Berge und Wolken. Vögel sind dort.

6 01 2010

Ort: Wanaka, Queenstown, Glenorchy (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: 1 Sonnentag pro Woche

Wanaka ist im Winter eines der besten Skigebiete in Neuseeland und die Sommer sind sonnig und heiß. Der Dezember bringt normalerweise 30°C und das klang vielversprechend. Die Anreise vom Fox Gletscher begann, wie nicht anders zu erwarten, nass. Die Überquerung des Haast-Passes war für uns nicht spektakulär, da sich die Sichtweite bei ausblickunfreundlichen 30 m einpendelte. Wieder mal dichte Wolken und Regen also. Doch mit der besagten Überquerung bewegten wir uns auf die andere Seite der südlichen Alpen und damit in den ersehnten Regenschatten. Als wir dann am Wanaka See ankamen wurden wir nicht enttäuscht, die Sonne schien und der Blick vom Lake Outlet Campingsplatz eröffnete uns ein herrliches Bergpanorama.

Wir also ganz aufgeregt zur Touriinfo und den Wetterbericht angefragt. Und prima, die nächsten fünf Tage waren Regen angekündigt. Dieses verdammte Regenwetter schien uns zu verfolgen. Und die Vorhersage hatte nicht zu viel versprochen. Wo am Vorabend noch Berge, See und Wälder zu bestaunen waren, war am nächsten morgen so eine dunstige Waschküche, dass alles hinter dichten Regenwolken verschwunden waren.

Wir also entnervt nichts wie weg aus Wanaka und ab nach Queenstown, der Fun-, Action- und Partyzentrale des Landes. Wir hatten aber eigentlich keine Lust auf Spaß und gute Laune mit spätpubertären Frühzwanzigern und daher ging es gleich weiter nach Glenorchy. Schon die Fahrt entlang des Wakatipu Sees war ganz fantastisch. Ach wat schön.

Die Gegend hinter Glenorchy diente für zahlreiche Herr der Ringe Szenen und man hatte in der Tat jeden Augenblick das Gefühl, dass der Ringträger und sein Gefährte Sam um die Ecke kommen und man zusammen ein kleines Pfeifchen mit Kräutern aus Hobbingen rauchen würde. Berge rechts und links, herrliche Seen, wie der Diamond Lake, Wälder mit Buchenbäumen drin und wilde Flüße mit dicken Steinsbrocken – wie im Westfernsehen. Toll, sogar die Sonne schien.

Eigentlich wollten wir ja auch den Routeburn-Track laufen. Drei Tage durch unbeschreiblich schöne Landschaften. Aber wir trauten dem Wetter nicht über die Runden und hatten im Vorfeld keine Übernachtunsgplätze in den Berghütten gebucht. Daher haben wir nur einen sportlichen Tagesausflug bis zur ersten Hütte gemacht und durchaus Appetit bekommen. Doch komplett werden wir ihn wohl erst beim nächsten Mal machen, wenn die globale Erderwärmung endlich mal für besseres Wetter gesorgt haben wird. Drücken wir die Daumen und sprühen etwas mit FCKW durch die Gegend.

Und als altes tschechisches Mädchen braucht Rosarka alle 1000 Km frisches Öl. Ich also die vordere Sitzbank umgeklappt und schön einen Liter reingekippt, um die betagten Lebensgeister des Motors frisch zu halten. Nach ca. 5 Minuten hatten wir 70 Sandfliegen im Auto. Wir hatten nämlich direkt am Ufer des Wakatipu Sees übernachtet. Dann nur noch Amok. Kill, kill und kill. Die Biester schienen überall und es dauerte eine ganze Weile bis alle platt waren. So schön es hier auch ist, die Sandfliegen können einem schon den Nerv für’s Genießen rauben.

