinge vorfand, wurde der Kontinent kurzerhand als Terra Nullius, als Niemandsland, deklariert und die britische Müllabfuhr brachte die Verurteilten aus den überfüllten Gefängnissen des verregneten Vereinigten Königreichs. Was sie dann selber in reichlich 200 Jahren auf die Beine gestellt haben ist eine Kultur, die vor allem Spaß auf der Fahne stehen hat. Symptomatisch dafür auch das allgegenwärtige „No worries“, was strikt übersetzt „Keine Sorgen“ heißt, hier aber kontextuell eher „Kein Problem“ bedeutet. Vormittags aufstehen, zum Strand gehen, um eine Runde zu surfen, später dann BBQ mit Freunden (das hier mit Barbie sogar einen liebevollen Spitznamen hat), abends im Pub beim Bierchen oder bei Rum aus Bundaberg ruppige Sportarten wie Aussie Rules oder Rugby schauen. Gern mal ein bißchen rumpöbeln und immer schön die Kanne am Hals. „No worries“ eben.

Okay, dachten wir also, Spaß ist ja prinzipiell eine feine Sache und mal gucken, warum diese Australier dieses Wellenreiten so cool finden. Die ersten Stehversuche auf einem Longboard gab’s in der Surfschule von Merrick Davis, einem wohl bekannten Profi. In den zwei Stunden Grundlagenarithmetik des Wellenreitens konnten wir dann sogar erste Erfolge verbuchen und uns auf ein paar schönen Anfängerwellen ein paar Meter tragen lassen. Und das fetzt schon. Ein wirklich erhabenes Gefühl auf dem Element Wasser zu reiten. Und nur noch 9.998 Stunden Übungszeit im Wasser, um ins Profilager aufzurücken.

Und zum Abschluß hat die Redaktion noch eine Anekdote aus dem immer spannenden Ressort: Hostels und ihre temporären Bewohner. In Südamerika erlaubte uns das Preisgefüge ja fast ohne Ausname, uns ein Doppelzimmer zu gönnen. Im teuren Australien leidet nun also die Privatsspäre aber vor allem unser Schönheitsschlaf, denn wir nächtigen immer öfter in Schlafsäalen mit mindestens noch zwei anderen Personen. Im Chillout Hostel in Noosa hatten wir zwei besonders schöne Erlebnisse, die uns drei schlaflose Nächte bereitet haben. Zuerst waren da Summer und Sunny, zwei 19-jährige Dumpfbacken, die sich selber ihre crazy Namen gegeben haben, wobei sich Sunny aus dem für Australier unaussprechlichen Sonia ableitete und Summer aus dem Namen Lisa Sommerlatt resultierte. Allein dieser Umstand bereitete Schmerzen im Unterleib. Noch mehr Freude brachten ihre Deutschlehrstunden, die sie einem aufgegabelten Australier gaben und wo geistreiche Alltagsfloskeln wie „Geile Möpse“ und andere schöne Worte aus dem Land der Dichter und Denker übermittelt wurden. Nie war ich stolzer auf zwei Landsmänninnen. Noch erquickender aber waren die nächtlichen Aktionen unseres Dorm-Mitbewohners Peter aus Südengland, der im Zweistundentakt anfing lauthals Dialoge mit einem imaginären Gesprächspartner zu führen und uns so jedes Mal sanft aus dem Schlaf weckte.





Die zwei Seiten der Medaille.

27 08 2009

Ort: Gold Coast, Brisbane (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Sonnig

Ach, welch vielversprechende Namen: Gold Coast, Surfers Paradise! Und ach, welch herbe Enttäuschung. Surfers Paradise an der Gold Coast südlich von Brisbane wurde im letzten Jahr zu Australiens #1 Urlaubsdestination gewählt. Man kann hier wunderschöne Hotels und Apartmenthäuser bewundern, die wie Betonklötze in den Himmel ragen, endlich mal wieder richtig viel Asche in den teuren Restaurants oder Shoppingmalls verbrennen oder den Jahreslohn eines indischen Teppichknüpfers an einem Abend versaufen. Warum waren wir also da?

