Nordland.

30 11 2009

Ort: Nordland (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Neuseeländisch wechselhaft

Nun ging es also endlich on the road. Eine Woche Nordland war geplant. Eine Woche im winterlosen Teil nördlich von Auckland, westlich bis hoch ans Cape Reinga und an der Ostküste wieder zurück nach Auckland.

Zuerst ging es in die unattraktive Geisterstadt Dargaville. Schon auf der Fahrt wunderten wir uns, dass wir an einem Samstagabend kein einziges Licht in den Häusern brannten sahen, keinen einzigen Menschen auf den Straßen. Wir waren im neuseeländischen Outback. Alles tot. Das einzige was von existierendem Leben sprach, war der volle Parkplatz vor dem lokalen Pub, wohin natürlich jeder mit dem Auto hinfährt.

Nach einem Frühstücksabstecher zu Baylys Beach ging es weiter zu den Kai Iwi Lakes. Doch schon der Oktober war der kälteste seit Ende des Zweiten Weltkriegs und die Zeichen standen noch nicht wirklich auf Frühling. Viel Regen und viel Wind hatten wir in den ersten Tagen aber immerhin waren wir im winterlosen Norden, denn auf der Südinsel wurde vor ein paar Tagen noch meterhoch Schnee geräumt.

In den Zwillingsstädten Opononi und Omapere hätten wir an der War Memorial Hall über Nacht parken können, doch auch schon wie in Dargaville trieben sich da einige fragwürdige Gestalten herum.

Und apropos War Memorial Hall. Ein klassischer Fall von Minderwertigkeitskomplex, sogar noch schlimmer als in Australien. Als ehemalige Kolonien des Vereinigten Königreich fühlten sich unsere Freunde von Down Under nämlich in die Pflicht genommen, als Anfang des 20. Jahrhunderts im fernen Europa ein Weltkrieg ausbrach. Das Mutterland England war natürlich froh über jedes Kanonenfutter und so kämpften australische und neuseeländische Einheiten gegen Deutschland auf dem bedeutendsten Schlachtfeld Europas. Gallipoli. Was noch nie gehört? Zu Recht! Gallipoli ist eine kleine Halbinsel in der Türkei auf der Tausende Soldaten für nichts und wieder nichts ihr Leben ließen. Von England blind ins Feld geschickt, war Gallipoli für die tausende Kilometer entfernten ozeanischen Länder so bedeutend wie Schweinekoteletts auf einem türkischen Wochenmarkt. Heute gibt es hier in jedem kleinen Kaff ein Versammlungshaus, dass den Gefallenen von Gallipoli gewidmet ist. Es kommt einen so vor, als wenn hier immer wieder betont werden will, dass der Zwerg NZ auch mal mitgespielt hat, auch wenn sie als letztes ins Basketballteam gewählt wurden. Schön sind auch die ganzen Bunkerruinen, die auf der ganzen Insel verteilt sind. Wenn einem davon berichtet wird, fällt dann auch immer der Nachsatz, dass sie nie wirklich benutzt wurden, weil leider keiner Neuseeland okupieren wollte. Ich verdrücke eine Träne und hoffe, dass es beim nächsten Mal besser laufen wird.

Es ist ja nicht so, dass Neuseeland nichts zu bieten hätte, es liegt nur einfach mal verdammt weit weg. So findet man immer mal wieder exotische und endemische Exemplare aus Flora und Fauna. Heute: Kauri-Fichten. Die nadelhölzigen Baumriesen gibt es nur im subtropischen Teil auf der neuseeländischen Nordinsel und davon auch nicht mehr viele, da sie wegen ihres vorzüglichen Holzes und eines bernsteinartigen Baumharzes reihenweise abgeholzt wurden. Der größte noch stehende Kauribaum ist Tane Mahuta, der „Gott des Waldes“. Er ist etwa 2.000 Jahre alt, 51,5 m hoch und bei einem Stammumfang von 13,8 m muss man sich ganz schön lang machen. Doch heute existieren nur noch 150 von ehemals 1 Million Hektar der altehrwürdigen Baumriesen. Ein Schicksal, dass viele Waldregionen getroffen hat. Nach 80 Millionen Jahren Isolation hat es der Mensch in kürzester Zeit geschafft, den Baumbestand von ehemals 85% Landabdeckung auf einen vernichtend kleinen Anteil zu reduzieren.