Auf dem Rückweg nach Queenstown übernachteten wir dann auch noch am wunderschön gelegenen Moke Lake, der neben ein paar garstigen Sandfliegen auch noch ein sensationelles Spiegelbild der dahinter liegenden Hügelkette zu bieten hatte. Fein.

In Queenstown machten wir dann sogar noch mit Luke Leaf Bekanntschaft. Wir erinnern uns, der Jadeschmuck-Künstler, gebürtig aus Hokitika und Schöpfer von Matzes neuem Jade-Anhänger.

Doch auch Luke konnte uns nicht überzeugen in der hektischen und natürlich schon wieder regnerischen Stadt zu bleiben, und so ging es auf direktem Weg ins Fjordland. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Regen, Sandfliegen und dreckiges Eis.

1 01 2010

Ort: Westküste von Westport zum Fox Gletscher (NZ)
Zeitunterschied: +12 Std. MEZ
Wetter: Nasskalt mit vereinzeltem Sonnenschein

Das Rezept für nasses Wetter an der Westküste der Südinsel Neuseelands lautet wie folgt: Man nehme eine kleine isolierte Insel am Arsch der Welt, Westwinde, die somit lange ohne Hindernis über den Ozean fegen und sich mit Feuchtigkeit vollsaugen können und eine riesige Gebirgskette, die durch das Zusammenschieben der pazifischen und der polynesisch-australischen Platte entstanden ist – die südlichen Alpen. Regennasse Wolken kommen also aus Westen und sind so schwer, dass sie es nicht über die Berge schaffen. Und was passiert? Richtig, sie regnen sich ab.

Heute gibt es überall entlang der Westküste gemäßigten Regenwald mit üppiger Vegetation, viele Seen und Flüsse. Das sieht dann alles toll aus, es gibt aber eben verdammt viel Regentage und Wasser.

Wo wir dann auch schon beim zweiten und eigentlichen Problem wären. Sandfliegen. Die nervtötenden Sandfliegen sind eigentlich weibliche Kriebelmücken (so zumindest übersetzt Wikipedia Blackflies, Anm. d. Red.), die so gierig nach Blut sind, wie ein dehydrierter Vampir. Sie brauchen Süßwasser, um zu existieren und davon gibt es vor allem an der Westküste reichlich. Die kleinen Stechmücken treten auch nicht einzeln, sondern in Schwärmen auf, was die Sache nicht unbedingt entspannter macht. Sie sind die absolute Pest am Arsch (die Redaktion entschuldigt das explizite Französisch, Anm. d. Red.) und auf der Liste mit Insekten, die wir nicht leiden können, ganz oben.

Unser erstes Zusammentreffen gab es bei den Nelson Lakes, die zwar nicht direkt an der Westküste liegen aber eben alle Kriterien für ein schönes Zuhause für Sandfliegen erfüllen. Der pure Hass. Sobald sie einen entdeckt haben, fallen sie in Schwärmen über einen her. Ich hab sogar eine beim Reden verschluckt, weil das kleine Biest direkt in meinen Mund geflogen war.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Sie sind langsam, d.h. man muss in Bewegung bleiben. Das hat uns sogar zwei Stunden Wanderung auf dem Braeburn Track an den Nelson Lakes ermöglicht. Sie mögen keinen direkten Regen, weil sie da nicht fliegen können. Und sie können keinen Wind ab und verschwinden bei Nacht, da sie, um zu stechen, auf ihren Sehsinn angewiesen sind und im Dunkeln nichts sehen können. Ein entspanntes Szenario ohne Sandfliegen wäre dann also: Nachts, bei starkem Regen und Sturm. Super. Genau die Konditionen, die man sich wünscht, um Neuseeland zu entdecken.