Naja, wir hatten sowieso nur zwei Nächte eingeplant und die für umme auf der Couch zweier Lesbierinnen in einem Vorort namens Coombabah. Wir hatten ja schon gute Erfahrung mit Jaime und Pablo in Santiago machen können und dachten, dass wir der Goldküste mit lokalem Insiderwissen eine Chance geben könnten. Doch wir hätten eigentlich schon stutzig werden müssen, da das einzige Bild im Couchsurfing-Profil der beiden Mädels ein Bild des Eingangs des Movieworld Themenparks war. Naja, wir wurden herzlich empfangen und sogar vom Busbahnhof abgeholt, doch im schnuckeligen Haus mussten wir erst mal schlucken. Delphinpuzzle, herzförmige Spiegel mit rotem Plüschrahmen, karierte Kissen mit Teddybärbildern und ein Malteser-Hund mit Pullover. So ganz die selbe Wellenlänge war das dann wohl doch nicht. Ziemlich trashig. Für Nikki und Stacee war es das erste Mal, dass sie eine Couch oder bzw. ein Zimmer mit eigenem Bad zur Verfügung stellen würden, doch irgendwie fühlten wir uns wie Lückenfüller eines recht langweiligen Lebens zwischen Glotze und Putzjob. Es soll nicht heißen, dass die beiden nicht nett und hilfsbereit gewesen wären, doch irgendwie hatten die zwei nicht wirklich was zu erzählen.

So kannten die beiden auch nicht den Currumbins Wildpark, der inmitten dieser hässlichen Betonwüste ein grünes Refugium ist und einen schönen Querschnitt durch Australiens endemische Tierwelt beherbergt. Wir konnten faule Koalas beim Nichtstun beobachten, da die Racker um die 20 Stunden am Tag schlafen, es gab eine gut gemachte Vogelshow, bizarre Echidnas, monsterhamster-ähnliche Wombats und putzige Känguruhs natürlich. Volle Punktzahl auf der Niedlichkeitsskala gab es für ein vier Monate altes Jungtier, dass noch bei Muddern im Beutel wohnte, sich aber immer wieder für erste Sprungversuche nach draußen wagte.

Auf dem Rückweg fiel uns dann ein, dass wir uns gar nicht die Adresse unserer Gastgeber haben geben lassen und uns auch beim besten Willen nicht mehr an die Bushaltestelle erinnern konnten, an der wir am Morgen den Bus genommen hatten. Wir, zwei erwachsene Mitteleuropäer mit höherer Schulbildung, im Bus, irrend durchs Dunkel der Nacht im Dschungel der Vororte der Gold Coast. Jedes Mal die selben Fragen der sehr hilfsbereiten Busfahrer und Passagiere. Jedes Mal unsere gleiche peinliche Erklärung: Wir waren „lost“. Totale Erniedrigung. Was wir in sechs Monaten Südamerika nicht geschafft haben, passierte uns hier schon nach zwei Wochen. Doch dank Google Maps auf einem Rechner im Medical Center eines großen Einkaufszentrums konnten wir uns wieder orientieren und ein verständnisvoller Herr fuhr uns dann wieder zu den karierten Kissen mit den Teddybären, wo Nikki und Stacee schon drauf und dran waren eine Vermisstenmeldung rauszuschicken.

Und verlaufen hatten wir uns dann am nächsten Tag schon fast wieder, denn wir waren mit den beiden im Nationalpark direkt hinter dem Haus unterwegs, den die beiden bisher nicht weiter als 500m betreten hatten, obwohl sie schon fast ein Jahr in der Gegend wohnten. Aber das Areal war wirklich sehr schön, mit freilebenden Känguruhs, Koalas in Eukalyptushainen und Mangrovensümpfen. Nach zwei Stunden unaufgeregten Spaziergangs meinten die beiden nur noch, dass sie am Abend gut schlafen werden würden. Na dann.

Danach ging es nach Brisbane, das eigentlich den Ruf einer langweiligen, gewöhnlichen Großstadt ohne Sehenswürdigkeiten hat. Doch selbst die vermeintlich uninteressanteste Stadt kann ganz spannend werden, wenn man die richtigen lokalen Kontakte hat.

Wir hatten mal wieder Asyl auf einer Couch eingereicht und fanden uns in einem 130 Jahre alten Holzhaus im viktorianischen Stil mitten im coolen West End wieder. Das Haus und seine Bewohner hatten durch und durch Charakter, im Wohnzimmer stapelten sich tausende von Schallplatten, die Couch und zwei Sessel waren aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts und der Stil ließe sich wohl am besten mit „charmantes Chaos“ beschreiben. Andrew, der Freund von Lysandra, war leider nicht da, dafür aber Patricia, ein in der Schweiz lebendes Mädel mit spanisch-brasilianischen Wurzeln, die genau wie wir Couchsurf-Gast des Hauses war. Zusammen ging es am Freitag Abend auf ein Konzert von drei australischen Bands im Troubadour, das wir wohl so einfach nicht selber gefunden hätten. Samstag vormittag ging es auf Empfehlung zum bunt gemixten Markt im West End, wo wir doch tatsächlich Clara wieder getroffen haben, die wir im Tayrona Nationalpark in Kolumbien kennengelernt hatten. Am Nachmittag gab es dann wieder ordentlich was auf die Ohren, denn der lokale Radiosender 4ZzZ hatte zum Livegig im Innenhof des Senders geladen. Das hieß Garagenrock zum Nulltarif, billiges Essen und Bier aus dem Schnapsladen nebenan. Sonntag dann noch etwas Brisbane mit Sciencentre und Art Gallery. Alles in allem ein ziemlich gutes Wochenende mit einer guten Gastgeberin, die so ganz anders war als unsere zwei Schnuckis an der Gold Coast.

