No Fast Moves.

12 09 2009

Ort: Agnes Water & 1770 (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Strandwetter

Nach Fraser Island und Wale glotzen wollten wir einfach ein paar Tage in Agnes Water bzw. im nur 7 Km entfernten Town of 1770 relaxen. 1770 wurde nach dem Jahr benannt, in dem James Cook als erster weißer Mann Australien betrat. Und der erste Eindruck muss nicht schlecht gewesen sein. Viel grün, malerische Sandbänke und einsame Buchten. Interessanterweise ist das auch heute noch so. In 1770 wohnen permanent nur 30 Leute, es gibt ein paar Ferienhäuser zu mieten und eine kleine Marina. Als Rucksackreisender steigt man aber in den bezahlbaren Unterkünften in Agnes Water ab. Dort gibt es sogar ein paar mehr Einwohner, eine große Bar mit Drive-Through Schnapsladen gleich nebenan und immerhin zwei Supermärkte, aber ansonsten passiert auch dort nicht viel. No Fast Moves (Keine schnellen Bewegungen, Anm. d. Red.) heißt die Maxime und es hält sich eigentlich auch jeder dran. Entspannung pur also. Dachten wir zumindest.

Wir hatten vor vier Nächte im Hostel mit dem uncoolen Namen „Cool Bananas“ einzuchecken, um ein paar lauschige Tage zu verbringen. Das Hostel war zu 90% von deutschen Abiturienten belegt, die noch schnell die Möglichkeit nutzen wollten ins Ausland zu gehen, da man ja während oder nach des Studiums nicht mehr die Möglichkeit haben wird. Gaaaaaaanz, genau. Das sorgte für Schmunzler.

Was nicht für Schmunzler sorgte, war die Tatsache, dass der Reinigungstrupp 4:30 Uhr, das ist halb fünf nachts, mit den Arbeiten begann. Die plausible Begründung war, man wolle doch die geschätzten Gäste nicht mit der Anwesenheit des Personals verschrecken und bis 6 Uhr morgens alles fertig haben. Die Idee, dass man dadurch den Nachtschlaf der Kundschaft stören könnte, lag offensichtlich nicht auf der Hand. Auch auf Nachfrage bei der unfreundlichen Reinigungskraft, bekam man in herrlich patzigem Ton zu hören, dass wenn man schlafen wolle, sich doch ein Hotel suchen möchte. Das hier sei nämlich ein Hostel. Ach, das war uns dann doch neu. Wir hatten eigentlich schon damit gerechnet, dass wir in dem Gebäude mit den Betten auch übernachten könnten. So richtig mit: „Licht aus, kalinixta!“ (für unsere nicht-griechischen Freunde, kalinixta heißt schlicht und einfach Gute Nacht!, Anm. d. Red.). Wir haben uns dann den Ratschlag der netten Dame zu Herzen genommen und sind am nächsten Morgen ausgezogen und haben für die nächsten zwei Nächte im Beachside Backpacker eingecheckt. Dort konnten wir dann allerdings auch nicht unseren Schönheitsschlaf finden, da wir einen schnarchenden Iren als Zimmerkollegen hatten, der wirklich in jeder nur erdenklichen Position unangenehme Geräusche von sich geben konnte.

Naja umgezogen und ab an den Strand, schön in die Wellen springen. Agnes Water ist der letzte Stop gen Norden, wo man noch surfen kann. Weiter nördlich schirmt das über 2.000 Km lange Barriere Riff jede ernsthafte Wellenbewegung in Strandnähe ab und macht somit seinem Namen alle Ehre. Der zweistündige Surfkurs war mit AU$22 schweinebillig und damit wären es nur noch 9.996 Stunden bis zu einem sorgenfreien Profisurfer-Leben mit Piña Coladas und sonnenverwöhnter Haut – ganzjährig.

Aber dieses Australien, irgendwie lässt sich dieser Kontinent immer wieder was neues einfallen. Dieses Mal hatten sie einen großen, scharfkantigen Steinblock so im Wasser drapiert, dass es für unbeschwerte deutsche Besucher nicht zu erkennen war. Dafür aber zu spüren. All das ganze Blut! Naja, es hat zwar erst etwas geblutet aber so schlimm war der Schnitt über dem linken Knie dann doch nicht. Allerdings unangenehm genug, dass es mit dem surfen nichts wurde. Schnief. Dafür sind wir Kayak auf dem Meer gefahren und sind auf den Wellen in der Sonnenuntergang gesurft.

Was noch? Rumgewandert, die lokale Kneipe besucht, Pelikanattacke überlebt, am Strand abgehangen, am Strand gelesen und nochmal am Strand gewesen. Strand ist so ziemlich bei allen Aktivitäten an der Ostküste involviert und wir freuen uns auf die feuchten Tropen im Norden.

