Bergfest.

12 08 2009

So. Das war’s nun also. Der Drops mit Geschmacksrichtung Südamerika ist gelutscht. Projekt 365 hat Halbzeit. Oder Bergfest, wie es ja auch gern genannt wird. Und vielleicht ist dieser Begriff ja auch der passendere, denn wie bei der Besteigung eines Berges haben wir mit Kolumbien, der letzten unser bisherigen Stationen, den Gipfel erreicht. Doch schöne Analogie hin oder her, es war nicht nur dieses Land, das uns unvergeßliche Momente, Erfahrungen und Erlebnisse bereitet hat.
 
Eine Liebeserklärung an einen Kontinent:

Argentinien (36 Tage)
Wir haben den Tango in den Straßen der pulsierenden Metropole Buenos Aires erlebt. Wir waren in Ushuaia am Ende der Welt und haben uns das raue Klima Feuerlands ins Gesicht peitschen lassen. Wir sind auf dem sich ständig verändernden Eisplaneten namens Perito Moreno Gletscher spaziert. Wir haben Wein in Mendoza genossen, das beste Fleisch gegessen (naja Dina hat mit zumindest gern dabei zugesehen) und haben die einzigartige Landschaft Nordargentiniens mit ihren bizarren Steinformationen und Kaktuswäldern durchquert.

Chile (28 Tage)

Der Torres del Paine Nationalpark wurde mit vollem Gepäck durchwandert und hat uns eine erste Grenzerfahrung beschert. Wir sind deutschen Spuren in der Seenregion gefolgt und haben sensationellen Kuchen gegessen, wilde Murtas am Fuße des Osorno Vulkans gepflückt, die einsame Küste des Pazifiks auf der Insel Chiloé zu schätzen gelernt und uns in Santiago beklauen lassen.

Bolivien (34 Tage)
Die ursprünglichsten Erlebnisse, die größte Vielfalt und das was man vielleicht als „das echte Südamerika“ bezeichnen möchte, gab es im ärmsten Land des Kontinents. Das teils surreal wirkende Altiplano, eine Landschaft aus Eis und Feuer, Wind und Salz; La Paz, das nicht nur die höchste, sondern auch die chaotischste Hauptstadt ist, die weiße Stadt Sucre, die üppig grünen Hügel im Cocaland und unsere unvergesslichen Ausflüge in Pampas und Dschungel im tropischen Norden.

Peru (20 Tage)
Mit den Nachfahren der Inka sind wir leider nicht warm geworden. Trotzdem haben sich mit Machu Picchu und den Nasca-Linien Jugendträume erfüllt. Ansonsten gingen uns die meisten ziemlich auf den Sack, die aggressiven Peruaner im touristischen Süden waren nach den eher distanzierten Bolivianern eher unangenehm.

Ecuador (17 Tage)
Nur 17 Tage und die Gegend, der wir gern noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätten, da uns Land und Leute positiv in Erinnerung geblieben sind. Das entspannte Vilcabamba im Tal der Langlebigkeit, die originalen Märkte in den Andendörfern, die Äquatorüberquerung an der Mitte der Welt und eine Rasur bei der ältesten Frisierstube Quitos.

Kolumbien (40 Tage)
Die Tatsache, dass wir Kolumbien zuerst gar nicht auf dem Schirm hatten und dann doch die meiste Zeit in diesem wunderbaren Land verbrachten, sagt eigentlich schon alles. Es war das erste Land in dem wir nicht nur symbolisch mit einem Lächeln, sondern auch wortwörtlich mit einem herzlichen „Bienvenidos“ Willkommen geheißen wurden. Die Kolumbianer sind einfach ein schneidiges Völkchen, unfassbar hilfsbereit und schon teilweise ekelhaft freundlich. Hier hat die Mischung aus Land und Leuten einfach am besten gestimmt. Die Zeit verflog einfach wie im Flug. Denn auch wenn wir in den sechs Wochen vieles gesehen haben, haben wir auch auf einiges verzichten müssen. Im Tayrona konnten nicht so lang bleiben wie geplant, für eines der letzten Abenteuer in Südamerika, der Trek zur Ciudad Perdida, waren wir zu schwach, für einige versteckte Juwelen wie Mompox oder die pazifische Ostküste fehlte uns einfach die Zeit, den Besuch der Salzkathedrale Zipaquira haben wir deshalb gleich auf’s nächste Mal vertagt. Wir kommen nämlich wieder.
 
