Sydney, Auckland und Rosarka.

26 11 2009

Ort: Sydney (AUS), Auckland (NZ)
Zeitunterschied: +10/+12 Std. MEZ
Wetter: 4 Jahreszeiten an einem Tag, jeden Tag

Nach der holden Schönheit Tasmaniens drehte es sich dann einmal nicht um blühende Wildblumen oder bekloppte Wombats, sondern vor allem um neue Bekannte, die Freunde wurden.

Sydney fanden wir bei unserem ersten Besuch ja nicht so spektakulär wie erwartet. Doch es gab schon mal den ersten Pluspunkt, was das Wetter angeht. Nach kalten tasmanischen Nächten waren wir froh mal wieder die kurzen Höschen rauszuholen und etwas Sonne zu tanken. Es war mal wieder Couchsurfing angesagt und so landeten wir bei Joe und Lucy im schönen Vorort Manly. Alles wirkte sehr aufgeräumt, es gab wieder shiny happy people, einen Strand in kurzer Laufdistanz und gutes Essen. Manly war ein Ort, wo man seine Kinder großziehen möchte. Joe war zudem ein absolut witziger Typ, der einiges zu erzählen hatte. Wenn man in seinem Lebenslauf aber stehen hat, dass man in Armenien geboren wurde, in Kairo aufgewachsen ist und heute professioneller Hypnotiseur und gleichzeitig Daytrader ist, dann sollte das nicht verwundern. Sydney zeigte sich durch Manly und Joe und Lucy von seiner angenehmen Seite, es gab eigentlich keinen Grund in die hektische Innenstadt zu fahren.

Einzig das Wiedersehen mit Anja und Pit ließ uns die Fähre zum Circular Quay an der Oper nehmen, um uns im ältesten Stadtteil Sydneys, The Rocks, ein paar Bier zu genehmigen. Es gab frisch Gezapftes auf der Dachterrasse eines Pubs mit Blick auf die Oper, danach noch sensationelles Essen bei einem Inder und zum Abschluß des entspannten Abends lecker Lokalbräu aus einer urigen Eckkneipe. Wieder ein gepflegter Abend.

Der Drops namens Australien war also gelutscht. Drei Monate sind ins Land gezogen und das Fazit fällt gemischt aus. Der Preis und Kulturschock saß nach der Ankunft aus Südamerika tief. Die Ostküste mit nachtaktiven Hostelgästen, saufenden Iren und simpel gestrickten 19-Jährigen tat ihr übriges. Die bisher größte Enttäuschung. Der Spaß fing bei uns erst an, als wir unabhängig von Transport und Unterkunft im Spaceship unterwegs waren. Vielleicht hätten wir die Ostküste so auch anders erlebt, wir wissen es nicht. Darwin, im heißen Norden Australiens, war eine furchtbare Stadt und wir hatten nicht die beste Zeit für einen Ausflug in den Kakadu-Nationalpark erwischt. Es war einfach zu trocken am Ende der 5-monatigen Trockenzeit. Melbourne gab uns wieder ein Hoch, allerdings müssen die sich nach noch etwas mit dem Wetter einfallen lassen, das geht so nicht. Die Grampiens und die Great Ocean Road blieben uns auch in guter Erinnerung. Sicher auch, weil wir wieder flexibel im Spaceship unterwegs waren. Das klare Highlight aber war Tasmanien. Einfach wunderschön.

Wir würden wiederkommen nach Australien. Wir würden die Westküste mit eigenem Allradwagen erkunden und wir würden das staubige Zentrum mit dem großen roten Felsen, der den Aborigines so heilig ist, besuchen. Doch jetzt werden wir erst mal für neun Wochen Neuseeland entdecken.

Nach den vier Nächten auf der Couch in Manly, Sydney, ging es direkt auf die nächste Couch nach Auckland. Zu Lozo und Lucy. Und was für ein Empfang. Das riesige Haus in Waitakere, West Auckland, platzte nur so aus allen Nähten vor anderen Couchsurfern und Familienmitgliedern. Damit hatten wir nicht gerechnet.

Doch eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten, die wir je kennengelernt haben war unser Gastgeber. Lozo, eigentlich Lorenzo Santamaria, ist gebürtiger Südafrikaner. Ein sogenannter „Cape Coloured“, also Mitglied eine farbigen Minderheit aus der Gegend um Kapstadt und unglückliches Opfer von Schwarz-Weiß-Denkens am südlichen Zipfel Afrikas. Zu Zeiten der Apartheid stand er in erster Linie bei den Demonstrationen gegen die rassistische Segregationspolitik. Er war gesuchter Staatsfeind, musste im Exil leben, mehrfach seine Identität wechseln und saß dann doch ein Jahr auf der berüchtigten Gefängnisinsel „Robben Island“ ein, wo auch schon Nelson Mandela 19 Jahre seines Lebens fristen musste. Dann nach Ende der weißen Apartheid, wurden Gesetze eingeführt, die die schwarze Bevölkerung wieder bevorteilen sollte. Doch Lozo war als Farbiger nicht Schwarz genug, obwohl er doch Seite an Seite gegen die Rassenpolitik der weißen Minderheit gekämpft hatte. Reverse Apartheid. Wie ungerecht muss man sich behandelt fühlen. Doch er ist keiner der jammert und schimpft. Ein Kämpfertyp, 100% Energie, ein Hurrikan. Er war 1992 Teilnehmer der Olympischen Spiele in Barcelona – als Triathlet. Und heute nach fast 20 Jahren ohne ernsthaftes Training steht er jeden Morgen um 5 Uhr auf, um ins Fitnessstudio zu gehen oder mal eben 280 Km mit dem Fahrrad zu fahren. Wenn mal gerade nicht trainieren angesagt ist, wird am Haus herumgewerkelt, jeden Tag scheint sich etwas zu verändern. Lozo scheint immer gut gelaunt zu sein und uns ist es ein Rätsel, wo er diese Energie hernimmt.

