Weiße Wüsten und farbige Lagunen.

24 04 2009

Ort: Südwestbolivien (Potosí Provinz)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis staubig

Ostermontag ging’s los. Sollte es zumindest. Denn es gab kleine Verzögerungen wie kein Wasser und auch kein Benzin in ganz Tupiza. In der Nacht hatte es auch schon nach starkem Regen unser Dach durchweicht und uns ein schönes Loch mit tropfenden Wasser in die Decke gezaubert. Irgendwie war das das Bolivien, das wir uns vorgestellt hatten.

Nach eigentlich nicht nennenswerter Verspätung von 1,5 Stunden ging es dann aber wirklich los. Mit uns im Jeep, der Marke Toyota Landcruiser, waren noch zwei andere Erstweltbewohner, nämlich Kate und Mark aus Brisbane, Australien, dann unsere Köchin Delizia, was man wohlwollend von delicioso also köstlich ableiten kann und schlußendlich Juan Carlos, unser Fahrer, Guide und Mädchen für alles. Darüberhinaus begleitete uns ein weiterer Jeep, der mit zwei Londonern und einer Irin sowie einem Neuseeländer bestückt war. Es stellte sich schnell heraus, dass wir die einzigen der spanischen Sprache mächtig waren. Gebürtige Englischsprachler, die wir in den letzten 12 Wochen getroffen haben, verlassen sich oft auf die tolle Weltsprache und ihre Spanischkenntnisse sind oftmals shocking. So wurde z.B. auf ein herzhaftes „Buon Provecho“ („Guten Appetit“, Anm. d. Red.) ein freudestrahlendes „Buenos dias“ („Guten Tag“, Anm. d. Red.) geantwortet. Ihr oftmals hilfloses Gestammel sorgte doch für den ein oder anderen Schmunzler.

Hier ein kleiner Nationalitätenexkurs: Also zuerst mal sind 90% der Leute, die man in Hostels oder immer mal wieder in der Stadt oder auf Touren trifft, Langzeitreisende, die mindestens drei Monate in Südamerika unterwegs sind. Am dominantesten vertreten sind Briten, da in UK ein sogenanntes Gap Year recht populär ist. Man trifft aber auch viele Holländer und Franzosen, immer mal wieder Skandinavier oder Leute von Down Under. Deutsche? Sehr sporadisch. Und dann sind da noch die Israelis, die nach ihrem mehrjährigen Wehrdienst (drei Jahre für Männer, zwei für Frauen) durch Südamerika marodieren. Zumeist in Gruppen, seltener einzeln unterwegs benehmen sie sich wie die Axt im Wald. Wenig Anstand, laut, aufdringlich, ignorant, arrogant, unverschämt. Und das interessante ist, dass diese Meinung von vielen nicht-isrealischen Reisenden geteilt und von Einheimischen ebenfalls bestätigt wird. Israelis wollen immer alles, schnell und billig. Qualität spielt meist eine untergeordnete Rolle. Berichtet wurde u.a. auch von „No Isrealis“ Schildern an Hostels in Nepal. Nichtsdestotrotz sind alleinreisende Israelis nicht dem Gruppengehabe unterlegen und weitaus offener und kontaktfreudiger. Trotzdem, wenn man bedenkt, dass in Südamerika bis zu 100.000 Israelis pro Jahr unterwegs sein sollen, kann man sich kaum schlechtere Botschafter für’s eigene Volk vorstellen. Aber Imageprobleme hatte Israel ja noch nie.

Doch zurück nach Bolivien. Den ersten Tag ging es von Tupiza ins Hochplateau oder auch Altiplano, wie es hier von den Einheimischen liebevoll genannt wird. Es wurde eine neue Strecke befahren, man sollte aber nicht dem Trugschluß erlegen sein, dass neu auch gut bedeutet. Nein im Gegenteil, der Weg war holprig und auf verschlungenen Pfaden. Aber es gab Lamas (domestiziertes Nutztier) und Vicuñas (wildes, elegantes Andentier, begehrte Wolle) zu sehen, hier und da sprang ein Vizcacha, eine Art Andenhase, der mit seinem langen Schwanz wie eine Mischung aus Feldhase und Eichhörnchen erscheint, über den Weg und mächtige Kondore zogen ihre Kreise. Nach mehreren Stunden umfangreichen Bestaunens der Landschaft waren wir in unserer ersten Behausung in einem kleinen Kaff namens Kollpani angekommen. Und wenn ich Kaff sage, dann meine ich Kaff. Nicht so wie Hoyerswerda, sondern ohne fließendes Wasser und Strom nur mit Hilfe eines Generators von 19 – 22 Uhr. Die Matratzen waren auf massiven Betonblöcken gebettet, das Dach war aus Wellblech und es war bitterkalt. Naja so um die 3 Grad Celsius. Besonders für die Australier schockierend, da sie Brisbanes Winter mit Minimaltemperaturen von etwa 15 Grad gewohnt waren. Das Essen war dagegen umso besser und mit voller Plautze ging es in die warmen Daunenschlafsäcke.