Naja Meeresnähe mit etwas Wind reichte zum Glück auch und schon konnten wir in der Nähe von Westport an Cape Foulwind die rauhe Küste bestaunen und den einzigen Sonnentag der Woche genießen. Am Vorabend gab es sogar einen ansehnlichen Sonnenuntergang und der nächste Tag brachte einen kleinen Ausflug zu einer Pelzrobben-Kolonie. Da war vor kurzer Zeit Nachwuchs angekommen und die Racker krakelten wie kleine Menschenkinder aus vollem Halse. Noch bekloppter waren aber die Weka Vögel, die wie eine billige Kiwifälschung aus China aussehen. Statur und Farbe sind sehr ähnlich, nur ist der Schnabel zu kurz und der Schwanz zu lang. Und kleptomansich veranlagt sind sie auch noch. Die Wekas schlichen die ganze Zeit um unseren Tisch und versuchten etwas abzugreifen, wo es nur ging. Aber nicht mit uns.

Weiter ging es nach Punakaiki im Paparoa Nationalpark, der für die sogenannten Pancake-Rocks (Pfannkuchen-Felsen, Anm. d. Red.) berühmt ist. Bei wolkenverhangenem Wetter sahen die aber gar nicht appetitanregend aus und wir sind lieber durch den mit Nikau-Palmen verzierten Regenwald marschiert.

Der nächste Stopp brachte uns nach Hokitika, einem bedeutenden Zentrum für Jadeschmuck. Jade, oder auch Pounamu (Maori, Anm. d. Red.) oder Greenstone (die Engländer wussten es nicht besser, Anm. d. Red.) genannt. Schon bei den Maoris war der grüne Stein sehr beliebt und es wurden Schmuckstücke oder andere eher nützliche Gegenstände, wie todbringende Äxte, aus dem harten Material gefertigt. Heute gibt es in ganz Neuseeland eine große Schmuckindustrie und kaum ein Neuseeland-Urlauber fährt oher Schmuckstein wieder nach Hause. Aber so einfach wie es klingt, läuft es eigentlich nicht. Erstens hat jede geschnitzte Form eine bestimmte Bedeutung und zweitens kauft man sich nach altem Maori-Brauch den Anhänger nicht selber, sondern bekommt ihn von jemanden geschenkt. Und weil der Matze immer schön artig war, immer schön brav sein Bier ausgetrunken hat und es nach dem projekt365 neue Herausforderungen zu bewältigen geben wird, gab es von der lieben Dina einen Anhänger in Form eines Beils mit intergrierter Spirale. Koru, wie die Spirale in Maori heißt, steht für Neuanfang und ist jungen Farnblättern nachempfunden, die sich im Entwicklungsprozess ausrollen und somit voll entfalten können. Und damit es beim Neuanfang auch alles rund laufen wird, gab es das Beil (Toki in Maori, Anm. d. Red.) gleich dazu, denn dieses steht für Stärke und Kraft und soll helfen Herausforderungen zu meistern. Matze hat sich sehr über das blumenjadene Stück aus der Werkstatt von Luke Leaf gefreut. 2010 kann kommen.

Was dann aber erst mal kam, waren die Gletscher. Wir waren ja schon in Argentinien auf dem Perito Moreno Gletscher, was für uns ein absolutes Highlight der ganzen Reise ist. Herrlicher Sonnenschein, eisblaue Gletscherseen und Whisky on the rocks zum Abschluß. Und am Franz Josef und Fox Gletscher? Regenwolken und dreckiges Eis. Trotzdem war die Tagestour auf dem Fox Gletscher, namens „The Nimble Fox“, schon einzigartig. Zum einen reicht der Regenwald bis an den Gletscher heran und zum anderen gibt es steil aufragende Eisspitzen zu sehen. Und überraschenderweise schimmert das Blau des Eises auch bei geschlossener Wolkendecke. Trotzdem waren wir nicht so von den Socken, wie noch damals auf dem Perito Moreno. Und damals war ja sowieso alles besser.