2005 ist der Familie auch noch das Haus abgebrannt und sie haben fast alles verloren. Heute ist alles wieder aufgebaut und die Einstellung zu materiellen Dingen hat sich geändert. Es sind andere Sachen wichtig. Das war vielleicht auch ein Grund, warum sie später mit Couchsurfing angefangen haben und in den letzten Monaten unfassbar viele Leute gehostet haben. Während der acht Tage, die wir in Gesellschaft dieser großartigen Familie verbracht haben, waren immer gleichzeitig um die 8-10 andere Couchsurfer da. Drei Amerikaner, zwei Deutsche, eine Französin, ein Italiener, zwei Argentinier, eine Schottin, zwei Spanier und die Monkeys aus Österreich. Wir haben wieder viele interessante Leute getroffen, alles Langzeitreisende. Doch hier jeden gebührend zu würdigen, würde den Rahmen sprengen.

Und was? Acht Tage couchsurfen? Ja, 8 Tage. Wenn man nach Neuseeland kommt, stellt sich schnell die Frage wie man am besten durch die Lande reist. Auto mieten oder kaufen und dann im Hostel schlafen oder doch einen kleinen Campervan mieten oder kaufen. Viele Möglichkeiten, viele Fragen. Aber nach Abwägen aller Optionen fiel die Wahl dann doch auf das Modell: kleinen Campervan kaufen. Für etwa 2000€ bekommt man dann einen alten ausrangierten Japaner, denn unsere Freunde von der Insel haben sehr strenge Auflagen vom Gesetzgeber, was den Zustand des Wagens angeht und auch die Entsorgung ist mit immensen Kosten verbunden. Daher lohnt der Export in alle Welt.

Lozo fuhr uns wie ganz selbstverständlich zum Wochenend-Automarkt, doch wir waren zu langsam bei der Kaufentscheidung und der Wagen fuhr vor unserer Nase vom Hof. Aber ein Auto kauft man mal nicht eben wie einen Kaffee, sondern man braucht etwas Bedenkzeit. Dumm nur, wenn die umgebauten Campervans mit Holzbett und allem was man so im Camperleben braucht, weggehen wie warme Semmeln.

Egal, zwei Tage später hatten wir Erfolg. Nachdem wir einige Hostels in Auckland abgeklappert hatten, trafen wir uns mit Martin, Pavla und Rosarka. Die ersten beiden stammen aus der tschechischen Bierstadt Pilsen und lebten ein Jahr lang in einem 1987er Toyota Hiace namens Rosarka. Da war sie also – Rosarka (bei der Aussprache die Stimme tief stellen und einen tschechischen Akzent immitieren, Anm. d. Red.). Von außen keine Schönheit, mit einigen Makeln aber innen tiptop. Der Motor läuft nach mindestens 230.000 Km noch wie eine Eins, obwohl offensichtlich am Tacho manipuliert wurde. Rosarka läuft nämlich mit Diesel, was zwar im Vergleich zu Europa um 35% billiger ist als Benzin, man aber gezwungen ist eine Phantasiesteuer von NZ$40 pro gefahrene 1000 Km zu zahlen. Und genau die kann man natürlich gut sparen, wenn den Tachometer abgeklemmt. Letztlich kommt es aber auf paar tausend Kilometer mehr oder weniger auch nicht an, wenn die Werkstatt sagt, dass alles in Ordnung sei. Und das war bei Rosarka der Fall.

Auto kaufen ist in Neuseeland so einfach wie mal kurz Brötchen beim Bäcker holen. Nur mit Formular eben. Es war eine Sache von fünf Minuten. Hübsch unbürokratisch. Nachdem das Kaufgeschäft abgewickelt war, haben uns die schlitzohrigen Tschechen dann auch noch ganz beiläufig gestanden, dass eigentlich 10.000 Km mehr auf der Uhr stehen müssten. Schlitzohritsch eben.

