Bergfest.

12 08 2009

So. Das war’s nun also. Der Drops mit Geschmacksrichtung Südamerika ist gelutscht. Projekt 365 hat Halbzeit. Oder Bergfest, wie es ja auch gern genannt wird. Und vielleicht ist dieser Begriff ja auch der passendere, denn wie bei der Besteigung eines Berges haben wir mit Kolumbien, der letzten unser bisherigen Stationen, den Gipfel erreicht. Doch schöne Analogie hin oder her, es war nicht nur dieses Land, das uns unvergeßliche Momente, Erfahrungen und Erlebnisse bereitet hat.
 
Eine Liebeserklärung an einen Kontinent:

Argentinien (36 Tage)
Wir haben den Tango in den Straßen der pulsierenden Metropole Buenos Aires erlebt. Wir waren in Ushuaia am Ende der Welt und haben uns das raue Klima Feuerlands ins Gesicht peitschen lassen. Wir sind auf dem sich ständig verändernden Eisplaneten namens Perito Moreno Gletscher spaziert. Wir haben Wein in Mendoza genossen, das beste Fleisch gegessen (naja Dina hat mit zumindest gern dabei zugesehen) und haben die einzigartige Landschaft Nordargentiniens mit ihren bizarren Steinformationen und Kaktuswäldern durchquert.

Chile (28 Tage)

Der Torres del Paine Nationalpark wurde mit vollem Gepäck durchwandert und hat uns eine erste Grenzerfahrung beschert. Wir sind deutschen Spuren in der Seenregion gefolgt und haben sensationellen Kuchen gegessen, wilde Murtas am Fuße des Osorno Vulkans gepflückt, die einsame Küste des Pazifiks auf der Insel Chiloé zu schätzen gelernt und uns in Santiago beklauen lassen.

Bolivien (34 Tage)
Die ursprünglichsten Erlebnisse, die größte Vielfalt und das was man vielleicht als „das echte Südamerika“ bezeichnen möchte, gab es im ärmsten Land des Kontinents. Das teils surreal wirkende Altiplano, eine Landschaft aus Eis und Feuer, Wind und Salz; La Paz, das nicht nur die höchste, sondern auch die chaotischste Hauptstadt ist, die weiße Stadt Sucre, die üppig grünen Hügel im Cocaland und unsere unvergesslichen Ausflüge in Pampas und Dschungel im tropischen Norden.

Peru (20 Tage)
Mit den Nachfahren der Inka sind wir leider nicht warm geworden. Trotzdem haben sich mit Machu Picchu und den Nasca-Linien Jugendträume erfüllt. Ansonsten gingen uns die meisten ziemlich auf den Sack, die aggressiven Peruaner im touristischen Süden waren nach den eher distanzierten Bolivianern eher unangenehm.

Ecuador (17 Tage)
Nur 17 Tage und die Gegend, der wir gern noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätten, da uns Land und Leute positiv in Erinnerung geblieben sind. Das entspannte Vilcabamba im Tal der Langlebigkeit, die originalen Märkte in den Andendörfern, die Äquatorüberquerung an der Mitte der Welt und eine Rasur bei der ältesten Frisierstube Quitos.

Kolumbien (40 Tage)
Die Tatsache, dass wir Kolumbien zuerst gar nicht auf dem Schirm hatten und dann doch die meiste Zeit in diesem wunderbaren Land verbrachten, sagt eigentlich schon alles. Es war das erste Land in dem wir nicht nur symbolisch mit einem Lächeln, sondern auch wortwörtlich mit einem herzlichen „Bienvenidos“ Willkommen geheißen wurden. Die Kolumbianer sind einfach ein schneidiges Völkchen, unfassbar hilfsbereit und schon teilweise ekelhaft freundlich. Hier hat die Mischung aus Land und Leuten einfach am besten gestimmt. Die Zeit verflog einfach wie im Flug. Denn auch wenn wir in den sechs Wochen vieles gesehen haben, haben wir auch auf einiges verzichten müssen. Im Tayrona konnten nicht so lang bleiben wie geplant, für eines der letzten Abenteuer in Südamerika, der Trek zur Ciudad Perdida, waren wir zu schwach, für einige versteckte Juwelen wie Mompox oder die pazifische Ostküste fehlte uns einfach die Zeit, den Besuch der Salzkathedrale Zipaquira haben wir deshalb gleich auf’s nächste Mal vertagt. Wir kommen nämlich wieder.
 