Feister Sonnenschein wäre schon was feines gewesen aber davon gibt es ja an der Westküste leider nicht so viel. Überhaupt haben wir dieses Jahr einfach Pech mit dem Wetter. Auch der gemeine Neuseeländer jammert, dass es zu kalt und zu regnerisch sei für diese Jahreszeit. Was tröstet sind die Wettermeldungen aus Deutschland. Also dann, immer schön ans Streusalz denken.





Hot in the city.

25 07 2009

Ort: Cartagena de Indias (COL)
Zeitunterschied: -7 Std. MEZ
Wetter: Hot in the city

Als wir in Cartagena aus dem Bus stiegen, sprang uns erst mal das Wetter mit vollem Anlauf ins Gesicht. 8:30 Uhr war es schon so unfassbar heiß und drückend, dass wir nach der kühlschrankkalten Nachtfahrt erst mal mit einem Temperaturunterschied von gefühlten 50 Grad klarkommen mussten. Puh, diese Karibik. Tagsüber 35 Grad, die sich nachts auf angenehme 27 abkühlen. Positiver Nebeneffekt des heißen Wetters ist allerdings, dass man auch gern mal ein oder zwei Knöpfe am Hemd mehr offen tragen kann, ohne komisch angeguckt zu werden.

Aufgrund der unolympischen Temperaturen waren leichte Aktivitäten angesagt. Aber wo kann man besser als in Cartagena durch eine außerordentlich gut erhaltene koloniale Altstadt flanieren und die stummen Zeugen der fast 500-jährigen Geschichte besichtigen. Cartagena de Indias, wie es ja eigentlich heißt, da die Spanier sich doch in einem anderen Teil der Welt wähnten, war ein Zentrum des Sklavenhandels und auch wichtiger Umschlagplatz für Waren (nicht nur des täglichen Bedarfs) für den europäischen Mutterkontinent. Sowas hat sich freilich auch bei Piraten wie Sir Francis Drake und Konsorten rumgesprochen und Cartagena war ein beliebtes Ziel für Angriffe und Plünderungen schätzesuchender Freibeuter. Natürlich ließen die Bewohner das nicht auf sich sitzen und es wurde um den Stadtkern ein mächtiger Schutzwall und mehrere Forts errichtet. Und genau innerhalb dieses Walls liegt eine wahre koloniale Perle Südamerikas.

Ein Meer aus kleinen Gassen mit farbigem Anstrich, der Parque Bolivar und das angrenzende Museum über die Inquisition mit ein paar schönen Folterinstrumenten und einem Galgen im Hinterhof, die „Plaza de Coches“, traditioneller Parkplatz für die Pferdekutschen, das „Portal de las Dulces“, wo auch heute noch süße, handgemachte Leckereien unters Volk gebracht werden und „Las Bovedas“, riesige Gewölbe in der Stadtmauer, die für militärische Zwecke und als Kerker genutzt wurden.

Doch besonders werden lässt die Stadt erst die Mischung ihrer Bewohner – eine Melange aus karibischen Ureinwohnern, schwarzen Sklaven aus Afrika und den spanischen Konquistadoren. Heute sieht man farbige Straßenverkäuferinnen, oft in prächtig gefärbte Textilien gehüllt, frisches Obst feilbieten; vor der Stadtmauer wird frischer Fisch eingeholt, die gediegeneren Damen der Stadt tragen weiße Leinen auf sonnengebräunter Haut, die Herren bevorzugen kurze Sommerhemden, mit bereits erwähnter offener Knopfleiste und sprießender Brustkatze; und wir sind unverkenntlich als Touristen in Shorts mit einem frisch gemixten Obstshake in der Hand zu erkennen. Wobei Obstshake wahlweise auch mit Eis oder Kuchen ausgetauscht werden kann.

Viel Müßiggang, gutes Essen und 3x Nachtisch am Tag sind ja bekanntlich sehr förderlich für die Bikinifigur, denn nicht vergessen, wir sind ja hier in der Karibik. Wobei die Strände um Cartagena nicht unbedingt auf Postkarten zu finden sind, da diese oft überfüllt und dreckig sind.

