Stadt. Land. Fluß.

11 04 2009

Ort: Salta – Cafayate – Cachi – Salta (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig

Am Morgen ging es es vorbei an kleinen Dörfern und Tabakfeldern zuerst zur Dique Cabra Coral, einem malerischen Seengebiet. Der VW Gol lag geschmeidig in den Kurven, aus dem Radio tönte ein formidabler Rocksender und die Klimaanlage hielt uns bei heißen Temperaturen einigermaßen wach. Circa 190 Km lagen bis zum Weinort Cafayate noch vor uns und es ging über die gesamte Strecke über die gut geteerte Route 68. Der schönste Streckenabschnitt tat sich etwa 80 Km vor Cafayate auf. Die Quebrada de las Conchas (Schlucht der Muscheln, Anm. d. Red.) oder besser bekannte als Quebrada de Cayafate mit einzigartigen Sandsteinformationen in einer wirklich wunderschönen Landschaft, die Postkartenmotive am laufenden Band lieferte. Die Schlucht wurde durch einen rötlich-braunen Fluß durchschnitten, der in dieser eigentlich sehr trockenen Gegend, eine Vegetation entlang des Flußbettes ermöglicht, die in den verschiedensten Grüntönen schmimmerte. Ach, wat schön.

In Cafayate angekommen, wurde schnell ins Hostel Rusty-K eingecheckt. Cafayate ist hier ein bekannter Weinort, der vor allem einen Weißwein namens Torrontés hervorgebracht hat und mit 360 (jetzt mal kurz überlegen wieviel Tage das Jahr hat) wirklich sensationellen 360 Sonnentagen glänzen kann. Ideale Bedingungen für Weinanbau und so konnten wir auch im Garten des Hostels frische Trauben direkt von den Reben pflücken. Ein Traum. Und weil es so schön war, sind wir gleich nochmal in die Quebrada zurück, um unsere Kameratasche an einem Felskomplex namens La Punilla liegen zu lassen. Dummerweise haben wir es erst nach 45 Minuten bemerkt und in Südamerika bleiben nun mal eben keine Sachen lange unbeaufsichtigt liegen. Glücklicherweise war „nur“ das Teleobjektiv und das Datenkabel sowie mein Presseausweis aus Bangkok drin. Irgendwie hängt uns das Pech an den Hacken. In dem kleinen 11.000 Seelen Ort, war natürlich kein Fachgeschäft zu finden, der führende Anbieter für Photographie war die hiesige Apotheke. Um es hier vorweg zu nehmen, in der Provinzhauptstadt Salta konnten wir ein schnelles Kartenlesegerät erstehen. Das Ladekabel war Gott sei Dank nicht in der Tasche.

Im Hostel haben wir dann zwei Schweden aus Göteborg kennengelernt, die auch von Cafayate nach Cachi wollten, was aber ohne eigenes Vehikel nur sehr schwer möglich ist. Warum haben wir dann selbst erfahren können. So hatten wir mit Johanna und Daniel zum einen lustige Reisebegleitung an Bord und zum anderen konnten wir so unsere Unkosten etwas senken. Der 6-stündige Weg von Cafayate nach Cachi führte fast über die gesamten 180 Km über eine ungepflegte Schotterpiste, die mit der Zeit immer beschissener wurde. Kein Wunder, dass hier kein ÖPNV verkehrt, jeder Bus würde in seine Einzelteile zerfallen. Die Route selber, die ein Teilstück der Route 40 ist, die Argentinien von Nord bis Süd über mehr als 5.000 Km durchzieht, führte durch viele kleine Dörfer, die oftmals nicht mehr als nur aus ein paar einfachen Häusern, einer Kirche und einem Fußballplatz bestanden. Auffallend war, dass in dieser eher schwer zugänglichen Gegend die Kirche immer das best erhaltene Gebäude in einerm makellosen Weiß ist. Typisch für die Region sind auch die kleinen, gepflegten Friedhöfe mit farbenfroh geschmückten Gräbern. Auch wenn die Piste ziemlich mies war, gab es doch viel zu sehen. Chinchillas springen über den Weg, Pimiento, eine Chiliart, wird am Straßenrand getrocknet, Zwiebelsäcke stehen zur Abholung bereit.

Cachi selbst ist ein kleines verschlafenes Nest, dass eine Kirche mit Kaktusdach, einen Bergfriedhof über den Kondore kreisen und eine wunderschöne Lage am Anfang des Valle Calchaquíes und zu Fuße des 6.380 m hohen Nevado del Cachi hat. Ein friedvoller Ort.