 
Doch auch für Statistikfreunde mal ein paar harte Fakten:

8 offizielle Länder wurden mit Stempel im Pass verbrieft plus ein mysteriöses Land namens Machu Picchu. Wir haben 175 Tage auf dem südamerikanischen Kontinent verbracht und dabei in über 50 verschiedenen Hostels, Hütten oder Zeltplätzen genächtigt. Um dorthin zu kommen haben wir etwa 15.000 Km in und auf Bussen, Jeeps und Taxis verbracht. Das hieß 350 teils nervenaufreibende und stressige Stunden in besagten Fortbewegungsmitteln zu Land (Projekt365 hat somit netto 14 Tage fahrend verbracht), bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von ca. 43 Km/h. Doch auch in der Luft wurde gereist: 19.000 Km im Flugzeug, bei nur 25 Stunden in der Holzklasse und somit marginal schneller als zu Land. Wir mussten 2x ins Krankenhaus, beide Male im fortschrittlichen Industriestaat Bolivien. Über 9.000 Photos wurden geschossen. Und nicht zu vergessen die unzähligen Wanzenbisse.
 
 
Auch kulinarisch war Südamerika eine Offenbarung:
 
Auf den zahlreichen Märkten, Restaurants und Saftläden fiel uns immer wieder mal etwas Neues vor die Füße und wir haben versucht soviel zu probieren, wie es Neugier, Ekelgrenze und Moral zuließen. Den frischen Frosch-Shake aus dem Mixer auf dem Markt in Cusco (Peru) hätte selbst ich nicht herunterbekommen. Obwohl für mich natürlich gerade die exotischen Schmankerl die kulinarischen Höhepunkte waren. Angefangen mit Königskrabbe aus patagonischen Gewässern, über Lama- und Alpakafleisch im Andenhochland, den krokanten Meerschweinchen in Peru, frittierten Schenkeln von Amazonasfröschen in Ecuador bis hin zu den gerösteten Riesenarsch-Ameisen aus Kolumbien. Das war schon was feines.

Na gut, für Dina war es schon oft ein hartes Brot etwas vernünftiges Vegetarisches zu essen zu finden. Die lokale Küche war in der Regel sehr fleischlastig, aber es gab auch viele pflanzliche Neuentdeckungen, wie Quinoa, Amaranth oder Yucca, oder solche, die maximal über leckeres Fruchtfleisch verfügten.

Hier mal ein Liste an probierten Früchten zum angeben:

Chirimoya (Zimtapfel), Babaco (Berg-Papaya), Papaya Arequipeña, Platano Manzana, Lulo (Naranjilla), Guave (Guayaba), Zapote, Níspero (Japanische Wollmispel), Feijoa (Brasilianische Guave), Guanabana (Stachelannone), Achotillo (Rambutan), Tomate de Arbol (Baumtomate), Tumbo (Curuba), Lucuma, Maracuyá (Passionsfrucht), Murta (Chilenische Guave), Pepino (Melonenbirne), Grenadilla.

Ich durfte zudem über 35 neue Biersorten kennenlernen und habe dabei vor allem das kolumbianische Club Colombia (aus der Brauerei Bavaria, die wie der Name vermuten lässt, von einem Deutschen gegründet wurde, Anm. d. Red.)), das chilenische Baguales und das argentinische Bier der argentinischen Kleinstbrauer in El Bolson schätzen gelernt. Aber die heimatlichste Begegnung gab es sicherlich in der Brauerei Kunstmann in Chile, da der alte Kunstmann aus einem Nachbardorf meiner Kindheit kam.
 