Die wahre Karibik mit Kokospalmen und weißen Sandstränden liegt dann doch etwas weiter östlich. Tja und deswegen geht es nach drei klimaanlagengekühlten Nächten hinter der Mauer ins kleine Fischerdorf Taganga. Bis dahin schwitzen wir uns die Bikinifigur auch wieder an.





Wind.

22 02 2009

Ort: Puerto Natales (CHL)
Zeitunterschied: MEZ -4 Std.
Wetter: wechselhaft mit Wind

Patagonien an der Magellanstraße ist noch sehr jung, gerade etwa 15.000 Jahre alt und hat eine sehr dünne Erdschicht. Im jetzigen Sommer fällt es der Sonne leicht diese schnell aufzuhitzen, was warme bodennahe Luft zur Folge hat. Der Humboldtstrom wiederum bringt kaltes Wasser aus dem antarktischen Meer und das ist nicht das einzige was kalt aus dem Süden kommt, nämlich kalter Wind. Trifft nun die kalte auf die warme Luft, wird die warme nach oben verdrängt und dort abgekühlt, was bewirkt, dass diese wieder in den Kreislauf eintritt. Und das bedeutet Wind. Verdammt viel Wind.

Warum die Gegend um Puerto Natales eine Wettervorhersage hat, weiß kein Mensch. Das Wetter ist so vorsehbar wie die Lottozahlen und so wechselhaft wie täglich Aprilwetter, da es sich wirklich alle 10 Minuten massiv ändern kann. Das einzige was hier beständig ist, ist eben der Wind. Verdammt viel Wind.

Doch der Reihe nach. Von Ushuaia ging es mit dem Bus nach Punta Arenas. Die selbsternannte Hauptstadt Südpatagoniens ist nicht wirklich eine Perle, nur das Museo Salesiano konnte Interessantes über die Ureinwohner und den Einfluß der ersten Missionare vermitteln. 2 Nächte waren genug. Die Türme riefen.

Und zwar die Torres del Paine, was soviel wie „Die blauen Türme“ heißt und ein bemerkenswertes Bergmassiv ist. Gleichzeitig standen sie Namenspate für den gleichnamigen Nationalpark in der Nähe der kleinen Stadt Puerto Natales, die quasi als Basecamp für Ausflüge in den Nationalpark dient. Und den werden wir ab Sonntag für 5 Tage bewandern.

Die Route, die wir zu gehen gedenken, nennt sich das „W“, da es in etwa die Form eines eben solchen hat. Und machen wir uns nichts vor, wir sind Amateure mit mehr Ausrüstung als Ahnung. Zum Glück gibt es jeden Tag den sogenannten „3 o’clock talk“ im Erratic Rock, einem Hostel in Puerto Natales, eine umfangreiche Frage- und Antwortstunde mit Rustyn einem passionierten Trekker und Herausgeber des Black Sheep, dem lokalen Traveller-Magazin. Nach 1,5 so unterhaltsamen wie informativen Stunden waren wir um einiges schlauer, um nicht zu sagen erleuchtet. Die Vielseitigkeit der 4 verschiedene Klimate im Nationalpark und das unkalkulierbare Wetter sind selbst für erfahrene Wanderer Neuland. Um es kurz zu machen, ohne diese Einweisung hätten wir alles falsch gemacht, was man hätte falsch machen können.

Nun haben uns nun mit Zelt, Isomatten, Kocher und Kochgeschirr, sowie reichlich Kalorien in Form von Müsli- und Schokoriegeln, Trockenobst, Nüssen, Instant-Nudeln und Tütensuppen eingedeckt, um am Sonntag für 5 Tage der Zivilisation den Rücken zu kehren. Also fast. Wir werden 2 Nächte für lau auf rustikalen Campingplätzen ohne alles campen und 2 Nächte auf privaten, organisierten Campingplätzen mit Duschen, Essmöglichkeiten, etc, unterkommen.