Der zweite Tag brachte Lagunen und Flamingos und noch mehr Lagunen mit Flamingos. Durch verschiedene Sedimentablagerungen und Mineralien schimmern diese in verschiedenen Farbtönen und haben so auch ihre Namen bekommen. Grüne Lagune, blaue Lagune, gelbe Lagune, usw. Toll. Es konnte zudem in 35 Grad warmen Quellen gebadet werden, wo mich die bolivianische Klofrau über den Tisch ziehen wollte und die Wüste von Dalí bestaunt werden, deren Name sich von den bizarren Felsformationen ableitet. Highlight des Tages aber waren die heißen Geysire auf 5.000 m Höhe, die recht aktiv vor sich hin brodelten und einen lieblichen Geruch von faulenden Eiern verbreiteten. Dann wieder essen, wieder nicht duschen, schlafen.

Tag drei ging zunächst durch die Wüste Siloli und wir konnten den Arbol de Piedra (Baum aus Stein, Anm. d. Red.) auf Photos und in unseren Herzen verewigen. Dann wieder mit dem Jeep weiter gen Norden zum kleinen Salzsee Chiguana, der uns mit Fata Morganas verblüffen konnte. Der Horizont schien deutlich einen See, wenn nicht einen Ozean, zu zeigen, doch dann fiel es uns wieder ein: Trockenzeit, Binnenland, Salzsee. Mutter Natur hatte uns ein Schnippchen geschlagen. Der letzte Abend wurde dann fein in einem Hostel ganz aus Salz verbracht. Wände, Betten, Tische, Hocker – alles aus Salzblöcken. Und endlich auch eine Dusche mit warmen Wasser. Naja so eher: heiß, kalt, heiß, kalt. Es war verdammt staubig die letzten Tage und die Dusche trotzdem ein Segen. Und nein, es war kein Salzwasser.

Der letzte Tag der Tour führte dann noch vor Sonnenaufgang zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt, wo man die Erdkrümmung am Horizont erkennen kann. Etwa 160 Km im Durchmesser und in der Trockenzeit mit salinen Kachelmustern bestückt, die das aufsteigende weil verdunstende Wasser formiert. Wie zu erwarten ging dann die Sonne auf. Allerdings unerwartet haben wir eine Insel namens Incahuasi mit Riesenkakteen bewachsen mitten auf dem Salzsee vorgefunden. Dann ne Menge Blödsinnsphotos gemacht, ein altes Salzhotel besucht, Menschen beim Salz schöpfen beobachtet und die Tour in der kleinen, dreckigen Stadt Uyuni beendet. Und eigentlich wäre es ein leichtes gewesen uns mit Brot und Salz zu empfangen, doch die Zeichen standen eher auf Magen-Darm-Viren. Das unschöne Ende einer schönen Tour.

In den vier Tagen hat uns ein vielfältiges Hochplateau mit Wüsten und Lagunen, bizarren Steinformationen und Geysiren so manches Ooooh und Aaaah entlockt. Es war fein. Und ja, wir würden es wieder tun. Doch es muss immer weiter gehen. Und zwar nach Sucre, der verfassungsrechtlichen Hauptstadt Boliviens. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Osterreiten in Bolivien.

21 04 2009

Ort: Tupiza (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig, mit Regen

So, nun also Bolivien, das immer noch ärmste Land Südamerikas und neben Paraguay das einzige, dass keine Küstenanbindung hat. Tiefland im Norden und Osten, mit Regenwald und Pampa, und Hochland im zentralen Teil sowie im Südwesten, mit Absonderlichkeiten wie der höchst gelegenen Hauptstadt der Welt, La Paz (ca. 4.000 m üNN) und dem größten Salzsee der Welt, dem Salar de Uyuni im südwestlichen Altiplano. Und Tupiza, 3 Stunden hinter der Argentinischen Grenze und im Süden Boliviens gelegen, sollte unser Ausgangspunkt für eine mehrtägige Tour hin zu weißen Wüsten und farbigen Lagunen sein.