Top war aber die Ausstattung unserer Rosarka. Trotzdem wurde aber wegen dem Wohlbefinden (man gewöhnt sich an allem, auch am Dativ, Anm. d. gut aufgelegten Red.) neues Bettzeug gekauft und ein zweiter Gaskocher angeschafft. Und Vorhänge mussten her. Denn dunkel muss es innen sein, wenn draußen die Straßenlaternen scheinen und der Nachtschlaf gesichert werden soll. Wir hatten also einen schönen großen Wohnzimmervorhang im Räumungsverkauf erstanden, der genau das Blau unserer Innenausstattung traf und sonnendicht ist. Es musste jetzt nur noch zugeschnitten und geschneidert werden. Lozo hatte eine gute alte Genomi Nähmaschine aus den 60er Jahren, deren Handhabung nach 1-stündiger Begutachtung und unter großer Mithilfe unseres österreichischen Freundes Josef auch endlich verstanden wurde und wir wie in einer philipinischen Kinderwerkstatt wieselflink die Vorhänge umnähten. Mutter du kannst stolz sein auf deinen Sohn . Ich habe genäht, an einer Nähmaschine. Und so haben wir nun Vorhänge, die den Marktwert des Wagens nochmals in astronomische Höhen treiben.

So vergingen die Tage bei den Vereinten Nationen in Auckland. Acht Tage waren wir zu Gast in Lozos Haus. Wir kamen als Couchsurfer und gingen als Freunde. Aber wir mussten endlich los. Endlich on the road. Auf nach Norden, nach Nordland, bis hoch ans Cape Reinga, den für die Maoris heiligsten Ort Aotearoas, dem Land der langen weißen Wolke.

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Osterreiten in Bolivien.

21 04 2009

Ort: Tupiza (BOL)
Zeitunterschied: -6 Std. MEZ
Wetter: Heiter bis wolkig, mit Regen

So, nun also Bolivien, das immer noch ärmste Land Südamerikas und neben Paraguay das einzige, dass keine Küstenanbindung hat. Tiefland im Norden und Osten, mit Regenwald und Pampa, und Hochland im zentralen Teil sowie im Südwesten, mit Absonderlichkeiten wie der höchst gelegenen Hauptstadt der Welt, La Paz (ca. 4.000 m üNN) und dem größten Salzsee der Welt, dem Salar de Uyuni im südwestlichen Altiplano. Und Tupiza, 3 Stunden hinter der Argentinischen Grenze und im Süden Boliviens gelegen, sollte unser Ausgangspunkt für eine mehrtägige Tour hin zu weißen Wüsten und farbigen Lagunen sein.

Tupiza liegt geschmeidig auf knapp 3.000 m Höhe und war wieder ein Schritt, um uns an die Höhe zu gewöhnen und sich zu akklimatisieren. Mit den Höhenunterschieden ist nicht sonderlich zu spaßen, auf 4.000 m Höhe hat man nur etwa halb so viel Sauerstoff wie auf Meereslevel, was für den Körper Stress heißt. Kleine rote Blutkörperchen müssen produziert werden, um nicht sofort außer Atem zu kommen und die Kopfschmerzen und Schwindelgefühle einzudämmen. Die Argentinische Fußballnationalmannschaft musste sich vor ca. drei Wochen bei einem Weltmeisterschaftsqualifikationspiel in La Paz mit 6:1 gegen den nullmaligen Weltmeister Bolivien geschlagen geben und hat sich bis auf die Knochen blamiert. Der dicke Diego, mit seinen Messis und Tevez, wollte den Fußballgigant Bolivien mit Leichtigkeit vom Platz fegen. Für diese historische Niederlage gab es ordentlich Hohn und Spott in der Heimat, Freudentaumel in der Republica de Bolivar.

Am Karfreitag konnten wir dann einer 3-stündigen Prozession durch die Straßen des vorbildlich christianisierten Städtchens Tupizas beiwohnen, die dem Leidensweg Christi nachempfunden war. Laienschauspieler stellten die verschiedenen Etappen mit Kreuzigung, Auferstehung usw. entlang der Route dar, während der Prozessionszug durch feierlichen Gesang und Musik einer Blaskapelle unterhalten wurde. Und wir konnten auch etwas mitleiden, denn die Dieselabgase des Nissan Patrol mit Verdener Kennzeichen, der Teil der Prozession war, nahmen einem die Luft zum atmen.

Abgestiegen waren wir für einen schmalen Taler im La Torre Hotel, die neben Touren zum Salar auch Reitausflüge anbieten. Also ein neuer Versuch hoch zu Roß und diesmal mit Guide, der uns sicher in die schöne Umgebung von Tupiza geführt hat. Spaßig wurde es als der teils mit Hagelkörnern garnierte Regen einsetzte und sich die Welt über Bolivien auftat. Naja alles in allem recht nett, aber „nett“ ist ja bekanntlich die kleine Schwester von „Scheiße“. Naja, es war schon ganz okay.

Vielversprechender und als ein großes Highlight jeder Südamerikatour gepriesen, ist die Tour zum Salar der Uyuni. Ostermontag sollte es losgehen. Zwei 4WD Toyota Landcruiser Jeeps, zwei einheimische Fahrer und eine Köchin sowie acht Menschen aus der ersten Welt, begierig die Schönheit Boliviens kennen zu lernen. Für vier Tage und drei Nächte wird es also von Tupiza nach Uyuni gehen und wir werden bis auf 5.000 m Höhe steigen. Zu weißen Wüsten und farbigen Lagunen.