Insgesamt werden wir etwa 75 Km mit 10 Kg auf dem Rücken zurücklegen. Wir freuen uns auf unglaubliche Gletscher, Natur pur und viel Wind. Verdammt viel Wind.





Buenos Aires: Heiter bis wolkig

8 02 2009

Ort: Buenos Aires
Zeitunterschied: MEZ -3 Std.
Wetter: heiter bis wolkig
Stimmung: ausnahmslos heiter
 
 
Wir sind nun also da. Buenos Aires. Wie das schon klingt. Benannt nach der Heiligen Maria des Guten Windes, um sich bei der Anfahrt auf dem Seeweg für das günstige Wetter zu bedanken. Und in diesem feierlichen Rahmen möchte ich das auch gleich noch einmal tun. War der Empfang doch etwas feucht mit leichtem Nieselregen, strahlt die Sonne bis in die späten Abendstunden und verwöhnt mit sommerlichen Temperaturen. Die 27°C heißen hier auch wirklich 27°C und nicht 9°C jeweils früh, morgens und abends. Danke Maria. Die Kehrseite des guten Wetters heißt natürlich auch: es gibt Mosquitos und die Tauben scheißen von den Bäumen. Und wer durch die direkte Übersetzungen auf einen Luftkurort schließen möchte, wird bitterlich enttäuscht werden. Die EU Abgasnorm ist hier genauso bekannt, wie das Ansinnen Hundescheiße von der Straße zu räumen.

Wir sind im Sandanzas, einem kleinen Hostel in San Telmo abgestiegen. San Telmo ist der älteste Stadtteil von BsAs und einst Heimat der begüterten Bevölkerung, die aber nach einer Gelbfieber-Epidemie in den 1870er Jahren von ihnen verlassen wurde und so Platz für mittel- und ahnungslose Immigranten schuf. Heute ist dieser Stadtteil das was man Altstadt nennt und ebenso Heimat für Antiquitätenläden und geschichtsträchtige Restaurants wie für uns im Moment.

Darüber hinaus wussten zu gefallen: Palermo, der bürgerliche Viertel mit vielen Mode- und Designorientierten Läden, sensationellen Restaurants, wie dem Lelé de Troya oder der Boutique Del Libro, Recoleta, die elegante Upper Class Nachbarschaft, mit dem berühmten Friedhof, wo unter anderem auch Evita Peron begraben liegt und das Stadtzentrum, das natürlich ein Touristenmagnet aber auch Shopping- und Businesszentrale ist.

Doch neben der hauptberuflichen Tätigkeit als argentinische Hauptstadt, kann die Stadt einige Eigenheiten bzw. Ansonderlichkeiten aufbieten. Das benutzte Klopapier geht, wie auch in den meisten anderen Ländern Lateinamerikas, nicht in die Schüssel, sondern wird in einem separaten Eimer entsorgt. Hintergrund hier sind ganz trivial die zu engen Rohrsysteme bzw. die nicht dafür ausgelegte Kanalisation. Es war wohl zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar, dass das mal von Nöten sein könnte. Man kann maximal 320AR$ am Automaten ziehen, was bedeutet, dass man zumindest ein nerviges Problem hat, wenn man mehr als den Wahnsinnsbetrag von 70€ auf einmal benötigt. Die Zebrastreifen dienen in erster Linie dazu, dass man darauf aufmerksam gemacht wird, dass es keine Ampel gibt.

Und Fußball. Fanatische Fußballverehrung. Und das heißt in erster Linie El Diego und in zweiter Linie Boca Juniors. Es gibt zwar noch über 20 weitere Clubs aber blau-gelb vom Arbeiterclub Boca dominiert die Stadt. Der andere große Club heißt River Plate und den werden wir uns aufgrund der aktuellen Spielansetzung am Sonntag im Spiel gegen Santa Fe anschauen. Fußball ist Glaube. Fußball ist Religion. Fußball ist hier der reine Wahnsinn.