 
Doch was uns sicherlich auch mehr als verblüfft hat, war das gehobene Interesse am Projektblog. Mittlerweile gibt es über 45.000 Klicks auf der Seite, über 100 Newsletterabonnenten oder die mehr als 120 Kommentare zu den etwa 70 Artikeln. Die Redaktion möchte hiermit ihr Wohlwollen ausdrücken und sich auch bei der Firma Google bedanken, die ihre Kunden immer wieder mit tollen Suchanfragen auf unsere Seite leitet. „Kokain besorgen Düsseldorf“, „heiter Erlebnisse mit Meerschweinchen“ oder auch „Frauen kacken Wald“ waren dabei nur einige wenige Highlights.
 
 
Danke für euer Interesse. Bleibt uns gewogen.

Dina & Matze. In 365 Tagen um die Welt.
 
 
horst sepp

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Im Tal der Langlebigkeit.

17 06 2009

Unsere Flucht aus Peru entpuppte sich als wahre Ochsentour. Denn zum einen gehört Peru sicher nicht zu den kleinsten Ländern Südamerikas, zum anderen liegt unser Bestimmungsort im ecuadorianischen Vilcabamba nicht unbedingt direkt an der Panamericana.

Zuerst ging es sieben Stunden nach Lima, der Stadt von der wir soviel Gutes gehört hatten, dass wir unseren Aufenthalt auf vier Stunden reduzieren konnten, um dann sofort weiter nach Tumbes weiterzufahren. Die Fahrt dauert nochmals sportliche 19 Stunden und es ging vom Bus direkt ins Taxi, um die 25 Km zur Grenze zu bewältigen. Und für Leute die die Grenze zu Fuß überqueren wollen, hat man sich ein besonders unkompliziertes Prozedere ausgedacht. Das Taxi kann natürlich nicht über die Grenze, also läuft man durch Unmengen von Straßenhändlern, Transitlern und Dieben, die in der Masse ihr Glück versuchen. Danach ging es zum Busbahnhof, der aber nichts anderes als ein „Büro“ am Straßenrand war. Zu dem Zeitpunkt war man aber noch nicht offiziell eingereist und die Immigration lag etwa 3 Km hinter der Grenze und wieder ins nächste Taxi. Dann unfassbar langsame Grenzbeamte beobachten müssen und wieder zurück mit dem Taxi. Der Bus sollte dann aber gleich fahren, nur eben nicht die erhofften 2-3 Stunden, sondern erst mal fünf (bei entspanntem Verkehr) bis nach Loja und dann nochmal eine Stunde nach Vilcabamba, dem ersten Ziel unser Reise in Ecuador. Naja, nach 40 Stunden waren wir dann auch schon da.

Und weil die Anreise so gemütlich war, hat es uns die nächsten Tage wieder mal komplett aus den Latschen gekippt und wir verbrachten die ersten Tage mit süßem Nichtstun. Aber wo kann man sich besser erholen als im kleinen Dorf Vilcabamba, dem Tal der Langlebigkeit. Die Region ist dafür bekannt eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Mitbürgern mit einem Alter von über 100 Jahren hervorgebracht zu haben. Der älteste Vilcabambero starb angeblich mit 129 Jahren und hat in dieser langen Zeit 238 Kinder produziert. Die Bedingungen dafür stehen auch nicht schlecht. Das Klima ist ganzjährig mild bis warm, die Ernährung durch viel Obst und Gemüse recht gesund und man zeigt ein freundliches Desinteresse am Rest der Welt. Und so sind auch mittlerweile über 700 Ausländer in der Region registriert, die sich hier ein entspanntes Leben fernab von Abwrackprämie, globaler Krise und Piraten vor Somalia versprechen.

Und so konnten wir bei Jean (ein kauziger Franzose, eigentlich ständig fluchend: „Pfffff, le merde!“) im schön begrünten Hostel Rendezvous in der Hängematte liegend und bei sensationellem Frühstück, für sechs Tage nicht nur die Seele baumeln lassen. Es gab einen kurzen Ausflug ins private Rumi Wilco Reserve, einen Rundgang durch die umliegenden Dörfer mit Fluß- und Bananenplantagendurchquerung sowie einen Besuch in einer kleinen Panelafabrik. Dazu gab es gutes Essen, wie z.B. frittierte Amazonas-Froschschenkel und eine 1,5-stündigen Massage bei Lola, die trotz ihres Namens seriös gearbeitet hat.