Es gibt darüberhinaus ein paar neue Meilensteine im Reiseplan zu vermelden. Am 20.09. fliegen wir von Cairns nach Darwin, wo wir uns den Kakadu NP anschauen wollen, um dann am 29.09. weiter nach Melbourne zu reisen. So sieht das nämlich aus.

Advertisements




No worries.

1 09 2009

Ort: Noosa (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: australisch winterlich

Noosa und Umgebung war nett. Die vielen bildhübschen Häuschen entlang des Flusses, wo sich Pelikane gierig die Fischreste der zahlreichen Angler schnappen; die vielen aneinander gereihten Strände und der wirklich schöne Wanderweg entlang der Küste im Noosa Nationalpark, wo neben Pandanus-Bäumen auch Brush Turkeys (Buschhuhn, Anm. d. Red.), eine beachtliche Waranart namens Goanna und allerlei anderes Getier beheimatet sind. Im 12 Km entfernten Eumundi konnten wir auf dem Mittwochsmarkt so verrückte Sachen wie Mango-Macadamia-Muffins und eine deutsche Wurstbude mit Knackwurst with Sauerkraut bestaunen. Man konnte sogar Pony reiten oder einen Drachen steigen lassen. Es war nett. Nicht spektakulär. Nur nett.

Was gab es bisher denn überhaupt Spektakuläres auf diesem fernen Kontinent? Landschaftlich war es bisher keine Offenbarung, da wir momentan entlang der Ostküste unterwegs sind. Und da gibt es eben vor allem Strände. Aber nach dem dritten „schönsten Strand Australiens“ ist ein Strand eben auch nur ein Strand. Bisher also keine Naturwunder.

Und kulturell? Eher dünn. Australien ist ein junges Land mit wenig sichtbarer Historie. Die hellhäutige Bevölkerung des fünften Kontinents mockiert ja zudem gerne mal, dass die Aboriginies ja nüschd geleistet hätten. Nüschd produziert, nüschd imposantes wie z.B. eine crazy Oper gebaut, nüschd entwickelt. Sie haben nur ein paar langweilige Felskrakeleien hinterlassen, dafür aber keine wirklich großartigen Zeugen der Geschichte wie z.B. die Pyramiden der Mayas oder die gigantischen Steinfiguren der Osterinsel. Noch nicht mal den großen roten Felsen namens Uluru haben sie selbst geschaffen. Den ganzen Tag nur aus Spaß Boomerang werfen und faulenzend Didgeridoomelodien hören.

Als dann der weiße Mann nach Australien kam und nur diese wilden Primitivlinge vorfand, wurde der Kontinent kurzerhand als Terra Nullius, als Niemandsland, deklariert und die britische Müllabfuhr brachte die Verurteilten aus den überfüllten Gefängnissen des verregneten Vereinigten Königreichs. Was sie dann selber in reichlich 200 Jahren auf die Beine gestellt haben ist eine Kultur, die vor allem Spaß auf der Fahne stehen hat. Symptomatisch dafür auch das allgegenwärtige „No worries“, was strikt übersetzt „Keine Sorgen“ heißt, hier aber kontextuell eher „Kein Problem“ bedeutet. Vormittags aufstehen, zum Strand gehen, um eine Runde zu surfen, später dann BBQ mit Freunden (das hier mit Barbie sogar einen liebevollen Spitznamen hat), abends im Pub beim Bierchen oder bei Rum aus Bundaberg ruppige Sportarten wie Aussie Rules oder Rugby schauen. Gern mal ein bißchen rumpöbeln und immer schön die Kanne am Hals. „No worries“ eben.

Okay, dachten wir also, Spaß ist ja prinzipiell eine feine Sache und mal gucken, warum diese Australier dieses Wellenreiten so cool finden. Die ersten Stehversuche auf einem Longboard gab’s in der Surfschule von Merrick Davis, einem wohl bekannten Profi. In den zwei Stunden Grundlagenarithmetik des Wellenreitens konnten wir dann sogar erste Erfolge verbuchen und uns auf ein paar schönen Anfängerwellen ein paar Meter tragen lassen. Und das fetzt schon. Ein wirklich erhabenes Gefühl auf dem Element Wasser zu reiten. Und nur noch 9.998 Stunden Übungszeit im Wasser, um ins Profilager aufzurücken.