Wir haben sie gesehen, die zwei verschiedenen Seiten der Couchsurfing-Medaille und eine wichtige Lektion gelernt. Nie die Katze im Sack kaufen und bei jemanden die Couch surfen, der kein Photo von sich im Profil hat. Auch wenn man sich natürlich nicht ein 100%iges Bild machen kann, sagen Photos doch oft mehr als 1000 Worte.





Angst und Schrecken.

20 08 2009

Ort: Byron Bay (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Sonnig mit frischer Brise

Greyhound Busfahrer sehen ganz possierlich aus in ihren kurzen Höschen und den weißen Kniestrümpfen. Und eine ordentliche Prise trockener Humor ist wohl notwendig, um die langen Fahrten mit immer gemischtem Publikum über die Runden zu bringen. So, also endlich mal wieder eine lange Busfahrt. 13 Stunden über Nacht und ein zum Glück nur halbgefüllter Greyhoundbus, so dass man sich auch schön breit machen konnte. Und weil ja hier alles seinen sozialistischen Gang geht, wurde ordnungsgemäß alle Nase lang für eine vorgeschriebene Pause angehalten. Licht an. Bustür auf. Kälte rein. Und das alle drei Stunden. Klingt schön unerholsam und das war es auch.

Umso größer war dann die Freude als wir im Nomads in Byron Bay eincheckten und es hieß es gäbe nicht das online reservierte Zimmer. Das roch nach Überbuchung aber wir hatten Glück und wurden wie im Flugzeug üblich von der Holz- in die Businessklasse geupgradet (Neudeutsch für hochgestuft, Anm. d. Red.), was in unserem Fall Doppelzimmer statt 4-Bett-Schlafsaal hieß. Das war dann auch wirklich ein Glücksfall, denn schon gegen 18 Uhr war der Großteil der jungen Hostelgäste so voll wie ein russischer Schichtbus und der Aufenthaltsraum wandelte sich einen Ort stumpfer Dekadenz. Sodom und Gomorrah mit 4 Promille. Knapp beschürzte Mädchen und schlecht tätowierte Prolls aus dem nahen Brisbane sowie die übliche europäische Backpacker-Klientel ließen sich im besten Hostel Australiens zulaufen (Hostelworld-Ranking, Juni 2009, Anm. d. Red.). Auf der Tischtennisplatte wurden Saufspiele zelebriert, der Lautstärkepegel hätte jedem Oktoberfestzelt alle Ehre gemacht und wir kopfschüttelnd mittendrin. Angst und Schrecken in Byron Bay. Klingt verdammt spießig, oder? Naja sagen wir mal so, mit fortschreitendem Alter spielen etwas mehr Kultur und Stil eine immer gewichtigere Rolle (mal die 3 Tage wach auf dem BAC, With Full Force Festivals und Ausflüge ins Pretty Vacant ausgenommen, Anm. d. Red.) und so war die Schar an 20-jährigen, trinkwütigem Pöbel und Gesocks mehr und mehr anstrengend. Erst recht, wenn einem des Nachts der geräucherte tasmanische Lachs aus dem Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche geklaut wird. Den hatte sich der feine Herr nämlich nach langer Abstinenz mal wieder gegönnt. Doch wir zogen schon nach zwei Nächten wie geplant in die nächste Unterkunft um. Dieses Mal mit mehr Kultur und Stil versteht sich.

Was kann Byron Bay sonst noch? Wellen, schöne Strände und hier und da noch ein paar Überreste der Hippiekultur, die früher ein wichtiger Bestandteil der Surfszene war, bevor sich hippe Klamottenmarken wie Billabong, Quicksilver oder auch Rip Curl und damit die übliche Kommerzkultur ins kleine Küstenkaff geschlichen haben. Im August war es allerdings noch recht frisch mit ca. 20 Grad und steifer Brise, so dass es am Beach selbst für Strandschönheiten nicht dauerhaft auszuhalten war, nur die zahlreichen Surfer mit dicken Neoprenanzügen zog es in die Wellen. Daher ging es auf dem Trockenen auf einen schönen Rundgang, an diversen Stränden und dem östlichsten Punkt Australiens vorbei bis zum Leuchtturm von Byron Bay, immer in der Hoffnung einen kurzen Blick auf die vorbeiziehenden Großen Tümmler und Buckelwale zu erhaschen.