 
Doch auch für Statistikfreunde mal ein paar harte Fakten:

8 offizielle Länder wurden mit Stempel im Pass verbrieft plus ein mysteriöses Land namens Machu Picchu. Wir haben 175 Tage auf dem südamerikanischen Kontinent verbracht und dabei in über 50 verschiedenen Hostels, Hütten oder Zeltplätzen genächtigt. Um dorthin zu kommen haben wir etwa 15.000 Km in und auf Bussen, Jeeps und Taxis verbracht. Das hieß 350 teils nervenaufreibende und stressige Stunden in besagten Fortbewegungsmitteln zu Land (Projekt365 hat somit netto 14 Tage fahrend verbracht), bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von ca. 43 Km/h. Doch auch in der Luft wurde gereist: 19.000 Km im Flugzeug, bei nur 25 Stunden in der Holzklasse und somit marginal schneller als zu Land. Wir mussten 2x ins Krankenhaus, beide Male im fortschrittlichen Industriestaat Bolivien. Über 9.000 Photos wurden geschossen. Und nicht zu vergessen die unzähligen Wanzenbisse.
 
 
Auch kulinarisch war Südamerika eine Offenbarung:
 
Auf den zahlreichen Märkten, Restaurants und Saftläden fiel uns immer wieder mal etwas Neues vor die Füße und wir haben versucht soviel zu probieren, wie es Neugier, Ekelgrenze und Moral zuließen. Den frischen Frosch-Shake aus dem Mixer auf dem Markt in Cusco (Peru) hätte selbst ich nicht herunterbekommen. Obwohl für mich natürlich gerade die exotischen Schmankerl die kulinarischen Höhepunkte waren. Angefangen mit Königskrabbe aus patagonischen Gewässern, über Lama- und Alpakafleisch im Andenhochland, den krokanten Meerschweinchen in Peru, frittierten Schenkeln von Amazonasfröschen in Ecuador bis hin zu den gerösteten Riesenarsch-Ameisen aus Kolumbien. Das war schon was feines.

Na gut, für Dina war es schon oft ein hartes Brot etwas vernünftiges Vegetarisches zu essen zu finden. Die lokale Küche war in der Regel sehr fleischlastig, aber es gab auch viele pflanzliche Neuentdeckungen, wie Quinoa, Amaranth oder Yucca, oder solche, die maximal über leckeres Fruchtfleisch verfügten.

Hier mal ein Liste an probierten Früchten zum angeben:

Chirimoya (Zimtapfel), Babaco (Berg-Papaya), Papaya Arequipeña, Platano Manzana, Lulo (Naranjilla), Guave (Guayaba), Zapote, Níspero (Japanische Wollmispel), Feijoa (Brasilianische Guave), Guanabana (Stachelannone), Achotillo (Rambutan), Tomate de Arbol (Baumtomate), Tumbo (Curuba), Lucuma, Maracuyá (Passionsfrucht), Murta (Chilenische Guave), Pepino (Melonenbirne), Grenadilla.

Ich durfte zudem über 35 neue Biersorten kennenlernen und habe dabei vor allem das kolumbianische Club Colombia (aus der Brauerei Bavaria, die wie der Name vermuten lässt, von einem Deutschen gegründet wurde, Anm. d. Red.)), das chilenische Baguales und das argentinische Bier der argentinischen Kleinstbrauer in El Bolson schätzen gelernt. Aber die heimatlichste Begegnung gab es sicherlich in der Brauerei Kunstmann in Chile, da der alte Kunstmann aus einem Nachbardorf meiner Kindheit kam.
 
 
Doch was uns sicherlich auch mehr als verblüfft hat, war das gehobene Interesse am Projektblog. Mittlerweile gibt es über 45.000 Klicks auf der Seite, über 100 Newsletterabonnenten oder die mehr als 120 Kommentare zu den etwa 70 Artikeln. Die Redaktion möchte hiermit ihr Wohlwollen ausdrücken und sich auch bei der Firma Google bedanken, die ihre Kunden immer wieder mit tollen Suchanfragen auf unsere Seite leitet. „Kokain besorgen Düsseldorf“, „heiter Erlebnisse mit Meerschweinchen“ oder auch „Frauen kacken Wald“ waren dabei nur einige wenige Highlights.
 
 
Danke für euer Interesse. Bleibt uns gewogen.