Der erste Eindruck von Ecuador ist so ganz anders als Peru und läßt auf mehr hoffen.





Ein Herz für Kinder.

12 06 2009

Wenigstens einmal haben die Peruaner Herz bewiesen, denn hier wird Bier an Alt und Jung verkauft. Die Redaktion findet’s toll.

ein herz fuer kinder





Linien in der Wüste.

12 06 2009

Ort: Nasca (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: wolkenlos

Dieses Mal ging es im Luxusbus von Oltursa von Arequipa nach Nasca (Quechua-Schreibweise, Nazca mit z ist die spanische Version, Anm. d. Red.), die Stadt, die nach der bedeutenden präinkaischen Kultur beanannt ist. Die Stadt selber ist hässlich bis potthässlich, man hat eigentlich nur einen Grund hier her zu kommen und zwar die berühmten Nasca-Linien zu bestaunen.

Wir hatten einen wolkenlosen Morgenhimmel, 8:30 Uhr gab es angenehme Temperaturen, perfektes Flugwetter also. Für 55 US$ hatten wir einen 30-minütigen Rundflug über die bekanntesten geometrischen Formen und Designs wie Kondor, Affe oder auch dem „Astronauten“ gebucht. Wir wurden zu fünft in eine Cessna 206 verfrachtet und mit Pilot Richard ging es los. Schon in in der ersten Flugkehre wirkten sich die Fliehkräfte negativ auf Gleichgewichtssinn und Mageninhalt aus, was zur Folge hatte, dass sich unsere Gesichtsfarbe schnell der des Fluggerätes anpasste. Die verschiedenen Geoglyphen konnten wir dann aber doch genießen, waren aber ebenso froh zur Landung anzusetzen, als der 100 Kg Typ vor uns plötzlich anfing in eine Tüte zu kotzen. Wir hatten ja vorsorglich nicht gefrühstückt.

Über den Sinn und Zweck der Linien wird bis heute spekuliert und es existieren zahlreiche Theorien, von astronomischem Kalender über Bewässerungssystem bis hin zu Dänikens Unfug von Außerirdischen. Die realistischste Annahme besagt allerdings, dass die Muster Fruchtbarkeitsritualen in dieser öden, unwirtlichen Gegend gedient haben sollen, der Affe beispielsweise stand für den Regen, der Kolibri fungierte als Botschafter zwischen Mensch und Gottheiten und der Kondor repräsentierte den Gott des Himmels oder der Berge.

Peru hatte mit Machu Picchu und Nasca seine Highlights, hat uns aber keine guten Vibes gebracht. Der Tourismus hat uns kalt erwischt, die südliche Route, ein Klassiker auf dem Gringo Trail, hat zuviele Pinocchios mit Dollarzeichen in den Augen hervorgebracht. So werden aus den geplanten sieben Wochen Peru nicht mal drei und Oltursa wird uns von Nasca nach Lima und von dort direkt und ohne Übernachtung nach Tumbes ganz im Norden bringen.

Somit wird das letzte Highlight von Peru der Grenzübertritt nach Ecuador sein, wo wir uns wieder etwas entspanntere Leute versprechen. Wir freuen uns auf 24 Stunden Busfahrt und die letzten zwei Monate in Ecuador und Kolumbien. Und es sollte jetzt wirklich nur noch tropisch werden. Nach etwa zwei Monaten im Altiplano von Südamerika, dem zweitgrößten Bergplateau nach Tibet, einer Landschaft aus Eis und Feuer, Wind und Salz, erwarten uns nun tropisches Äquatorialklima und weiße Karibikstrände.