Und dann ging es endlich an die nördlichste Spitze Neuseelands, an Cape Reinga. Man kann an einem 90 Meilen langen Strand entlang fahren, doch Rosarka läuft nicht mit Allrad und wir hatten keine Lust auf Experimente im Sand. So ging es also ganz langweilig auf Bitumen bis zum Kap. Naja fast, denn hier und da gab es noch schön Schotterpiste, die uns immer schön eingestaubt hat.

Wir versuchen ja immer einen kostenlosen Stellplatz für die Nacht zu bekommen, da man bei der Übernachtung am leichtesten sparen kann, vor allem, wenn man im Van schlafen kann. Uns wurde gesagt, dass sei in NZ kein Problem, man könne überall parken, wo kein Schild steht. Doch dummerweise standen an jeden öffentlichen Platz mit Toiletten auch Schilder, die das Parken über Nacht ausdrücklich verboten.

Aber das Department of Conservation, die sich um Nationalparks und Wanderwege in ganz NZ kümmert, unterhält auch Campingplätze. Die sind zwar nicht immer umsonst, kosten etwa 4€ pro Person und sind damit deutlich günstiger als jeder private Campingplatz. Zudem haben sie meist die beste Lage und wir freuten uns über einen Stellpatz direkt hinter der Düne am Meer in der Tepotupotu Bucht.

Ach und immer wieder diese Maori-Namen. Nicht unbedingt leicht einzuprägen, oftmals sehr ähnlich klingend und vor allem auf der Nordinsel überall zu finden. Aber ein Zeichen dafür, dass die Maori-Kultur in Neuseeland sehr gut integriert und essentieller Bestandteil der nationalen Identität ist. Ganz anders also im Vergleich zu Australien, wo die Aborigines einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft haben, obwohl sie doch mittlerweile den Status als anerkannte Ureinwohner der letzten 40.000 Jahre haben.

Nach archäologischen Erkenntnissen ist die Kultur der Maori auf Neuseeland noch recht jung – etwa 2.000 Jahre alt – und Resultat polynesischer Wanderbewegungen. In der Maori-Überlieferung ist ihre Kultur sogar noch jünger, denn Kupe, der große Seefahrer des Pazifiks, soll erst 925 n. Chr. als erster Neuseeland entdeckt haben. „He ao, he ao, he ao tea, he ao tea roa!“ – „Eine Wolke, eine Wolke, eine weiße Wolke, eine lange weiße Wolke!“ sollen die ersten Worte von Kuramarotini, der Frau Kupes, gewesen sein. Und so heißen die Inseln eigentlich Aotearoa, das Land der langen weißen Wolke.

Nachdem wir ein Stück auf dem spektakulären Küstenwanderweg gen Cape Reinga gewandert waren, sind wir dann doch mit Rosarka zum Cape gefahren. Der Ort, wo die raue Tasmanische See und der Pazifische Ozean zusammentreffen, der Wind hart bläst und die Brandung krachend bricht, ist aber nicht nur als wildes Naturschauspiel bekannt, sondern auch der spirituell bedeutendste Ort der Maori auf Neuseeland.

An der nördlich ausgerichteten Spitze von Te Rerenga Warua, so der Maori-Name, steht ein nie blühender Pohutukawa Baum. Die animistische Glaubensvorstellung der Maori sagt, dass an seinen Wurzeln die Seelen der Verstorbenen ins Meer herunter rutschen, um in die Unterwelt zu verschwinden. Auf den vorgelagerten „Three Kings Islands“ steigen sie nochmal auf die höchste Erhebung für einen letzten Abschied hinauf, bevor es endlich in das Land der Urahnen, nach Hawaiiki-A-Nui geht.

Für uns ging es aber auf dem Trockenen und ganz real mit Rosarka zu einem anderen DoC Campingplatz namens Spirits Bay, von wo es am nächsten Morgen in die Te Paki Sanddünen ging. Wir waren zu früh dran für’s Sandboarding, daher erkundeten wir zu Fuß die über 100 m hohen Dünen. Wüste direkt am Meer.