Und zum Abschluß hat die Redaktion noch eine Anekdote aus dem immer spannenden Ressort: Hostels und ihre temporären Bewohner. In Südamerika erlaubte uns das Preisgefüge ja fast ohne Ausname, uns ein Doppelzimmer zu gönnen. Im teuren Australien leidet nun also die Privatsspäre aber vor allem unser Schönheitsschlaf, denn wir nächtigen immer öfter in Schlafsäalen mit mindestens noch zwei anderen Personen. Im Chillout Hostel in Noosa hatten wir zwei besonders schöne Erlebnisse, die uns drei schlaflose Nächte bereitet haben. Zuerst waren da Summer und Sunny, zwei 19-jährige Dumpfbacken, die sich selber ihre crazy Namen gegeben haben, wobei sich Sunny aus dem für Australier unaussprechlichen Sonia ableitete und Summer aus dem Namen Lisa Sommerlatt resultierte. Allein dieser Umstand bereitete Schmerzen im Unterleib. Noch mehr Freude brachten ihre Deutschlehrstunden, die sie einem aufgegabelten Australier gaben und wo geistreiche Alltagsfloskeln wie „Geile Möpse“ und andere schöne Worte aus dem Land der Dichter und Denker übermittelt wurden. Nie war ich stolzer auf zwei Landsmänninnen. Noch erquickender aber waren die nächtlichen Aktionen unseres Dorm-Mitbewohners Peter aus Südengland, der im Zweistundentakt anfing lauthals Dialoge mit einem imaginären Gesprächspartner zu führen und uns so jedes Mal sanft aus dem Schlaf weckte.





Angst und Schrecken.

20 08 2009

Ort: Byron Bay (AUS)
Zeitunterschied: +8 Std. MEZ
Wetter: Sonnig mit frischer Brise

Greyhound Busfahrer sehen ganz possierlich aus in ihren kurzen Höschen und den weißen Kniestrümpfen. Und eine ordentliche Prise trockener Humor ist wohl notwendig, um die langen Fahrten mit immer gemischtem Publikum über die Runden zu bringen. So, also endlich mal wieder eine lange Busfahrt. 13 Stunden über Nacht und ein zum Glück nur halbgefüllter Greyhoundbus, so dass man sich auch schön breit machen konnte. Und weil ja hier alles seinen sozialistischen Gang geht, wurde ordnungsgemäß alle Nase lang für eine vorgeschriebene Pause angehalten. Licht an. Bustür auf. Kälte rein. Und das alle drei Stunden. Klingt schön unerholsam und das war es auch.

Umso größer war dann die Freude als wir im Nomads in Byron Bay eincheckten und es hieß es gäbe nicht das online reservierte Zimmer. Das roch nach Überbuchung aber wir hatten Glück und wurden wie im Flugzeug üblich von der Holz- in die Businessklasse geupgradet (Neudeutsch für hochgestuft, Anm. d. Red.), was in unserem Fall Doppelzimmer statt 4-Bett-Schlafsaal hieß. Das war dann auch wirklich ein Glücksfall, denn schon gegen 18 Uhr war der Großteil der jungen Hostelgäste so voll wie ein russischer Schichtbus und der Aufenthaltsraum wandelte sich einen Ort stumpfer Dekadenz. Sodom und Gomorrah mit 4 Promille. Knapp beschürzte Mädchen und schlecht tätowierte Prolls aus dem nahen Brisbane sowie die übliche europäische Backpacker-Klientel ließen sich im besten Hostel Australiens zulaufen (Hostelworld-Ranking, Juni 2009, Anm. d. Red.). Auf der Tischtennisplatte wurden Saufspiele zelebriert, der Lautstärkepegel hätte jedem Oktoberfestzelt alle Ehre gemacht und wir kopfschüttelnd mittendrin. Angst und Schrecken in Byron Bay. Klingt verdammt spießig, oder? Naja sagen wir mal so, mit fortschreitendem Alter spielen etwas mehr Kultur und Stil eine immer gewichtigere Rolle (mal die 3 Tage wach auf dem BAC, With Full Force Festivals und Ausflüge ins Pretty Vacant ausgenommen, Anm. d. Red.) und so war die Schar an 20-jährigen, trinkwütigem Pöbel und Gesocks mehr und mehr anstrengend. Erst recht, wenn einem des Nachts der geräucherte tasmanische Lachs aus dem Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche geklaut wird. Den hatte sich der feine Herr nämlich nach langer Abstinenz mal wieder gegönnt. Doch wir zogen schon nach zwei Nächten wie geplant in die nächste Unterkunft um. Dieses Mal mit mehr Kultur und Stil versteht sich.

Was kann Byron Bay sonst noch? Wellen, schöne Strände und hier und da noch ein paar Überreste der Hippiekultur, die früher ein wichtiger Bestandteil der Surfszene war, bevor sich hippe Klamottenmarken wie Billabong, Quicksilver oder auch Rip Curl und damit die übliche Kommerzkultur ins kleine Küstenkaff geschlichen haben. Im August war es allerdings noch recht frisch mit ca. 20 Grad und steifer Brise, so dass es am Beach selbst für Strandschönheiten nicht dauerhaft auszuhalten war, nur die zahlreichen Surfer mit dicken Neoprenanzügen zog es in die Wellen. Daher ging es auf dem Trockenen auf einen schönen Rundgang, an diversen Stränden und dem östlichsten Punkt Australiens vorbei bis zum Leuchtturm von Byron Bay, immer in der Hoffnung einen kurzen Blick auf die vorbeiziehenden Großen Tümmler und Buckelwale zu erhaschen.