Dina & Matze. In 365 Tagen um die Welt.
 
 
horst sepp

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Wer Wind säht…

8 06 2009

Als ich etwa 7 Jahre alt war, hatte ich wie viele andere Kinder ein Haustier. Sie sollen helfen zu lernen Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Oder man findet es einfach nur putzig. Meins war ein Angora-Meerschwein und hatte den ausgefallenen Namen Mucki. Dann starb Mucki, ohne den Zenit eines Meerschweinchenlebens überschritten zu haben. Böse Zungen sprechen vom Resultat sozialer Inkompetenz. Und Muckis Tod schien nicht ohne Folgen zu bleiben.

So entwickelte ich eine ausgefeilte Meerschweinhaar-Allergie, die sich in ein wirklich atemberaubendes Asthma steigern kann. Doch ich spührte, dass auch für mich irgendwann der Tag der Vergeltung kommen würde. In den Anden gehört Meerschwein, oder auch Cuy, zu den wenigen domestizierten Tieren und ist seit Jahrhunderten eine Delikatesse auf den Märkten und den Speisekarten traditioneller Küchen. Cuy Chactado, ein ganzes Tier mit krokanter Kruste auf einem Tomaten-Zwiebelbett mit Kartoffeln. In Mario Puzos Klassiker „Der Pate“ kann man lesen, dass „Rache ein Gericht ist, das am besten kalt serviert wird“. Nun in diesem Fall wurde das Cuy warm bereitet und es mundete ganz deliziös auch wenn der kleine Racker nicht viel Fleisch hatte. Die Wachtel unter den Nagern sozusagen, geschmacklich aber dem Kaninchen nahe.

Doch Muckis Fluch schien noch nicht erschöpft. Beim Versuch die Photos des Cuy-Festmahles auf mein Notebook zu ziehen, um mich an meiner Vergeltung zu ergötzen, verabschiedete sich die Festplatte meines noch recht jungen Dell-Rechners. 2:1 für Mucki.

Wer Wind säht, wird Sturm ernten.





Weiße Wüsten und farbige Lagunen.

24 04 2009

Ort: Südwestbolivien (Potosí Provinz)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis staubig

Ostermontag ging’s los. Sollte es zumindest. Denn es gab kleine Verzögerungen wie kein Wasser und auch kein Benzin in ganz Tupiza. In der Nacht hatte es auch schon nach starkem Regen unser Dach durchweicht und uns ein schönes Loch mit tropfenden Wasser in die Decke gezaubert. Irgendwie war das das Bolivien, das wir uns vorgestellt hatten.

Nach eigentlich nicht nennenswerter Verspätung von 1,5 Stunden ging es dann aber wirklich los. Mit uns im Jeep, der Marke Toyota Landcruiser, waren noch zwei andere Erstweltbewohner, nämlich Kate und Mark aus Brisbane, Australien, dann unsere Köchin Delizia, was man wohlwollend von delicioso also köstlich ableiten kann und schlußendlich Juan Carlos, unser Fahrer, Guide und Mädchen für alles. Darüberhinaus begleitete uns ein weiterer Jeep, der mit zwei Londonern und einer Irin sowie einem Neuseeländer bestückt war. Es stellte sich schnell heraus, dass wir die einzigen der spanischen Sprache mächtig waren. Gebürtige Englischsprachler, die wir in den letzten 12 Wochen getroffen haben, verlassen sich oft auf die tolle Weltsprache und ihre Spanischkenntnisse sind oftmals shocking. So wurde z.B. auf ein herzhaftes „Buon Provecho“ („Guten Appetit“, Anm. d. Red.) ein freudestrahlendes „Buenos dias“ („Guten Tag“, Anm. d. Red.) geantwortet. Ihr oftmals hilfloses Gestammel sorgte doch für den ein oder anderen Schmunzler.