Nach der nördlichen Spitze des Nordlandes ging es nach Osten in die Bay of Islands, also die Bucht der Inseln. Dort gab es eine 6-stündige Bootsfahrt auf den alten Wasserwegen der Versorgungsschiffe im Inselsystem, „The Cream Trip“ genannt. Wir hatten das Glück, gleich 2x Delphine zu sehen, faulenzende Robben und sogar einen blauen Pinguin, der mit nur maximal 41cm der kleinste seiner Art ist. Auf der Insel Urupakupaku gab es einen herrlichen Blick und wir waren schon fast etwas traurig, dass es die Zeit nicht erlaubte auf einer der DoC Campsites zu bleiben.

Dann kurz Pipi machen in den Hundertwasser-Klos in Kawakawa und ab nach Whangarei, wo mal wieder Couchsurfing angesagt war. Diesmal waren wir bei Matt und Stu, 2 richtigen Kiwis, untergekommen. Es gab lecker BBQ und wir lernten mal wieder eine Menge anderer Surfer kennen.

Zum Abschluß gab es noch einen Abstecher in den Tawharanui Regional Park am Cape Rodney. Es ist ja nicht so, dass nur die Nationalparks einen Besuch wert sind, sondern auch die vielen regionalen Parks sind mehr als sehenswert.

Ach furchtbar dieses Neuseeland. Im Vorfeld wurde uns gesagt, dass neun Wochen mehr als genug seien. Aber wir merken schon jetzt, dass das bei weitem nicht reicht. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu tun. Wir wären gern hier und da noch etwas länger geblieben, doch nach einer Woche Nordland ging es zurück nach Auckland.

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Planung: projekt365

22 07 2008

Endlich geht es los.

Die Planungen haben begonnen. Basis ist das WildWildWeb, vor allem mit den 2 Foren: Weltreise-info.de und dem Weltreiseforum von Worldtrip.de
Februar 2009 soll es losgehen – 365 Tage rund um den Globus.
Der erste Entwurf des Projekts 365:

DUS – Argentinien (Buenos Aires)
Buenos Aires (inkl. Abstecher nach Uruguay) ca. 2 Wochen
Patagonien/Feuerland ca. 4 Wochen (Mitte März) per Surface
Ushuaia (Feuerland) nach Buenos Aires/Santiago per Inlandsflug
(hier evtl. Surface von Buenos Aires nach Sanstiago, wenn es keinen Flug von Ushuaia nach Santiago geben sollte)
Chile (Santiago) und spez. Nordchile ca. 4 Wochen (Mitte April) per Surface
Bolivien per Surface ca. 4 Wochen (Mitte Mai)
Peru per Surface ca. 4 Wochen (Mitte Juni)
Ecuador per Surface 4 Wochen (Mitte Juli)
Von Quito nach Santiago per Inlandsflug
Ab Santiago gen Westen…

Laut Übersicht über die besten Reisezeiten pro Region (klick hier) sollte alles soweit klimatisch passen, Argentinien und Chile am Jahresanfang und in den Sommermonaten Richtung Altiplano.

Jetzt würde es folgerichtig gen Australien und Neuseeland gehen, vielleicht ist auch ein Zwischenstopp auf den Osterinseln oder Franz. Polynesien drin. Gauguins Südseeträume würden auch uns schmecken.

Gemäß Timing würde das etwa so aussehen:

Australien ca. 12 Wochen (Mitte Jul/Aug/Sep/Mitte Okt)
Start in Sydney und via Queensland, Northern Territory über Victoria zurück nach Sydney, um dem kalten Wetter zu entfliehen, Surface backtracking

Neuseeland (Auckland) ca. 6 Wochen (Mitte Okt/Nov)
Rundreise auf beiden Inseln, da jetzt die Temperaturen wieder zumutbares Niveau erreicht haben sollten

Danach würden noch ca. 2 Monate (Dez & Jan) für SOA bleiben, was konkret Malaysia und Singapur heißen würde, wenn es denn umsetzbar sein sollte.
Meilenstein 1 ist also erreicht. Der erste Entwurf steht.