Das könnte auch der Grund sein, warum die Stadt der Porteños, wie die Einwohner der 13 Mio Metropole heißen, auch die höchste Psychoanalytikerdichte der Welt noch vor New York hat. Nach der nahezu durchgängigen Freundlichkeit der Londoner schlägt uns hier in den ersten Tagen eine Mürrischkeit entgegen, die trotz des guten Wetters, einer überlebten Rezession und unseren harten Devisen auf tiefgreifendere Probleme hinweist. Wir werden das beobachten.

Der Argentinier per se gehört ja auch nicht unbedingt zu den beliebtesten Bevölkerungsgruppen Lateinamerikas, da er doch sehr gern und vielleicht etwas übertrieben auf seine europäischen Wurzeln bzw. den großen Einfluß vor allem italienischer Einwanderer auf die eigene Kultur und sein Bewußtsein aufmerksam macht und so seine elaborierte Position gegenüber den anderen Mercosur-Staaten betonen möchte. So verabschiedet man sich eben auch nicht mit „Adios“ sondern mit „Ciao“.

Und trotzdem können die meisten Restaurants keine Pasta. Dafür aber Fleisch. Und zwar gegrillt in allen Variationen, von allen möglichen Tieren, von allen möglichen Körperteilen. Das ganze nennt sich dann Parrilla und erfreut sich breiter Beliebtheit. Die Essenszeiten varriieren hier auch leicht. Viele Restaurant schließen 17 Uhr und öffnen nicht vor 21 Uhr für das Abendmahl und das obwohl der Magen doch schon 18 Uhr schließt. Nach 3 Tagen setzt so langsam eine Fleischsättigung ein, da man ja auch nicht Häppchen vorgesetzt bekommt, sondern Portionen, die Kabel.1 eine XXL Reportage wert wäre und die feurige Salsa auf Dauer nicht sonderlich magenfreundlich ist.

Apropos Salsa (ein sensationeller Delling-Netzer-Übergang übrigens). Neben der besagten Würzsauce gibt es ja noch den gleichnamigen Tanz und wir kamen in unserem Hostel in den Genuss von Tanzstunden für lau. Oder sagen wir mal so, für jeden Außenstehenden war es sicher amüsant einen gestandenen Mitteleuropäer wie mich beim Versuch lateinamerikanische Rhythmen in anmutige Tanzschritte zu übersetzen, zuzusehen. Adriana, unserer Tanzlehrerin aus Kolumbien, konnte man sofort anmerken, dass sie den Salsa im Blut hat. Grazil, geschmeidig, rassig, so dass man sich sofort einen Caipirinha bestellen möchte. Dina ist ja mit südländischen Wurzeln gesegnet, was der Sache nicht unbedingt hinderlich war. Was mir blieb, war die Erkenntnis, das ich den besten Eindruck mache, wenn ich mit besagtem Caipirinha und meinem neuen Panama-Hut an der Bar stehe und unseren lateinamerikanischen Freunden freudig zuproste.

Und wo wir gerade bei rhythmischen Bewegungen sind. Am Samstag ging hier überraschend der Carnaval los. Eine größere Straße gleich bei uns um die Ecke wurde gesperrt, die Karnevalsvereine mit Mitgliedern aus allen Altersklassen wurden mit Schulbussen rangekarrt und es gab einen kleinen Umzug mit ausgelassenem Tanz und Musik. Sensationell. Zudem artete das ganze in eine Schaumschlacht aus, da es wohl zu den größten Vergnügen gehört sich mit dem Schaumschnee anzusprühen und dabei auch keine Passanten zu verschonen. Was für eine Sauerei.

Bis zum nächsten Mal. Ein Update aus BsAs wird es sicher noch geben, bevor es nächsten Samstag nach Feuerland ans Ende der Welt gehen wird.