Hier ein kleiner Nationalitätenexkurs: Also zuerst mal sind 90% der Leute, die man in Hostels oder immer mal wieder in der Stadt oder auf Touren trifft, Langzeitreisende, die mindestens drei Monate in Südamerika unterwegs sind. Am dominantesten vertreten sind Briten, da in UK ein sogenanntes Gap Year recht populär ist. Man trifft aber auch viele Holländer und Franzosen, immer mal wieder Skandinavier oder Leute von Down Under. Deutsche? Sehr sporadisch. Und dann sind da noch die Israelis, die nach ihrem mehrjährigen Wehrdienst (drei Jahre für Männer, zwei für Frauen) durch Südamerika marodieren. Zumeist in Gruppen, seltener einzeln unterwegs benehmen sie sich wie die Axt im Wald. Wenig Anstand, laut, aufdringlich, ignorant, arrogant, unverschämt. Und das interessante ist, dass diese Meinung von vielen nicht-isrealischen Reisenden geteilt und von Einheimischen ebenfalls bestätigt wird. Israelis wollen immer alles, schnell und billig. Qualität spielt meist eine untergeordnete Rolle. Berichtet wurde u.a. auch von „No Isrealis“ Schildern an Hostels in Nepal. Nichtsdestotrotz sind alleinreisende Israelis nicht dem Gruppengehabe unterlegen und weitaus offener und kontaktfreudiger. Trotzdem, wenn man bedenkt, dass in Südamerika bis zu 100.000 Israelis pro Jahr unterwegs sein sollen, kann man sich kaum schlechtere Botschafter für’s eigene Volk vorstellen. Aber Imageprobleme hatte Israel ja noch nie.

Doch zurück nach Bolivien. Den ersten Tag ging es von Tupiza ins Hochplateau oder auch Altiplano, wie es hier von den Einheimischen liebevoll genannt wird. Es wurde eine neue Strecke befahren, man sollte aber nicht dem Trugschluß erlegen sein, dass neu auch gut bedeutet. Nein im Gegenteil, der Weg war holprig und auf verschlungenen Pfaden. Aber es gab Lamas (domestiziertes Nutztier) und Vicuñas (wildes, elegantes Andentier, begehrte Wolle) zu sehen, hier und da sprang ein Vizcacha, eine Art Andenhase, der mit seinem langen Schwanz wie eine Mischung aus Feldhase und Eichhörnchen erscheint, über den Weg und mächtige Kondore zogen ihre Kreise. Nach mehreren Stunden umfangreichen Bestaunens der Landschaft waren wir in unserer ersten Behausung in einem kleinen Kaff namens Kollpani angekommen. Und wenn ich Kaff sage, dann meine ich Kaff. Nicht so wie Hoyerswerda, sondern ohne fließendes Wasser und Strom nur mit Hilfe eines Generators von 19 – 22 Uhr. Die Matratzen waren auf massiven Betonblöcken gebettet, das Dach war aus Wellblech und es war bitterkalt. Naja so um die 3 Grad Celsius. Besonders für die Australier schockierend, da sie Brisbanes Winter mit Minimaltemperaturen von etwa 15 Grad gewohnt waren. Das Essen war dagegen umso besser und mit voller Plautze ging es in die warmen Daunenschlafsäcke.

Der zweite Tag brachte Lagunen und Flamingos und noch mehr Lagunen mit Flamingos. Durch verschiedene Sedimentablagerungen und Mineralien schimmern diese in verschiedenen Farbtönen und haben so auch ihre Namen bekommen. Grüne Lagune, blaue Lagune, gelbe Lagune, usw. Toll. Es konnte zudem in 35 Grad warmen Quellen gebadet werden, wo mich die bolivianische Klofrau über den Tisch ziehen wollte und die Wüste von Dalí bestaunt werden, deren Name sich von den bizarren Felsformationen ableitet. Highlight des Tages aber waren die heißen Geysire auf 5.000 m Höhe, die recht aktiv vor sich hin brodelten und einen lieblichen Geruch von faulenden Eiern verbreiteten. Dann wieder essen, wieder nicht duschen, schlafen.

Tag drei ging zunächst durch die Wüste Siloli und wir konnten den Arbol de Piedra (Baum aus Stein, Anm. d. Red.) auf Photos und in unseren Herzen verewigen. Dann wieder mit dem Jeep weiter gen Norden zum kleinen Salzsee Chiguana, der uns mit Fata Morganas verblüffen konnte. Der Horizont schien deutlich einen See, wenn nicht einen Ozean, zu zeigen, doch dann fiel es uns wieder ein: Trockenzeit, Binnenland, Salzsee. Mutter Natur hatte uns ein Schnippchen geschlagen. Der letzte Abend wurde dann fein in einem Hostel ganz aus Salz verbracht. Wände, Betten, Tische, Hocker – alles aus Salzblöcken. Und endlich auch eine Dusche mit warmen Wasser. Naja so eher: heiß, kalt, heiß, kalt. Es war verdammt staubig die letzten Tage und die Dusche trotzdem ein Segen. Und nein, es war kein Salzwasser.