Wer Wind säht…

8 06 2009

Als ich etwa 7 Jahre alt war, hatte ich wie viele andere Kinder ein Haustier. Sie sollen helfen zu lernen Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Oder man findet es einfach nur putzig. Meins war ein Angora-Meerschwein und hatte den ausgefallenen Namen Mucki. Dann starb Mucki, ohne den Zenit eines Meerschweinchenlebens überschritten zu haben. Böse Zungen sprechen vom Resultat sozialer Inkompetenz. Und Muckis Tod schien nicht ohne Folgen zu bleiben.

So entwickelte ich eine ausgefeilte Meerschweinhaar-Allergie, die sich in ein wirklich atemberaubendes Asthma steigern kann. Doch ich spührte, dass auch für mich irgendwann der Tag der Vergeltung kommen würde. In den Anden gehört Meerschwein, oder auch Cuy, zu den wenigen domestizierten Tieren und ist seit Jahrhunderten eine Delikatesse auf den Märkten und den Speisekarten traditioneller Küchen. Cuy Chactado, ein ganzes Tier mit krokanter Kruste auf einem Tomaten-Zwiebelbett mit Kartoffeln. In Mario Puzos Klassiker „Der Pate“ kann man lesen, dass „Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird“. Nun in diesem Fall wurde das Cuy warm bereitet und es mundete ganz deliziös auch wenn der kleine Racker nicht viel Fleisch hatte. Die Wachtel unter den Nagern sozusagen, geschmacklich aber dem Kaninchen nahe.

Doch Muckis Fluch schien noch nicht erschöpft. Beim Versuch die Photos des Cuy-Festmahles auf mein Notebook zu ziehen, um mich an meiner Vergeltung zu ergötzen, verabschiedete sich die Festplatte meines noch recht jungen Dell-Rechners. 2:1 für Mucki.

Wer Wind säht, wird Sturm ernten.





Die Stadt in der Stadt.

8 06 2009

Ort: Arequipa (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: agradable

Und die peruanische Verarsche ging weiter. Statt der angekündigten 10 Stunden brauchten wir 13, um von Cusco in die andere große Kolonialstadt Perus, nach Arequipa zu kommen. 22 Uhr abends war somit unser eigentlich reserviertes Zimmer schon vergeben, weil angeblich ein kranker Tourist das Zimmer vollkotzte. Genau, und ich war der König von Spanien. Zum Glück stellte sich die Alternative als die bessere Option heraus. Wir residierten kolonial für einen proletarischen Preis im Samana Wasi. Die Gewölbedecke war 6 m hoch, es gab einen schön begrünten Patio und eine Sonnenterrasse. Frühstück kostete 1€ für uns zwei Hanseln.

Wie viele Gebäude der Stadt war auch unser Gebäude aus weißem, vulkanischen Sillargestein gebaut, was Arequipa auch den Beinamen „Die weiße Stadt“ eingebracht hat. Das wichtigste Zeugnis kolonialer Architektur ist aber zweifellos das über zwei Hektar große Kloster Santa Catalina. Eine Stadt in der Stadt. Das Babylon der Klausurnonnen, wo sich die Frauen einrichteten, nie wieder ins normale Leben zurückzukehen. 1970 wurde es nach 430 Jahren Isolation geöffnet und der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Fein, fein.

Doch nicht nur für ihr koloniales Vermächtnis ist Arequipa bekannt, sondern auch für die gute Küche. Rocoto Relleno, mit Hackfleisch gefüllte scharfe Paprikaschoten, Chupe de Camarones, leckere Garnelensuppe und Queso Helado, was übersetzt soviel wie Käseeis heißt, aber der beste Nachtisch der Welt, bestehend aus verschiedenen Milchsorten, geraspeltem Kokos und Zimt, ist. Überhaupt Eis, wir laben uns an phantastischen Sorten aus verrückten Früchten wie Chirimoya, ein Schuppenapfelgewächs aus der Familie der bedecktsamigen Pflanzen auch bekannt unter dem appetitanregenden Namen Ochsenherz oder auch Papaya Arquipeña, Algarrobina, Grenadilla und Membrillo. Da kann selbst der geschätzte Leser die Exotik schmecken, anstatt sich von einem geheimnisvollen Weichspüler in fremde Welten entführen zu lassen.