Tupiza liegt geschmeidig auf knapp 3.000 m Höhe und war wieder ein Schritt, um uns an die Höhe zu gewöhnen und sich zu akklimatisieren. Mit den Höhenunterschieden ist nicht sonderlich zu spaßen, auf 4.000 m Höhe hat man nur etwa halb so viel Sauerstoff wie auf Meereslevel, was für den Körper Stress heißt. Kleine rote Blutkörperchen müssen produziert werden, um nicht sofort außer Atem zu kommen und die Kopfschmerzen und Schwindelgefühle einzudämmen. Die Argentinische Fußballnationalmannschaft musste sich vor ca. drei Wochen bei einem Weltmeisterschaftsqualifikationspiel in La Paz mit 6:1 gegen den nullmaligen Weltmeister Bolivien geschlagen geben und hat sich bis auf die Knochen blamiert. Der dicke Diego, mit seinen Messis und Tevez, wollte den Fußballgigant Bolivien mit Leichtigkeit vom Platz fegen. Für diese historische Niederlage gab es ordentlich Hohn und Spott in der Heimat, Freudentaumel in der Republica de Bolivar.

Am Karfreitag konnten wir dann einer 3-stündigen Prozession durch die Straßen des vorbildlich christianisierten Städtchens Tupizas beiwohnen, die dem Leidensweg Christi nachempfunden war. Laienschauspieler stellten die verschiedenen Etappen mit Kreuzigung, Auferstehung usw. entlang der Route dar, während der Prozessionszug durch feierlichen Gesang und Musik einer Blaskapelle unterhalten wurde. Und wir konnten auch etwas mitleiden, denn die Dieselabgase des Nissan Patrol mit Verdener Kennzeichen, der Teil der Prozession war, nahmen einem die Luft zum atmen.

Abgestiegen waren wir für einen schmalen Taler im La Torre Hotel, die neben Touren zum Salar auch Reitausflüge anbieten. Also ein neuer Versuch hoch zu Roß und diesmal mit Guide, der uns sicher in die schöne Umgebung von Tupiza geführt hat. Spaßig wurde es als der teils mit Hagelkörnern garnierte Regen einsetzte und sich die Welt über Bolivien auftat. Naja alles in allem recht nett, aber „nett“ ist ja bekanntlich die kleine Schwester von „Scheiße“. Naja, es war schon ganz okay.

Vielversprechender und als ein großes Highlight jeder Südamerikatour gepriesen, ist die Tour zum Salar der Uyuni. Ostermontag sollte es losgehen. Zwei 4WD Toyota Landcruiser Jeeps, zwei einheimische Fahrer und eine Köchin sowie acht Menschen aus der ersten Welt, begierig die Schönheit Boliviens kennen zu lernen. Für vier Tage und drei Nächte wird es also von Tupiza nach Uyuni gehen und wir werden bis auf 5.000 m Höhe steigen. Zu weißen Wüsten und farbigen Lagunen.





Planungs-Update: projekt365

23 08 2008

Wann: Start im Feb 2009
RTW Ticket: The World Discovery Plus (ca. 2.000€ total) von Travel Nation oder Westernair.co.uk (29.000 Meilen, 7 Stops)
Kontinente: Südamerika, Australien (inkl. Neuseeland), Asien
Extratickets: mind. 3

In Bildern:

In Worten:

DUS >> London >> BsAs

Argentinien/Südchile (ca. 5 Wochen – Feb/Mär)
PoI: BsAs, Patagonien/Feuerland mit Ushuaia, Punta Arenas, Puerto Natales, Torres del Paine Nationalpark

Punta Arenas >> Santiago

Nordchile (ca. 3 Wochen – Mär)
PoI: Valparaiso, Calama, San Pedro, Atacama Wüste

Bolivien (ca. 5 Wochen – Apr/Mai)
PoI: Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa, Uyuni mit Salar, Potosí, Sucre, La Paz, Titicaca See, Copacabana, Rurrenabaque

Peru (ca. 6 Wochen – Mai/Jun)
PoI: Arequipa mit Colca Cañón, Cuzco, Macchu Picchu, Nazca, Lima, Huaraz, Trujillo, Pisco

Ecuador (ca. 4 Wochen – Jun/Jul)
PoI: Cuenca, Baños, Quito, Galapagos, Montañita

Quito >> Santiago >> Sydney

Australien (ca. 12 Wochen – Aug/Sep/Oct)
PoI: Sydney, Brisbane, Cairns, Mt Isa, Alice Springs, Uluru, Adelaide, Twelve Apostle, Melbourne

Sydney >> Auckland

Neuseeland (ca. 9 Wochen – Nov/Dez)
PoI: Auckland, Rotorua, Tongariro National Park, Wellington, Picton, Queen Charlotte Walkway, Wanaka, Queenstown, Lake Tekapo, Christchurch

Christchurch >> Singapur

Singapur/Malaysia (ca. 4 Wochen – Jan)
PoI: KL, Penang, Melakka, Langkawi, Cameron Highlands

Und so schnell sind 365 Tage vorbei.