Der letzte Tag der Tour führte dann noch vor Sonnenaufgang zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt, wo man die Erdkrümmung am Horizont erkennen kann. Etwa 160 Km im Durchmesser und in der Trockenzeit mit salinen Kachelmustern bestückt, die das aufsteigende weil verdunstende Wasser formiert. Wie zu erwarten ging dann die Sonne auf. Allerdings unerwartet haben wir eine Insel namens Incahuasi mit Riesenkakteen bewachsen mitten auf dem Salzsee vorgefunden. Dann ne Menge Blödsinnsphotos gemacht, ein altes Salzhotel besucht, Menschen beim Salz schöpfen beobachtet und die Tour in der kleinen, dreckigen Stadt Uyuni beendet. Und eigentlich wäre es ein leichtes gewesen uns mit Brot und Salz zu empfangen, doch die Zeichen standen eher auf Magen-Darm-Viren. Das unschöne Ende einer schönen Tour.

In den vier Tagen hat uns ein vielfältiges Hochplateau mit Wüsten und Lagunen, bizarren Steinformationen und Geysiren so manches Ooooh und Aaaah entlockt. Es war fein. Und ja, wir würden es wieder tun. Doch es muss immer weiter gehen. Und zwar nach Sucre, der verfassungsrechtlichen Hauptstadt Boliviens. Doch das ist eine andere Geschichte.





Der Kuchenladen.

20 03 2009

Ort: Puerto Varas (CHL)
Zeitunterschied: MEZ -5 Std.
Wetter: durchwachsen aber überwiegend heiter

Mitte des 19. Jahrhundert standen sowohl Deutschland auch als Chile vor dem Scheideweg. Hefte raus, Geschichtsstunde.

Angesichts des Flickenteppiches aus zahlreichen König- und Fürstentümern sowie freien Städten konnte kaum die Rede von einem geeinten deutschen Nationalstaat sein. Die erste demokratische Revolution 1848 war gescheitert, das Bürgertum stand vor politischer Bedeutungslosigkeit. Durch Missernten bedingte Hungersnöte grassierten und die Arbeiterklasse lebte in elenden Verhältnissen. Sich einer politisch und wirtschaftlich aussichtslosen Lage gegenübersehend, entschieden sich zwischen 1849 und 1851 eine Million Deutsche für die Emigration in eine bessere Welt. Doch wohin?

Chile war zu dem Zeitpunkt eine junge Republik, die Landesgrenzen waren nicht klar gezogen, es gab Ärger mit der indigenen Bevölkerung, den Mapuches, die doch allen Ernstes ihr Land für sich beanspruchten, die weltweite, imperialistische Kolonisation war im vollem Gange und der kleine Süden Chiles noch fast unberührt. So bekam Bernhard Eunom Philippi, Seemann, Offizier und Abenteurer deutscher Herkunft, nach Verabschiedung des Kolonisationsgesetzes 1845, den Auftrag in Deutschland Familien zu rekrutieren, die bereit waren in das entlegene südamerikanische Land auszuwandern und es im Namen Chiles zu besiedeln. Verheiratete Familienväter bekamen Parzellen zugesprochen, die von der Zivilisation nahezu unberührt waren.

Klingt romantisch. War es aber nicht. So wurden z.B. die Familien mit nur ein paar Baumaterialien am Ufer des Llanquihue Sees, dem zweitgrößten Chiles, und vor der Kulisse des imposanten Osorno Vulkans abgesetzt, um sich unter schwersten Bedingungen eine neue Existenz aufzubauen. Containerschiffe brachten zwar Hab und Gut aus Deutschland aber das ursprüngliche, dicht bewaldete Land musste urbar gemacht werden. Einige scheiterten, einige hielten durch (zu Beginn des Ersten Weltkrieges lebten etwa 30.000 deutsche Immigranten in Chile) und die nachfolgenden Generationen leben noch heute in Valdivia, Osorno, Frutillar und Puerto Varas. Dank hier an das Deutsche Kolonialmuseum in Frutillar, das viel Wissenswertes zur Kolonisation vermitteln konnte. Ach und dann gibt es hier noch Nueva Braunau. Und Braunau, Braunau – da war doch mal was. Der Geburtstort eines schwarz bescheitelten, schmächtigen Mannes mit einem hässlichen, kleinen Bärtchen unter der Nase. Wenn man bedenkt, wieviele Nazis nach dem Krieg nach Südamerika (vor allem aber Argentinien) verschwunden sind, leben hier Verschwörungstheorien wieder auf.