Und einmal in Arequipa, kommt man um einen Besuch des Colca Canyons nicht herum. Publikumswirksam als der tiefste Canyon der Welt verkauft, was natürlich nicht stimmt, aber hey wir sind in Peru, dem Land der südamerikanischen Münchhausens, wohl aber wirklich doppelt so tief wie der Grand Canyon in dem großen Land etwas weiter nördlich. Der erstbeste Touroperator wollte für 3 Tage/ 2 Nächte 170€ pro Nase wonach uns erst mal der Kitt aus der Brille fiel, denn nach Kalkulation bei Durchführung auf eigene Faust lagen die Kosten bei weniger als 1/4.

Wir also mit dem lokalen Bus via Chivay nach Cabanaconde in den Canyon rein und uns leichtfertig vom Tourismusbüro übers Ohr hauen lassen. Es wurde mal wieder ein Touriticket fällig, dass einzig und allein dazu diente, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir hätten es besser wissen müssen. Dann etwa drei Stunden in die Oase abgestiegen, die ein grüner Vegetaionsfleck im sonst so staubigen und heißen Canyon ist. Aufgrund blasengeplagter Füße und der Hitze blieben wir dann auch am Pool hängen, anstatt weiterzuwandern. Für den Rückweg genehmigten wir uns dann auch den Luxus des steilen Aufstiegs auf dem Rücken von Mulis. Mulis sind wirklich robuste Lasttiere und eine Mischung aus Pferd und Esel, sowohl Größe als auch Aussehen betreffend, wobei ein Muli deutlich mehr Traglast weggeschafft bekommt (80 Kg, ix 160 vs Esel). Leider vertrug Juana, Dinas Muli und Erste in unserer kleinen Karawane, das Oasenwasser nicht sehr gut und erfreute mich als Dahinterreitenden volle zwei Stunden mit beachtlichem Stuhlgang und ausschweifenden Flatulenzen.

Zurück in Arequipa wurde noch zwei Tage die lokale Küche genossen, bevor es mit Oltursa acht Stunden gen Nasca gehen sollte.





Machu Picchu.

7 06 2009

Ort: Machu Picchu (PER)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: semitropisch

Zur Vorbereitung auf Machu Picchu gab es Lektüre. Bei einem betrunkenen Buchhändler in Cusco konnte Hiram Binghams „Lost City of the Incas“ erstanden werden. Daneben fand sich noch ein anderer Klassiker, „Mein Kampf“ von Adolf Nazi in der spanischen Ausgabe. Doch vom gescheitelten Mann mit dem hässlichen Bärtchen hat uns Guido Knopp schon genug berichtet, dieses Mal hieß es etwas über die Inkas zu lernen.

Zuerst mal waren die Inka keine eigene Volksgruppe und hatten auch nicht das Geringste mit unserem Zonensternchen Inka Bause zu tun, sondern bezeichnet die Jahrhunderte alte Dynastie einer Königsfamilie. Sie hatten über 200 Ethnien unterworfen und ihr Imperium erstreckte sich in ihrem Höhepunkt vom ecuadorianischen Quito, über ganz Peru, der Hälfte Boliviens, den Norden Argentiniens bis hin zu der Stadt, die man heute unter dem Namen Santiago de Chile kennt. Dreizehn Inka sollen geherrscht haben, doch nur die Existenz der letzten vier ist historisch verbrieft. Denn im Gegensatz zu anderen Hochkulturen, wie den Griechen oder den Maya, hat sich keine Schriftsprache erhalten, die über Alltag, Mythen oder Tradition Auskunft geben kann. Nur die Lautsprache Quechua hat sich langfristig manifestiert und wird noch heute von vielen originären Bevölkerungsgruppen gesprochen. In der historischen Betrachtung sind die Chroniken der ersten spanischen Missionare und Konquistadoren die wichtigsten Informationsquellen.