Am dritten Tag stand die letzte Etappe unseres Road Trips an. Und weil unsere Fahrgemeinschaft so schön war, sind Johanna und Daniel auch den letzten Abschnitt mit uns gekommen. Der Vorteil eines Mietwagens gegenüber organisierten Touren war natürlich, dass wir so oft anhalten konnten wie wir wollten und so auch auf 4.000 m frühstücken konnten. Die Strecke von Cachi nach Salta durch das pitoresque Valle Calchaquíes gilt zudem als eine der schönsten Routen Argentiniens. Zuerst passiert man den Nationalpark Los Cardones, der 28.000 Riesenkakteen beherbergt, die zwischen 250-400 Jahre alt und bis zu 7 m hoch sind. Eine phantastische Landschaft. Ein Wald voller Kakteen. Noch heute kann man verschiedenste Einrichtungsgegenstände aus Kakteenholz kaufen, für den Häuserbau sind die leichten aber stabilen Kakteenstämme aus Artenschutzgründen allerdings nicht mehr erlaubt. Danach ging es durch das wunderschöne Valle Calchaquíes. Alle gefühlte 10 Minuten gab es einen Photostop, denn die Landschaft ist wirklich faszinierend. Lange Haare, kurzer Sinn, schaut euch die Bilder an.

Bevor wir in die Region gekommen waren, hatten wir eigentlich keinen blassen Schimmer, was uns erwarten wird. Nun haben wir eine der schönsten Gegenden Argentiniens kennenlernen dürfen. Sicher unter den Top 3 bisher.

Mit den Schweden im Gepäck ging es dann wieder ins Hostel Inti Huasi, wo wir pünktlich zum nächsten BBQ eintrafen. Insgesamt waren die drei Tage also eine nette Art die Zeit zwischen den zwei Festmahlen zu überbrücken. Irgendwie war es ein wenig wie nach Hause kommen, nur dass nicht Mutti kocht. Wenn man andauernd unterwegs ist, die Hostels wie Unterhosen wechselt, also etwa alle 3 Tage, ist man froh an einen Ort zurückzukehren, an dem man sich wohlfühlt. Salta und vor allem das Hostel war so ein Ort.

Nächster Stop soll Tilcara, etwa 4,5 Stunden nördlich von Salta, sein, einem kleinen Bergdorf, wo eine vorösterliche Prozession auf uns warten wird.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!





Die Mumien.

8 04 2009

Ort: Salta (ARG)
Zeitunterschied: -5 Std. MEZ
Wetter: Heiter

Die 18-stündige Nachtfahrt mit Andesmar im Coche Cama Bus von Mendoza nach Salta begann vielversprechend. Sylvester Stallone in Cliffhanger. Als weitere Entertainment-Happen warteten ein neben uns sitzender, dicker schnarchender Mann und ein vor uns sich erbrechendes Mädchen. Highlight kurz vor Ankunft war aber die Bingorunde im Bus und eine ältere Dame konnte sich über eine Flasche Rotwein freuen.

Gefreut haben wir uns dann auch, als wir endlich in Salta, der schönsten Stadt Argentiniens, angekommen waren. So sieht das zumindest die Marketingabteilung des örtlichen Tourismusbüros und so ganz Unrecht haben sie nicht. Eine Vielzahl von Kirchen und Kathedralen, der Stadtkern mit Kolonialarchitektur durch und durch und die feine Lage inmitten grüner Hügel. Und ein besonderes Museum, das MAAM (Museo de Arqueología de Alta Montaña), dem Archäologischen Hochgebirgsmuseum.

1999 wurden in der Umgebung von Salta auf dem Llullaillaco Vulkan in 6.700 m Höhe ein Grab mit drei Mumien gefunden, die durch das eisige trockene Klima über 500 Jahre so konserviert wurden, dass sie nach wie vor in sehr gutem Zustand erhalten sind. Die wohl best erhaltenen Mumien der Inca-Epoche erzählen die Geschichte einer rituellen Zeremonie, in der drei Kinder mit Maisschnaps betäubt und lebendig begraben wurden. In der Vorstellung der Inca allerdings konnte nicht von Opfer oder Tod die Rede sein, sondern von der Reise in eine andere Welt. Das waren noch Zeiten damals.

Doch nicht nur die Stadt, sondern auch unsere Unterkunft, das Hostel Inti Huasi (Haus der Sonne, Anm. d. Red.) wusste zu begeistern. Ein schöner Garten, Dachterasse und das vegetarierfreundliche BBQ 2x die Woche. Endlich mal nicht nur Fleisch. Dina was amused.

Und um nicht wieder auf einer Kaffeefahrt zu enden, haben wir uns bei der Autovermietung Alamo für drei Tage einen VW Gol, nein nicht Golf, gemietet und werden die Quebrada de las Conchas und das Valle Calchaquíes mit den beeindruckenden Strecken nach Cafayate und Cachi und wieder zurück nach Salta erkunden. Nach dem BBQ geht’s los.