Und an diesen Orten sind wir Zeuge deutscher Hinterlassenschaften geworden. Puerto Varas mit dem Club Alemán, den zahlreichen deutschen Cafes und dem deutschen Krankenhaus, deutsche Ärzte, einige deutsche Straßennamen, die Kirche der heiligen Herzen, die in ihrer Bauweise an eine Marienkirche im Schwarzwald angelehnt ist. Und trotzdem, fragt man, wieviel Deutsche denn heute noch in der Region leben, hört man immer wieder das Eine: Wir sind Chilenen, voll integrierte Deutsche. Nichtsdestotrotz werden vor allem in Frutillar deutsche Traditionen gepflegt, ohne sich der Deutschtümelei schuldig zu machen. Die Häuser des kleinen Dorfes sind holzverschalt, die Hotels heißen Frau Holle oder Haus am See und es gibt Kuchen. Und der Kuchen heißt hier wirklich Kuchen. Sin o con Streusel, also ohne oder mit Streusel, mit lecker Pudding oder mächtige Torten, die sicher fünfstellige Kalorienzahlen vorweisen können. Den besten Kuchen, den wir genießen konnten, gab es im Kuchenladen der Hosteria Winkler. Kuchen in der Erdbeer-Streusel-Kombi, Brom- und Heidelbeere mit Pudding und Apfelkuchen mit Murta. Murta, noch nie gehört? Murta oder auch Chilenische Guave wächst ungezüchtet einzig allein hier im Süden Chiles, sieht aus wie eine rote an Sträuchern wachsende Heidelbeere und schmeckt nach einer Mischung aus Walderdbeere und Quitte. Sensationell.

Und wie wild sie wächst. Ein Ausflug nach Petrohue am Fuße des Osorno Vulkans bescherte uns nicht nur ein paar Stunden vergnüglichen Wanderns vor der Kulisse des smaragdgrünen Sees Todos los Santos, sondern auch ein Vergnügen kulinarischer Art, da der gesamte Weg von reifen Murtas gesäumt wurde. Was für ein Fest. Und wo wir gerade über Nahrung sprechen. Curanto ist eine weitere lokale Spezialität. Das Photo sollte Bände sprechen.

Nach vier Nächten im charmanten Hostel Compass del Sur in Puerto Varas, mit den besten Betten seit Abreise, verlassen wir das Festland Richtung der Insel Chiloé, wo wir ebenfalls vier Nächte verbringen werden, bevor es am 19. März in die Hauptstadt Santiago geht.

Ach und die Racker haben hier die Zeit umgestellt. Auf Winterzeit. Man achte mal bitte darauf. Es waren ja bisher vier Stunden Zeitunterschied, jetzt sind es fünf und wenn Deutschland Ende März auf Sommerzeit umstellen wird, als wenn da schon an Sommer zu denken wäre, sind es dann sogar sechs Stunden. Bis Peru sollte das dann auch so bleiben, insofern Bolivien und eben Peru den Quatsch überhaupt mitmachen.





Impfplan Mensch.

31 10 2008

Gestern waren wir im Tropeninstitut Düsseldorf.
 
Es gab eine tolle reisemedizinische Beratung, eine zweckdienliche Gelbfieber-Impfung (gemäß internationaler Reiseverkehrsregelung, um beim Grenzübertritt keine Probleme zu bekommen) und ein handgeschriebenes Malarone (Stand-By Medikation) Rezept zum Mitnehmen.
 
 
Der Impfplan im Rahmen des Projekts:

Hepatitis A (jetzt 25 Jahre haltbar)

Hepatitis B (10 Jahre)

Tetanus (10 Jahre)

Typhus (3 Jahre)

Tollwut (3 Jahre)

Gelbfieber (3 Jahre)
 
 
Hoffen und Bangen, dass die epidemiologische Lage in besagten Regionen stabil bleibt.





Die Bibel ist da.

15 09 2008

Frisch reingeschneit, das South American Handbook 2009 von Footprint, die Bibel für Südamerika.