Bei Machu Picchu sieht das allerdings etwas anders aus. Die Ruinen liegen hoch in den Bergen in einem der unzugänglichsten Teile der Anden, unsichtbar vom Tal aus und so auch für die Spanier. So beruht alles was man heute weiß, auf Spekulationen und Erkenntnissen anderer inkaischer Ruinenstädte. Selbst der Name ist bis heute nicht 100%ig geklärt, so dass man den Ruinen kurzerhand den Namen des Berges Machu Picchu (Quechua: „Alter Berg“, Anm. d. Red.) gab.

Man geht davon aus, dass die Stadt ein geheimes Refugium für die herrschenden Inkas, die Adligen und ihre Familien waren. Es sollen Tausende Menschen über drei Generationen, also etwa 150 Jahre, an dem Bauwerk höchster architektonischer Finesse gearbeitet haben. In der Stadt, in der bis zu 500 Personen gelebt haben müssen, konnte vollkommen autark existieren. Es gab über 100 handselektierte Mädchen und Frauen, die Jungfrauen der Sonne, die dazu bestimmt waren, exquisite Speisen zu bereiten, Chicha zu brauen und feinste Alpakagewänder zu weben. Es gab Militär, das den einzigen Eingang zu Stadt verteidigen sollte, einen Sonnetempel füer zeremonielle Anlässe, erhabene Königsgemächer, und eine astronomische Beobachtungsstation mit einer Sonnenuhr, dessen Zeiger aus der Spitye des machu Picchu Massiv gemeisselt worden war. Mais und Kartoffeln wurden auf eigene Terrassen angebaut, Früchte kamen zusätzlich aus den tropischen Tälern und die künstlich angelegte Wasserversorgung wurde aus einer Quelle des Berges gespeist. Im Katalog von Neckermann Reisen, wäre so etwas sicher unter „5-Sterne-All-Inklusive-Luxus-Resort“ in idyllischer, ruhiger Lage fernab von Pöbel und Gesocks gelaufen.

Doch mit dem Untergang der Inkadynastie geriet die Stadt in Vergessenheit und die Natur holte sich zurück, was ihr gehörte. Bis eben jener Hiram Bingham 1911 von einem Bauern zu den Ruinen geführt wurde und unter üppiger Vegetation die „Lost City of the Incas“ entdeckte. Nach mehreren Expeditionen konnte aber auch er sich in die lange Liste der Konquistadoren einordnen, denn die 40.000 Fundstücke von Machu Picchu sind heute nicht etwa nationales Kulturerbe Perus, sondern lagern im Museum der Universität von Yale.

Unsere Entdeckungsreise lief glimpflicher ab und in etwa so: Zuerst mal aufgeregt gewesen. Dann von Cusco mit Bus und Bahn via Ollantaytambo nach Aguas Calientes am Fuße des Machu Picchu Massivs. Immer aufgeregter. Die Stimmung war in etwa so, wie für einen 6-jährigen einen Tag vor Weihnachten. Am nächsten Morgen 4:15 Uhr aufgestanden und in die lange Busschlange eingereiht. In der Morgendämmerung angekommen und da lag es wirklich vor uns – Machu Picchu. Dann quer über die Anlage, um sich für die Besteigung des Huayna Picchu („Junger Berg“, Anm. d. Red.) registrieren zu lassen, da es nur 400 Priveligierten pro Tag vergönnt ist, den Anblick von ganz oben genießen zu dürfen. Als #76 & 77 den steilen, einstündigen Aufstieg gemeistert und mit sensationellem Panorama und Hochgefühlen belohnt worden. Dann unseren angeheurten Guide mit dem klingenden Namen Ramiro Tupacyupanqui-Lima für fünfeinhalb Stunden in die Geheimnisse der Ruinen einführen lassen, bevor es 14:30 Uhr erschöpft aber glücklich wieder zurück nach Cusco gehen sollte.

Und ja, das war schon ganz großes Tennis oder um es mit den gängigen Worten niedrigpreisiger Frauenmagazine zu sagen: „Träume werden manchmal wirklich wahr.“