1.872 Seiten

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es ist ein echter Klassiker, den ich da in der Hand halte, das bekannteste, meistaktualisierte und mit ziemlicher Sicherheit umfangreichste Reisebuch auf dem Markt. Perfekt für den gestreßten Backpacker, der bei der Planung einer Jahrestour durch Anden und Amazonasdschungel keinen Platz für 10 Kilo Bücher hat. Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Peru, Uruguay, Guyana und Venezuela zeigen sich trotz teilweiser Turbulenzen und Feindschaften einträchtig auf den extrem dünnen Papierseiten. An Platz wurde natürlich wo immer möglich gespart, und so schaut das geniale Werk von außen wie eine Hungerversion von mageren 800 Seiten aus. Lassen Sie sich nicht ins Boxhorn jagen und besorgen Sie sich eine gute Brille, denn natürlich ist auch die Schrift nicht gerade riesig.

Riesig allerdings ist der Inhalt. Da bleibt genug Platz für Öffnungszeiten, Flug-, Boot- und Busverbindungen, Hotel- und Restaurantpreise, Campingplätze, Adressen von guten Vor-Ort-Agenturen, die den Trip zum Titicaca oder Machu Picchu in die Hände nehmen können, lohnenden Trekking-Touren oder Tagesausflügen (falls Sie nicht so hoch hinauswollen). Selbst für ausreichendes Kartenmaterial blieb ein Eckchen übrig, nur von Fotos fehlt verständlicherweise jede Spur. Die wären auch unnötiger Ballast, schließlich wollen Sie sich ja alles mit eigenen Augen anschauen.

Witzig und mit Sicherheit nicht uninteressant sind die quer im Buch verstreuten Anzeigen von Ausrüstern und einheimischen Reisespezialisten. Vielleicht ist ja auch ihr zukünftiger Favorit dabei. Denken Sie jetzt aber bitte nicht, daß hier nur Backpacker und Weltenbummler auf ihre Kosten kommen, selbst den Fans von Karl-May-Romanen und Indianergeschichten wird Tribut gezollt. Nicht verwunderlich in der Hochburg der Inka-Kultur! Eines der wichtigsten Gründe für das South American Handbook ist aber die jährliche Neuauflage und die ständige Überarbeitung durch die vielen begeisterten Leser. Na, haben Sie auch bald ein paar Tips beizusteuern? –HW —





Planungs-Update: projekt365

23 08 2008

Wann: Start im Feb 2009
RTW Ticket: The World Discovery Plus (ca. 2.000€ total) von Travel Nation oder Westernair.co.uk (29.000 Meilen, 7 Stops)
Kontinente: Südamerika, Australien (inkl. Neuseeland), Asien
Extratickets: mind. 3

In Bildern:

In Worten:

DUS >> London >> BsAs

Argentinien/Südchile (ca. 5 Wochen – Feb/Mär)
PoI: BsAs, Patagonien/Feuerland mit Ushuaia, Punta Arenas, Puerto Natales, Torres del Paine Nationalpark

Punta Arenas >> Santiago

Nordchile (ca. 3 Wochen – Mär)
PoI: Valparaiso, Calama, San Pedro, Atacama Wüste

Bolivien (ca. 5 Wochen – Apr/Mai)
PoI: Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa, Uyuni mit Salar, Potosí, Sucre, La Paz, Titicaca See, Copacabana, Rurrenabaque

Peru (ca. 6 Wochen – Mai/Jun)
PoI: Arequipa mit Colca Cañón, Cuzco, Macchu Picchu, Nazca, Lima, Huaraz, Trujillo, Pisco

Ecuador (ca. 4 Wochen – Jun/Jul)
PoI: Cuenca, Baños, Quito, Galapagos, Montañita

Quito >> Santiago >> Sydney

Australien (ca. 12 Wochen – Aug/Sep/Oct)
PoI: Sydney, Brisbane, Cairns, Mt Isa, Alice Springs, Uluru, Adelaide, Twelve Apostle, Melbourne

Sydney >> Auckland

Neuseeland (ca. 9 Wochen – Nov/Dez)
PoI: Auckland, Rotorua, Tongariro National Park, Wellington, Picton, Queen Charlotte Walkway, Wanaka, Queenstown, Lake Tekapo, Christchurch

Christchurch >> Singapur

Singapur/Malaysia (ca. 4 Wochen – Jan)
PoI: KL, Penang, Melakka, Langkawi, Cameron Highlands

Und so schnell sind 365 Tage vorbei.